Anfang 1987 erschien in einem österreichischen Verlag ein Sammelband mit dem Titel Das große Tabu. Österreichs Umgang mit seiner Vergangenheit. Als Herausgeber zeichneten ein Politologe sowie eine Historikerin, Anton Pelinka und Erika Weinzierl, verantwortlich. Mit ihrer Spannung verheißenden Veröffentlichung beabsichtigten sie,
"einen Beitrag zu der ,Trauerarbeit' zu leisten, zu der Alexander Mitscherlich die Deutschen aufgerufen hat und zu der sich die Österreicher offenkundig nicht mit der gleichen Deutlichkeit aufgefordert fühlten".2Dabei wollten die beiden auch über die Grenzen Österreichs hinaus bekannten Geisteswissenschaftler "aufklären", und zwar objektiv aufklären, wie sich präzisieren läßt.3 Der Obertitel ihres Buches erweist, daß sie damit auf die Beseitigung eines regelrechten in Österreich herrschenden - und auch von anderen Geisteswissenschaftlern behaupteten - langjährigen Tabus4 und dabei wiederum des großen bestehenden Tabus schlechthin abzielten. Genauer gesagt ging es ihnen um den vermeintlich ebenso problematischen wie falschen, ja potentiell gefährlichen Umgang mit der eigenen, also der österreichischen Vergangenheit. Dabei verwiesen sie auf die "auch österreichischen [...] Wurzeln des Nationalsozialismus",5 mithin auf ein Thema, das letztlich der Zeitgeschichte zugeordnet werden kann.6
Die Notwendigkeit, an der Zerstörung dieses Tabus zu arbeiten, sahen die beiden Wissenschaftler auch noch zehn Jahre später, als sie ihr Buch in einer unveränderten Neuauflage publizieren ließen7. Zwar hatte sich ihrer Auffassung nach in der Zwischenzeit diesbezüglich in Österreich "einiges" zum Positiven "geändert"; da aber die "Ursachen der Tabuisierung nach wie vor wirkten", könne ihre "Benennung [...] niemals überholt" sein.8
Wohlgemerkt machten Weinzierl und Pelinka ein solches Tabu nicht nur in der Bevölkerung im allgemeinen, sondern auch im "akademischen Bereich" im besonderen aus, obgleich sich die konstatierte Veränderung laut ihnen "vor allem" hier bemerkbar gemacht hat.9 Unausgesprochen dürften sie damit nicht zuletzt Historiker gemeint haben. Schließlich sind diese quasi von Berufs wegen mit der Untersuchung der Vergangenheit befaßt.
Diesen Befund haben unsere beiden Autoren keineswegs als erste formuliert.10 Ihm widerspricht aber zumindest auf den ersten Blick eine Äußerung Adam Wandruszkas aus dem Jahre 1990, die der mittlerweile schon seit einigen Jahren (1997) verstorbene Nestor der österreichischen Nachkriegsgeschichte nur wenige Jahre nach der Erstauflage des angeführten Sammelbandes im Rahmen einer Debatte "über Faschismus" tätigte:
"Uns [Österreichern] wird immer wieder vorgeworfen, die Österreicher hätten keinen Historikerstreit. Die Österreicher haben einen Historikerstreit seit dreißig Jahren, nur ist er nicht so spektakulär wie jener in der Bundesrepublik Deutschland."11Die grundsätzliche Berechtigung dieser speziell auf die "Diskussion über Faschismus" bezogenen Behauptung kann weder aus damaliger noch aus heutiger Sicht abgestritten werden. Denn zweifellos wurden in Österreich wenigstens seit 1960 historische Kontroversen über die nationale jüngere Vergangenheit ausgefochten, auch wenn ein "Historikerstreit" zuweilen vermißt beziehungsweise sein Entstehen erhofft und sogar vermutet wird.12 Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß manche dieser Auseinandersetzungen in gewissem Sinne tatsächlich kaum "tiefer reichen als ein oberflächliches ideologisches Hickhack".13 Insofern kann also mit Bezug auf die österreichische Geschichtswissenschaft nicht von einem Tabu und noch weniger von einem großen Tabu gesprochen werden.
Meine folgenden Ausführungen widmen sich dem Problem österreichischer zeitgeschichtlicher Historikerkontroversen. Dabei sei vorab dreierlei angemerkt: Erstens versuche ich, einen vergleichenden Blick zur Situation in der Bundesrepublik Deutschland im Auge zu behalten. Zweitens fasse ich den Begriff Kontroverse eher weit, verstehe darunter also nicht nur spektakuläre, auch öffentliches Aufsehen erregende Debatten, wie es etwa aus bundesdeutscher Perspektive für den Historikerstreit des Jahres 1986 gelten würde.
Drittens schließlich stellt sich die Frage nach dem Erkenntniswert meiner Darlegungen. Es kann nicht nur darum gehen, bundesdeutschen Historikern eine ihnen oftmals weitgehend unvertraute Thematik näher zu bringen. Denn die Situation beziehungsweise die Entwicklung der österreichischen Zeitgeschichtsforschung ist schon verschiedentlich Gegenstand von Betrachtungen gewesen. Entsprechendes ließe sich also leicht nachlesen. Besondere Erwähnung verdient die 1990 publizierte, in zwei Aufsätze aufgeteilte und als "Standortsbestimmung" intendierte Darstellung von Gerhard Botz ,Eine neue Welt, warum nicht eine neue Geschichte?'. Österreichische Zeitgeschichte am Ende ihres Jahrhunderts.14 Gerade ihr Tenor rechtfertigt aber, einen erneuten Versuch in dieser Richtung zu unternehmen. Botz' Ausführungen sind nämlich zwar sehr informativ und grundsätzlich neutral gehalten. Sie enthalten allerdings gewisse Einseitigkeiten, die mit der noch zu erörternden Politisierung der österreichischen Zeithistoriographie zusammenhängen.15
Nun bin ich zwar selbst österreichischer Staatsbürger, zugleich aber in Deutschland aufgewachsen und damit in der deutschen Wissenschaftslandschaft sozialisiert worden. Insofern werfe ich also eher einen Blick von außen auf das hier zur Debatte stehende Problem: Ein solcher Zugriff ist gewiß mit spezifischen Risiken behaftet, birgt jedoch aufgrund einer größeren Distanz auch spezifische Chancen für eine neutrale Beurteilung. Außerdem berücksichtige ich zahlreiche Aussagen insbesondere von Historikern, die im Zuge einer Analyse der Entwicklung der Zeitgeschichtsforschung in Österreich bisher - soweit ich sehe - völlig vernachlässigt worden sind. Gemeint sind umfangreich publizierte Diskussionsprotokolle, die im Rahmen zahlreicher Tagungen der sogenannten Wissenschaftlichen Kommission des Theodor-Körner-Stiftungsfonds und des Leopold-Kunschak-Preises zur Erforschung der österreichischen Geschichte der Jahre 1927 bis 1938 stattgefunden haben.16
Ich gehe in vier Abschnitten
vor: Zunächst (I) werfe ich zum besseren Verständnis des Nachfolgenden
einen kurzen Blick auf die konkrete Entwicklung der österreichischen
Zeitgeschichtsforschung. Danach (II) erläutere ich die angeführte
vergleichsweise starke Politisierung, um anschließend (III) die zitierten
Worte Wandruszkas näher zu analysieren. Zuletzt (IV) skizziere ich
Grundzüge besonders heftig diskutierter zeitgeschichtlicher Fragen.
Dabei richtet sich mein Augenmerk fast ausschließlich auf die Epoche
des sogenannten "Staates, den keiner wollte"17,
also auf die Erste Republik von 1918 bis 193818.
Diese Beschränkung hat mit Platzgründen sowie damit zu tun, daß
sich - wie noch erläutert wird - auch die zeitgeschichtlichen Analysen
und Debatten lange Zeit fast ausschließlich auf diese Jahre konzentrierten
beziehungsweise der "Abschied vom dominanten Bezug auf die erste Hälfte
des 20. Jahrhunderts"19
recht lange dauerte. Am Ende stehen zusammenfassende Überlegungen.
In Österreich hingegen schlug eine solche Geburtsstunde nach "Jahren des historiographischen Schweigens"21 frühestens Ende 1960. Im Dezember dieses Jahres trat in dem südwestlich von Wien gelegenen Reichenau die erste einschlägige "Expertentagung"22 zusammen, deren Ergebnisse in einer gut dokumentierten Veröffentlichung vorliegen23. Dort ging es aber zunächst einmal nicht zuletzt um die Frage einer etwaigen künftigen Institutionalisierung und Organisierung österreichischer zeitgeschichtlicher Forschung. So "fehlten" etwa noch "universitäre zeitgeschichtliche Institute",24 womit es auch weitgehend an der "universitären Verankerung der Zeitgeschichtsforschung" mangelte.25 Erst 1966 erfolgte die als "wichtiger Schritt im längeren Prozeß der Ausdifferenzierung des Faches Zeitgeschichte"26 beurteilte Gründung des ersten Instituts für Zeitgeschichte in Wien. Und es dauerte nochmals sechs Jahre, ehe die erste größere Tagung über das wenigstens aus damaliger Sicht dezidiert zeitgeschichtliche Thema Oesterreich 1927 bis 1938 abgehalten werden konnte.27
Für diese "relative"28 Verspätung zeichneten mehrere Gründe verantwortlich. Erstens wurden in der Bundesrepublik Deutschland die Archive vergleichsweise zügiger geöffnet und auch einschlägige zeitgeschichtliche Akten rascher publiziert.29 Dieser Punkt verdient Beachtung. Denn auch Österreich bildete ja seit März 1938 einen Teil des nationalsozialistischen Herrschaftssystems, in dem Österreicher überdies teilweise prominente Funktionen ausübten.30 In dieser Beziehung könnte der Österreich durch die alliierte Moskauer Deklaration vom 1. November 1943 zugewiesene Status als das "erste" durch die "Hitleraggression" besetzte "freie Land" und damit also als "Opfer"31 wirksam geworden sein. Diese Tatsache, die letztlich in der "Kernfrage" mündet, ob ",Auschwitz' als negativer Pol zur österreichischen Geschichte" gehört,32 wird uns im folgenden noch wiederholt beschäftigen.
