Fachzeitschriften für Historiker im Internet
Ein sicherlich unvollständiger Überblick
von Stefan Blaschke
Zeitschriften sind eine wichtige Publikationsform in der Wissenschaft. Denn hier werden aktuelle Forschungsergebnisse und Diskussionsbeiträge veröffentlicht. Dies allein ist schon Grund genug, sich mit dem Thema "Internet und Fachzeitschriften" zu beschäftigen. Das kann hier allerdings nicht in umfassender Weise geschehen, sondern im Grunde nur angeschnitten werden. Es ließe sich zu dem Thema sicherlich mehr schreiben. In einem ersten Teil soll das Webverzeichnis "The History Journals Guide" vorgestellt werden, das ich seit fast vier Jahren herausgebe. Die Arbeit an diesem Internetprojekt bildet dann die Grundlage für die weiteren Bemerkungen über Geschichtszeitschriften im Internet. Im wesentlichen werden hier verschiedene Online-Angebote für Historiker kurz skizziert.
1. The History
Journals Guide (HJG) findet sich unter der Webadresse
http://www.history-journals.de/.
Hervorgegangen ist das Verzeichnis aus einem studentischen Projekt.
Nachdem ich zum ersten Mal über eine Veranstaltung der Kölner
Soziologen mit dem Internet in Berührung gekommen war, nämlich
im Wintersemester 1996/97, begann ich mich dafür zu
interessieren, welche Angebote es für Historiker im WWW gab und
welchen Nutzen diese zunächst einmal für mein Studium haben
könnten. Eine Internet-Einführung für
Geschichtsstudenten führte das Historische Seminar damals noch
nicht durch, zumindest war mir keine bekannt.
Es gab damals
zahlreiche Linksammlungen, die meistens auch Zeitschriftenlinks
enthielten. Teilweise fanden sich zwar dieselben Titel, aber die
Links führten nicht immer zu denselben Webseiten. Zudem listeten
die Linksammlungen auch unterschiedliche Titel auf, sicherlich auch
bedingt dadurch, dass unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt wurden.
Aber es hatte sich bis dahin anscheinend niemand die Mühe
gemacht, in umfassender Weise nach Zeitschriften im Internet zu
recherchieren. Als Erstes stellte ich die Zeitschriftentitel aus den
verschiedenen Linksammlungen zusammen. Gleichzeitig lernte ich HTML
und versuchte zum ersten Mal, Webseiten zu gestalten. Innerhalb
kurzer Zeit entstand so eine umfangreiche Zeitschriftenliste, die
allein für den privaten Gebrauch eigentlich zu schade war.
Die
Frage war nur, wie und wo die Liste veröffentlicht werden
konnte. Im Sommersemester 1997 war das Kölner Historische
Seminar mit einer eigenen Homepage online gegangen. Die Seiten wurden
damals von Patrick Sahle betreut, der mir schließlich die
Möglichkeit gab, die Zeitschriftenliste hier als studentisches
Projekt zu veröffentlichen. Seit dem 28. Juli 1997 ist das
Verzeichnis nun im Internet frei verfügbar. Bis September 1997
erweiterte ich die Liste, so dass sie schließlich über 420
Titel umfasste.1
Durch einen Wechsel der Betreuer für die Homepage des
Historischen Seminars änderte sich auch die Situation für
mich. Denn es gab auf einmal keine Möglichkeit mehr - warum auch
immer -, die Liste in Köln fortzuführen. Überhaupt
wurde die Rubrik der studentischen Projekte vom Seminar nicht
weitergeführt bzw. ausgebaut. In dieser Situation bot mir Tobias
Berg, der Herausgeber des Nachrichtendienstes für Historiker
(NFH), seine Hilfe an. Er nahm das Verzeichnis auf den Server des
NFH. Ohne ihn würde vermutlich das Verzeichnis gar nicht mehr
existieren, sondern wäre längst eingestellt worden.
Da
mir damals weltweit keine umfangreichere Sammlung historischer
Zeitschriften im Netz bekannt war, ergänzte ich die Liste durch
eine englische Version. Der bisherige Titel "Historische
Zeitschriften" wurde geändert in "The History Journals
Guide". Die deutsche Fassung stellte ich bereits einige Monate
später aufgrund des zu hohen Arbeitsaufwands ein. Der Ausbau des
Verzeichnisses ging unterdessen weiter. Von Anfang an bestand es aus
einem alphabetischen, nach Titeln geordneten Gesamtindex sowie aus
chronologischen, geographischen und thematischen Unterverzeichnissen.
Außerdem gab es ein Verzeichnis für ausschließlich
elektronische Zeitschriften. Die Links wurden jeweils mit kurzen
Beschreibungen über die Inhalte der Webseiten versehen. Dies
erschien sinnvoll, da der Informationsgehalt der einzelnen
Internetseiten für Zeitschriften doch sehr unterschiedlich war.
Seit Mai 1999 erhält jedes Periodikum eine eigene
Informationsseite mit kurzen Beschreibungen der Zeitschriften und
Angaben u.a. zu Herausgebern und Verlagen. Ferner wurden weitere
Unterverzeichnisse erstellt, u.a. nach Sprache, Verlagen sowie
historischen Einrichtungen (Gesellschaften, Organisationen und
Vereine). Daneben wurden auch Links zu anderen
Zeitschriftenverzeichnissen und -listen im Internet zusammengestellt,
sowie zu anderen Informationen rund um das Thema Zeitschriften, wie
z.B. ISSN-Zentren.
Seit Anfang 1999 ist das
Zeitschriftenverzeichnis Teil der Geschichtssektion2
der WWW Virtual Library.3
Dabei handelt es sich um ein internationales Netzwerk von
Historikern, die Webverzeichnisse zu verschiedenen historischen
Themen erstellen und pflegen. Der Benutzer hat seitdem die
Möglichkeit, die Seiten des HJG nach Stichworten zu durchsuchen,
zugleich aber auch alle Verzeichnisse der WWW-VL History oder der
gesamten Virtual Library.4
Seit
November 1999 gebe ich zudem einen elektronischen Newsletter -The
History Journals News5-
heraus, der über Neuerungen im Verzeichnis informieren soll. Und
seitdem wird auch in regelmäßigen Abständen ein
Update ins Netz gestellt, zunächst geschah dies einmal die
Woche, seit März 2000 alle zwei Wochen, was bis dahin nicht der
Fall war. Im Newsletter werden zudem Ankündigungen
veröffentlicht, wie z.B. die Vorstellung neuer Zeitschriften,
Calls for Papers oder Hinweise auf neue elektronische Aufsätze.
Im vergangenen Jahr wurde das Zeitschriftenverzeichnis erweitert
durch zwei neue Verzeichnisse, nämlich im März 2000 durch
eine Bibliographie, die Aufsätze aus elektronischen
Zeitschriften erfasst, und im Juni 2000 durch ein Verzeichnis für
Geschichtsmailinglisten.
