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zeitGeschichte 2/3 2002
Erfahrungen,
Erinnerungen und Bewertungen1
Österreichisch-jüdische
Emigranten in den USA: Ergebnisse der Austrian Heritage Collection-Fragebogenaktion
Albert Lichtblau
Nuancen
Der folgende Beitrag
beruht auf einer seit 1997 laufenden Fragebogenaktion, für die ehemalige österreichisch-jüdische
NS-Vertriebene und Überlebende in den USA über ihr Leben berichteten. Fragebögen
mit standardisierten Antworten haben den Vorteil, dass sie eindeutig quantifizierbare
Rückschlüsse auf Meinungen und Befindlichkeiten einer befragten Gruppe zulassen,
sie zwingen jedoch die Befragten zu einer vorgegebenen Antwort. Mit dem Austrian
Heritage Collection (AHC)-Projekt schlug das aus mehreren Experten zusammengesetzte
Team, das diesen Fragebogen entwarf, einen anderen Weg ein. Wir wollten weniger
Antworten, die uns eine quantifizierbare Gewichtung erlauben, uns ging es darum,
konkrete Erinnerungen zu sammeln, die uns vielfältige Rückschlüsse auf das Leben
ermöglichen. Es interessierte uns beispielsweise nicht nur, ob jemand in Österreich
Antisemitismus in den persönlichen Beziehungen erlebt hatte, wir wollten auch
eine Darstellung der Vorfälle erhalten. Deswegen haben wir immer wieder um die
Beschreibung von Situationen gebeten. Reihen wir nun alle Antworten aneinander,
verfügen wir über eine außerordentlich interessante historische Quelle, eine Art
Kollektivbiographie der ehemaligen österreichischen Juden.
Wenn es sinnvoll erscheint, werden im Folgenden die Antworten auch statistisch
ausgewertet, damit wir uns in der Vielfältigkeit der Antworten orientieren können.
Dadurch wird der notwendige Blick auf das Generalisierbare gewahrt. Doch die eigentliche
Stärke dieser Quelle ist es, dass sie auf die Besonderheit der individuellen Erfahrungen
von Menschen und die Einzigartigkeit in der Verarbeitung der Vergangenheit hinweist.
Wenn wir mit Statistiken die Antworten auf einige wenige Kategorien zusammenfassen
können, dann eröffnen die detaillierten Beschreibungen einen völlig anderen Raum,
der uns ermöglicht, die Nuancen der Erfahrungen, Erinnerungen und Bewertungen
auszuloten.
Bis zum Verfassen dieses Beitrages wurden vor allem die Geburtsjahrgänge bis 1920
kontaktiert, weswegen eine Alterskohorte überdurchschnittlich stark vertreten
ist: die zwischen 1911 und 1920 Geborenen. Für die Antworten sollte berücksichtigt
werden, dass ca. 80 Prozent der Befragten bereits in Österreich alt genug waren,
um eine Berufslaufbahn einzuschlagen bzw. mit dem Studium zu beginnen. Wenn beispielsweise
jemand 1910 geboren worden war, so war er/sie zur Zeit des "Anschlusses"
bereits 28 Jahre alt. Wir konnten demnach vor allem Menschen erreichen, die den
Nationalsozialismus als junge Erwachsene erlebt hatten. Mit dem AHC-Fragebogen
bilden wir zumeist das Leben im Österreich der 20er und 30er Jahre ab, vereinzelt
reichen die Antworten in die Monarchiezeit zurück. Besonders für die Exilerfahrung
ist das Alter ein wichtiges Kriterium für die Anpassungsfähigkeit an die neue
Gesellschaft. Jene, die noch jung genug waren, um Schulen bzw. Ausbildungsplätze
bzw. Universitätsstudien im Exilland zu durchlaufen, waren viel stärker gezwungen,
sich den Normen des Asyllandes anzupassen, sei es sprachlich oder kulturell.
Tabelle 1: Geburtsjahrgänge
der Personen, deren Fragebögen ausgewertet wurden
| Geburtsjahrgang |
% |
| 1895-1910 |
22,3 |
| 1911-1920 |
61,6 |
| 1921-1930 |
13,6 |
| 1931-1937 |
2,5 |
| gesamt |
100 |
Quelle: AHC, zweiter Fragebogen.