Zweitens wurde die öffentliche Zugänglichkeit der Archive durch einen zunächst teilweise beharrlich ausgeübten bürokratisch-politischen Widerstand behindert, der sich offenbar vor allem auf Ebene der Länder bemerkbar machte.33 Doch auch auf Bundesebene trat in dieser Hinsicht erst 1966 "nach jahrelangem Tauziehen" und teilweise erst infolge eines "Gesinnungswandels in der Mentalität" der Archivare34 eine Änderung ein. Noch Anfang der siebziger Jahre konnte der damalige Geschäftsführer der Wissenschaftlichen Kommission Ludwig Jedlicka - der erste Historiker in Österreich überhaupt, der Zeitgeschichte lehrte - in dieser Hinsicht "noch immer [...] vorhandene [...] beträchtliche Schwierigkeiten" konstatieren. Folgt man Karl Stuhlpfarrer, so sind sie bis heute nicht vollständig ausgeräumt.35
Drittens ist im Zusammenhang mit der erwähnten Opferrolle die in Österreich auch unter Historikern weit verbreitete und im sogenannten kollektiven Gedächtnis partiell wohl recht tief verankerte Einstellung zu nennen, daß man sich eben als gleichsam anerkanntes Opfer nationalsozialistischer Expansion der Erforschung der eigenen näheren Vergangenheit nicht näher kritisch zuwenden müsse. Diese Einstellung hielt wenigstens bis Mitte der sechziger Jahre an.36 Dies gilt sowohl für die "allzu lange [...] vernachlässigten"37 Jahre des sogenannten Anschlusses38 zwischen 1938 und 1945, über die noch 1985 "nur wenig bekannt" war,39 als auch für die dahin führende Entwicklung. Mehr oder minder kollektivpsychologische Momente wie "Schuldabwehr"40 spielten hierbei sicher eine Rolle.41 Doch auch um eine möglicherweise bestehende eigene Verantwortung für die Vorgänge um den in wenigen Tagen im März 1938 durchgeführten sogenannten42 Anschluß selbst meinte man sich nicht allzusehr kümmern zu müssen. Vielmehr bezog man gerne "im allgemeinen" einen "Standpunkt der Selbstbemitleidung".43 Ob letztere freilich tatsächlich nicht selten an "Selbsthaß" im Sinne einer "schweren Identitätsstörung" grenzte, sei dahingestellt.44
Das Übergehen des Anschlusses verwundert: Denn schließlich stellt dieses Ereignis zweifellos eine "einschneidende Zäsur in der Geschichte Österreichs des 20. Jahrhunderts" dar45. Damit nicht genug, führt es zugleich "in das tiefste Dunkel unserer jüngsten Vergangenheit" hinein, wie zwei zeitweilige Geschäftsführer der angeführten Wissenschaftlichen Kommission, Rudolf Neck und Wandruszka, anläßlich der Publikation eines 1981 erschienenen Tagungsbandes mit dem einschlägigen Titel Anschluß 1938 feststellten.46 Dessen ungeachtet konnten die Herausgeber eines 1988 erschienenen Sammelwerks über NS-Herrschaft in Österreich zurecht, aber eigentlich "kaum glaubhaft" äußern, den "ersten Versuch österreichischer Historiker und Sozialwissenschaftler [...] einer Gesamtdarstellung" über diese Zeit "gewagt" zu haben.47
Außerdem war viertens der historiographische Blick noch immer stark auf die Zeit bis 1918 gerichtet. Dabei wurde unter anderem über die freilich noch immer aktuelle Frage diskutiert, ob die Habsburgermonarchie beziehungsweise Österreich-Ungarn nun ein "notwendiger Völkerverein", oder aber ein "Völkerkerker" gewesen sei.48 Im internationalen Vergleich dürfte diese Konzentration auf "weiter zurückliegende Epochen der Geschichte" wohl tatsächlich eher außergewöhnlich sein;49 die Situation im sogenannten Nachfolgestaat Österreich wird damit freilich relativ treffend beschrieben. Der für pointierte Formulierungen bekannte ehemalige Salzburger Ordinarius Fritz Fellner hat es sogar für "einer historischen Untersuchung wert" erachtet,
"nachzuforschen, ob es je ein anderes Staatsgebilde gegeben hat, das so ausschließlich mit dem Rücken zur Zukunft und dem Blick in die Vergangenheit begründet worden ist wie die Zweite Republik Österreich".50Freilich spielte bei dieser Hinwendung auf die Zeit vor 1918 wohl auch die Hoffnung mit, sich auf diese Weise eben gerade nicht mit der jüngeren und von der ersten Generation der Nachkriegszeithistoriker im Sinne von Hans Rothfels noch miterlebten Geschichte konfrontieren zu müssen.51 Dies könnte um so mehr der Fall gewesen sein, als man diese Geschichte eventuell auch mit zu verantworten hatte.
Diese vor langem auch schon von Botz geäußerte Vermutung52 erscheint um so berechtigter unter Berücksichtigung eines fünften Aspekts. Er betrifft die universitäre personelle Nachkriegssituation der österreichischen Geschichtswissenschaft. Zwar hat unmittelbar nach Kriegsende in diesem Bereich eine nicht unbeträchtliche Erneuerung stattgefunden; doch kehrten nicht wenige der von Entlassungen betroffenen Historiker später in ihr Amt zurück. Somit hatten in den ersten Jahrzehnten nach 1945 noch Historiker Schlüsselpositionen an Universitäten inne, die selbst in der Zeit davor entweder auch schon gelehrt, oder aber ihre universitäre Ausbildung erfahren hatten. Nicht alle von ihnen konnten aber aufrichtig an einer möglichst unvoreingenommenen Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit interessiert sein. Vielleicht wollte der längere Zeit auch als Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs fungierende Neck darauf anspielen, als er bei der "Begrüßung" der Teilnehmer der ersten Tagung der erwähnten Wissenschaftlichen Kommission "ganz erhebliche Widerstände" anmerkte",die Zeitgeschichte auch auf akademischem Boden gesellschaftsfähig zu machen".53
Inzwischen hat sich zumindest die beschriebene institutionelle Situation deutlich gebessert. Da wäre etwa das erwähnte, in Wien beheimatete und sich "bis in die 80er Jahre hinein"54 vorwiegend mit den "Entwicklungen und Konflikten in der Ersten Republik"55 beschäftigende Institut für Zeitgeschichte. Auch andere Institute beziehungsweise Lehrstühle widmen sich nunmehr zeitgeschichtlichen Fragestellungen.56 Zudem setzen sich manche außeruniversitäre Einrichtungen wie das Ludwig Boltzmann Institut für die Geschichte der Arbeiterbewegung und das 1963 ins Leben gerufene Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes mit speziellen zeitgeschichtlichen Problemen auseinander. Seit 1973 gibt es zudem ein einschlägiges Publikationsorgan mit dem Titel Zeitgeschichte.57 Überdies werden seit 1993 in zweijährigem Abstand sogenannte Österreichische Zeitgeschichtstage abgehalten. Sie sollen als "Standortbestimmung, Leistungsschau und Diskussionsforum" zugleich dienen.58 Es ließe sich noch manch anderes mehr anführen. Nicht zuletzt fällt dabei gerade im Vergleich mit der Bundesrepublik auf, daß die Zeitgeschichte in Österreich ein "gleichberechtigter Pflichtgegenstand im Studienplan Geschichte" ist.59
Man kann also durchaus von einem "Aufschwung der österreichischen Zeitgeschichtsforschung" sprechen, wie es Wolfgang Neugebauer, Wissenschaftlicher Leiter des erwähnten Dokumentationsarchivs, bereits 1987 getan hat.60 Ebenso trifft die Feststellung einer "seit einigen Jahren" bestehenden "Hochkonjunktur" der Zeitgeschichte zu,61 die ihrem "Schattendasein" ein allmähliches Ende bereitet hat.62 Dennoch haben es Zeithistoriker nach wie vor schwerer als anderswo, auch als in der Bundesrepublik. Dabei fällt einmal mehr die Quellenlage ins Gewicht. Der Wissenschaft stehen nämlich noch immer verhältnismäßig wenig publizierte Archivalien zur Verfügung, was Fellner bereits 1972 angemahnt63 und Neck gut zehn Jahre danach nochmals betont hat.64 Die Mitte der siebziger Jahre einsetzenden "Vorbereitungen für eine Aktenedition"65 auf "systematischer"66 und nicht auch von "politischen Motiven" gelenkter Basis67 kamen nur langsam voran. Dies gilt sowohl für innen- als auch für außenpolitische Materialien. Während die systematische Veröffentlichung innenpolitischer Dokumente immerhin schon 1983 einsetzte, trifft dies für außenpolitische Dokumente erst seit 1993 zu.68
Schließlich sind noch zwei weitere Hindernisse zu erwähnen, deren Auswirkungen freilich nur schwer einzuschätzen sind. Zum einen gibt es ganz einfach weniger Historiker und zum anderen sind die finanziellen Möglichkeiten etwa zur umfangreichen Publikation von Akten geringer. Das letztere Problem, auf das auch der in Salzburg lehrende Ernst Hanisch verweist69, spielte nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Tagungsbänden der Wissenschaftlichen Kommission eine Rolle.70 Es bewirkte aufgrund einer "völlig defizitären Gestaltung des Budgets"71 zeitweilig sogar eine "Unterbrechung" der Publikationstätigkeit von nicht weniger als "eineinhalb Jahren".72 Ein anderer Band konnte hingegen erst zehn Jahre nach Abhaltung der entsprechenden Tagung veröffentlicht werden.73 Dieses Manko wurde auch durch das Interesse ausländischer Historiker im allgemeinen und angelsächsischer Geschichtswissenschaftler im speziellen an österreichischer Geschichte nur partiell kompensiert.74
Angesichts all dieser Gegebenheiten war das Ziel der ersten größeren Tagung (1972) zu einem zeitgeschichtlichen Thema auch relativ bescheiden. Es ging zunächst darum,
"[...] einen Boden zu schaffen, auf dem wir miteinander über diese Dinge sprechen können, auf dem wir auch unabhängig von unserer persönlichen politischen Einstellung doch wissenschaftlich die Vergangenheit untersuchen können".75So formulierte es damals relativ zu Anfang des Symposiums Wandruszka. Zugleich gab er sich optimistisch, daß dies auch gelungen sei. Die Durchsicht der gedruckt vorliegenden Diskussionen zu den einzelnen Tagungsbeiträgen erweist freilich, daß der besagte Boden doch noch sehr brüchig war. Zwar konstatierte der an den Konferenzen des öfteren teilnehmende und auch als Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission fungierende76 Hans Mommsen ungeachtet "verschiedener" zutage getretener "Standpunkte" eine "fruchtbare [...] Diskussion".77 Aber mit Neck befürchtete immerhin einer der beiden Geschäftsführer der Wissenschaftlichen Kommission vorübergehend ein "Scheitern unseres Unternehmens".78 Dies begründete er mit dem Versuch, die "Kommission" in einen "Untersuchungsausschuß" umzufunktionieren, um "über die Vergangenheit Gericht zu sitzen". Diese Gefahr bestand durchaus, da sich die Kommission "mit umstrittenen und durch viele Jahre sogar heftig umkämpften Fragen der österreichischen Geschichte des letzten halben Jahrhunderts" beschäftigen mußte.79
Gegen Ende der Tagung artikulierte
Neck sogar seine "Überraschung, um nicht zu sagen, Schockiertheit,
über die emotionellen Entladungen, die sich hier namentlich in den
ersten Tagen [...] manifestierten".80
Dabei hatte er vorübergehend noch optimistischer geklungen, wenn er
es als "hervorstechendes Merkmal" betonte",daß sich der Zug der Sachlichkeit,
das Bestreben Emotionen abzubauen, mehr und mehr durchsetzt".81
Auch während anderer Symposien wurde die wissenschaftliche Debatte
durch emotionale Ausbrüche überlagert beziehungsweise letztere
spielten in diese Debatte mit hinein.82
Wiederum Neck ermahnte also nicht ohne Grund noch Jahre danach dazu - diesmal
konkret bezogen auf die Vorgänge um den Anschluß -, sich
bei Betrachtungen von "Emotionen" freizuhalten.83
So ist gar mancher Zeithistoriker parteipolitisch engagiert, vor allem in der ÖVP und SPÖ. Andere wiederum weisen wenigstens starke parteipolitische Affinitäten auf oder stehen bestimmten Interessenverbänden nahe.87 In Österreich weiß man oft, wer ein Schwarzer oder ein Roter ist. Dies gilt selbst für Fälle, in denen das jeweilige Parteibuch oder die jeweilige Nähe zu einer Partei nicht offen mit sich herumgetragen wird, wie es für das "deklarierte SPÖ-Mitglied" Helmut Konrad gilt, der in Graz Zeitgeschichte unterrichtet.88 Zudem verdankt manch ein Historiker seine Karriere auch einem bestimmten Parteibuch. Das in diesem Kontext einmal in Anspielung auf den österreichisch-ungarischen Dualismus nach 1867 geprägte und mehrfach verwendete Wort von den beiden "Reichshälften" - im übertragenen Sinne also Schwarze hier und Rote da - trifft den Sachverhalt sehr gut.89 Ungeachtet ähnlicher Beispiele auch in der bundesdeutschen historiographischen Wissenschaftslandschaft verweist diese Situation wohl doch auf einen signifikanten Unterschied.