2. Von Anfang an wurde
Geschichte in einem sehr umfassenden Sinne verstanden, nämlich
als das Studium der Vergangenheit. Dabei folgt der HJG dem in fünf
Bänden zwischen 1981 und 1986 erschienenen "Historical
Periodicals Directory" (HPD).6
Allerdings werden im HJG keine chronologischen, geographischen,
sprachlichen oder thematischen Grenzen gesetzt. Es werden sowohl
wissenschaftliche und populärwissenschaftliche als auch
existierende und bereits eingestellte Periodika, einschließlich
Newsletters, aufgenommen. Auch Zeitschriften, zu denen es bislang
keine Webseiten im Internet gibt, werden berücksichtigt,
allerdings nur dann, wenn diese angemeldet werden. Eine Recherche
meinerseits findet nicht statt. Darüber hinaus werden auch
interdisziplinäre Zeitschriften und solche aus anderen
Disziplinen, wie z.B. Soziologie oder Anthropologie, aufgenommen,
wenn sie auch Beiträge mit historischem Bezug veröffentlichen.
Das Gesagte gilt selbstverständlich auch für die
Mailinglisten.
Ziel ist es, aktuelle Informationen über
Zeitschriften und Mailinglisten zu geben. Dazu gehören bei den
Periodika neben kurzen Beschreibungen Angaben über Abkürzungen,
ggf. über Titeländerungen, über Herausgeber und,
soweit vorhanden, E-Mail-Adressen zur Kontaktaufnahme, soweit
vorhanden über Verlage, über Beginn und eventuell Ende der
Publikation, Erscheinungsweise, über Sprachen der Beiträge,
über die ISSN sowie Links zu vorhandenen Webseiten, soweit sie
gefunden oder angemeldet worden sind. Bei den Mailinglisten sollen
die kurzen Beschreibungen ergänzt werden durch Angaben, wie die
Liste subskribiert werden kann, wer die Liste betreut, seit wann die
Liste existiert und unter Umständen wann sie eingestellt worden
ist sowie in welchen Sprachen Beiträge veröffentlicht
werden können. Von jeder dieser Informationsseiten kann der
Benutzer zu den Unterverzeichnissen gelangen, seien es die
alphabetischen Titellisten oder die Listen nach Epoche, Region,
Sprache oder Thema, um verwandte Zeitschriften oder Mailinglisten zu
finden.
Der Nutzer soll möglichst schnell, ohne großen
Aufwand zu der Information gelangen, die er sucht. Dabei spielt auch
der Gedanke eine Rolle, dass Einstiegsseiten ins Internet von kaum zu
überschätzender Bedeutung sind und vermutlich sogar immer
wichtiger werden. Dazu stehen verschiedene Wege zur Verfügung.
Sucht man nach einer ganz bestimmten Zeitschrift, kann man entweder
die Suchmaschine nutzen und im alphabetischen Gesamtindex nachsehen.
Wenn man sich aber für Zeitschriften zu einem bestimmten Thema
interessiert, so kann man die Unterverzeichnisse konsultieren. Anders
als in Buchform lässt ein Internetverzeichnis diese
Möglichkeiten ohne weiteres zu. Außerdem ist es im
Internet ohne großen Aufwand möglich, einzelne veraltete
Informationen zu aktualisieren. Während es in Buchform nicht
neue Auflagen geben kann, nur weil einige Angaben nicht mehr stimmen,
können im HJG die einzelnen Informationsseiten sofort ersetzt
werden.
Die Notwendigkeit für ein solches Verzeichnis wie
den HJG zeigt sich auch daran, dass seit dem Erscheinen des HPD eine
Reihe von Zeitschriften entweder eingestellt oder umbenannt worden
ist bzw. eine Reihe von Zeitschriften neu entstandenen ist. Derzeit
beinhaltet der HJG Informationen zu über 2600 Periodika und über
550 Mailinglisten sowie Links zu rund 1000 elektronischen Aufsätzen.
Der HPD bietet hingegen Informationen zu über 12000
Zeitschriften. Darum sei an dieser Stelle auch auf zwei allgemeine
Zeitschriftenverzeichnisse verwiesen, nämlich Ulrich's
International Periodicals Directory7
und PubList.com. The Internet Directory of Publications.8
Ersteres ist kostenpflichtig, letzteres steht jedem Internetnutzer
frei zur Verfügung.
3. Es sollen hier aber auch
die Mängel des HJG angesprochen werden. Um das Bild
aufzugreifen, das Ingrid Böhler im ersten Heft von eForum
zeitGeschichte benutzt hat9,
lässt sich ohne Übertreibung sagen, dass der HJG immer noch
eine Baustelle ist. Allerdings sind hier Bauherr, Architekt und
Bauarbeiter ein und dieselbe Person. Der Baustellencharakter ist
daran erkennbar, dass aufgrund von Layoutänderungen im Laufe der
Zeit nicht alle Seiten einheitlich gestaltet sind. Außerdem
enthalten die Unterverzeichnisse noch nicht alle dazugehörigen
Titel. Es müssen immer noch viele Zeitschriften
"katalogisiert" werden. Bei den Mailinglisten sieht die Situation
etwas besser aus, wohl auch aufgrund des geringeren Umfangs. Die
Bibliographie elektronischer Aufsätze bietet zur Zeit nur ein
Autorenverzeichnis. Unterrubriken wie für Periodika und
Mailinglisten sind bisher nur angedacht. Ferner sind noch nicht alle
Zeitschriften und Listen entsprechend den Vorgaben "beschrieben"
worden. Bei den Zeitschriften trifft das vor allem auf die Einträge
vor Mai 1999 zu.
An diesem Gesamtzustand wird sich wohl in
nächster Zeit auch nicht viel ändern. Der HJG ist bis heute
ein Ein-Mann-Projekt, es besteht weder eine institutionelle noch eine
finanzielle Unterstützung. Um die Internetrecherchen durchführen
zu können, stehen mir als Promotionsstudent die "öffentlichen"
Computerräume der Universität Köln zur Verfügung.
Allerdings nimmt mittlerweile die Online-Tätigkeit nicht mehr
die meiste Zeit in Anspruch. Das Erstellen der Informationsseiten,
das Überarbeiten der einzelnen Unterrubriken, die
Informationsrecherche in anderen Hilfsmitteln usw. finden meistens
"offline" statt.
