Bis auf den dem Untersuchungsmodell sonst angehörenden, hier aber kaum eingesetzten textanalytischen Teil3 wird die ganze Studie von der Theorie des Feldes getragen. Erst in der Rekonstruktion und dem In-Beziehung-Setzen des "Habitus"4 und seines unmittelbaren gesellschaftlichen (Um-)Feldes lassen sich im Sinne dieser von Pierre Bourdieu vertretenen Gesellschaftstheorie die Handlungen eines Akteurs oder einer Gruppe erfassen. Einerseits muss man die gesellschaftlichen Bedingungen der Produktion eines sozialen Gegenstandes reproduzieren, um Bedeutung und Sinn dieses Gegenstandes zu verstehen. Zum anderen geht eine solche Analyse von einer gewissen Aufspaltung oder Zersplitterung der Gesellschaft aus. Von diesem Standpunkt betrachtet, weist jedes typische Feld (literarisch, wissenschaftlich, politisch usw.) spezifische Strukturmerkmale und Funktionsweisen auf, die nicht auf ein anderes Feld übertragbar sind, schon gar nicht auf eine so genannte gesamtgesellschaftliche Struktur. So steht zum Beispiel hinter einer Textstruktur immer schon ein von einem bestimmten Feld auf bestimmte Weise strukturiertes Subjekt. Die "Kräfteverhältnisse" im Feld zwischen den oberen ("orthodoxen") und den unteren ("häretischen") Positionen "bilden den Entstehungshorizont für die Strategien der Produzenten, die Kunstform, die sie vertreten, die Bündnisse, die sie schließen, die Schulen, die sie begründen, und zwar mittels der von ihm bestimmten spezifischen Interessen".5
Andererseits weisen alle gesellschaftlichen Felder auch Gemeinsamkeiten",Homologien" (Bourdieu) auf, da sie von einem sie umfangenden sozialen Raum, genauer vom "Feld der Macht"6 umgeben und schließlich beherrscht sind, in dem - ähnlich wie im Feld - ein "Wettlauf" um die höheren Positionen, eine Konkurrenz um die Durchsetzung und Gewinnung begehrter Kapitalien stattfindet. Stark vereinfacht bedeutet dies, dass man im Feld der Macht mit zwei entgegengesetzten Interessen konfrontiert ist: mit dem Interesse jener Akteure, bei denen entweder ihr ökonomisches oder ihr kulturelles Kapital das jeweils andere deutlich übersteigt. Ein Akteur des ersten Typus zeigt großes Interesse dafür, dass das, wovon er viel besitzt und viel hält, nämlich GELD, zum anerkannten und begehrten Kapital der Gesellschaft wird. Dem steht das Interesse der Intellektuellen gegenüber. Sie treten dafür ein, der KUNST das Ansehen eines gesellschaftlich anerkannten und geschätzten Kapitals zu verschaffen.7
An die Feldtheorie anknüpfend, gehe ich zunächst davon aus, dass in jeder mit Erfolg gekrönten Karriere mindestens zwei Grundphasen, eine "häretische" und eine "orthodoxe", unterscheidbar sind. Zwei Phasen einer Karriere, die jeweils eine bestimmte Position und damit eine bestimmte Praxisform, ein Programm oder einen Stil implizieren. Die Bedeutung einer zum Beispiel in einem Text bezogenen Stellungnahme hängt der Feldtheorie zufolge mit der Position des Autors zusammen, die er im "Feld"8 seiner Praxis einnimmt. Kennen wir den "Raum des Werkes" (Stil, Gattung usw.), die Struktur des Feldes sowie Position und Positionierungen des Autors, öffnet sich die Möglichkeit zur (Re-)Konstruktion des "Habitus" - zunächst als ein "generatives und vereinheitlichendes Prinzip" zu verstehen, das die unterschiedlichsten Handlungen einer Person miteinander verbindet.9
Die Arbeit mit diesem Begriff ist als Beitrag zur Überwindung des "intrinistischen" und "externistischen" (Bourdieu) Ansatzes zu verstehen. Das heißt als Versuch, die Spaltung zwischen dem, was eine so genannte werkimmanente Methode über ein gesellschaftliches Phänomen, (zum Beispiel ein politisches Programm oder einen Roman) hervorbringt, und dem, was die andere, ihr entgegengesetzte Methode, die die Aussagen des Werks eins zu eins mit bestimmten Eigenschaften des Autors verbindet und einem allgemeinen gesellschaftlichen Kontext unterordnet, zu überwinden.