Das Geschlechterverhältnis ist angesichts
der früheren Sterblichkeitsrate von Männern leicht zu deren Ungunsten ausgefallen:
47 % wurden von Männern ausgefüllt und 53 % von Frauen.
Wo liegen die spezifischen Stärken dieses Projektes?
Andere Exilprojekte konzentrierten sich oft auf die Gruppe der Kreativen, seien
es Künstler, Wissenschafter oder Personen, die im Licht der Öffentlichkeit standen.
Dieses Projekt kümmerte sich nicht um den Bekanntheitsgrad, sondern schrieb alle
Personen an.2
Die Antworten ermöglichen somit Einblicke in das Schicksal der "kleinen Leute".3
Auch andere Projekte arbeiteten bereits mit Befragungen und Interviews, und natürlich
standen die Orte mit großer Zahl von Überlebenden und Flüchtlingen, vor allem
New York, im Zentrum der Aufmerksamkeit.4
Dieses Projekt kontaktierte jedoch Menschen überall in den USA und konnte auch
jene erreichen, die in abgelegenen Orten - sogar in Anchorage, Alaska5
- leben. Dennoch: Die im Staat bzw. in der Stadt New York Wohnenden stellen auch
in dieser Auswertung mit knapp einem Drittel (32 %) die größte Gruppe, gefolgt
von jenen, die in Kalifornien (18,1 %), Florida (13,7 %), New Jersey (6,3 %) und
Connecticut (4 %) leben.
Ein Forschungsdefizit lag bislang darin, dass kaum Menschen mit ausgeprägter Religiosität
einbezogen worden waren. Insofern ist es erfreulich, dass aus dieser Gruppe viele
Antworten kamen. Eine weitere Qualität dieses Projektes: Obwohl inzwischen viele
Lokalstudien über das Leben von Juden in Österreich außerhalb Wiens publiziert
wurden, fehlen nach wie vor Studien zu kleineren Landgemeinden. Etliche Personen,
die in derartigen Orten - etwa Piesting, Scheibbs, Laa an der Thaya - aufgewachsen
sind, haben geantwortet.
Das Leben in Österreich bis 1938
Die ersten sieben Fragen
des zweiten Fragebogens beziehen sich auf das Leben bis zum März 1938. Sie konzentrieren
sich auf die soziale Situation, vor allem auf die Aspekte des Zusammenlebens von
Juden und Nichtjuden, die religiöse und politische Orientierung und die drohende
Gefahr durch den Nationalsozialismus.
Zusammenleben
Die Fragen zu den nachbarschaftlichen
Beziehungen von Juden und Nichtjuden, zu den Freundschaften zwischen beiden Gruppen
und zur konkreten Erfahrung mit dem Antisemitismus liefern Informationen über
die Koexistenz beider Gruppen. Die Fragestellung bezog sich auch auf eine in den
80er Jahren in Israel durchgeführte, sehr beeindruckende Studie, in der israelische
Staatsbürger österreichischer Herkunft mit einem umfangreichen Fragebogen über
ihr gesamtes Leben befragt wurden und in zahlreichen lebensgeschichtlich orientierten
Interviews die Antworten nochmals vertiefend ausgeleuchtet wurden.6
Es war das erste Projekt, das empirisch nachweisen konnte, wie isoliert die jüdische
Bevölkerung in Österreich vor dem Nationalsozialismus lebte. Immerhin gaben in
Israel mehr als 80 % der Befragten an, dass sie nur bzw. meist Juden als Freunde
hatten.
Tabelle 2: Israelische
Staatsbürger österreichischer Herkunft über ihren Freundeskreis in Österreich
| Freundeskreis |
% |
VAL % |
| alle Juden |
25,3 |
26,7 |
| meist Juden |
56,8 |
60,0 |
| Minderheit Juden |
10,4 |
11,0 |
| alle Nichtjuden |
2,2 |
2,3 |
| keine Angabe |
5,3 |
- |
| gesamt |
100 |
100 |
n = 2.330
Quelle: Christian Haerpfer, Israelische Bürger österreichischer
Herkunft, Variablenliste. Häufigkeitstabelle, Wien 1990 (unveröffentlichtes
Typoskript), S. 46.