Damit ist auch ein weiteres Problem
angesprochen, nämlich die Aktualisierung der Informationen. Ich
muss dabei gestehen, dass ich schon nicht mehr genau weiß, wie
viele externe Links der HJG enthält. Es lässt sich nur eine
Untergrenze angeben aufgrund der Titelanzahl der Zeitschriften und
Mailinglisten und der Einträge in der Bibliographie. So gibt es
wenigstens 4100 externe Links. Da es aber zu einigen Zeitschriften
zwei, drei oder mehr Webseiten im Netz gibt, da einige elektronische
Aufsätze in verschiedenen Formaten, meistens in HTML und PDF,
vorliegen, dürfte die Gesamtzahl noch um einiges höher
sein.
Die Arbeitsleistung ist im Grunde nicht mehr von einer
Person zu erbringen, die zudem eigentlich nur nebenher an dem Projekt
arbeitet und hauptsächlich an einer Dissertation schreibt (oder
schreiben sollte). Die Hoffnung, dass durch Anmeldungen neuer
Zeitschriften bzw. Update-Meldungen die Arbeit entlastet würde,
hat sich leider nicht erfüllt. Die Zahl der eingehenden Mails
ist gering, ausgenommen Werbemails. Dies könnte man dahingehend
deuten, dass der Nutzen des Verzeichnisses vielleicht doch nicht als
so hoch angesehen wird. Andererseits verzeichnet der Newsletter
(noch) einen stetigen Anstieg an Subskribenten, so dass es
mittlerweile über 520 Einzelabonnenten und eine Kooperation mit
einer Mailingliste gibt. So scheinen die angebotenen Informationen
durchaus als nützlich empfunden zu werden. Dies deutet wiederum
auf eine eher passive Haltung der Nutzer hin.
Figure 1: Besucherzahlen seit Februar 2000 (Auf Grund einer Zählerumstellung ab 7. Februar 2000, 10:58 Uhr.)
Table 1: Herkunft der Besucher (Zwischen 7. Februar 2000, 10:58 Uhr und 9. April 2001, 15.25)
|
|
Land |
Zahl |
% |
|
Land |
Zahl |
% |
|
- |
unknown |
16661 |
31.67 |
.se |
Schweden |
206 |
0.39 |
|
.com |
US Commercial |
8425 |
16.01 |
.ru |
Rußland |
168 |
0.31 |
|
.net |
Network |
7386 |
14.04 |
.gov |
US Government |
168 |
0.31 |
|
.de |
Deutschland |
5568 |
10.58 |
.jp |
Japan |
165 |
0.31 |
|
.edu |
US Educational |
3581 |
6.80 |
.nz |
Neuseeland |
161 |
0.30 |
|
.uk |
Großbritannien |
2042 |
3.88 |
.gr |
Griechenland |
159 |
0.30 |
|
.ca |
Kanada |
817 |
1.55 |
.pl |
Polen |
155 |
0.29 |
|
.au |
Australien |
803 |
1.52 |
.mil |
US Military |
141 |
0.26 |
|
.at |
Österreich |
791 |
1.50 |
.il |
Israel |
135 |
0.25 |
|
.ch |
Schweiz |
520 |
0.98 |
.ie |
Irland |
111 |
0.21 |
|
.us |
USA |
452 |
0.85 |
.ar |
Argentinien |
108 |
0.20 |
|
.nl |
Niederlande |
452 |
0.85 |
.hu |
Ungarn |
108 |
0.20 |
|
.fr |
Frankreich |
446 |
0.84 |
.mx |
Mexiko |
90 |
0.17 |
|
.it |
Italien |
412 |
0.78 |
.no |
Norwegen |
90 |
0.17 |
|
.be |
Belgien |
325 |
0.61 |
.sg |
Singapur |
83 |
0.15 |
|
.dk |
Dänemark |
307 |
0.58 |
.br |
Brasilien |
65 |
0.12 |
|
.es |
Spanien |
247 |
0.46 |
.cz |
Tschechien |
62 |
0.11 |
|
.org |
Non-Profit Org. |
232 |
0.44 |
.tr |
Türkei |
54 |
0.10 |
|
.fi |
Finnland |
214 |
0.40 |
.pt |
Portugal |
48 |
0.09 |
|
Weitere 57 Herkunftsangaben wurden registriert. |
|||||||
1.
Bei der überwiegenden Mehrzahl der Zeitschrifteneinträge im
HJG handelt es sich um konventionelle (gedruckte, traditionelle)
Periodika. Zu diesen finden sich im Internet Webseiten, die von den
Herausgebern, den Verlagen oder Dritten erstellt worden sind. Die
angebotenen Informationen sind dabei höchst unterschiedlich. Sie
reichen von wenigen allgemeinen Hinweisen bis zu umfangreichen
Angaben mit z.B. einem vollständigen Index der Zeitschrift.
Statt der kompletten Inhaltsverzeichnisse erhält man aber
häufiger nur die für die aktuelle Ausgabe bzw. für die
letzten Hefte. Teilweise werden auch Zusammenfassungen von Aufsätzen
ins Netz gestellt.
Zweifellos bieten solche
Inhaltsverzeichnisse einen Nutzen. Der Vorteil liegt darin, dass man
sich schnell über neu erschienene Aufsätze und andere
Beiträge informieren kann, vor allem hinsichtlich jener
Zeitschriften, welche die Bibliotheken vor Ort nicht abonniert haben.
Über Aufsatzlieferdienste kann man sich dann - bei Interesse -
den jeweiligen Artikel bestellen. Beispiele für solche,
natürlich kostenpflichtige Dienste sind GBVdirekt10,
Subito11
oder Uncover12.
Die Bereitstellung von Inhaltsverzeichnissen auf Webseiten
der Herausgeber, Verlage oder anderer, so nützlich sie sein mag,
bedeutet für Internetnutzer aber auch einen letztlich hohen
Aufwand, um an die Informationen zu kommen, die möglicherweise
für die eigene Forschungstätigkeit von Interesse sein
könnten. Selbst über ein Webverzeichnis für
Zeitschriften, das eben die Links zu den Internetseiten bereitstellt,
dürfte der Aufwand so hoch sein, dass die meisten Nutzer es wohl
eher bleiben lassen, die einzelnen Webseiten von Zeitschriften
regelmäßig aufzusuchen.
Hierin dürfte wohl
auch der Grund zu sehen sein, warum einige Verlage sogenannte
"Benachrichtigungsdienste" eingerichtet haben, um die
Forschungsgemeinschaft über neu erschienene Hefte zu
informieren. Ein solcher Dienst ist beispielsweise Content
Alerting von Oxford University Press.13
Hier hat man die Möglichkeit, sich die neuesten
Inhaltsverzeichnisse von einer oder mehreren Zeitschriften per E-Mail
zuschicken zu lassen, so z.B. von English Historical Review,
Holocaust and Genocide Research und Twentieth Century British
History. Andere Beispiele für solche Dienste sind Kluwer
Alert14
von Kluwer Academic Publishers und SARA - Scholarly Articles
Research Alerting15
von der Taylor & Francis Group, zu der u.a. die Verlage Taylor &
Francis, Carfax und Routledge gehören. Aber nicht nur Verlage
haben solche Dienste eingerichtet, sondern auch andere Einrichtungen
wie z.B. The British Library. Deren Service inside alert16
bietet die neuesten Inhaltsverzeichnisse für über 20000
Zeitschriften an. Im Gegensatz zu den Verlagsangeboten ist dieser
Dienst allerdings kostenpflichtig.