Ein weiterer, wenngleich wohl weniger markanter Kontrast liegt in der aktiven Beteiligung von Historikern an Organisationen, die dezidiert gesellschaftspolitische Zielsetzungen verfolgen. So sind Weinzierl und Pelinka Mitglieder der Gesellschaft für politische Aufklärung, worauf sie im Vorwort ihres Sammelbandes auch ausdrücklich verweisen.90 Nun ist es legitim, sich etwa "jahrzehntelang Aufklärungsbemühungen [...] über die Vergangenheit der Österreicher in der NS-Zeit sowie ihrem alt-neuen Antisemitismus" zu widmen, wie es die einmal als "Mutter Courage der österreichischen Zeitgeschichte" bezeichnete91 "Historikerin und Geschichtsschreiberin"92 Weinzierl explizit für sich in Anspruch nimmt;93 und sollte die Beschäftigung mit Geschichte tatsächlich vorrangig dazu dienen, etwas aus der Vergangenheit zu lernen, so ist es ebenso legitim, den Versuch einer "Neutralisierung der ,Vergangenheit'" kritisch zu hinterfragen94 oder in "erinnernder Aufklärung [...] unserer Geschichte den Sinn eines Weges zur Freiheit in Europa zu geben".95
Es fragt sich aber, ob solche Bestrebungen - bewußt oder unbewußt - nicht immer auch von politischen beziehungsweise eben gesellschaftspolitischen und also nicht wissenschaftlichen Beweggründen genährt sind. Und vermögen letztere wiederum vermeintlich objektiv erbrachte historiographische Ergebnisse nicht in relevanter Weise subjektiv zu beeinflussen? Beschreibt zudem Pelinka seine rechtzeitig zum Jubiläumsjahr 1985 publizierte Schrift Windstille. Klagen über Österreich als einen "Versuch, subjektive Aussagen zu machen", so wäre daran nichts weiter auszusetzen. Doch aufhorchen läßt sein Zusatz, dies geschehe "in der Erkenntnis, daß Privates politisch ist"; in diesem Sinne solle sein Buch "auch [...] politikwissenschaftlich" sein".96 Aufhorchen läßt auch die Lektüre des sicherlich wohlgemeinten Satzes von Weinzierl:
"Nur eine Humanität und Solidarität vermittelnde Erziehung durch Elternhaus, Schule, Religionsgemeinschaften und Gesellschaft sowie die Kenntnis vergangener Schuld auch im eigenen Volk können auf lange Sicht eine Veränderung zum Besseren erhoffen lassen."97Aus Sicht der Bundesrepublik erstaunt auch die folgende Bemerkung der Herausgeber eines kürzlich erschienenen und nicht nur von Historikern bestrittenen Sammelbandes über NS-Herrschaft in Österreich: Die einzelnen Autoren würden "unterschiedliche politische Positionen" vertreten.98 Zwar wird des weiteren die "Gemeinsamkeit" unter anderem der "Orientierung an Demokratie und universellen Menschenrechten" betont; doch abgesehen davon, daß dies eigentlich ebenso selbstverständlich sein sollte wie die ebenfalls postulierte generelle "rückhaltlose Ablehnung des Nationalsozialismus", darf eines gefragt werden: Kann die Orientierung an Demokratie im Rahmen einer wissenschaftlich-historischen Analyse nicht dazu führen, etwaige bestehende demokratische Defizite zu übersehen oder geringzuschätzen?
Nicht minder verwundert das Editorial zum ersten publizierten Heft der Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften von 1990: Laut den Herausgebern geht es bei diesem Unternehmen "nicht" um die "Durchsetzung einer bestimmten Richtung innerhalb der Geschichtswissenschaften".99 Ganz überzeugend wirkt diese Versicherung aber nicht: Denn zugleich wird ein die "geistige Arbeit zunehmend hemmendes [...] wirkungsmächtiges humanistisch-staatskonsensuales Geschichtsbild" konstatiert, was immer das auch sein mag. Dieses wollen die Herausgeber nichts weniger als "von innen erodieren". Somit mag die Zeitschrift also "nicht an [...] eine [...] politische Organisation gebunden" sein, wie es weiter heißt100. Dennoch bleibt der Verdacht einer politischen Absicht bestehen. Wie wir nämlich weiter lesen, würden "die alten und die neuen Brücken-Metaphern" bezüglich der "Beschwörungen der Mittlerrolle Österreichs zwischen ,Ost' und ,West'" nach wie vor der "Verschleierung politischer Herrschaft und materieller Interessen" dienen.
Der Verdacht der Politisierung erhebt sich freilich auch bei der Betrachtung der Zielsetzungen, welche die Mitglieder der Wissenschaftlichen Kommission mit ihren Veröffentlichungen verfolgten: Sie waren nicht nur zur "Grundlage" und als "Anregung für die weitere Forschung gedacht", sondern sollten zugleich "eine Hilfe für die Bildung des staatsbürgerlichen Bewußtseins, namentlich für die Jugend und für den Unterricht an den Schulen, darstellen"101. Kann bei einem solchen Unterfangen die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit nicht wenigstens hin und wieder Schaden nehmen?102
Schließlich - und nicht zuletzt - manifestiert sich die Politisierung in der aus deutscher Sicht durch lange Zeit ungewöhnlich stark ausgeprägten aktiven Beteiligung von Politikern an historiographischen Diskussionen. Sie erfolgte nämlich nicht nur mittels der Medien oder des parlamentarischen Podiums. Vielmehr partizipierten Politiker auch unmittelbar an Tagungen zur Zeitgeschichte, worüber noch zu sprechen sein wird. Überdies waren sie auch direkt institutionell in die Organisierung zeitgeschichtlicher Forschung eingebunden. Dies läßt sich wiederum besonders klar am Beispiel der zeitweise mehr als 40 Mitglieder umfassenden Wissenschaftlichen Kommission aufzeigen, der durch lange Zeit so etwas wie ein "Monopol zur Abhaltung zeitgeschichtlicher Symposien" zukam.103
Eigentlich sollte diese Kommission "ursprünglich [...] nur" mit Historikern - auch mit solchen internationaler Herkunft104 - besetzt werden, wie Neck relativ zu Anfang ihrer Tätigkeit meinte.105 Dann aber "kam der Gedanke" auf, sie zudem mit "Publizisten und Politiker[n]" zu bestücken, wie er hinzufügte. Über die hierfür verantwortlichen Motive ließ er sich nicht näher aus. Doch dürften hierfür drei Momente ausschlaggebend gewesen sein: Erstens die enge Verflechtung der Historie mit der Politik, zweitens die finanzielle Abhängigkeit der Geschichtswissenschaft von der Politik und drittens das vielleicht sogar von "weiten Teilen [...] der österreichischen Geschichtsschreibung"106 geteilte Verlangen nach einer Art von "Koalitionsgeschichtsschreibung"107: Seine Ursprünge lagen bereits recht lange zurück108, wobei man den Prinzipien des "Proporzsystems" gehorchte109. Den polemisch intendierten, aber doch nicht von der Hand zu weisenden Worten eines betroffenen Historikers folgend, sollte damit letztlich das kommende historiographische Ergebnis herbeigeführt werden:
"[...] na ja, wir haben alle geirrt und daher ist es schief gegangen."110Mit anderen Worten und ebenfalls polemisch ausgedrückt: Es ging darum, die historische "Verantwortung" für das Scheitern der Ersten Republik "ganz gerecht auf zwei Teile aufzuteilen"111. Diese "Koalitionsmentalität auf dem Geschichtssektor"112 war aber verbunden mit der Erteilung "bestimmter Fragegebote und -verbote"113, mit der Vermittlung von "Mythen, Halbwahrheiten und Nachkriegstabus"114 sowie mit der auch offen eingestandenen Aufgabe",einen Beitrag zur Bewältigung der Vergangenheit zu leisten"115. Konnte letzteres allerdings bei einer gewissermaßen paritätisch besetzten Kommission und bei gleichermaßen paritätisch beschickten Tagungen wesentlich anders als im Sinne einer Teilung der Schuld zu gleichen Teilen geschehen, vorausgesetzt, daß die kommissionelle Zusammenarbeit erfolgreich fortgeführt werden sollte? Nicht umsonst deutet Hanisch die von der Wissenschaftlichen Kommission geleistete "Arbeit" zwar als "ausgezeichnet" in der "Tatsachenrekonstruktion", kritisiert sie aber als "reinste Form der Koalitionsgeschichtsschreibung".116 Wandruszka hat die Existenz einer solchen Form von Historiographie allerdings positiv von der zuvor bestehenden "hagiographisch-apologetisch" orientierten Historiographie abgehoben.117 Doch war er einer der vermeintlich Hauptverantwortlichen einer solchen Art von Geschichtsschreibung.118
Die von universitärer Seite wenigstens vereinzelt auch beklagte119 Beteiligung insbesondere von Politikern an der Wissenschaftlichen Kommission hat der Politisierung unzweifelhaft Vorschub geleistet. Die Tagungen gerieten dadurch partiell zu einer "Arena von Politik und ,Zeitgeschichte'", wie Botz treffend bemerkt hat.120 Eine Durchsicht der Protokolle deutet darauf hin, daß dies insbesondere in den ersten Jahren der Tätigkeit dieser Kommission der Fall war. Von parteipolitischer Seite aus wurde der Geschichtswissenschaft sogar nahegelegt",gewisse heikle Probleme wie etwa die Südtirolfrage" aus der Betrachtung "auszuklammern"121.
Doch noch in anderer Hinsicht und zu einem viel späteren Zeitpunkt läßt sich ein möglicherweise problematischer Nexus zwischen universitärer Historiographie einerseits und bestimmten politischen Positionen andererseits annehmen. Dies zeigt etwa eine Äußerung Franz Schausbergers, prominenter Politiker der Österreichischen Volkspartei und Historiker (Dozent in Salzburg) in einer Person. 1993 erschien seine Studie über die sich bereits 1932 anbahnende innenpolitische Wende mit dem bezeichnenden Titel Letzte Chance für die Demokratie. Schausberger widmete sie dem, wie er schrieb",großen Politiker und Förderer der Zeitgeschichte, Herrn Landeshauptmann a. D. Dr. Wilfried Haslauer"122. Doch in welcher Form ist diese Förderung erfolgt? War sie völlig ergebnisoffen? Und wurden diejenigen, die bei ihren Arbeiten von dieser Förderung profitierten, nicht wenigstens unbewußt von den Wünschen ihrer christlich-sozialen Förderer beeinflußt?
Solche Fragen stellen sich nun auch mit Blick auf die als "erster Band einer Reihe über die Geschichte der christlich-sozialen Parteien" publizierte123 und von dem der ÖVP nahestehenden Karl-von-Vogelsang-Institut herausgegebene Untersuchung Schausbergers. Dieses Institut will nämlich unter anderem das "Gedenken an verdienstvolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ÖVP" bewahren, wie es auf seiner Homepage heißt.124 Erteilt der Autor zugleich der bisherigen "wissenschaftlichen" Beschäftigung mit Engelbert Dollfuß kein gutes Zeugnis, weil sie ihm "bis heute von starken parteipolitischen Ressentiments belastet zu sein scheint",125 so fällt zweierlei auf: Erstens macht er solche Ressentiments lediglich bei "sozialdemokratisch orientierten Zeitgeschichtlern" aus, wobei nicht zuletzt infolge einer nicht zu übersehenden ",Geschichtslosigkeit' der ÖVP als Nachlaßverwalterin des christlichsozialen Lagers"126 in der Tat "Arbeiten christlich-demokratischer Provenienz" über Dollfuß "kaum" existieren;127 und zweitens weist er die "Hauptverantwortung" für das Scheitern der letzten Chance für die Demokratie den Sozialdemokraten zu.128
Allerdings gilt es bei aller kritischen Beurteilung doch eines festzuhalten: Die Politisierung der historiographischen Debatte wurde durch die aktive Beteiligung von Politikern verschiedener Couleur zweifellos begünstigt. Doch waren viele Beiträge von Historikern ohnehin politisiert beziehungsweise parteipolitisch gefärbt, oder aber nicht frei von aus wissenschaftlicher Sicht fragwürdig erscheinenden Einschätzungen. Dies sei im folgenden zunächst kurz ausgeführt.