In der Karriere einer Person
(oder einer Gruppe von Menschen), die es, sei es auf dem wissenschaftlichen,
künstlerischen oder politischen Feld, sozusagen von Null bis zu einer
Spitzenposition bringt, lassen sich vier Hauptperioden isolieren: In der
ersten Periode werden je nach Herkunft der Person und Stand des Bildungsangebots
im sozialen Raum Kapitalien (kulturelles, ökonomisches, politisches
usw. Kapital) akkumuliert. Diese Phase endet mit dem Eintreten in eines
der vorherrschenden gesellschaftlichen Felder. Die Struktur (ob eher ökonomisch
oder eher kulturell) dieser Periode entscheidet wesentlich darüber,
welchen Beruf man wählt, welches Kapital man bevorzugt und an welches
der gesellschaftlichen Felder man sich anschließen will.10
Die hier gesammelten Kapitalien entscheiden darüber, ob man dem ökonomischen
oder dem kulturellen Kapital Vorrang einräumt, ob man etwa, wie bei
Lueger, Politiker oder Jurist werden will.11
Hat man sich für eine Richtung entschieden, so durchläuft die
mit Erfolg gekrönte Karriere erst eine "angleichende", eine "häretische"
und schließlich eine "orthodoxe" Phase. Je mehr der zu erreichende
Beruf mit Macht oder Prestige, somit mit klaren Hierarchien verbunden ist,
umso klarer lassen sich die letzten drei Perioden voneinander isolieren.
In der Zeit etwa zwischen 1861-1897 waren es die Liberalen, die im Wiener Rathaus und im Reichsrat die höchsten politischen Positionen innehatten. Von 1897 bis 1910 nahm Lueger die Position des Wiener Bürgermeisters und als Führer der Christlichsozialen die führende Position im Parlament ein.
Der Eintritt eines Akteurs
in eines der gesellschaftlichen Felder kann überhaupt erst zustande
kommen, indem er nicht nur gewollt, sondern mit jenen Merkmalen "ausgerüstet"
ist, die gerade dieses Feld konstituieren. Jeder "Neuling" hat mit der
gerade im Feld herrschenden Ordnung zu rechnen",mit der dem Spiel immanenten
Spielregel, deren Erkennen und Anerkennen (illusio) all denen stillschweigend
aufgenötigt wird, die Zugang zum Spiel gewinnen".14
Darin liegt einer der Gründe, warum Herkunft und andere Anfangsdispositionen
nicht als so genannte unabhängige Merkmale eines Akteurs betrachtet
werden sollten.
1875 wird Lueger als "Liberaler" in den Gemeinderat gewählt. Bald wechselt er zu den (linken) "Demokraten", und mit deren (jüdischem) Hauptmann J. Mandl fing er an, gegen die unter den Liberalen herrschende Korruption zu kämpfen. Sie traten auch für die Ausdehnung des Wahlrechts auf die "Fünfguldenmänner" ein. Es war eine Forderung, die nicht im Sinne der Liberalen (der "Orthodoxie") war und die diese daher undemokratisch und Lueger demokratisch erscheinen ließ.16
Mit dem Schritt für Schritt erkämpften Image eines Demokraten fing Lueger etwa ab dem Ende der 80er Jahre an, gegen das internationale Großkapital vorzugehen. Seine Verbündeten waren diesmal jedoch nicht aus der Reihe der Liberalen oder "Demokraten", sondern der deutschnationale Schönerer und der klerikale Intellektuelle Vogelsang, der als theoretischer Gegner des "Laisser faire" und als theoretischer Gründer der Christlichsozialen Partei galt.17
Zwischen 1882 und 1887 bemühte sich Lueger um eine Vermittlerrolle zwischen den "Demokraten" und "Antisemiten", ohne sich beim Standpunkt der einen oder der anderen selbst länger aufzuhalten.18 (Da die Bekämpfung der Liberalen im Mittelpunkt der Interessen der Opposition stand, kamen die verschiedensten Vereine aus diesem Zweck zusammen: Luegers "Antiliberale Liga", der antisemitische "Reform-Verein", der "Christlichsoziale Verein" usw.)19 Für Lueger selbst dürfte diese Periode eine Art bewussten oder unbewussten Lavierens zwischen den Positionen gewesen sein, ein Bemühen um die Herstellung jener Differenz, ohne die kein Erfolg im politischen Feld erzielbar ist. Denn besonders hier, im politischen Feld, ist das "Sein" des Spitzenpolitikers gleich der konstruierten Differenz zu den anderen; diese entstammt aber nicht dem Nichts, sondern ist in der Struktur des Feldes und im "Raum des Möglichen" (Bourdieu) potenziell schon vorhanden; sie entsteht im Verhältnis zu den in diesem Feld existierenden aktuellen politischen Richtungen (und ihren historischen Dimensionen). Das politische Feld ist weit davon entfernt, vom Feld der Macht (ökonomisches, intellektuelles Feld) unabhängig zu sein; im Gegenteil, es ist von den im Feld der Macht existierenden Themen",Spielarten" geprägt.
Nachdem unser Akteur aufgrund seiner für das Politische durchaus günstigen Dispositionen (juristische Bildung, demokratischer und sozialer Sinn, schon als Kind "kampfwillig"20) auf diesem Feld Fuß gefasst, seine Stärke demonstriert, also die Struktur des Feldes erfasst oder erspürt hatte, fing er mit dem Ausbau seines eigenen Standpunktes an, begann, sich zu positionieren, Politik zu machen.