Das Ergebnis des AHC-Projektes tendiert
in dieselbe Richtung, wenn auch nicht derart ausgeprägt. Immerhin gaben mehr als
die Hälfte der Befragten an, dass sie entweder nur oder meist jüdische Freunde
bzw. Bekannte hatten. Vor einem direkten Vergleich der Antworten sei aus methodischen
Gründen gewarnt. In den USA wurde nach dem Freundes- und Bekanntenkreis gefragt,
in Israel lediglich nach dem Freundeskreis. Außerdem waren in den USA keine Antwortmuster
vorgegeben, d. h. die Reduktion auf die unten angeführten Kategorien erfolgte
erst nachträglich. Wenn jemand mit dem Begriff "mixed" antwortete, so
sagt das noch nichts über das Verhältnis aus und muss nicht bedeuten, dass der
Freundeskreis ausgewogen war.
Tabelle 3: AHC-Projekt:
Bitte beschreiben Sie Ihren Freundes- und Bekanntenkreis.
(In Klammer wurden zur Konkretisierung folgende Fragen gestellt: Waren [Ihre
Freunde und Bekannten] meist jüdisch oder nichtjüdisch? Hatten Sie nichtjüdische
Freunde? )
| Freundes- und Bekanntenkreis |
% |
VAL % |
| alle Juden |
17,3 |
20,6 |
| meist Juden |
34,5 |
41,2 |
| Familie |
3,0 |
3,5 |
| gemischt |
22,6 |
27,0 |
| meist Nichtjuden |
5,9 |
7,1 |
| keine Freunde |
0,5 |
0,6 |
| unklar |
9,2 |
- |
| keine Antwort |
7,0 |
- |
| gesamt |
100 |
100 |
n = 377
Quelle: AHC, zweiter Fragebogen.
Die Zahlen lassen sich aus mehreren
Perspektiven interpretieren. Zunächst sollte daran erinnert werden, dass 1934
ca. 92 % aller in Österreich lebenden Juden konzentriert in Wien wohnten und dort
wiederum in einigen wenigen, aneinander angrenzenden Bezirken, nämlich im I.,
II., III., IX. und XX. Bezirk. Mehr als die Hälfte aller österreichischen Juden
lebte in diesen Bezirken. Somit hat alleine die hohe Konzentration die interne
Kommunikation gefördert. Der 1914 in Wien geborene Alexander Sch. bringt es auf
den Punkt, wenn er über sein Leben in der Leopoldstadt, der so genannten "Mazzesinsel",
schreibt:
"Man hatte nicht viele
nichtjüdische Freunde, nicht im II. Bezirk."7
Hinzu kommt, dass die Mehrheit der Juden
Wiens nicht dort geboren war, sondern sich aus Zuwanderern zusammensetzte. 1923
waren 58 % der Wiener Juden im Ausland geboren. Mit dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie
wurde der Migrationsstrom allerdings unterbrochen. Für Migranten war das Netzwerk
der Familie besonders wichtig und es ist kein Zufall, dass in den Antworten immer
wieder darauf Bezug genommen wurde. Ein Beispiel von vielen ist die Antwort von
Marhta W., geb. 1916:
"Enge nichtjüdische
Freunde hatte ich nur, während ich zur Schule ging. Wir hatten jüdische Freunde,
Nachbarn, aber meistens war es Familie. Jeden Sonntag besuchte ich mit meinem
Vater Tante Rosa, meine geliebte Tante und ihr Kind. Und Sonntag nachmittags
und zu Pesach kamen Cousins und Onkeln."
Um zu verstehen, dass derartige Ergebnisse
auf unterschiedliche Faktoren zurückgeführt werden können, sollten die Zahlen
auch von einer anderen Perspektive aus betrachtet werden: Jede Gruppe benötigt
für ihr Überleben ein funktionierendes Kommunikationsnetzwerk, da ihre Existenz
sonst in Frage gestellt wird. Das Bindeglied der Juden ist die religiöse Zugehörigkeit.