Da ist etwa das Beispiel von Botz, der das Wiener Institut für Zeitgeschichte leitet. In einem längeren Beitrag aus dem Jahre 1994, basierend auf einem 1987 gehaltenen Vortrag, hat er sich mit Krisen der österreichischen Zeitgeschichte auseinandergesetzt. Seine Abhandlung ist über weite Strecken neutral gehalten, verschiedene Positionen werden eher referiert denn beurteilt, geschweige denn abgeurteilt. Dies gilt selbst für Aspekte, die zu einer pointierten Stellungnahme geradezu herausfordern, zumindest aus Sicht eines Historikers, der sich zweifellos den Postulaten einer sogenannten kritischen Geschichtsschreibung verpflichtet fühlt. Doch wenigstens an einer Stelle vermag Botz seine Perspektivität nicht ganz zu verleugnen, wenn er nämlich den sogenannten ",Ständestaat'" (1934 bis 1938) als "autoritär-halbfaschistisch" etikettiert.129 Immerhin gibt er zu, daß die "Benennung" dieses Regimes "bis heute stark divergiert".130
Andere legen in dieser Beziehung weniger wert auf Nuancen. Nehmen wir zunächst das Beispiel des Politologen Emmerich Tálos. Er schreibt heutigen "Aussagen" über "Austrofaschismus" aufgrund der relativ weiten zeitlichen Distanz einen "wohl" geringeren "Grad an Vorläufigkeit" zu als etwa entsprechenden "Einschätzungen über aktuelle Entwicklungsprozesse".131 Zwar hat er noch jüngst den Terminus ",Austrofaschismus'", wie er ihn gebraucht, ausdrücklich als einen "nicht [...] aus parteipolitischer Auseinandersetzung abgeleiteten Begriff", sondern als ein "Ergebnis der Forschungsarbeit" bezeichnet;132 nicht nur er133 verschweigt jedoch, daß nach wie vor umstritten ist, ob es überhaupt so etwas wie Austrofaschismus gegeben hat, und wenn, wie stark dieser ausgeprägt war: "Es gab keinen ,Austrofaschismus'", diese apodiktische These des ehemals der Christlichsozialen Partei nahestehenden Ludwig Reichhold134 dürfte Faschismustheoretiker an die eine singuläre, auf Italien eingeschränkte Faschismustheorie favorisierende Aussage What fascism is not135 erinnern. Der in Wien lehrende Tálos übergeht diese These jedoch. Aber es handelt sich hierbei offenbar nicht um ein Versehen. Denn auch anderswo spricht er von einem "austrofaschistischen Herrschaftssystem" und einem "Austrofaschismus".136
Nicht anders hält es der in Salzburg lehrende und insbesondere Regionalgeschichte betreibende Historiker Hanns Haas, wenn er unkommentiert vom "austrofaschistischen System" und von der "faschistischen Führungsschicht" spricht.137 Und sein Kollege Neugebauer konstatiert ohne weiteres ein "faschistisches Herrschaftssystem"138, nachdem er immerhin kurz zuvor den Begriff austrofaschistisch noch mit Anführungszeichen versehen und "wesentliche Unterschiede zwischen Austrofaschismus und Nationalsozialismus" festgestellt hat. Um so mehr springt ins Auge, daß sich die angeführten Charakterisierungen allesamt in einem Sammelband finden, dessen Herausgeber Tálos, Reinhard Sieder, Hanisch und Neugebauer sich "sachliche Information" ihrer Leserschaft zum Ziel gesetzt haben.139 Besonders aufschlußreich erscheint in diesem Zusammenhang das diesem Werk beigefügte Stichwortverzeichnis: Dort finden sich zwar die Einträge Austrofaschismus und Ständestaat; doch unter dem letzteren Begriff wird nur auf den Eintrag Austrofaschismus verwiesen.140
Nicht unerwähnt bleiben soll, daß auch die - heute gebräuchlichere - Bezeichnung Ständestaat nicht ohne ideologische Anklänge ist; schließlich übernimmt man damit die Selbstbezeichnung des - auf dem ahistorischen Konstrukt der "Stände" basierenden - Staatkonzepts des christlichen Ständestaats bzw. versucht, was gleichfalls als ideologisch motiviert kritisiert wird, die Etikettierung Faschismus bewußt zu umgehen. Die Einwände, die man nicht nur gegen die Klassifizierung als Austrofaschismus, sondern auch gegen den Gebrauch der Bezeichnung Ständestaat vorbringen mag, führen nur um so deutlicher vor Augen, wie wenig es der österreichischen Zeitgeschichtsforschung bis heute gelungen ist, eine klare und allgemein akzeptierte Bezeichnung für diese Jahre zu finden. Dazu paßt, daß der Dozent für Geschichte und Wissenschaftsphilosophie Friedrich Stadler "Ständestaat/Austrofaschismus" als auswechselbare Termini verwendet.141
Alles in allem bleibt festzuhalten: Botz stellte zwar 1990 lediglich für die Anfänge zeitgeschichtlicher Analysen und Diskussionen "manchmal wenig gezügelte politische Interpretation" fest.142 Doch scheinen gerade die zuletzt erwähnten Beispiele - der angeführte Sammelband stammt von 2001 - die nach wie vor bestehende Gültigkeit einer recht resigniert klingenden Äußerung Hanischs aus dem Jahre 1988 zu bestätigen:
"Nicht neue Quellen, neue Fragen und Personalisierung des Disputes bestimmen die Frontstellung, sondern die alten parteipolitischen Fragmentierungen, bestenfalls neu aufpoliert."143Zugleich wird so begreiflich, warum demselben Autor nur drei Jahre zuvor der "politische Auftrag" der "wissenschaftlichen" österreichischen "Zeitgeschichte" darin zu liegen schien",sich zunächst von der Sphäre der Politik möglichst fern zu halten".144 Ihm zufolge ging es damals darum",Zeitgeschichte als Wissenschaft, d. h. entsprechend dem theoretischen und methodischen Standard der modernen Geschichtswissenschaft, überhaupt erst voll zu entwickeln".
"Uns [Österreichern] wird immer wieder vorgeworfen, die Österreicher hätten keinen Historikerstreit. Die Österreicher haben einen Historikerstreit seit dreißig Jahren, nur ist er nicht so spektakulär wie jener in der Bundesrepublik Deutschland."145Wie gesagt, treffen diese Worte grundsätzlich zu. Sie bedürfen jedoch in vierfacher Hinsicht einer Präzisierung und teilweise auch einer Korrektur.
Erstens wird der österreichische Historikerstreit Wandruszka zufolge offenbar besonders hartnäckig geführt. Denn er dauert laut ihm ja seit nicht weniger als dreißig Jahren an. Dieser Feststellung ist nur beizupflichten, und zwar nicht nur mit Bezug auf die Diskussion über Faschismus, auf die sich Wandruszkas Worte ja allein beziehen. Hier sind nicht zuletzt die Ereignisse des Februar 1934 zu erwähnen, als gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen nicht unbeträchtlichen Teilen der sozialdemokratisch engagierten Arbeiterschaft einerseits und staatlichen Kräften andererseits ausbrachen. Die auch nachträgliche "Brisanz"146 dieser Ereignisse, die gleichsam die "Schlußphase der Ersten Republik [...] markierten",147 war groß. 1974 wurden sie sogar zum Gegenstand einer eigenen Tagung der Wissenschaftlichen Kommission gemacht. Damals meinte Neck unter Verweis auf den "40 Jahre danach im großen und ganzen überwundenen [...] amerikanischen Bürgerkrieg", daß auch "wir [...] in Österreich" - mithin auch die Historiker - "uns" von dem "Trauma des Februar 1934 freimachen sollten".148 Folgt man freilich Hanisch, so hatte diese Aufforderung bestenfalls sehr bedingt Erfolg. Ihm zufolge wurde nämlich noch 1985 immer dann "losmoralisiert", wenn "das Jahr 1934 auftaucht".149
Zudem liegt in dieser langlebigen Hartnäckigkeit wenigstens partiell ein deutlicher Unterschied zur bundesdeutschen Situation. Hier haben sich etwa die im Zusammenhang mit der sogenannten Fritz-Fischer-Kontroverse einst hochgehenden Wogen mittlerweile weitestgehend geglättet, obgleich die Sache noch immer nicht entschieden ist. Aus einer früher noch unbewältigten Vergangenheit scheint nun endgültig vergangene Geschichte geworden zu sein, an die man sich ohne politisch oder sonstwie bedingte Emotionen heranwagen kann.150
In Österreich hingegen vermag etwa die Frage nach dem möglichen faschistischen Charakter des sogenannten Ständestaates, die "so alt wie dieser selbst" ist,151 nach wie vor heftigen Streit und "emotionale Ausbrüche"152 hervorzurufen. Nicht anders verhielt es sich durch lange Zeit mit den "prinzipiell kontrovers" diskutierten Ereignissen des Februar 1934.153 Und die zuletzt deutlich wahrnehmbare Verlagerung der Forschungsinteressen auf die Zeit nach 1938 beziehungsweise 1945 ist nicht auf einen endlich erreichten historiographischen Konsens über die Entwicklung der Ersten Republik zurückzuführen.
Zweitens erwecken Wandruszkas Worte den Eindruck, als hätten die Historikerkontroversen in Österreich nichts - wie in der Bundesrepublik - mit der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft zu tun. Durch lange Zeit traf dies auch zu, konzentrierten sie sich doch, wie angedeutet, auf die Erste Republik. Dies hängt zum einen mit der erwähnten Opferthese zusammen, deren Verfechter im Anschluß ein ausschließlich oder doch vorrangig vom Deutschen Reich "erzwungenes" Ereignis sahen und sehen.154 Diese Einstellung avancierte für viele österreichische Staatsbürger zu einer Art "Staatsdoktrin"155 beziehungsweise zur "Gründungsthese"156 der Zweiten Republik. Sie wurde aber teilweise "instrumentalisiert" , wie der in New Orleans unterrichtende, aber eng mit österreichischer Zeitgeschichte befaßte Günter Bischof 1993 bemerkt hat157. Dabei ging es eben darum, sich mit der Zeit des Anschlusses möglichst wenig auseinandersetzen zu müssen. Bischof und andere sprechen hierbei sogar von einem regelrechten "Opfermythos"158, andere vom "Gründungsmythos".159 Er mag zwar mittlerweile in der Tat "zum Stereotyp geronnen" sein und "keine wissenschaftliche Kreativität mehr enthalten". Aber unbestreitbar haben Historiker an ihm selbst eifrig mit gestrickt.160
Zum anderen kommt hier wohl teilweise ein Generationsproblem zum Tragen.161 Um dies zu verstehen, sei ein weiteres Zitat Wandruszkas angeführt, das ebenfalls von 1990 stammt:
"Ich bin kein Theoretiker und möchte mich nicht in den Methodenstreit der jüngeren Kollegen, die diese Zeit nicht unmittelbar miterlebt haben, einmischen, sondern ich möchte Beiträge geben, die Sie vielleicht für ihren Streit verwenden können, wie die Menschen, nämlich die führenden Leute in Österreich, damals diese Diskussion gesehen haben."162Diese Worte erscheinen mir in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Erstens spricht aus ihnen zumindest indirekt die Anschauung, daß Mitlebende (und Mitleidende) besser als Nachgeborene wissen, wie es eigentlich gewesen, um das berühmte Wort Leopold v. Rankes zu zitieren; daß mehr oder weniger endlose und fruchtlose theoretische Diskussionen aufhören könnten, würden letztere doch einfach nur zeitgenössische Äußerungen ernst, das heißt beim Wort nehmen. Dazu paßt auch, daß Wandruszka in einer Diskussion darum "bat", sich "einmal nicht als Historiker, sondern als Zeitgenosse zum Wort melden zu dürfen"163. Gewiß hat er hiermit indirekt ein grundlegendes Problem einer jeden - und nicht nur zeitgenössischen - Geschichtsschreibung angesprochen. Hanisch hat diesen Aspekt prägnant auf den Punkt gebracht. Ihm zufolge "wimmelt" es bei zeitgeschichtlichen Betrachtungen einerseits "von selbsternannten Fachleuten".164 Jeder, der das Zeitgeschehen bewußt miterlebt habe, fühle sich dazu berechtigt",darüber zu reden, zu schreiben, zu urteilen".165 Andererseits aber kritisiert er die von ihm als "penetrant" gebrandmarkte "Besserwisserei des nachgeborenen" Historikers.