Für Zeitschriften,
die man selbst regelmäßig liest, weil man sie selbst oder
Bibliotheken vor Ort abonniert haben, haben solche Dienste wohl eher
keinen großen Nutzen. Und ob man sie für andere
Zeitschriften nutzt, erscheint mir etwas fraglich. Eine andere
Möglichkeit für Verlage und Herausgeber, neue Aufsätze
bzw. Hefte anzukündigen, - die wohlmöglich auch effektiver
ist - sind Mailinglisten. Hier ist der Aufwand für die Nutzer
geringer und der für die Anbieter dürfte letztlich nicht
höher sein, als wenn sie einen eigenen Benachrichtigungsdienst
einrichten. Eine Kombination beider Möglichkeiten ist zudem auch
möglich. So stoßen etwa bei H-Soz-u-Kult die regelmäßig
verbreiteten Inhaltsverzeichnisse und ggf. auch Abstracts aktueller
Hefte von mittlerweile über 60 Fachzeitschriften auf ein großes
Interesse bei den Subskribenten.17
2. Für Literaturrecherchen sind all diese
Angebote aber eher wenig geeignet. Hier gibt es andere Hilfsmittel,
die auch online verfügbar sind. Dazu gehört z.B. die von
der Arbeitsgemeinschaft außeruniversitärer historischer
Forschungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland e.V. (AHF)
herausgegebene Historische Bibliographie18.
Die Online-Fassung umfasst die Berichtsjahre 1990 bis 1999 und
enthält ungefähr 109000 bibliographische Einträge.
Erfasst werden neben in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland
erschienenen Büchern auch deutsch- und fremdsprachige
Zeitschriftenaufsätze, Beiträge aus Sammelwerken sowie
sonstige Veröffentlichungen. Zur Probe kann im Jahrgang 1997
ohne Einschränkungen kostenlos recherchiert werden. Ebenfalls im
Internet stehen seit April 1999 die Jahresberichte für
deutsche Geschichte19,
die deutsch- und fremdsprachiges Schrifttum zur deutschen Geschichte
erfasst. Dazu zählen wissenschaftliche Monographien,
Sammelbände, Zeitschriftenaufsätze, Quelleneditionen,
Nachschlagewerke und Bibliographien. Zu nennen ist ebenfalls die
Österreichische Historische Bibliographie20
(ÖHB). Die ÖHB verzeichnet Publikationen der
österreichischen Geschichtsforschung, soweit sie denn in
Österreich erschienen sind. Dazu zählen Monographien,
Reihenwerke, Artikel aus Festschriften, Sammelwerken und
Zeitschriften, ebenso aus Aufsatzsammlungen, Katalogen, Kongress- und
Tagungsbänden sowie Diplomarbeiten, Dissertationen und
Habilitationsschriften, aber auch Sach- und Personalbibliographien zu
historischen Themen. Die gesamte Bibliographie ist online abrufbar.
Für die Recherche von Literatur sind zweifellos
Bibliographien von großer Bedeutung. Davon stehen mittlerweile
unzählige im Internet, wobei sich auch hier für Nutzer das
Problem stellt, wie man sie auf einfachem und schnellem Wege findet.
Seit kurzem gibt es auch hierfür ein Verzeichnis unter dem Titel
Online-Bibliographies for Historians: A Directory21.
Dieses hat neben einem alphabetischen Gesamtindex auch
chronologische, geographische und thematische Unterverzeichnisse.
Mittlerweile finden sich hier über 630 Einträge.
3.
Speziell für die Suche nach Zeitschriftenliteratur sind die
beiden von ABC-Clio herausgegebenen bibliographischen Datenbanken
Historical Abstracts und America: History and Life22
zu nennen. Erstere umfasst den Zeitraum von 1450 bis zur Gegenwart
ohne Berücksichtigung der USA und Kanada, letztere erschließt
die Geschichte und Kultur eben dieser beiden Länder. Über
2000 Zeitschriften werden weltweit erschlossen. Beide Datenbanken
werden nun auch über das Internet angeboten, wobei die
Online-Versionen jeweils monatlich aktualisiert werden. Nützlich
sind die Datenbanken auch wegen der gelieferten Zusammenfassungen von
Aufsätzen. Interessierten stehen kostenlose Probe-Datenbanken
zur Verfügung, die jeweils auf einer älteren gedruckten
Ausgabe basieren. Sie dienen als "Anschauungsmaterial" für die
Einrichtungen, welche die Datenbanken (noch) nicht subskribiert
haben. Für die Benutzung ist kein Passwort notwendig.
Ein
weiteres Internet-Angebot ist PCIWeb23
(= Periodicals Contents Index Web). Dabei handelt es sich um eine
Datenbank, die von Chadwyck-Healey angeboten wird. Sie erfasst
Tausende von Periodika der Geistes- und Sozialwissenschaften. Jeder
Artikel von der jeweils ersten Ausgabe bis - allerdings nur - zum
Jahr 1990/91 wird erfasst, womit Recherchen zur neuesten Literatur
nicht möglich sind. Die kostenpflichtige Datenbank wird
kontinuierlich ausgebaut und kann nur von Bibliotheken und anderen
wissenschaftlichen Einrichtungen bezogen werden.
Daneben gibt
es aber auch für Nutzer kostenfreie Dienste, wie z.B. TOCS-IN24
(= Tables of Contents of Journals of Interest to Classicists).
Bereits seit 1992 werden hier Inhaltsverzeichnisse archiviert, so
dass bis heute rund 160 Zeitschriften erfasst worden sind und die
Datenbank über 29000 Aufsätze (Stand: März 2001)
beinhaltet. Mehr als 70 "ehrenamtliche Mitarbeiter" aus 14 Ländern
arbeiten an dem Projekt mit. Links zu Zusammenfassungen oder gar zu
Volltexten werden, wenn vorhanden, hinzugefügt. Seit vergangenem
Jahr werden auch Festschriften und Sammelbände von Konferenzen
indiziert. In der Regel sind die Zeitschrifteninhaltsverzeichnisse
erst ab 1992 aufgenommen, teilweise aber auch frühere Ausgaben.
Dem Benutzer steht lediglich eine Suchmaschine zur Verfügung.