Wir wissen jedoch, dass der Anteil religiös Praktizierender in Österreich schrumpfte,
die Anpassung an die christliche bzw. säkulare Umwelt überhand nahm und die Orientierung
an anderen Werten, sei es Beruf, Wissenschaft, Bildung und Kultur zunahm, jedoch
nur selten in Verbindung mit dem jüdischen Leben gebracht wurde. Insofern könnten
die innerhalb der jüdischen Bevölkerung intensiv gepflegten Beziehungen also auch
als Zeichen für ein funktionierendes Netzwerk in Österreich interpretiert werden.
Immerhin ging es dabei auch um den Aufbau neuer Familien, um die Anbahnung von
privaten aber auch beruflichen Partnerschaften.
Aus heutiger Perspektive lässt uns der massive Antisemitismus vermuten, dass die
Wahl vornehmlich jüdischer Freunde und Bekannter nicht auf freier Entscheidung
beruhte, sondern auf einem äußeren Zwang.
Es gibt auch Äußerungen, die sich solchen Interpretationen widersetzen. Lily H.-W.,
geb. 1916 in Wien, berichtete von einem mehrheitlich nichtjüdischen Freundeskreis.
Für sie, wie für einige andere, schien die Frage, welcher Religion sie angehörte,
belanglos zu sein.
"Die meisten meiner
Freunde waren keine Juden. Wir haben unserer Religion keine Beachtung geschenkt.
Einmal in der Woche hatten wir Religionsunterricht. Da unser Geschäft in einer
nichtjüdischen Nachbarschaft lag, feierten wir keine jüdischen Feiertage. Aber
meine Mutter fastete zu Yom Kippur."
Liselotte H., geb. 1912 in Wien, schrieb:
"Mein Freundeskreis
war gemischt. Ich suchte mir meine Freunde deswegen aus, weil ich sie mochte
und nicht wegen ihrer Religion."
Es scheint aber, dass nur wenige die
Beziehungen derart neutral erlebten und die Spannungen zwischen jüdischer und
nichtjüdischer Bevölkerung bei den meisten die Wahl der Freunde wesentlich bestimmten.
Mit dem Einsetzen der Wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre und den Erfolgen der
Nationalsozialisten in Deutschland Anfang der 30er Jahre dürfte sich dies nochmals
verschärft haben. Edith H., 1910 in Wien geboren, berichtete von einer christlichen
Kindheitsfreundin. Als Edith H. älter wurde, hatte sie jedoch nur mehr jüdische
Freunde und erklärte dies: "Die politischen Zeiten haben es so bestimmt."
Obwohl Siegmund F., geb. 1904 in Wien, eine als Ausnahme bezeichnete freundschaftliche
Beziehung zu einem seiner Lehrer erwähnte, klingt seine Antwort resigniert:
"Enge Freundschaft
war unter Juden. Die gegebenen Umstände erlaubten keine tiefe Freundschaft.
'Der beste Nichtjude war jemand, der uns toleriert.'"
Sowohl die in Israel erhobenen Daten
als auch jene aus den USA zeigen uns also einen inneren Zusammenhalt der jüdischen
Bevölkerung durch Freundschaften. Alltägliche Situationen, in denen Juden und
Nichtjuden in direkten Kontakt kamen, waren offensichtlich begrenzt. Es ist kein
Zufall, dass häufig die Schule als ein solcher Ort bezeichnet wurde, nachbarschaftlichen
Beziehungen wurde erstaunlich wenig Bedeutung beigemessen. Ein anderes natürliches
Begegnungsfeld war das Berufsleben, in dem man automatisch nichtjüdischen Kollegen
bzw. Geschäftspartnern und Kunden begegnete. Es gab natürlich auch die Ebene der
erotischen Beziehungen, die aber in den Antworten nur selten erwähnt wurde.
"Meine Freunde waren
im Allgemeinen Juden. Aber beruflich bin ich viel mit Nichtjuden umgegangen.
Ich hatte auch einige nichtjüdische 'girlfriends'."8
Eine weitere Begegnungsstätte war der
bürgerliche Haushalt, in dem oft nichtjüdisches Dienstpersonal arbeitete.