Wandruszka befand sich in dieser Beziehung jedoch gewissermaßen in einer Zwitterstellung. Denn der 1914 geborene Historiker analysierte historische Vorgänge der Ersten Republik nicht nur aus wissenschaftlicher Perspektive, sondern auch als Zeitgenosse. Somit ging es also auch um die Aufarbeitung seiner eigenen Geschichte, und zwar in einem ganz besonderen Sinne: Er neigte nämlich vor und auch noch nach dem Anschluß wenigstens phasenweise - und nach einer eher linken Periode166 - nationalsozialistischem Gedankengut zu. Sein vorübergehendes Wirken als "illegaler Nationalsozialist"167 hat er zwar nicht geleugnet; aber konnte ihm die Trennung von zeitgenössischem Erleben und nachträglicher historischer Beurteilung wirklich gelingen?168 Diese Frage stellt sich um so dringender, als es die österreichische "Historikerzunft" - und damit auch Wandruszka - durch lange Zeit "verabsäumt" hat",die von ihr selbst vielbeschworene Vergangenheitsbewältigung im eigenen Bereich systematisch zu leisten".169
Dies verweist auf eine weitere Überlegung. Wandruszka war in den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit nicht irgendein österreichischer Historiker, sondern einer der bedeutendsten und zugleich auch einflußreichsten Vertreter seiner Zunft. Einmal abstrahiert von seiner Person fragt sich generell, inwiefern die nach Kriegsende durch lange Zeit festzustellende starke historiographische Vernachlässigung der Jahre 1938 bis 1945 nicht auch aus bestimmten Machtpositionen innerhalb der universitären Historikerzunft resultiert sein könnte. Insofern mag sie weniger "erstaunlich" sein, als es zunächst den Anschein haben mag.170 Dies gilt um so mehr, als "viele" der nach Kriegsende "anfangs entlassenen Lehrkräfte nach einigen Jahren wieder an die Stätte ihres Wirkens zurückgekehrt sind".171 Manche Wissenschaftler nehmen einen solchen Zusammenhang an.172 So hat Bischof vor gerade neun Jahren die "jungen Zeithistoriker" zu einer Entlarvung der "offiziellen Geschichtsmythen" aufgefordert - ein Unterfangen, das ihnen ungerechtfertigt "zum Vorwurf gemacht" und als ",Nestbeschmutzertum'" angekreidet werde,173 zugleich aber konstatierte er eine "tiefer denn je" auftretende "Kluft zwischen Zeitzeugen und der Fachwissenschaft [womit Bischof aber nur ,nachgeborene Zeithistoriker' meint]"174 und betonte überdies die "Wichtigkeit", der ",revisionistischen' Literatur in Schulen und auf Universitäten zum Durchbruch zu verhelfen".175
Seine in diesem Zusammenhang geäußerte "Skepsis" mag mittlerweile zumindest mit Blick auf die Geschichte der Ersten Republik nicht mehr wirklich "am Platz" sein. Zwei Jahrzehnte früher war sie für diese Epoche aber noch sehr wohl angebracht. Dazu muß an dieser Stelle die Äußerung eines Teilnehmers an der ersten zeitgeschichtlichen Tagung von 1972 genügen. Ihr Verlauf brachte den sozialistisch orientierten und auch historische Studien verfassenden Schriftsteller Otto Leichter nämlich "absolut zu der Überzeugung", daß
"eine Aussicht auf eine wissenschaftliche und durchdringende Darstellung der Geschichte nur möglich ist, wenn wir Alten darauf verzichten, die Dinge zu wiederholen und es den jungen Gelehrten überlassen, mit einem frischen Geist an die Dinge heranzutreten".176Aufschlußreich erscheinen in dieser Beziehung auch Bemerkungen der beiden Herausgeber des fünften, 1979 publizierten und speziell den Ereignissen des 15. Juli 1927 gewidmeten Bandes der Wissenschaftlichen Kommission: Wie seine beiden Herausgeber, Wandruszka und Neck, richtig schreiben, handelte es sich hierbei wenigstens damals noch um ein "emotional angereichertes Thema".177 Bei den Diskussionen hierüber sei ein "auch schon früher bemerktes Phänomen in Erscheinung" getreten: Die "miterlebenden älteren Jahrgänge" hätten sich "viel mehr engagiert als die jungen Zeithistoriker". Sie hätten auch in der Diskussion "kühler und gelöster" gewirkt.178
Noch ein drittes Moment erscheint an Wandruszkas Zitat einer Erörterung bedürftig. Laut ihm war der Historikerstreit in Österreich "nicht so spektakulär" wie in Deutschland. Damit wollte er wohl entweder auf die geringere Resonanz der einschlägigen Debatten innerhalb, oder aber außerhalb der Geschichtswissenschaft anspielen. Beides trifft insgesamt zu. Aber wenigstens während zweifelhafter Jubiläumsjahre wie 1984 (1934) und 1988 (1938) wurde vor allem öffentlich und unter reger Beteiligung von Publizisten und Intellektuellen ausgiebig über die nationale Vergangenheit gestritten.179 Warum man hierfür vielleicht nicht zufällig die etwas euphemistisch und je nach persönlichem Geschmack auszulegenden Bezeichnungen wie "Bedenkjahr" oder "Gedenkjahr"180 gefunden hat, darüber darf spekuliert werden.
Viertens schließlich
suggerieren Wandruszkas Worte, als habe es in Österreich nach 1945
nur einen einzigen zeitgeschichtlichen Historikerstreit gegeben, eben die
Diskussion über Faschismus. Dies würde einen merklichen
Unterschied zur Situation in der Bundesrepublik bilden, obgleich man dort
ja speziell einer dieser Kontroversen das Etikett Historikerstreit
verliehen hat. Tatsächlich aber kam es seit Anfang der siebziger Jahre
auch in Österreich zu einer ganzen Reihe von teilweise heftig ausgefochtenen
historiographischen Debatten. Sie bezogen sich wiederum lange vor allem
auf die Epoche der Ersten Republik. Doch spätestens seit dem
aufgrund der damals entfachten Waldheimaffäre etwas verkürzend181
als "anno mirabilis" der österreichischen Zeitgeschichte bezeichneten
Jahr 1986 änderte sich die Perspektive. Nunmehr wurde der Blick verstärkt
auf die bis dahin weitgehend als integraler "Teil der österreichischen
Geschichte" ausgeblendeten, oder aber hauptsächlich auf die preußisch-deutsche
Unterdrückung reduzierten Jahre 1938 bis 1945 gerichtet. Deshalb
kann auch die noch 1998 geäußerte These, diese Jahre seien "totgeschwiegen"
worden,182
so nicht stehen bleiben. Die besagte Neuorientierung evozierte wiederum
neue und "leidenschaftlich"183
geführte historiographische Auseinandersetzungen. Und so konnte Botz
1989 von einer "auch in Österreich ins Rollen gekommenen Historikerkontroverse"
sprechen.184
Wandruszkas These läßt sich somit wenigstens in dieser Schärfe
nicht aufrechterhalten. Dies gilt selbst bei einer zeitlichen Beschränkung
auf die Erste Republik.
Der erste Komplex betrifft die innenpolitische antidemokratisch orientierte und nicht selten als "verhängnisvoll"185 beurteilte Wende der Jahre 1933/34, mithin die Etablierung des bereits erwähnten Ständestaates. Traditionell weisen Historiker diesem Prozeß besonders große historische Bedeutung zu. Botz erblickt hierin das "zentrale Problem der neuesten österreichischen Geschichte überhaupt",186 Hanisch die "schlechthin wichtigste Frage der österreichischen Zeitgeschichte".187 Schon lange zuvor hat Neck die Jahre 1932 bis 1934 als die "schwerste Periode der Ersten Republik" eingeschätzt.188 Ungeachtet dessen bildete diese Phase 1984 "noch immer" ein "unbekanntes Phänomenen der jüngeren Vergangenheit" und wurde damals nicht zuletzt deshalb einer eingehenden Analyse unterzogen.189
Konkret wurde und wird zunächst darüber gestritten, welcher der beiden damals führenden politischen Kräfte für die Etablierung des ständestaatlichen Regimes die Hauptverantwortung zukommt: den von dieser Wende ja insbesondere profitierenden konservativen Kräften, sprich zunächst vor allem der Christlichsozialen Partei, oder aber der neben anderen politischen Kräften unter dieser Wende leidenden Linken, sprich den Sozialisten? Die hierüber entbrannte Debatte erfolgte ungeachtet der erkenntnistheoretisch nicht unplausiblen Auffassung Wandruszkas, keiner könne auf die "grundsätzliche Frage, warum die Demokratie zusammengebrochen ist, [...] Antwort geben" oder hierfür gar ein "Patentrezept nennen".190 Mommsen hat diese "seit jeher im Blickfeld".191 stehende Kontroverse im Rahmen einer einschlägigen Tagung einmal treffend (und mit warnendem Unterton) als "innenpolitisch" motivierte "Republikschuldfrage" charakterisiert.192 Ebenso läßt sich hier von einem "leidenschaftlich" geführten "Spiel freigebiger Schuldzuweisungen" sprechen, so Hanisch vor einigen Jahren in seiner in Österreich einiges Aufsehen erregenden und "kontroversiell"193 aufgenommenen umfangreichen Darstellung zur Österreichischen Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert mit dem bezeichnenden Titel Der lange Schatten des Staates194.