1883 verband sich Lueger mit Georg Ritter von Schönerer, um gemeinsam den Einfluss des Großkapitals auf die österreichischen Märkte zu blockieren. 1884 war er an der Erstellung eines Programms zur Gleichstellung der Konfessionen beteiligt. Als Kandidat der Österreichischen Demokraten wurde er 1885 mit der Unterstützung des antisemitischen "Reform-Vereins"21 und "dank der ,Fünfguldenmänner' [...] als Abgeordneter des Bezirks Margareten in das Parlament am Franzensring gewählt."22 Als Abgeordneter der Österreichischen Demokraten in einer schon relativ hohen Position innerhalb der Partei, äußert er sich zum Parteivorsitzenden F. Kronawetter in folgender Weise: "Wir wollen sehen, welche Bewegung die stärkere wird, die demokratische oder die antisemitische, und man wird sich dementsprechend einrichten."23 Zwei Jahre später, als Lueger immer mehr antisemitische Töne von sich gab und sich mit Schönerer für die Einwanderungsstopp jüdischer Bürger aussprach, kam es zwischen ihm und den Demokraten zum endgültigen Bruch. Es dauerte nicht mehr lange, bis sich eine deutliche Differenz auch zu den oppositionellen Parteien in der Gründung der eigenen Partei im Jahr 1889 manifestierte.
Es sind selbstverständlich auch persönliche Dispositionen daran beteiligt, die jemanden dazu veranlassen, gerade den Bereich des Politischen und des Religiösen ins Zentrum seiner Interessen zu stellen. Nicht immer jedoch handelt es sich dabei um ein harmonisches Zusammentreffen dieser zwei Bereiche. Es kann sich durchaus auch um einen Widerspruch oder Konflikt zwischen dem Habitus und dem eingeschlagenen Weg handeln. Dabei besteht Bourdieu zufolge die Funktionsweise des Habitus darin, Widersprüche zu beseitigen, aus der Not eine Tugend zu machen (was unter Umständen dazu führen kann, dass die Realisierung eines ursprünglichen Ziels - zum Beispiel politischer Führer einer bestimmten Partei oder Jurist zu werden - durch den Habitus gefährdet wird. Gerade diese Widersprüche beseitigende Funktionsweise des Habitus berechtigt zu der Annahme, dass Lueger (auch) aus diesem Grund bei den Liberalen und bei den Links-Demokraten nicht Fuß fassen konnte, dass Lueger schon aufgrund seiner Herkunft und wegen der damit einhergehenden Sprach- und Denkweise nie ein Liberaler in Spitzenposition hätte werden können.
Selbst die beste Aneignung, gleich einer schauspielerischen Leistung, hätte ihm jene Authentizität nicht verleihen können, die er als Führer der Christlichsozialen Partei tatsächlich gehabt haben soll. Seine Sprachweise ist im Grunde die seiner "Klasse" geblieben: "Und er sprach eine im öffentlichen Leben ganz ungewöhnliche Sprache, Wienerisch, bürgerlich, gutmütig und derb, sogar hausmeisterisch. Die liberalen Redner hatten klassische Zitate gebracht, nie war ein Scherzwort über ihre Lippen gekommen."24 Dies aber weniger deshalb, weil die Herkunft eine Änderung der Sprachweise allgemein nicht zulässt, sondern vielmehr durch die sich aus der Positionierung ergebende (und als solche erkannte und womöglich noch gepflegte) Differenz zu der Sprachweise der Liberalen. Weil Sprachweise und Stil schlussendlich auch eine bewusste oder unbewusste Identifizierung mit ihrem Urheber bedeuten, mag Lueger doch noch etwas anderes als populistische Positionierung oder Kalkül mit dem "Volk" verbunden haben. Und zwar der Glaube, dieses aufgrund gemeinsamer Herkunft zu verstehen, es zu kennen. Also der Glaube, wonach es ein verarmtes und unterdrücktes Volk mit seinen Problemen gäbe, das als solches (einheitlich) bloß auf die von den Christlichsozialen formulierten Lösungen für die Probleme seines sozialen Daseins wartet.
Sequenz 1: "Auf der Kraft des Volkes ruht die Zukunft des Volkes. Wir Antisemiten haben Vertrauen zum Volke, wir wurzeln in der Kraft des Volkes: Man kann uns vor Gericht ziehen, man kann uns in den Kerker sperren, aus dem Herzen des Volkes wird uns niemand verdrängen."25Hier tritt mit aller Deutlichkeit der heute wohl bekannte (weil durchgesetzte) Hang zum Populismus auf: die Anrufung des "Volkes" als (höchsten) "Anwalts" aller politischen Handlungen, und bildet somit einen Großteil des christlichsozialen Programms.