Ein
anderer Dienst ist Contents Pages from Law Reviews and Other
Scholarly Journals25,
angeboten von der Tarlton Law Library an der University of Texas,
Austin. Über 750 englischsprachige Zeitschriften weltweit werden
erfasst, wobei ein gewisser Schwerpunkt auf den USA liegt. Es steht
lediglich ein Suchfeld zur Verfügung. Zudem werden nur die
Inhaltsverzeichnisse der Zeitschriften erfasst, welche die Bibliothek
in den letzten drei Monaten erhalten hat. Artikel können über
den von der Bibliothek angebotenen Dokumentenlieferdienst bestellt
werden, natürlich gegen Bezahlung.
Ein wichtiges und
hilfreiches Angebot ist das von Stuart Jenks geschaffene
Zeitschriftenfreihandmagazin26
(ZFHM), das seit Ende 1997 online ist. Dabei handelt es sich um eine
Datenbank mit Inhaltsverzeichnissen geschichtswissenschaftlicher
Zeitschriften, aber auch monographischer Reihen und Festschriften in
deutscher Sprache. Drei Überlegungen standen am Anfang des
Projektes. Erstens soll das ZFHM helfen, Beiträge in deutschen
Geschichtszeitschriften weltweit bekannter zu machen, zumal ja die
deutsche Geschichtsforschung nicht mehr den Bekanntheitsgrad in der
Welt hat, wie es möglicherweise früher einmal der Fall war.
Zweitens sollen genaue bibliographische Angaben - vollständiger
Name des Autors, genauer Titel des Aufsatzes, exakte Seitenzahlen -
geliefert werden, die beispielsweise nötig sind, um Aufsätze
per Fernleihe bestellen zu können. Aber auch für die
Erstellung von Literaturverzeichnissen können all diese Angaben
hilfreich sein. Drittens bietet das ZFHM die Möglichkeit,
Literatur zu finden, auch in den Fällen, in denen man z.B. nur
den Nachnamen des Autors und den Zeitschriftentitel ohne weitere
Angaben zur Verfügung hat. Über eine Suchmaschine kann man
die genauen Angaben ermitteln. Zudem ist es möglich, die
Datenbank nach einem beliebigen Stichwort durchsuchen zu
lassen.
Anders als bei TOCS-IN gibt es eine alphabetische
Liste der aufgenommenen Zeitschriften, so dass man die einzelnen
Bände auch einzeln durchgehen kann - was man so schön auch
als "Browsen" bezeichnet. Ferner gibt es keine zeitliche
Beschränkung - weder nach vorne noch nach hinten. Alle Titel
sollen vollständig erfasst werden, von der ersten bis zur
letzten bzw. aktuellsten Ausgabe. Dabei kann es durchaus vorkommen,
dass die neuesten Inhaltsverzeichnisse noch nicht im ZFHM vorhanden
sind. Eine Auflistung aller bisher erfassten Titel wird hier nicht
erfolgen, denn es sind die Inhaltsverzeichnisse von über 150 in
der Datenbank enthalten. Die Zahl nimmt stetig zu. Das ZFHM
überschreitet seit kurzem auch seine "Sprachgrenze", indem
auch englischsprachige Zeitschriften aufgenommen werden.
1. Kommen wir nun
zu den Volltextzeitschriften, die online verfügbar sind. Hierbei
kann man zwei Gruppen unterscheiden: zum einen elektronische
Parallelausgaben von konventionellen Zeitschriften, zum anderen
originäre elektronische Zeitschriften. Für die erste Gruppe
gibt es verschiedene Dienste.27
Hierbei kann man grundsätzlich unterscheiden zwischen Verlagen,
die ihre Zeitschriften selbst zusätzlich in elektronischer Form
anbieten, und Service Providern, bei denen elektronische
Parallelausgaben für Zeitschriften verschiedener Verlage zu
finden sind. Zu letzterer Gruppe gehören z.B. CatchWord,
ingentaJournals, IDEAL und Project Muse.
Für
den Nutzer selbst ist natürlich von Interesse, auf welche
elektronischen Parallelausgaben er oder sie zugreifen kann. Teilweise
sind auch Subskriptionen von Einzelpersonen möglich, die hier
außer acht gelassen werden. In Deutschland existiert dazu die
Elektronische Zeitschriftenbibliothek28
(EZB). Dabei handelt es sich um einen kooperativen Dienst von 140
Bibliotheken mit dem Ziel, ihren Nutzern einen einfachen und
komfortablen Zugang zu elektronisch erscheinenden wissenschaftlichen
Zeitschriften zu verschaffen. Dieser Service wurde im Rahmen eines
Projektes von der Universitätsbibliothek Regensburg in
Kooperation mit der Bibliothek der Technischen Universität
München entwickelt. Aufgenommen werden alle Zeitschriften, die
Artikel im Volltext anbieten. Die EZB umfasst 9118 Titel, davon 931
reine Online-Zeitschriften, zu allen Fachgebieten. 1978
Fachzeitschriften sind im Volltext frei zugänglich (Stand: 9.
April 2001). Nicht jede Zeitschrift ist dabei für jeden
Internetnutzer frei zugänglich. Dies ist abhängig davon, ob
die jeweilige Bibliothek die Zeitschrift abonniert hat oder
nicht.
Damit ist die EZB die größte Sammlung
solcher Zeitschriften in Deutschland. Die Zeitschriftenbibliothek
besteht aus einer alphabetischen Gesamtliste und fachlichen Listen.
Zudem besteht die Möglichkeit einer Stichwortsuche. Die
fachlichen Schwerpunkte liegen hier auf Medizin, Technik, Biologie
und Chemie, des Weiteren Wirtschaftswissenschaften, Physik,
Informatik und Mathematik. Dieser Umstand dürfte damit zu
erklären sein, dass die elektronische Verbreitung von
konventionellen Zeitschriften in diesen Disziplinen weiter verbreitet
ist. Die EBZ zeigt, dass zu konventionellen deutschsprachigen
Zeitschriften aus dem Bereich der Geschichtswissenschaft bislang
keine elektronischen Parallelausgaben vorliegen. Die EBZ soll in
Zukunft weiter ausgebaut werden durch die Integration neuer
Benutzerdienste. So sind beispielsweise die Erstellung einer
englischsprachigen Oberfläche, die Verbesserung der
Suchfunktionen durch eine Aufsatzsuche sowie die Einführung von
Alerting-Diensten geplant.
An der Niedersächsischen
Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen wurde
ebenfalls eine digitale Zeitschriftenbibliothek aufgebaut: Gemeinsame
Elektronische Zeitschriftenbibliothek - Niedersachsen (GEZ-N)29.
1999 wurde eine Kooperation mit der EZB beschlossen. Ein anderes
Projekt ist ELib30
an der Universität Osnabrück. Obwohl man hier zwei Typen
unterscheidet, nämlich elektronische Parallelausgaben und reine
Internet-Zeitschriften, enthält die Liste mit elektronischen
Zeitschriften auch solche Titel, zu denen lediglich
Inhaltsverzeichnisse online verfügbar sind.