Dabei sehen eher konservativ orientierte Historiker die Verantwortung für die damaligen Vorgänge eher geteilt. Manchmal schreiben sie ihnen gar Züge einer "griechischen Tragödie" zu, die dann nicht nur im Untergang der Ersten Republik mündete, sondern vielmehr "unvermeidlich" darin münden mußte.195 Dies manifestiert sich besonders in Überlegungen, die Wandruszka 1972 auf der ersten von der Wissenschaftlichen Kommission abgehaltenen Tagung geäußert hat: In Reflexionen über Die Erbschaft von Krieg und Nachkrieg in Österreich kam er zu dem Ergebnis,
"daß bei aller Anerkennung menschlicher Willensfreiheit und auch des Elements des Zufalls im einzelnen, das geschichtliche Handeln der Menschen doch weitgehend bereits durch eine vorgesehene Ausgangssituation, durch ,das Gesetz, nach dem sie angetreten', bestimmt ist".196Demgegenüber leugnen eher links orientierte Historiker eine Mitverantwortung der Sozialdemokratie zwar gemeinhin nicht.197 Sie kritisieren beispielsweise den "Verbalradikalismus führender sozialdemokratischer Funktionäre"198",gewisse ideologische Momente im Austromarxismus", die der Chance der Bildung einer "Koalition" mit den Christlichsozialen entgegenstanden,199 sowie die nach 1927 "verstärkte Militarisierung" des Republikanischen Schutzbundes, der eine Art paramilitärische Organisation der Sozialistischen Partei darstellte;200 insgesamt aber setzen sie die Gewichte bei der Frage der "Verantwortungszuschreibung" sehr anders.201
Entsprechend "wehren" sie sich im allgemeinen "aufs entschiedenste gegen [...] die Theorie von der geteilten Schuld"202 (zuweilen sogar gegen die Behauptung auch nur einer "Mitschuld") und stempeln solche Thesen auch schon einmal als "völlig falsch" ab203. Und gerade mit Blick auf die prozessuale Wende der Jahre 1933/34 erheben sie gegenüber ihren Kontrahenten den bereits problematisierten Vorwurf, eine "Koalitionsgeschichtsschreibung" betreiben und im öffentlichen Bewußtsein verankern zu wollen204. Im Rahmen darüber stattfindender Diskussionen wurde - allerdings von politischer Seite aus - nichts weniger als die These einer bewußt geförderten "Geschichtslüge von der sogenannten ,geteilten Schuld'" proklamiert205. Mit diesem Verdikt gemeinte Kollegen wie Wandruszka stritten - gewissermaßen im Gegenzug - strikt ab, daß ihre Analysen von einer "Koalitionsideologie"206 genährt würden. Dies bezeugt eindringlich die emotionale Brisanz dieses Themas. Schon alleine aufgrund seiner Komplexität, letztlich also infolge geschichts- beziehungsweise erkenntnistheoretischer Erwägungen, dürften hierüber auch "künftige Diskussionen" kein "übereinstimmendes Urteil" erbringen.207 Die emotionale Komponente mag allerdings mit zunehmendem Zeitabstand geringer werden.
Die Frage der Verantwortung für die sogenannte autoritäre Wende bildet aber nur einen unter mehreren heftig diskutierten Aspekten der Jahre 1933/34. Beispielsweise wird intensiv und zugleich emotional sowie mit verhärteten Fronten darüber gestritten, ob es sich bei dieser Wende um eine aufgrund der gegebenen innenpolitischen Verhältnisse - Stichwort Unregierbarkeit - praktisch unvermeidliche "Notlösung", oder aber nicht vielmehr um einen gezielt angestrebten "Eigenweg" zu einer Diktatur handelte?208 Diesen Aspekt, der eng mit dem soeben eingehender erörterten Punkt zusammenhängt, lasse ich hier aber aus Platzgründen beiseite.209
Statt dessen wende ich mich nun, zweitens, einer anderen Debatte zu. Sie kreist um die Frage, inwiefern es im Österreich der Ersten Republik faschistische Bewegungen beziehungsweise Regime gegeben hat.
Die Beantwortung dieser Frage hängt naturgemäß sehr davon ab, was man unter Faschismus versteht.210 Zwar kam es in Österreich kaum zu allgemeinen "Diskussionen über Faschismustheorien", deren Vermeidung auch angemahnt wurde,211 wahrscheinlich, um ebenso unendlichen wie fruchtlosen polemisch-politischen Debatten aus dem Weg zu gehen. Doch kann generell gesagt werden, daß Befürworter einer generisch orientierten Faschismustheorie bestimmten politischen Bewegungen der Ersten Republik oft faschistische Züge zuschreiben. Umgekehrt lehnen Verfechter einer singulär orientierten Faschismustheorie solche Etikettierungen im allgemeinen ab. Dabei neigen politisch eher links stehende Historiker gemeinhin generischen Faschismustheorien zu, während politisch eher rechts stehende Historiker häufig singulär angelegte Faschismustheorien favorisieren.
Die Kontroversen über die Existenz oder Nicht-Existenz eines "Austrofaschismus" beziehungsweise eines regelrechten ",austrofaschistischen' Herrschaftskomplexes"212 entzünden sich besonders mit Blick auf zwei historische Phänomene, nämlich die Heimwehr und das aus der Wende von 1933/34 hervorgegangene ständestaatliche Regime.
Zunächst zur Heimwehr, eine "aus den bürgerlichen und bäuerlichen Selbstschutzorganisationen der ersten Nachkriegszeit, aus den Abwehrverbänden gegen die Angriffe der Jugoslawen im Süden entstandene" und in ihrer Zusammensetzung äußerst "heterogene"213 Bewegung. Unter Verweis auf die Mitte der achtziger Jahre publizierte und bisher einzige umfassend angelegte Studie über die Heimwehr (Walter Wiltschegg) warnte etwa Wandruszka 1990 davor, sie als halbfaschistisch oder auch nur als faschistoid zu bezeichnen, wie es etwa der Zeitgeschichtler Karl Haas getan hat.214 Allenfalls Züge eines ",Möchtegernfaschismus'" oder eines ",Maulfaschismus'" wollte ihr Wandruszka zugeschrieben wissen.215 Damit hat er seine Beurteilung gegenüber früheren Jahren zwar nicht unbedingt modifiziert;216 er fällte sie jedoch ungeachtet der sicher auch ihm bekannten Tatsache, daß mit Ernst R. Fürst Starhemberg niemand geringerer als der Führer der Heimwehr dieser Bewegung das Etikett ",Austrofaschismus'" verliehen hat.217 Ja, Wandruszka selbst hat diesen Mann einmal als "Faschisten" charakterisiert.218
Hanisch hingegen spricht ohne Wenn und Aber von der "faschistischen Heimwehr",219 sein ehemaliger Kollege Neck konstatierte gleichfalls ohne Einschränkung eine "faschistische Machtergreifung" der Heimwehr "im Bereich der Länder und der Gebietskörperschaften".220 Botz bezeichnet diese Bewegung als ",Konkurrenzfaschismus'"221 und charakterisierte sie bereits Anfang der siebziger Jahre nicht weniger als "im vollen Sinne" des Wortes "faschistisch".222 Daran hat sich auch später nichts geändert.223 Der einst in Salzburg lehrende Historiker, der einmal eine "zunehmende Faschisierung Österreichs" schon in den zwanziger Jahren konstatierte,224 steht aber politisch ebenso eher links wie Neck. Dies gilt letztlich wohl auch für Hanisch, der freilich im allgemeinen vergleichsweise differenziert argumentiert. Dies unterscheidet ihn etwa von einem Kollegen wie dem Historiker Wolfgang Maderthaner: Er setzt zwar - bezogen auf den Ständestaat - den Begriff ",Austrofaschismus'" in Anführungszeichen,225 schreibt dafür aber der Heimwehr eine "dezidiert faschistische Programmatik" zu.226 So sieht es wohl auch der bis vor kurzem am Wiener Institut für Zeitgeschichte unterrichtende Anton Staudinger: Ihm zufolge hat sich die Heimwehr "zunehmend in Richtung Faschismus [...] emanzipiert".227
Auch bezüglich der Einordnung des Ständestaates verlaufen die historiographischen Fronten oftmals entlang der politischen Einstellungen.228 Das Beispiel der beiden zuvor genannten Historiker Wandruszka und Botz erweist dies eindringlich: Wandruszka beurteilt diese Herrschaftsform als eher gemäßigt-autoritär,229 Botz hingegen zwar nicht als faschistisch im "engeren" Sinne, aber doch als "halbfaschistisch-autoritär",230 als "eher" eine "Kombination von Faschismus und traditioneller konservativer Diktatur".231 Außerdem bezeichnet er den Ständestaat im Gegensatz zu einer "faschistischen Diktatur" wie den Nationalsozialismus zwar als "eher traditional-autoritäres" Regime, das aber doch eine "Reihe faschistischer Merkmale" aufwies.232 Zuweilen vermerkt er auch nur ein "stark von faschistischen Vorbildern beeinflußtes autoritäres Regime".233
Auch der ebenfalls links orientierte und inzwischen emeritierte Wirtschaftshistoriker Norbert Schausberger erkennt im Ständestaat "typisch faschistische Merkmale".234 Dabei hebt er speziell auf die laut ihm bereits unter Bundeskanzler Dollfuß praktizierte "Strafsanktionierung der Gesinnung" der Bürger ab. Besonders signifikant erscheint, daß Neck im Zusammenhang mit dem seiner Meinung nach von der "Arbeiterschaft" geleisteten "Widerstand" gegen den "Faschismus" ausdrücklich die Bemerkung für notwendig erachtet",dieses Wort ohne jede Abwandlung zu benützen".235 Dies zeugt wohl von dem Bewußtsein, hiermit ein heißes Eisen angepackt zu haben.236
Immerhin stehen nicht zuletzt in dieser Frage manche Urteile der eigentlichen politischen Position des jeweiligen Autors eher quer entgegen: So spricht Pelinka vom "autoritären Ständestaat".237 Der eigentlich wohl eine generische Faschismustheorie vertretende Hanisch238 erblickt zwar in Dollfuß "vom Typus her" eher keinen ",Faschisten'",239 sieht im Ständestaat aber doch faschistische Elemente als gegeben an: So weiß er von "Ritualen" bei der Vaterländischen Front",die in der Massenliturgie des Faschismus üblich waren",240 und spricht auch vereinzelt vom "Austrofaschismus",241 wobei er diesen Begriff nicht immer in Anführungszeichen setzt.242 Diese, alles in allem etwas uneinheitliche Argumentation belegt freilich lediglich, wie schwer es ist, den Ständestaat auch nur einigermaßen zuverlässig in eine politische Systemtheorie einzuordnen, will man sein Wesen nicht in der einen oder anderen Richtung "verfälschen".243
Ich komme damit zum dritten Fragekomplex. Er steht im Zusammenhang mit dem Anschluß. Eine hierbei kontrovers diskutierte Frage lautet: Hätte in den entscheidenden Märztagen unter allen Umständen militärischer Widerstand geleistet werden müssen?
In diesem Kontext herrscht über einen Punkt weitestgehend Einigkeit: Ein solcher Widerstand wäre aller Wahrscheinlichkeit nach allenfalls im "Anfangsstadium", höchstens einige Tage lang, erfolgreich,244 "à la longue" jedoch mit Sicherheit "hoffnungslos" gewesen.245 An der schließlichen Heimkehr der Ostmark ins Reich hätte er mithin nichts zu ändern vermocht. Dies wird zum einen mit der eigenen militärischen Unterlegenheit begründet. Zum anderen erhebt sich hier die von Norbert Schausberger während einer einschlägigen Tagung über den Anschluß 1938 zurecht formulierte Frage nach der "internationalen Reaktion [...] im Falle eines österreichischen Widerstandes".246 Freilich bildet dies prinzipiell eine "Hauptfrage", wie er hinzusetzte, die seine Kollegen aber bezeichnenderweise nicht weiter aufgriffen. Sie erblickten hierin wohl eine Frage rein rhetorischer Natur: Das insbesondere ins Gewicht fallende Verhalten der Regierungen in Rom, London und Paris würde auch im Falle eines militärischen Widerstandes durch passive Hinnahme des nationalsozialistischen Vorgehens gekennzeichnet gewesen sein.