"Die meisten Freunde
waren Juden. Ich hatte aber nichtjüdische Bekannte, Dienstpersonal und Kunden."9
Nichtjüdische Bedienstete spielten zu
Beginn des Nationalsozialismus eine wichtige Rolle. Wenn sie vom Nationalsozialismus
begeistert waren, konnten sie sehr gefährlich werden. Sie konnten aber der Familie
auch einen wichtigen Schutz bieten; manchmal waren sie hilfreich bei der Versorgung
von Familienmitgliedern, denen die Flucht nicht gelungen war. Die Beziehungen
konnten auch nach dem Kriegsende wieder Bedeutung erlangen. Viele Vertriebene
griffen nach dem Zweiten Weltkrieg den Kontakt wieder auf und besuchten ihre früheren
"Dienstmädchen". Joseph F., geb. 1925 in Wien, berichtete über sein
Kindermädchen, das in der NS-Zeit zu den Nazis übergewechselt war. Nach dem Krieg
ersuchte es ihn in einem Brief um Entschuldigung.
Wir sollten uns nicht dazu verleiten lassen, die Zitate als allgemein gültig zu
sehen, sondern vielmehr ein Gespür für die Vielfältigkeit und Nuancen entwickeln.
Wenden wir uns den Antworten zu, in denen von "meist oder nur jüdischen Freunden"
geschrieben wird. Josephine Z.:
"Alle meine Freunde
waren jüdisch, mit einer Ausnahme. Wir sind immer noch die besten Freunde, schreiben
einander und ich besuche sie jedes Mal, wenn ich nach Wien komme."10
Von jenen, die meist jüdische Freunde
hatten, antworteten 20, sie hätten einen nichtjüdischen Freund gehabt, fünf nennen
zwei nichtjüdische Freunde. Manche streichen heraus, dass ihr bester Freund bzw.
ihre beste Freundin nichtjüdisch war.11
Wie sehr äußere Bedingungen auf freundschaftliche Beziehungen wirkten, zeigt sich
bei Personen, die in Orten mit geringer jüdischer Bevölkerung lebten. Das konnte
einerseits die völlige Isolation zur Folge haben, andererseits normale bzw. durch
die Struktur erzwungene Beziehungen zu Nichtjuden. Martha L. wuchs im niederösterreichischen
Piesting auf. Da es keine andere jüdische Familie im Ort gegeben habe, seien alle
Freunde und Bekannte Nichtjuden gewesen.12
Verbittert hingegen klingt die Antwort von Franz Ferdinand H., der damals im niederösterreichischen
Gaming lebte. Er hatte kaum Freunde, und diese waren zu 100 % Christen und zum
größten Teil illegale Nazis.13
Freundschaften zu damaligen Nationalsozialisten werden erstaunlicherweise immer
wieder erwähnt. Hugo-Douglas K. wurde 1909 im südmährischen Dorf Eisgrub geboren.
Eisgrub lag im Bezirk Nikolsburg und war einer der mährischen Orte, die bis zum
Ende der Habsburgermonarchie eine autonome "Israelitengemeinde" bildeten.
1910 lebten allerdings nur mehr 99 Personen dort. Während des Ersten Weltkriegs
übersiedelte er mit seiner Familie nach Wien.
"Im Dorf waren es
meist Nichtjuden. [Später] spielte ich in einem Orchester Violine gemeinsam
mit Ferdinand B., einem meiner besten Freunde. Eines Tages erschien er in SS-Uniform
und deportierte mich während der Kristallnacht. Er umarmte mich und meinte:
,Wenn alle Juden so wären wie du, würde es keinen Antisemitismus geben.'"
Hinter solchen Momentaufnahmen verbirgt
sich viel von der Katastrophe des 20. Jahrhunderts: Deine Freunde konnten zugleich
deine Feinde sein. Diese Art der ungereimten Beziehung können Psychologen wahrscheinlich
besser entschlüsseln. Vermutlich sahen viele Nazis in den Juden wirklich eine
große Bedrohung und versuchten sich durch direkten Kontakt zu vergewissern, dass
die Gefahr nicht so erdrückend war, wie sie dies ihre Ideologie glauben machte.