Ein speziell
für Historiker interessantes Projekt ist die History
Cooperative31.
Dabei handelt es sich um ein seit März 2000 existierendes
Kooperationsprojekt von American Historical Association, Organization
of American Historians, University of Illinois Press und National
Academy Press. Hier werden elektronische Parallelausgaben der beiden
Zeitschriften American Historical Review und Journal of American
History angeboten. Der Service soll weiter ausgebaut werden, indem
jährlich fünf bis sieben amerikanische und auch
internationale Periodika hinzugefügt werden sollen.
All
diese Dienste bieten elektronische Parallelausgaben im günstigsten
Fall für die letzten paar Jahre an. Die Zeitschriften werden
aber nicht von der ersten Ausgabe an erfasst. Dies hat sich JSTOR32
zur Aufgabe gemacht.33
Allerdings werden die Ausgaben der letzten zwei bis fünf Jahre
hier nicht zur Verfügung gestellt. Damit ist diese
Zeitschriftendatenbank nicht nur ein wichtiges Instrument für
die Literatursuche, sondern gerade für Historiker auch eine
umfangreiche Quellensammlung.
2. Kommen wir nun zu den
originären Internet-Periodika. Wie viele solcher elektronischen
Zeitschriften es für den Bereich der Geschichtswissenschaft
gibt, ist gar nicht so einfach zu sagen.34
Das hängt natürlich auch davon ab, wie weit oder eng man
die Geschichte definiert. Der HJG listet derzeit über 200
Titel35
sowie über 30 elektronische Newsletters.36
Ende Juni 2000 waren es noch 152 Zeitschriften und 29 Newsletter.37
Der Anstieg ist nicht nur durch seitdem neu entstandene Periodika zu
erklären, sondern auch dadurch, dass durch eigene Recherchen
bereits existierende Zeitschriften gefunden wurden.
Einige
dieser im HJG aufgeführten Internet-Periodika wurden bereits
wieder eingestellt, zu einigen gibt es keine Spuren mehr, wohingegen
sich zu anderen immer noch die Homepage findet. Daneben gibt es
elektronische Zeitschriften, bei denen man nicht wirklich weiß,
ob sie eingestellt worden sind oder nicht. Nichtsdestotrotz gibt es
eine - gewisse - Tendenz zur elektronischen Publikation. Für das
Jahr 2001 sind bereits sechs neue Online-Zeitschriften angekündigt
bzw. bereits zum ersten Mal erschienen, darunter ja auch eForum
zeitGeschichte. An dieser Stelle sollen zunächst einmal
insbesondere für Zeithistoriker interessante elektronische
Zeitschriften kurz vorgestellt werden (ausgenommen eForum
zeitGeschichte):
Cold War International History Project (CWIHP) Bulletin38 erscheint seit 1992 halbjährlich und veröffentlicht ins Englische übersetzte Dokumente aus Archiven des ehemaligen Ostblocks, die für die Geschichte des Kalten Kriegs von Bedeutung sind. Die Ausgaben stehen sowohl in einer HTML- als auch einer PDF-Fassung frei zur Verfügung.
European Integration online Papers39 (EIoP) publiziert seit 1997 englisch- und deutschsprachige Arbeitspapiere, die sich mit der Europäischen Integration befassen. Ziel von EIoP ist es, Forschungsergebnisse so schnell und einfach wie möglich zu verbreiten. Angenommen werden Beiträge aus der Rechtswissenschaft, der Politikwissenschaft, der Ökonomie, der Soziologie und der Geschichte. Bislang wurden über 60 Artikel in HTML, PDF und teilweise auch PS veröffentlicht, die alle ein Peer-Review Verfahren durchlaufen. Den Autoren steht die Möglichkeit offen, ihre Arbeitspapiere gleichzeitig oder später auch in konventionellen Zeitschriften zu veröffentlichen. Die Arbeitspapiere sind mindestens sechs Monate lang erhältlich. EIoP versteht sich selbst nicht als Zeitschrift. Benutzer können sich in eine Mailingliste eintragen, um über neue Beiträge per E-Mail informiert zu werden.
Hispania Nova. Revista de Historia Contemporánea40 ist vor allem der spanischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts gewidmet. Die Artikel werden einzeln veröffentlicht, sobald sie das Peer-Review Verfahren durchlaufen haben. Die Herausgeber bieten einen Benachrichtigungsdienst per E-Mail an.
Intermarium. The First Online Journal of East Central European Postwar History and Politics41 befasst sich mit der Geschichte und Politik Zentral- und Osteuropas nach dem 2. Weltkrieg. Die Zeitschrift erscheint seit 1997 und gibt drei Hefte pro Jahr heraus. Die englischsprachigen Artikel - bislang 36 - werden in PDF-Format veröffentlicht. Es fehlen allerdings Angaben über das Erscheinungsdatum. Daneben gibt es auch Buchbesprechungen und Konferenzankündigungen.
University of Sussex Journal of Contemporary History42 ist eine halbjährlich erscheinende Zeitschrift, die dem Austausch unter Doktoranden dienen soll. Die erste Ausgabe erschien im September 2000. Nur das aktuelle Heft ist online verfügbar. Um Kopien älterer Aufsätze zu erhalten, muss man sich an die Herausgeber wenden.
20th Century Women. The e-journal of first person biography43 veröffentlicht Geschichten über außergewöhnliche Leben von gewöhnlichen Frauen im 20. Jahrhundert. Darin soll über deren Erfahrungen in der Familie, am Arbeitsplatz und allgemein in der Gesellschaft erzählt werden. Die Zeitschrift erscheint seit vergangenem Jahr.
Daneben gibt es noch andere elektronische Zeitschriften, die zwar keinen speziellen Schwerpunkt auf die Zeitgeschichte legen, dennoch aber von Nutzen für die zeithistorische Forschung sein können:
African Studies Quarterly. The Online Journal of African Studies44 wird seit 1997 vom Center for African Studies an der University of Florida herausgegeben. Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich und befasst sich mit dem gesamten afrikanischen Kontinent. Es besteht die Möglichkeit, die gesamte Zeitschrift nach Schlagworten durchsuchen zu lassen.
American Diplomacy45 veröffentlicht seit 1996 Beiträge zur US-amerikanischen Außenpolitik und zu Fragen der nationalen Sicherheit. Jedes Jahr werden vier Hefte ins Netz gestellt. Alle Beiträge können nach Stichworten durchsucht werden.
Cromohs46 ist eine elektronische Zeitschrift zur modernen Geschichtsschreibung seit dem 15. Jahrhundert. Berücksichtigt werden auch Fragen der Methodik und Didaktik der Geschichte. Beiträge können in Englisch, Französisch und Italienisch, aber auch Deutsch eingereicht werden. Jeder Band beginnt mit dem 1. Januar eines Jahres und bis zum 31. Dezember desselben Jahres werden Beiträge in dieser Ausgabe hinzugefügt. Cromohs erscheint bereits seit 1995.