Weitestgehend Konsens besteht deshalb auch über den "einzigen Zweck" eines mit militärischen Mitteln geleisteten Widerstandes: Er hätte "Österreichs Ruf in der Nachkriegszeit verbessert", wie es Gordon Brook-Shepherd noch vor rund einem Jahrzehnt unwidersprochen im Kreis österreichischer Kollegen formuliert hat.247
Anders formuliert: Wäre es gleichsam "symbolisch"248 beziehungsweise aus moralischen Gründen in jedem Falle notwendig gewesen, militärischen Widerstand zu leisten? Genau hieran scheiden sich die Geister. Schon 1978 wurde dazu von politischer Seite aus im Rahmen einer einschlägigen Diskussion beinahe resignierend gemeint, man sei "schon wieder einmal bei der alten Frage, über die wir uns leider nicht einigen können".249 Und noch 1994 konnte auch von historiographischer Seite aus Hanisch diese Frage als "umstritten wie eh und je" bezeichnen.250
Wir sehen: Bei dieser Problematik geht es nicht um die Suche nach unmittelbar wirksamen Handlungsalternativen. Zur Debatte stehen vielmehr die möglichen Auswirkungen der damaligen passiven Tolerierung des deutschen Einmarsches auf das internationale Ansehen Österreichs und das eigene Selbstverständnis in der Nachkriegszeit. Wie also "würde Österreich nach 1945 international dagestanden sein, wenn es Widerstand gegeben hätte"?251
Abgesehen davon, daß ja bereits die angeführte Opferthese die "internationale Position Österreichs" in der Nachkriegszeit positiv begründet hat,252 resultieren die hierzu vertretenen, weit in den Bereich kontrafaktischer Geschichtsschreibung hineinreichenden Auffassungen nicht aus wissenschaftlichen, sondern vielmehr aus Erwägungen moralischer beziehungsweise moralisch-politischer Natur. Dabei plädieren linksstehende Historiker gemeinhin für einen unbedingt zu leistenden militärischen Widerstand. Zumindest aber erachten sie es für erforderlich, die Frage nach dem Sinn eines solchen Widerstandes ernsthaft zu erörtern: Neben Norbert Schausberger253 ist hier beispielsweise Eduard März zu nennen: Der mittlerweile verstorbene Wirtschaftshistoriker konstatiert die "Notwendigkeit" eines Widerstandes am "12. März [...], selbst wenn er aussichtslos erschienen" wäre.254 Schließlich sei auch der "Widerstand der Sozialdemokraten im Februar 1934" aussichtslos erschienen, aber "dennoch von den größten Folgen für die Moral der Arbeiterbewegung in den späteren Jahren" gewesen. Einen "ähnlichen" moralischen Schub vermutet März aber nun auch für "Österreich" im Falle eines im März 1938 geleisteten Widerstandes. Ganz ähnlich argumentiert der einst in Rouen lehrende Felix Kreissler unter Anführung des Beispiels der "im illegalen Kampf" agierenden "Widerständler der Jahre 1938 und 1939".255
Wandruszka hingegen beurteilte die damaligen "Möglichkeiten" der Regierung als "doch sehr, sehr beschränkt".256 Entsprechend nennt er die Skizzierung alternativer Handlungsoptionen "unnütze Gedankenspiele" und indirekt eine Suche nach Wundern (ähnlich auch Weinzierl257). Dies "müssen wir als Historiker sagen".258 Bezeichnete es dabei Neugebauer ausdrücklich als "seltsam", daß Wandruszka seine "eigene Meinung als die Meinung der Historiker angeben" würde,259 so bezeugt dies den hohen Grad an Emotionalisierung der Debatte.
Zwei weitere Momente verschärfen die Kontroverse noch zusätzlich: Zum einen wird den Soldaten - ungeachtet einer partiell bereits stattgefundenen nationalsozialistischen Unterwanderung von Teilen des Heeres - im allgemeinen Widerstandsbereitschaft attestiert, zum anderen wollten Teile der österreichischen Führung damals durchaus Widerstand leisten.260 Dies gilt insbesondere für den Generalstabschef Alfred Jansa - zweifellos eine "Schlüsselfigur" für einen potentiellen österreichischen Widerstand261 - sowie für Staatspräsident Wilhelm Miklas. Die militärische Widerstandsmöglichkeit kann also nicht nur als eine nachträglich von gleichsam besserwisserischen Historikern konstruierte Handlungsalternative abgetan werden. Sie bildete eine durchaus real bestehende Option, deren Erfolgsaussichten freilich äußerst gering gewesen sein dürften.
Dies wirft nun wiederum eine weitere Frage auf: Wer hat es letztlich zu verantworten, daß die Truppen in den Kasernen verharrten und der schon fertige Mobilmachungsbefehl in der Schublade blieb beziehungsweise erst verspätet herausgegeben wurde: Norbert Schausberger schreibt Bundeskanzler Kurt Schuschnigg hierfür einmal sogar nicht weniger als die "alleinige" Verantwortung zu.262 Er habe nicht nur "neutrale Militärs" in entscheidenden Stellen plaziert, sondern zugleich Jansa in den Ruhestand geschickt,263 hiermit "eine rein politisch" - und also eben nicht moralisch-symbolisch motivierte - "Entscheidung" getroffen und schon seit seinem Treffen mit Adolf Hitler am 12. Februar auf dem Obersalzberg "nicht mehr kämpfen" wollen.264 Eine Rolle spielte hierbei laut Schausberger auch ein "verhängnisvolles Stück Deutschnationalismus"265, worauf wir noch zurückkommen werden.
Vor diesem Hintergrund beurteilt Schausberger auch Schuschniggs Entschluß, die von dem Kanzler eigentlich für den 13. März anberaumte Volksbefragung266, in der die Bevölkerung über die Unabhängigkeit ihres Landes befinden sollte, doch noch abzusagen. Auch mit Blick auf diese vermeintlich "selbstmörderische Niederlage"267 meint niemand, daß ein Festhalten an dieser "Flucht nach vorne"268 den Vollzug des Anschlusses hätte verhindern können. Dennoch sehen manche Historiker in der Annullierung der Befragung einen folgenreichen Fehler. Die Meßlatte bilden dabei einmal mehr die daraus resultierenden, angeblich negativen Folgen für das moralische Ansehen Österreichs, wobei sich die Argumentationslinien größtenteils erneut mit den politischen Standpunkten decken.
Abschließend sei hierzu noch eine weitreichende Gemeinsamkeit zwischen Befürwortern und Gegnern eines Widerstandes hervorgehoben: Unter der Prämisse, den Anschluß eventuell doch noch zu verhindern, hätte dieser Widerstand beiden Lagern zufolge wesentlich früher als im März 1938 einsetzen müssen. Gemeinhin werden das von Berlin mit großem Nachdruck geforderte und forcierte Juliabkommen von 1936 beziehungsweise die rund sechseinhalb Monate "vor dem Abschluß des Vertrags mit Deutschland"als "letzter" möglicher "Zeitpunkt" genannt269 und sein Abschluß als die wichtigste "Zäsur" zum Schlechteren beurteilt.270 Dies gesteht selbst März zu.271
Doch auch in dieser Beziehung sind die Fronten eher verhärtet. März zufolge hätte Schuschnigg "schon damals die Alternative eines bewaffneten Widerstandes gegen Hitlerdeutschland in Betracht ziehen", wenn nicht sogar umsetzen "müssen".272 Zwar wären "wir dann sehr wahrscheinlich auf den Füßen stehend und kämpfend untergegangen, aber [...] die Geschichte hätte dann wohl doch etwas anders ausgeschaut". Denn dadurch wäre "der übrigen Welt klar vor Augen geführt worden [...], daß der sogenannte Anschluß ein Gewaltakt und kein Akt der brüderlichen Vereinigung war".273 Andere lehnen solche Überlegungen, die nicht selten in Schuldzuweisungen zu münden drohen,274 als fruchtlose Wenn-und-Aber-Gedankenspielereien ab. Sie beurteilen die außenpolitische Lage des Kanzlers schon damals als im Grunde genommen zu aussichtslos, um einen Widerstand rechtfertigen zu können, der eventuell militärisch-zivile Opfer kosten würde.275
Auf den ersten Blick scheint auch Neugebauer eine solche Position zu vertreten, erachtet er die damalige "außenpolitische Situation Österreichs" doch als "ziemlich hoffnungslos".276 Dennoch will er die "austrofaschistischen Machthaber" nicht aus ihrer "großen historischen Verantwortung [...] entlassen", für die er wiederum "in erster Linie Schuschnigg selbst" haftbar macht: Die Regierenden hätten den "Untergang Österreichs" nicht weniger als "leichtfertig" herbeigeführt und "schließlich kampflos vor dem ärgsten Feind des österreichischen Volkes kapituliert".277 Obsiegt hier nicht doch subjektive politische Anschauung über das Streben nach objektiver historischer Beurteilung? Dies gilt um so mehr, als Neugebauer eine völlig undifferenzierte Lobeshymne auf die "Arbeiterbewegung" anschließt: Sie sei "in allen ihren Teilen" zur "Verteidigung der Unabhängigkeit Österreichs" bereit gewesen.278
Die Widerstandsfrage wird noch in anderer Hinsicht kontrovers diskutiert: Wie steht es nämlich mit einem genuin österreichischen Widerstand gegen die Herrschaft des Nationalsozialismus in Österreich? Gab es überhaupt einen spezifisch österreichischen Widerstand, wie Hanisch einschlägige Überlegungen einmal überschrieben hat?279 Dies bildet zugleich den vierten Komplex, der hier kurz angerissen werden soll. Seine Brisanz resultiert nicht zuletzt aus der einmal als "Magna Charta der Zweiten Republik" bezeichneten Moskauer Deklaration.280 Darin wurden die Österreicher nämlich nicht nur als Opfer bezeichnet, sondern auch zur Leistung eines "selbständigen Beitrags" zu ihrer Befreiung aufgerufen.281 Niemand bestreitet, daß ein solcher Beitrag geleistet worden ist. Doch gehen die Meinungen weit darüber auseinander, wie stark er war und ob er stark genug war.
Viel hängt hierbei von dem jeweiligen Verständnis von Widerstand ab: Dem Emigranten Klemens von Klemperer zufolge hat er zum größten Teil "individuell", aber kaum als regelrecht organisierte "österreichische Widerstandsbewegung", und in dieser Hinsicht allenfalls in Form von "kleinen Gruppen" existiert.282 Der in München eine Professur für Internationale Politik bekleidende Gottfried-Karl Kindermann hingegen bezeichnet ihn in direkter Abgrenzung von v. Klemperer als "eine ganz gewaltige historische Leistung".283 Hier verlaufen die Fronten einmal mehr parallel zu politischen Positionen: Zudem wird insbesondere von stark links orientierter - speziell politischer - Seite ein "bewußtes Unterspielen der Rolle der Kommunisten" beklagt.284 Nimmt es da Wunder, daß von politisch rechter Seite aus eine gezielte Vernachlässigung des konservativen Widerstands kritisiert wird?
Ich habe zuvor das Problem des Deutschnationalismus erwähnt. Damit ist indirekt auch schon die Essenz des fünften und letzten Komplexes angesprochen, den ich erörtern will: Er betrifft die Einstellung der österreichischen Bevölkerung im allgemeinen und von Regierungskreisen im speziellen gegenüber einem Anschluß und die hierfür verantwortlichen Motive.