Die erste Hälfte des Parteinamens zielt (in ihrer positiven Richtung) auf die katholische Kirche ab; negativ, d.h. ausgrenzend jedoch auf das Judentum und auf die protestantische Kirche, denn auch letztere genoss in der Tat keine Sympathie bei den Christlichsozialen. Er stellte beide, Juden und Protestanten, als Feinde der katholischen Weltordnung, somit der Habsburger Monarchie dar.26 Speziell der Wunsch "Groß-Wien darf nicht Groß-Jerusalem werden" gehörte zu seinen Anliegen.27
Gesellschaftliche Felder sind allgemein Orte von "Konkurrenz" oder "Kampf" zwischen Akteuren oder Institutionen, zwischen Gruppen, deren Interesse es ist, sobald auf der obersten Positionen der Macht angelangt, diese vor der "Häresie" zu schützen; vor einer Gruppe, die zunächst am Abriss (und nicht am Erhalt) der bestehenden Struktur oder Ordnung "interessiert"28 ist. Insbesondere ist die Politik - von bestimmten "Homologien" (nach Bourdieu zu verstehen: Ähnlichkeit im Unterschied) zwischen den Feldern abgesehen - der Ort "symbolischen Wirkens: jenes Handelns, das mittels Zeichen sich vollzieht, die soziale Dinge und zumal Gruppen zu erzeugen vermögen".29 Deshalb geht es zunächst in der Politik stets um die Durchsetzung von Kategorien, mittels derer die Akteure sich selbst und die (soziale) Welt einordnen und verstehen: Es geht um einen "untrennbar theoretisch und praktisch geführten Kampf um die Macht zum Erhalt oder zur Veränderung der herrschenden sozialen Welt durch Erhalt oder Veränderung der herrschenden Kategorien zur Wahrnehmung dieser Welt".30 In der häretischen Phase der Lueger'schen Politik geht es um die Veränderung der von den Liberalen durchgesetzten Sichtweise sozialer Ordnung.
Je nachdem, ob das Prinzip der Autonomie oder das der Heteronomie verfolgt wird, sind bis zu einem gewissen Grad alle gesellschaftlichen Felder auf die äußere Anerkennung ihres Tuns angewiesen, auf Anerkennung also, die zum Beispiel nicht vom politischen, sondern vom Machtfeld stammt. Im vorliegenden Fall handelt es sich in erste Linie um Anerkennung bzw. Sanktionen seitens der Kirche, des Kaisers, der Intellektuellen und des Großkapitals, aber auch jene der Presse, also um Felder mit jeweils einem oder einigen Mächtigen an der Spitze, mit Akteuren, die mit hohem ökonomischen und intellektuellen Kapital ausgestattet sind.
Die Autonomie eines Feldes lässt sich durch den Faktor seiner Unabhängigkeit von dem Macht-Feld angeben, d.h. dadurch, inwieweit das politische Feld in der Gestaltung seines Programms zum Beispiel von der Macht der Kirche oder der Wirtschaft abhängt oder abweicht, ihren Bedürfnissen folgt. "Das Ausmaß an Autonomie, über das ein Feld verfügt, ist am Übersetzungs- oder Brechungseffekt zu messen, den seine spezifische Logik externen Einflüssen oder Anforderungen zufügt, und an der Umformung, um nicht zu sagen: Verklärung, der es religiöse oder politische Vorstellungen und den Druck der weltlichen Kräfte unterzieht [...]."31
In der Zeit der liberalen Regierungen von der Wende nach Königgrätz bis in die späten neunziger Jahre hatte die katholische Kirche, von deren Seite sich die Christlichsozialen einen Teil ihrer externen Anerkennung einzuholen gedachten, in Österreich viel an politischer Macht eingebüßt. Dass jetzt der Staat bis dahin der Kirche vorbehaltene politisch bedeutsame Positionen, wie zum Beispiel das Unterrichtswesen, wahrnahm, verursachte sowohl im hohen Klerus als auch in breiten Laienkreisen Frustration. "Der Sieg der Liberalen in Österreich reduzierte den Einfluss der Kirche, aber es kann keine Rede davon sein, dass er ihn besiegt hätte. Die Kirche war schon allein durch ihren Grundbesitz eine wirtschaftliche Macht von Rang. Millionen Gläubige waren ihr in unbegrenztem Vertrauen ergeben."32 Beide Faktoren, sowohl das Bestreben, die Kirche zu unterstützen, als auch von ihrer Seite Unterstützung für die Partei zu gewinnen, sind zu bedeutend, als dass man hier von der Absicht auf Autonomie der neuen Partei von der Kirche (und umgekehrt) reden könnte.
Gegenüber der Macht der
Großfinanz hatte diese Partei zunächst eine ablehnende Haltung.