Demographic Research47 publiziert interdisziplinäre Beiträge zur Demographie, sei es aus den Sozialwissenschaften, der Statistik oder gar über das Fach selbst. Die erste Ausgabe erschien 1999. Nutzer können sich per E-Mail über neue Artikel informieren lassen. Auch hier wurde zwar eine Bandzählung beibehalten, aber jeder Aufsatz wird einzeln im PDF-Format veröffentlicht, nachdem das Peer-Review Verfahren abgeschlossen ist. Jeder Band umfasst den Zeitraum von sechs Monaten. Jährlich wird zudem eine CD-ROM mit den Beiträgen herausgegeben.
The Electronic Journal of Australian and New Zealand History48 befasst sich, wie schon der Name sagt, mit der Geschichte Australiens und Neuseelands. Die Zeitschrift erscheint seit 1995 und gehört damit, wie Cromohs, zu den ältesten noch existierenden Internet-Periodika der Geschichtswissenschaft. Ein Peer-Review Verfahren soll die Qualität der Aufsätze gewährleisten.
electronic Journal of International History49 hat zum ersten Mal im letzten Jahr einen Aufsatz veröffentlicht. Seitdem sind bislang sechs Beiträge ins Netz gestellt worden. Eine Bandzählung gibt es nicht, stattdessen wird jeder Aufsatz dann online geschaltet, wenn er das Peer-Review Verfahren durchlaufen hat. Zunächst war an vier Hefte im Jahr gedacht worden, wenn die Angaben im HJG stimmen. Herausgegeben wird die Zeitschrift vom Institute of Contemporary British History. Ursprünglich lag der thematische Schwerpunkt der Zeitschrift auf der Geschichte der britischen internationalen Politik ab 1870, wie aus Eintrag im HJG hervorgeht und die bisher veröffentlichten Aufsätze auch zeigen. Mittlerweile wurde das Blickfeld erweitert auf die allgemeine internationale Geschichte seit 1500.
forum historiae iuris50 will den "ursprünglichen Idealen der wissenschaftlichen Kommunikation" nahe kommen, bevor auch der elektronische Markt kommerzialisiert wird. Hier ist vielleicht anzumerken, dass fast alle im HJG aufgeführten Internet-Zeitschriften kostenlos sind. Seit Mai 1997 sind über 50 Aufsätze zu den unterschiedlichsten rechtshistorischen Themen erschienen. Beiträge können in Deutsch, Englisch oder Französisch verfasst werden. Auch hier wird Aufsatz für Aufsatz veröffentlicht ohne jegliche Bandzählung. Die Zeitschrift will vor allem jüngeren Wissenschaftlern die Möglichkeit zur Publikation bieten.
Forum Qualitative Sozialforschung. Theorien, Methoden, Anwendungen51 (FQS) bringt drei Hefte im Jahr heraus, veröffentlicht aber auch nebenher einzelne Beiträge. Die erste Ausgabe erschien im Januar 2000. Alle Beiträge werden einem Peer-Review Verfahren unterworfen. Ziel ist es, die Diskussion und den Austausch unter Forschern verschiedener Nationalität und Disziplin zu fördern. Zu den angesprochenen Disziplinen gehören u.a. Anthropologie, Ethnologie, Geschichte, Kriminologie, Kulturwissenschaften, Politik, Psychologie, Soziologie und Volkskunde. Die einzelnen Beiträge können in einem Diskussionsforum der Zeitschrift diskutiert werden.
Fundus. Forum für Geschichte und ihre Quellen52 wird seit 1998 herausgegeben. Bis letztes Jahr lautete der Untertitel "Online-Forum für Geschichte, Politik und Kultur der Späten Neuzeit". Die Ausrichtung der Zeitschrift hat sich nun geändert, indem sie sich nun mit der Geschichte und ihren Quellen befasst, insbesondere der elektronischen Edition. Die Beiträge erscheinen im PDF-Format. Während eines Kalenderjahres können Beiträge zu einem Jahresband veröffentlicht werden, der anschließend auch auf CD-ROM erscheint.
Genders53 war ursprünglich eine konventionelle Zeitschrift, die 1988 gegründet worden ist und die seit 1998 ausschließlich im Internet erscheint. Sie widmet sich der Geschlechtergeschichte, und zwar auch in historischer Hinsicht. Dabei gibt es keine Begrenzung auf einen bestimmten Zeitraum. Die Zeitschrift erscheint halbjährlich.
H-Net Reviews54 veröffentlicht Buch-, aber auch Multimedia-Besprechungen u.a. aus allen Bereichen der Geschichtswissenschaft. Es besteht die Möglichkeit, die aktuellen Besprechungen jeweils per E-Mail zu erhalten. Außerdem steht ein Archiv aller seit 1993 über H-Net veröffentlichten Rezensionen zur Verfügung, für das auch eine Suchmaschine vorhanden ist.
IDEA. A Journal of Social Issues55 befasst sich mit der Erforschung von Genoziden im 20. Jahrhundert. Seit 1996 werden hier englischsprachige Beiträge veröffentlicht. In unregelmäßigen Abständen werden Aufsätze und Rezensionen ins Netz gestellt. Über eine Mailingliste werden Neuerscheinungen angekündigt. Die Zeitschrift hat außerdem ein Diskussionsforum eingerichtet.
Intersections. Gender, History & Culture in the Asian Context56 ist eine Zeitschrift über Geschlechterstudien in Asien, die seit September 1998 erscheint. Es werden auch historische Beiträge publiziert.
Journal of International Women's Studies57 untersucht den Zusammenhang von feministischer Theorie und der Herausbildung von Organisationsformen. Da kein Erscheinungsdatum auf den Seiten angegeben wird, bleibt offen, seit wann die Aufsätze online verfügbar sind und ob die Zeitschrift überhaupt noch existiert.
Journal of Military and Strategic Studies. The Electronic Journal of the Centre for Military and Strategic Studies58 erscheint halbjährlich und veröffentlicht seit 1998 Beiträge zu Militär- und Sicherheitsfragen, darunter auch Aufsätze mit militärhistorischem Schwerpunkt. Für die Zeitschrift steht zudem eine Suchmaschine zur Verfügung.
The Journal of the Association for History and Computing59 beschäftigt sich mit dem Gebrauch des Computers in Forschung und Lehre. Seit 1998 erscheinen drei Hefte im Jahr. Die Beiträge werden in HTML- und PDF-Format verbreitet. Die Zeitschrift hat bisher über 60 Aufsätze publiziert, die alle ein Peer-Review Verfahren durchlaufen haben. Interessierte Leser können sich per E-Mail über neue Ausgaben informieren lassen. Zusätzlich wurde eine Suchmaschine eingerichtet, so dass alle Beiträge nach Stichworten durchsucht werden können.