Dabei dreht sich die Debatte zunächst darum, wie viele Österreicher für einen Anschluß waren. "Exakte" Zahlen hierüber werden wohl niemals auch nur annähernd zu liefern sein:285 Erstens fehlen entsprechende Umfragen, zweitens hat Schuschnigg seine Volksbefragung ja abgeblasen und drittens kann die von Hitler am 10. April durchgeführte Volksabstimmung nicht als frei bezeichnet werden.286
Für den März 1938 wird aber oft mit nur rund 30-40 Prozent Befürwortern eines Anschlusses kalkuliert. Deshalb führt Hanisch Hitlers triumphalen und nicht nur bestellten beziehungsweise angeordneten Empfang auf einen "kollektiven Orgasmus" zurück, der nicht mit "Zustimmung zum Nationalsozialismus verwechselt werden" dürfe.287 Gerald Stourzh konstatiert ein vorübergehendes "massenpsychologisches ,Umkippen'".288 Ganz ähnlich spricht v. Klemperer von einer "Massenpsychose": Ihr könne man nicht mit "Mitteln einer rationalen, auf Sozialanalyse beruhenden Prozentrechnung beikommen".289 Zudem wird betont, daß die mit dem Anschluß verknüpften Hoffnungen bald Ernüchterung gewichen seien. Kritiker einer solchen Deutung nennen die erwähnten Zahlenangaben eine "müßige Spekulation".290 Sie deuten die bei Hitlers Blumenfeldzug vielfach auch über nationalsozialistische Kreise hinaus herrschende Begeisterung als klares Zeichen für tiefer gelegene, mental bedingte Zustimmungsmotive. Dies mag erklären, warum etwa Botz das ",Ja'-Ergebnis von 99 Prozent" der Hitlerschen Volksabstimmung zwar einerseits "terroristischer Einschüchterung" zuschreibt, sie aber zugleich "als Ganzes" für "durchaus nicht gefälscht" erachtet.291
Worin sollen diese tieferen Motive nun aber bestanden haben? Hier wird häufig der seit dem Zusammenbruch des Habsburgerreiches grassierende Glauben geltend gemacht, das als Rumpfstaat empfundene Österreich sei wirtschaftlich auf sich alleine gestellt nicht überlebensfähig.
Das Gewicht dieses Motivs, das allerdings durchaus unterschiedlich begründet gewesen sein kann,292 leugnen auch jene nicht, die ihm lediglich sekundäre Bedeutung zuweisen. Ein prominenter Zeitgenosse wie der Sozialistenführer Victor Adler hat nun einmal seine Forderung nach einer freilich zumeist relativ föderativ ausgeprägten "Angliederung" an Deutschland - etwa in Form eines "Sonderbundstaates" - nicht nur unter dem unmittelbaren Eindruck des Endes der Doppelmonarchie insbesondere mit einem bestehenden ökonomischen "Zwang" begründet.293 Doch wird in dieser Beziehung manchmal die Konstruktion einer regelrechten "Legende" und deren bewußte Instrumentalisierung vorgeworfen. Dabei soll es darum gehen, die entscheidenden Anschlußmotive zu verschleiern, nämlich "Existenzängste"",Heimatlosigkeit" sowie den Wunsch nach wiederhergestellter "politischer Größe".294 Vor allem jedoch sollen viele Österreicher während der gesamten Epoche der Ersten Republik ein ethnisch-kulturell begründetes Gefühl der Zusammengehörigkeit mit den Deutschen empfunden haben, das bis in die höchsten Regierungsspitzen hinein reichte.
In letzterer Hinsicht wird dann gerne auf die nicht zuletzt von Schuschnigg favorisierte und propagandistisch geförderte Vorstellung vom sogenannten zweiten und angesichts der Verhältnisse im Dritten Reich auch besseren deutschen Staat verwiesen. Auch der Bundeskanzler sei dem "Deutschnationalismus verbunden" geblieben, meint etwa Botz,295 hingegen war sein Vorgänger Dollfuß wiederum Botz zufolge "noch dem groß- und gesamtdeutschen Denken verpflichtet", und zwar "selbst in seinem Versuch, aus staatspolitischer Räson ein Österreich-Bewußtsein zu schaffen".296 Es verwundert nicht, daß demgegenüber von eher konservativer Seite aus die Ausformung eines österreichischen Sonderbewußtseins - verstanden als "Abwendung von den vielgestaltigen Formen des Anschlußdenkens" sowie einer "entschiedenen Hinwendung der regierenden Kräfte zum Willen zur österreichischen Eigenstaatlichkeit" - als der "revolutionärste Wendepunkt in der politischen Geistesgeschichte des republikanischen Österreich" bezeichnet wird.297
Grassierte nun aber damals der ethnische Anschluß-"Traum", verdeckt oder offen, tatsächlich in weitesten Kreisen, vielleicht mit der einzigen Ausnahme der Monarchisten beziehungsweise Legitimisten?298 Also auch bei vielen Einwohnern, die weder im März 1938 noch im April für eine Angliederung an das Deutsche Reich gestimmt hätten? Oder aber wurde er vielfach allenfalls "mit halbem Herzen" verfochten, wie es in der bis heute "strenggenommen"299 einzigen aus universitärer Feder stammenden Gesamtdarstellung zur Ersten Republik heißt,300 sieht man einmal von der von Heinrich Benedikt herausgegebenen Geschichte der Republik Österreich aus dem Jahre 1954 ab.301
Immerhin herrscht mit Blick auf die Zustimmung zu einem Anschluß Einigkeit über die einschneidende Bedeutung des 30. Januar 1933, also über Hitlers Machtergreifung. Sie wurde als ein die Existenz Österreichs unmittelbar bedrohendes Ereignis wahrgenommen. Dies "diskreditierte" wenigstens partiell die "Anschlußideologie"302 und bewirkte damit einhergehend die verstärkte Ausbildung eines nicht mehr am Habsburgerreich, also rückwärtsgewandt, sondern vielmehr genuin auf den kleinen Nachfolgestaat bezogenen Österreichbewußtseins, beziehungsweise es gelang, ein solches von oben in breiteren Kreisen zu verankern; ob es freilich bis Anfang 1938 mehr als nur zarte Wurzeln schlagen konnte, darüber wird gestritten.
Dieser Streit wird sehr intensiv geführt,303 was nicht erstaunt, trifft er doch gleichsam den Nerv des österreichischen Selbstverständnisses, wie es sich nach 1945 entwickelt hat. Es geht hier um nicht weniger als um das Bewußtsein, eine eigene, wenn auch "verspätete"304 österreichische Nation zu bilden, ungeachtet eingestandener ethnischer oder auch nur kultureller Gemeinsamkeiten mit den Deutschen.
Heutzutage wird dieses Bewußtsein als mehr oder weniger fest verankert bei den meisten Staatsbürgern erachtet, trotz eines Phänomens wie Jörg Haider und seiner Anhänger.305 Wie kann dies aber sein, wenn doch wenigstens bis zum Anschluß nur verhältnismäßig wenige Einwohner "österreichisch" gedacht haben sollen? Hinweise auf Entwicklungen in der Nachkriegszeit wie die Verankerung der "österreichischen Neutralität", die zum "Kristallisationspunkt eines eigenwüchsigen Nationalbewußtseins" geworden sein soll, beantworten diese Frage bestenfalls teilweise.306
Deshalb verweisen die einen auch oft entweder auf die direkte Erfahrung der nationalsozialistischen Herrschaft: Sie habe vielen Österreichern gleichsam die Augen über das wahre deutsche Wesen geöffnet, dem Jahr 1938 "aus Sicht der österreichischen Gegenwart" sogar "eine gewisse positive Bedeutung zugemessen", bedeutete "doch der Anschluß letzten Endes den entscheidenden historischen Impuls zur Bildung einer österreichischen Nation im modernen Sinne".307 Oder es wird behauptet, daß auch schon vor 1938 wesentlich mehr Österreicher als angenommen genuin österreichisch gefühlt hätten.
Die anderen hingegen sehen vor allem in der zweiten Annahme eine Verzerrung, wenn nicht gar eine Verdrängung der Realität. Ihnen zufolge empfanden sich sowohl vor308 als auch nach dem Krieg zunächst noch viele Österreicher gleichsam als Deutsche,309 ein "seit 1945 tabuisiertes" Wort, wie Fellner vor rund zwei Jahrzehnten recht treffend festgestellt hat,310 ohne daß man deshalb gleich unter Rückgriff auf letztlich alltagspsychologische Erfahrungen "neurotische Berührungsangst" und "hysterische Identitätskriecherei" konstatieren muß.311
Die Diskussion kreist also
letztlich um folgende, nach wie vor tages- beziehungsweise gesellschaftspolitisch
aktuelle Frage: Waren Österreicher wirklich Österreicher, oder
waren sie nicht vielmehr Deutsche oder zumindest Deutschösterreicher,
oder aber umgekehrt österreichische Deutsche? Diese Frage, die zugleich
das Problem einer eventuell "häufig überzeichneten Betonung des
,Österreichischen' in Absetzung vom ,Deutschen'" aufwirft,312
kann nicht mehr Gegenstand meiner Analyse sein. Wahrscheinlich aber trifft
für nicht wenige österreichische Staatsbürger auch lange
nach 1945 zu, was Hanisch für das 19. Jahrhundert ausgemacht hat,
nämlich die Tatsache einer "charakteristischen doppelten Identität":
in "staatlicher" Hinsicht "österreichisch", in "ethnischer" Hinsicht
jedoch "deutsch".313
In zweierlei Hinsicht kann dies verneint werden: Zum einen gab und gibt es ja zweifellos eine ganze Reihe von teilweise scharf ausgefochtenen Historikerkontroversen. Die heißen Eisen werden also sehr wohl aufgegriffen und intensiv diskutiert. Zum anderen hat die österreichische Zeitgeschichtsforschung in den letzten Jahrzehnten durchaus wichtige und keinesfalls nur den Vorgaben einer wie auch immer gearteten Koalitionsgeschichtsschreibung verpflichtete Ergebnisse erbracht. Insofern kann also bestenfalls bedingt von einem Tabu und vielleicht noch weniger von einem gar großen Tabu gesprochen werden.
Doch bildet dies nur die eine Seite der Medaille: Denn auf der anderen Seite wurden die besagten heißen Eisen teilweise mit gehöriger Verspätung aufgegriffen. Außerdem haben politisch und auch moralisch motivierte Beurteilungen das historiographische Urteil häufig getrübt. Dabei sind die erwähnten Kontroversen und andere mehr nicht nur noch von rein historischem Interesse. Vielmehr wohnt ihnen eine aktuelle politische und teilweise auch gesellschaftspolitische Relevanz inne.
Etwas vereinfacht ausgedrückt, geht es stets um die Frage der Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit Österreichs, der Österreicher, der Deutschösterreicher, der österreichischen Deutschen zur deutschen Geschichte. Die Brisanz dieser Frage belegt nicht zuletzt die Mitte der achtziger Jahre durch den Kieler Historiker Karl D. Erdmann entfachte Auseinandersetzung, inwiefern es sich bei Österreich, der Bundesrepublik Deutschland sowie der Deutschen Demokratischen Republik um Drei Staaten, Zwei Nationen, ein Volk handelt. Dies hat eine kontroverse Diskussion in Österreich selbst ausgelöst314, wobei es für die Teilnehmer nicht zuletzt darum ging",ein Bekenntnis zur österreichischen Nation" abzulegen.315
Man kann es noch zuspitzen: Es geht bei österreichischen Historikerkontroversen letztlich um die richtige Art der "Bewältigung der Vergangenheit", wie einmal formuliert wurde316. Und, noch zugespitzter: Läßt sich die Geschichte der Ersten Republik - ungeachtet aller Verirrungen und Wirrungen - in irgendeiner Form positiv in das nationale Geschichtsbild integrieren?
Diese Fragen lassen sich sicherlich auch für den deutschen Fall stellen. Aspekte wie die Suche nach Identität und Standortgebundenheit spielen eben überall eine Rolle. Sie beeinflussen auch Historiker in ihren Urteilen, bewußt oder unbewußt. Deshalb sollte man sich vor dem Glauben hüten, daß eine Geschichtsforschung wie die bundesrepublikanische, die wenigstens nach außen hin weniger politisiert ist beziehungsweise erscheint als die österreichische, per se objektiver sein muß. Vielmehr sollte das österreichische Beispiel die Augen schärfen für eigene, wenn auch vielleicht weniger offensichtliche subjektive historiographische Maßstäbe der Beurteilung.