Von dieser Seite hatte man anerkennende Stimmen für das christlichsoziale
Programm sicher nicht erwartet, umso mehr Zustimmung jedoch erhoffte man
von der anderen, beherrschten Seite: von den Handwerkern und Gewerbetreibenden,33
die aus der Not ihrer schlechten Lage und Unorganisiertheit heraus auf
der Suche nach einem Bevollmächtigten waren.
Um der Orthodoxie die Macht zu entziehen, müssen die Häretiker - die sich ihrerseits auch in Konkurrenz untereinander befinden - ein Programm entwickeln, das, zumindest in der Anfangsphase, von dem der Orthodoxie gut unterscheidbar ist, sowohl nach innen als auch nach außen, d.h. sowohl unter den Politikern, mit denen man sich in direkter Konkurrenz um die Eroberung der hohen Position befindet, als auch unter der Wählerschaft.
Der Christlichsozialen Partei ist es in der Tat ab dem Zeitpunkt ihrer Entstehung bis 1896 gelungen, die Mehrheit des Machtfeldes und des politischen Subfeldes (d.h. der oppositionellen Parteien) gegen die Liberalen zu vereinen. Der Antisemitismus und die Ablehnung der Welt der Großfinanz bildeten das Bindeglied, die deutschnationale Besinnung dagegen die Trennlinie zwischen den Schönerianern und Karl Lueger. Das politische Spiel mit dieser ambivalenten Beziehung und damit ständig wechselnden Distanz Luegers zu den Deutschnationalen schwächte die Liberalen, stärkte dagegen die Christlichsozialen.35
Sequenz 2: "Wenn einmal die Juden, die zu ihrem Vorteil Zwietracht unter die Völker säen, besiegt sein werden, dann werden auch die nationalen Streitigkeiten aufhören."36Trotz derartiger Aussagen konnte Lueger sowohl bei den Aristokraten als auch bei den Handwerkern, aber auch bei den Geistlichen punkten. Doch er wendete, so legt es zumindest Schorske aus, das "rassistische Gift nur auf die Bekämpfung des liberalen und sozialdemokratischen Gegners".37
Das Veto von Franz Joseph erinnert, trotz der seither vergangenen hundert Jahre und der damit einhergehenden Unterschiede, an die über die ÖVP-FPÖ-Regierung im Januar 2000 verhängten "Sanktionen" der EU-Staaten. Man war in Brüssel (übernationales politisches Feld) besorgt, dass die europäische Staatengemeinschaft durch den "Geist" einer rechts-populistischen Partei in Gefahr geraten könnte.
Die durch die Person des Kaisers repräsentierte Besorgnis, Lueger könnte eine Gefahr für die "Staatsidee" bedeuten, war, wie sich das heute darstellt, durchaus begründet. Mit Lueger wurde eine rechts-populistische und antisemitische Sprachweise ins Feld der österreichischen Politik geholt, die bis in unsere Zeit hinein wirkt und einen bestimmten Teil des Raumes des Möglichen absteckt.
Bei aller Vorsicht, Parallelen zwischen damals und heute zu ziehen, ist jedoch anzumerken, dass sehr wohl Ähnlichkeiten zwischen Karl Lueger und Jörg Haider existieren.41 Beiden gemeinsam ist vor allem die starke Betonung des Volkswillens, dessen Verwirklichung als Maßstab allen Politischen dargestellt wird - von der damit einhergehenden Anmaßung gar nicht zu reden, die vorgibt, den Willen des ganzen "Volkes" zu kennen. Schließlich sind auch Ähnlichkeiten im Sprachstil, z.B. im Hang zur bildhaften Rede, zu entdecken:
Sequenz 3: "Wir Österreicher stehen am Rande des Abgrundes, es läßt sich nicht leugnen, dass der Zerfall des Vaterlandes fast eine Notwendigkeit geworden zu sein scheint."42
Eine radikale Veränderung in der Struktur eines Feldes bewirkt, so die an die Feldtheorie angeknüpfte Annahme, eine Änderung der Stellungnahmen und langfristig eine Änderung in der Struktur des Habitus bei all jenen Gruppen (oder Personen), deren Position in der Feldhierarchie sich radikal geändert hat.
Der Parteiführer der Christlichsozialen Partei war zwischen 1897-1910 Bürgermeister von Wien, mit seiner Partei nahm er in dieser Zeit auch die höchste Position innerhalb des politischen Feldes ein. Mit Luegers Tod verliert auch die Partei ihre hohe Stellung, wobei das auch mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechtes (1907) und den damit einhergehenden Möglichkeiten der Sozialdemokraten maßgeblich zusammenhängt.