Journal of World-Systems Research60 ist eine interdisziplinäre Zeitschrift, deren Aufsätze vor allem das modernen Weltsystem analysieren. So werden seit 1995 drei Hefte pro Jahr herausgegeben. Sie richtet sich an Politologen, Historiker, Soziologen, Ethnologen, Archäologen, Ökonomen und Geographen. Mittlerweile werden die Beiträge in HTML- und PDF-Format verbreitet.
Media History Monographs61 veröffentlicht Beiträge zur Geschichte des Journalismus und der Massenmedien. Es heißt zwar, dass die Zeitschrift vierteljährlich erscheine, doch jeder Band enthält nur zwei Hefte mit jeweils einem Aufsatz. Auch diese Zeitschrift nutzt das Peer-Review Verfahren.
The North Star. A Journal of African-American Religious History62 widmet sich seit 1997 der Religionsgeschichte afrikanischer Nachfahren in den USA. Die Zeitschrift veröffentlicht halbjährlich Beiträge, die einen Peer-Review Prozess durchlaufen haben.
Pflegegeschichte online63 wurde Ende 1999 gegründet und veröffentlichte bislang zwei Hefte mit Aufsätzen und Rezensionen zur Pflegegeschichte. Es scheint fast so, als sei die Zeitschrift eingestellt worden, denn im vergangenen Jahr erschien keine Ausgabe. Die Beiträge liegen in HTML- und PDF-Format vor.
Querelles-Net. Rezensionszeitschrift für Frauen- und Geschlechtergeschichte64 wird seit Juni 2000 herausgegeben und erscheint in vier Heften pro Jahr. Im Mittelpunkt steht ein Forum für Neuerscheinungen im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung.
Reviews in History65 veröffentlicht wie H-Net Reviews ausschließlich Rezensionen, und zwar zu Büchern über britische und europäische Geschichte seit dem Mittelalter. Die Besprechungen, die seit 1996 erscheinen, werden auch per E-Mail verschickt. Den Autoren, deren Bücher besprochen werden, wird die Möglichkeit gegeben, eine Antwort auf die Rezension zu schreiben.
Zentrum für Antisemitismusforschung Internet Journal66 existiert seit Mai 1998. Im vergangenen Jahr wurden nochmals Beiträge ins Netz gestellt, wobei allerdings keiner der Aufsätze mit einem Erscheinungsdatum versehen worden ist. Um eine richtige Zeitschrift scheint es sich (noch) nicht zu handeln.
49th Parallel. An Interdisciplinary Journal of North American Studies67 erscheint vierteljährlich. Jedes Heft enthält Beiträge über Geschichte, Politik, Literatur usw. in Nordamerika während des 19. und 20. Jahrhunderts. Wer sich in eine Mailingliste einträgt, wird über neue Ausgaben per E-Mail informiert. Es handelt sich um eine Zeitschrift, die in erster Linie als Publikationsforum für junge Wissenschaftler dienen soll.
3.
Diese Auflistung spiegelt in etwa auch das Erscheinungsbild der
elektronischen Zeitschriften in der Geschichtswissenschaft insgesamt
wider. Sie zeigt die Fehler, die gemacht werden, wie z.B. fehlende
Angaben von Erscheinungsdaten. Sie zeigt, welche Publikationsmodelle
benutzt werden, so die konventionelle Bandzählung, deren
Auflösung und verschiedene Mischformen. Zu den Fragen der
Probleme bei elektronischen Zeitschriften ließe sich noch
vieles schreiben, doch habe ich dies bereits an anderer Stelle getan,
so dass ich hier darauf verzichte.68
Abschließend soll noch kurz die Frage nach der
"Überlebenschance" der elektronischen Zeitschriften beleuchtet
werden.
Ich bin zwar kein Hellseher, doch ich bin mir sicher,
dass einige der hier genannten und der im HJG aufgeführten
Periodika spätestens in ein paar Jahren nicht mehr existieren
werden. Vieles hängt von der Arbeit der Herausgeber ab. Ihnen
muss es gelingen, ihre Zeitschrift bekanntzumachen - bei potentiellen
Autoren und bei potentiellen Lesern. Die Chancen stehen mittlerweile
gar nicht so leicht im Vergleich mit der Situation vor ein paar
Jahren. Ein wichtiges Hilfsmittel dazu stellen die Mailinglisten dar.
Dabei handelt es sich allerdings um eine Möglichkeit, die noch
nicht voll ausgeschöpft wird. Zumindest ist das der Eindruck,
wenn man die Log-Files der H-Net Listen durchsucht.69
Es dürfte auch nicht ausreichen, nur einmal eine Ankündigung
zu verschicken. Die Mailinglisten bieten jedenfalls die Möglichkeit,
auf schnellem und einfachem Wege viele potentielle Leser zu
erreichen. H-Soz-u-Kult beispielsweise hat mittlerweile über
4000 Subskribenten. Geeignete Listen zu finden, ist mittlerweile ja
auch über den HJG möglich.
Eine weitere Möglichkeit
ist die Ankündigung neuer elektronischer Zeitschriften und neuer
elektronischer Aufsätze über den Newsletter des HJG. Damit
verbunden ist ein Eintrag in die Bibliographie für elektronische
Aufsätze. Die Zahl elektronischer Veröffentlichungen ist
mittlerweile so groß, dass es meiner Ansicht nach notwendig
erscheint, diese in einer Bibliographie zu verzeichnen. Zudem hat der
Benutzer die Möglichkeit, von da direkt auf die Aufsätze
zuzugreifen - soweit sich denn die Webadressen zwischenzeitlich nicht
geändert haben. Eine solche Bibliographie erscheint auch deshalb
notwendig, weil elektronische Artikel bislang kaum in
bibliographischen Datenbanken berücksichtigt werden. Historical
Abstracts und America: History and Life indizieren nur zwei
historische Internet-Periodika, nämlich Cromohs und Journal of
the Association for History and Computing.
Die Frage nach dem
"Überleben" ist nicht nur für Online-Zeitschriften
relevant. Selbstverständlich ist sie für alle
Internetprojekte von Bedeutung, wie ja bereits Ingrid Böhler in
ihrem Aufsatz über Zeitgeschichtsforschung und Internet in der
ersten Ausgabe von eForum zeitGeschichte dargelegt hat.70
Sie gilt in hohem Maße auch für den HJG. Natürlich
spielen auch andere Gründe als die "Öffentlichkeitsarbeit"
eine Rolle, vor allem auch eine letztlich gesicherte finanzielle
Basis. So muss denn zum Ende hin offen bleiben, welche Zukunft der
History Journals Guide haben wird.