Auf einer der hohen Feldpositionen anzukommen, bedeutet unter anderem die Fähigkeit zur Durchsetzung einer Denkweise oder eines Programms in der Struktur eines bestimmten Feldes. Der Christlichsozialen Partei ist es gelungen, sich von den anderen oppositionellen Parteien abzusetzen und schließlich mit ihrer gewollten oder ungewollten Hilfe die Liberalen von ihrer Machtstellung zurückzudrängen; es ist ihnen gelungen, sich so zu positionieren, dass sich am Ende eine deutlich wahrnehmbare Differenz herausstellte, eine Differenz, die von den Wählern erkannt und honoriert wurde. Im Grunde ist das nur möglich, wenn die Wähler über ein angemessenes Wissen verfügen, anhand dessen diese Differenz (das neue Programm) erkannt und auch geschätzt werden kann.
Woher aber dieser "Blick", der gerade das erkennt und das für richtiger hält, was ein Wortführer neuerdings sagt? Das rührt von der Abgestimmtheit der ,Köpfe' (zwischen Wortführer und Wählerschaft) her, also von den durch den Wortführer einer Gruppe im Sozialraum durchgesetzten bzw. angeeigneten Klassifizierungssystemen: "Wenn die Dinge und die Köpfe (oder das Bewusstsein) unmittelbar aufeinander abgestimmt sind, das heißt, wenn das Auge Produkt des Feldes ist, auf das es sich bezieht, erscheint ihm dieses Feld mit allen von ihm angebotenen Produkten als unmittelbar mit Sinn und Wert versehen."45
Die durch das liberale Einwanderungsgesetz (1867) mit bedingte Migration von Osteuropa nach Wien und auch die durch den großen ,Börsenkrach' verursachten wirtschaftlichen Schäden dürften wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Liberalen ohne breite Unterstützung geblieben sind.
Der junge Wiener, der seine politische Laufbahn als Liberaler anfing, hat sich seit dem Ende der 80er Jahre zum wirksamen Gegner des politischen Liberalismus und später der Sozialdemokratie gewandelt. Um die Jahrhundertwende steht nun ein Führer der Christlichsozialen und ein Bürgermeister da, der nunmehr wenig am wirtschaftlichen Liberalismus auszusetzen hat.46
Sind die Wahlergebnisse in den Jahren 1895-97, vom möglichen Abnützungseffekt der Liberalen und dem feldinternen Kampf, also den taktischen Manövern der Christlichsozialen gegen die Liberalen und die Opposition, abgesehen, als Ausdruck der feldäußeren Anerkennung zu verstehen, ist es aufschlussreich anzunehmen, dass die Anerkennenden ihrerseits von der Partei honoriert werden wollten und der Partei gegenüber bestimmte Erwartungen hegten. Um den überwiegend vom ökonomischen Feld - und nicht von dem unorganisierten, machtlosen Teil der Bevölkerung - kommenden Erwartungen zu entsprechen, ließ Lueger eine Reihe praktischer und nicht, wie die (unter dem Einfluss des intellektuellen Feldes entstandenen) Bauten der Liberalen auf der Ringstraße, bloß ornamentaler öffentlicher Einrichtungen bauen: das Gaswerk, das Wasserwerk usw. Alle diese Unternehmungen trugen durch ihren ökonomischen und symbolischen Wert zur Festigung der nun erreichten hohen Position Luegers bei.
Beim Ausbau der Infrastruktur des wirtschaftlichen Lebens wurde der Bürgermeister indes mit der Problematik der in Wien ansässigen Migranten und der andauernden Migrantenströme direkt konfrontiert. Diese bestanden vor allem aus Juden und tschechischen Handwerkern und Gewerbetreibenden. Ihre Anwesenheit, zunächst in der Wirtschaft, war maßgebend, und man konnte sie nicht ohne weiteres ,wegdenken'. Ein gewisser sich abzeichnender Kompromiss, nämlich diese Einwanderer nicht abzuschieben, sondern zu assimilieren, hat weniger irgendwelche humanistischen Gründe, sondern lässt sich vielmehr auf die vom ökonomischen Feld kommenden Anforderungen zurückführen.
Sequenz 4: "Ein so guter Deutscher ich bin, so wünsche ich doch eine Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiete, bei welcher alle Nationen unseres Vaterlandes in ruhiger Übereinstimmung tätig sein können."47Selbst wenn der Handlungsfreiheit des Politikers (in der orthodoxen Position ist die Abhängigkeit des Politikers vom Machtfeld größer als in der häretischen) vom Feld der Macht (Industrielle und Intellektuelle) her Grenzen gesetzt sind, blieb für Lueger noch genug Möglichkeit, seinen Habitus, dieses von der "Klasse" strukturierte und, weil mächtig genug, Struktur erzeugende Denksystem, walten zu lassen.48 Es stand zum Beispiel innerhalb seines Machtbereichs, die Funktionsweise der Schulen in Wien zu beeinflussen oder nur jenen Einwanderern eine Aufenthaltserlaubnis zu gewähren, die sich bereit erklärt haben, ihre ursprüngliche religiöse oder nationale Zugehörigkeit aufzugeben.49
Sequenz 5: "Wir sind Deutsche und wollen, daß die Deutschen in Österreich leben können, ohne Gefahr zu laufen, ihre Nationalität einzubüßen. Dabei sind wir nicht so töricht, daß wir in jedem anderen einen Minderwertigen sehen."50Sequenz 6: "Wir sind zu jeder Zeit bereit, mit aller Entschiedenheit für den deutschen Charakter unserer Stadt einzutreten [...]."51
Sequenz 7: "Sie wissen alle, daß deutsche Kraft und deutscher Mut diese Stadt geschaffen haben und deutscher Geist in dieser Stadt auch bauen soll. Das schließt aber die Liebe zu allen, die gut österreichisch denken und fühlen, nicht aus. Gerade die Treue ist ja der Hauptcharakter des deutschen Volkes, und weil wir Deutsche treu sind, sollen wir fest zu unserem Vaterland halten."52
Sequenz 8: "Mögen unsere Gegner sagen, was sie wollen [...]. Wir freuen uns auch, daß die Männer, welche das getan haben, unserem Volke angehören, und daß nur Juden es sind, welche unsere Stadt klein machen, und uns verleumden wollen."53
Sequenz 9: "Die Lehrer haben kein Recht, die Schule zu einer wüsten Hetze gegen die Religion zu mißbrauchen. Der Vergleich, daß jeder Arbeiter seine Meinung frei äußern dürfe, trifft hier nicht zu. Wenn man sich irgendwo ein paar Stiefel machen läßt, so ist die politische Meinung des Schusters gleichgültig. Dem Lehrer aber geben wir keine Stiefel, sondern unsere Kinder, und darum haben wir das Recht, nach der politischen Überzeugung des Lehrers zu fragen."54
Sequenz 10: "[Die Kinder müssen lernen,] weil sie dann imstande sein werden, auch in ihrem zukünftigen Leben den Kampf, der ihnen bevorsteht, siegreich zu bestehen."55
Sequenz 11: "Ich kann nur erklären, dass ich mit den Erfolgen dieser sogenannten Konkordatschule sehr zufrieden war. Ich habe dort ordentlich Deutsch sprechen und schreiben gelernt."56
Die bloß textimmanente Abfrage der untersuchten Stellungnahmen von Lueger, worin er selbst seine Zentralaufgabe im Laufe seiner Karriere zu sehen vermochte, ergibt, paraphrasiert wiedergegeben, folgende Antwort: Er, so sagt Lueger, sei stolz, die von den Eltern, besonders von der Mutter und später von den Lehrern an ihn gehegten Erwartungen pflichtbewusst erfüllt zu haben.57
Nach dem Abschluss des Jusstudiums brach Lueger auf, um ein Anwalt der ungerecht behandelten Menschen zu sein. Doch das ganze humanistische Unternehmen zu erweitern, das Ziel, der Anwalt des "Volkes" zu werden, wird von dem Moment an, als er das Problem des Einzelnen zum Problem des "Volkes" erhebt (Übertragung), seit seinem Einstieg in die Politik an sich problematisch. Vermittels der genannten Übertragung gerät zunächst die gesamte politische Karriere zu einer einzigen Gehorsamsübung, wird zu einem Stets-die-Erfüllung-des-Volkes-Wollen.
Im Prinzip ist nichts gegen die Meinung, wonach Lueger ein gesinnungsloser Politiker gewesen sei, einzuwenden, wenn man sich vergegenwärtigt, dass er im Laufe seiner Karriere tatsächlich je nach Situation seine politischen Standpunkte gewechselt hat. Doch die Folgerung daraus, sein Antisemitismus sei daher nur "gestellt" und als solcher weniger gefährlich, bloß Mittel zum Zweck, wäre inkonsequent und ebenfalls substantialistisch. Es wird vielfach angenommen, dass der Populist, sobald sein Ziel, die oberste Position im politischen Feld einzunehmen, um dem "Volk" zu helfen, realisiert sei, zum Beispiel den Antisemitismus als Mittel zum Sieg nicht mehr nötig habe; nun könne er sein ursprüngliches Vorhaben umsetzen, sein wahres, demokratisches Gesicht endlich zeigen.
Solche Annahmen neigen allerdings dazu, bestimmte Anfangs-Dispositionen (Herkunft, Bildung, diverse Stellungnahmen usw.) eines Akteurs grundsätzlich unabhängig von den im Feld unternommenen Positionierungen bzw. unabhängig von der Struktur des Feldes (dem er in dieser Zeit beigetreten ist und das er mitgestaltet hat) zu betrachten. Wobei der Habitus sich gerade aus Herkunft und Bildung sowie aus der Art und Weise der in einem bestimmten sozialen Feld ausgeübten Tätigkeit zusammensetzt. Auf der obersten Position des Feldes angelangt, gestaltet sich der Habitus zwar am besten, doch er ist bereits das Produkt der bisherigen Praktiken.
Der Habitus, von Bourdieu auch zur Überwindung des Bewusstseins- beziehungsweise Unbewusstseinsbegriffes konzipiert, ist ein Prinzip, das die verschiedensten Handlungen eines Akteurs steuert. Es ist das "generative und vereinheitlichende Prinzip, das die intrinsischen und relationalen Merkmale einer Position in einen einheitlichen Lebensstil rückübersetzt, das heißt in das einheitliche Ensemble der von einem Akteur für sich ausgewählten Personen, Güter und Praktiken."58 Die Annahme der Habitus-These veranlasst uns dazu, die These, Lueger wäre eher gesinnungslos (als ein überzeugter Antisemit) oder eine Person gewesen, die - bis er sozusagen ans Ziel kam - nichts anders tat, als diverse äußere Erwartungen brav erfüllt zu haben, sprich ein Opportunist sondergleichen, als Habitus des Akteurs zu verwerfen und sie als nichts weiter als ein - wenn auch bedeutendes - Merkmal der Person zu akzeptieren.
Akteure solcher Felder - wie des politischen Feldes im Allgemeinen -, die eher den Grundsatz der Heteronomie als der Autonomie bevorzugen, legen sozusagen schneller ein undifferenziertes Klassifizierungssystem an den Tag, als dies die Akteure eines relativ autonomen Feldes tun (künstlerisches Feld, wissenschaftliches Feld usw.). Das hängt (über bestimmte individuelle Dispositionen) hinaus damit zusammen, dass die Akteure der autonomen Felder überwiegend untereinander konkurrieren, und die Anerkennung ihrer Arbeit eher von den Fachkundigen erhalten; Akteure heteronomer Felder sind hingegen für ihren Leistungsnachweis vor allem auf die von außen kommenden, feldäußeren, nicht fachkundigen Anerkennungen angewiesen, sie lassen sich auf undifferenzierte, so genannte leichtverständliche Klassifizierungssysteme schneller ein. (Akteure heteronomer Felder tun nichts anderes, als die von außen kommenden "Wünsche" zu rekonstruieren und zu erfüllen, wobei gleichzeitig dafür gesorgt wird, dass diese Wünsche von ihnen selbst vorbestimmt werden.)
Beide Prinzipen lassen sich aber auch auf die Akteure der einzelnen Felder, mithin auch auf die des politischen Feldes anwenden. So hat man es im politischen Feld (über die hier herrschende allgemeine Tendenz zur Heteronomie hinweg) mit Parteiführern zu tun, von denen die einen eher das Prinzip der Autonomie und der damit einhergehenden Klassifizierungssysteme verfolgen, wohingegen die anderen die Heteronomie und damit z.B. so genannte Wesensmerkmale oder Kategorien bevorzugen, die ihren Gegenstand des Sozialen schon von vornherein als ewige, von Natur aus gegebene "Wesen" auffassen. "Zu vergleichbaren Irrtümern führt die substantialistische Denkweise, die auch die des common sense - und des Rassismus - ist und mit der Neigung einhergeht, die Aktivitäten oder die Vorlieben, die für bestimmte Individuen oder Gruppen einer bestimmten Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt kennzeichnend sind, als substantielle, ein- für alle Mal in irgendeinem biologischen oder - was auch nicht besser ist - kulturellen Wesen angelegte Merkmale zu behandeln, auch beim Vergleich nun nicht mehr zwischen verschiedenen Gesellschaften, sondern zwischen aufeinander folgenden Zeitabschnitten derselben Gesellschaft."59
Eine umfangreiche Untersuchung müsste vor allem (über die Struktur des politischen und des Machtfeldes hinaus) jenes Prinzip erarbeiten, dessen Produkt die radikal voneinander abweichenden Stellungnahmen, Positionierungen, die Bevorzugung des heteronomen Prinzips sind; jene grundsätzliche Denkweise oder jene "invarianten Merkmale" (Bourdieu), aus denen die Stellungnahmen und Praxisformen entstehen. "Die stilistische Affinität der Praxisformen, die jede Einzelpraxis zu einer `Metapher' einer beliebig anderen werden lässt, leitet sich daraus ab, dass sie alle aus Übertragungen derselben Handlungsschemata auf die verschiedenen Felder hervorgehen."60
Auf ein Minimum reduziert, kann Luegers zentrales Denk- und Handlungsschema in seinen zahlreichen substantialistischen Übertragungen oder Metaphern gesucht werden. Zum Beispiel in der Übertragung (9. Sequenz) der Implikationen des Schusterberufs auf den Lehrerberuf oder in der latenten und vermengten Übertragungsreihe: die Mutter und die Lehrer oder die Klienten des Rechtsanwalts und das Volk.
Mit einer in diesem Sinn angelegten umfangreichen Untersuchung, d.h. durch die mit einem detaillierten hermeneutischen Ansatz (Text- oder Diskursanalyse) zusammengeführte Feldtheorie, könnte ein neuer Zugang zum Beispiel zu den meist mit der biographischen Methode61 untersuchten Karrieren der Geschichte erarbeitet werden.