Aber wir können nachträglich mittels Erinnerungen nur beschränkt in die Gefühle
der Menschen von damals blicken. Warum blieben Juden mit Menschen befreundet,
von denen sie wussten, dass sie Nazis waren? Ging es auch dabei um die Vergewisserung,
dass der größte Feind eigentlich versöhnlich ist, wenn eine zwischenmenschliche
Beziehung hergestellt wird? Insgesamt erwähnen elf der Befragten derartige Beziehungen,
es handelt sich also um einen vergleichsweise geringen Prozentsatz.
Wie verquer sich die Beziehungen entwickeln konnten und manchmal dem Klischeebild
von "Opfer"-"Täter" nicht entsprechen, zeigt das Beispiel
von Felix Karl B., 1914 in Wien geboren. Seine Eltern wurden im Nationalsozialismus
umgebracht.
"Ich hatte nur zwei
jüdische Freunde im Gymnasium. Meine zwei besten Freunde (für das ganze Leben)
waren nichtjüdisch. Eine kleine Vignette: Wir wussten, dass einer meiner Freunde
aus finanziellen Gründen gezwungen wurde, der illegalen Nazi-Partei beizutreten.
(Er war Manager bei den Siemens-Werken.) Als ich schon aus Österreich geflohen
war, besuchte er in seiner SS-Uniform jede Woche meine Eltern. Schließlich machten
ihm meine Eltern klar, dass dies für ihn zu gefährlich sei. Als er 1995 starb,
flog ich mit meiner Tochter zu seinem Begräbnis."
Manche interkonfessionellen Freundschaften
hielten dem Druck des Nationalsozialismus trotzdem stand, und mehrere berichteten
davon, dass sie diese bis in die Gegenwart mit Briefen, Telefonaten und gegenseitigen
Besuchen pflegen.14
Wenn wir heute von einer eindeutigen Kategorisierung Juden-Nichtjuden ausgehen,
tappen wir nachträglich in die Falle des Nationalismus und Rassismus. Mischehen
und Kinder aus diesen Ehen waren vor dem Nationalsozialismus zunehmend üblich
geworden, auch wenn die Zahl erst allmählich anwuchs. Die Grenzen zwischen den
Konfessionen lösten sich immer mehr auf, wie sich an den steigenden Religionsübertritten
zeigt. Die Liebe schuf sich ihren Weg über Konfessionsgrenzen hinweg, auch wenn
es manchmal dabei viele Widerstände zu überwinden galt. Der Nationalsozialismus
brachte dann das Raster des Rassismus ins Spiel:
"Ich hatte auch sehr
gute nichtjüdische Freundinnen. Interessant war es, dass nach Einzug der Nazis
einige meiner christlichen Freundinnen plötzlich jüdischer Abstammung waren."15
Manche erwähnten Mischehen in ihrer
eigenen Familie und hatten somit Beziehungen zum christlichen Part der Familie.
Einige lebten als Christen und erst der Nationalsozialismus stempelte sie zu Juden.
John K. beschrieb die Vermischung in seinem Bekanntenkreis in vielen Details.
Er selbst war bereits getauft und seine Freunde waren meist christlich, unter
ihnen der spätere Verleger Fritz Molden. Ein anderer Freund erfuhr erst nach dem
"Anschluss", dass sein Vater, ein bekannter Gynäkologe, Jude war. Trotzdem
wurde er in die Wehrmacht eingezogen und kam ums Leben. Fritz H., geb. 1914 in
Wien, entstammte einer so genannten Mischehe und hatte wie viele andere einen
gemischt jüdischen und nichtjüdischen Freundeskreis. Aber sein bester Freund war
ebenfalls ein so genannter "Mischling ersten Grades", wie die Nazis
es nannten. Auch bei Kindern aus gemischten Ehen fällt die Tendenz auf, sich Schicksalsgenossen
zu suchen, die am besten verstehen können, wie es einem geht, wenn man nirgends
eindeutig dazuzugehören scheint.
Trotz der vielen positiven Beispiele für Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden
hatte das vom Antisemitismus vergiftete Klima bereits tiefe Spuren in den Beziehungen
der Menschen und leider auch in den Herzen der Kinder hinterlassen. Hans Herbert
W., geb. 1920 in Wien:
"Meine Schulfreunde
waren ausschließlich jüdische Schüler. Wir mussten aus Gründen der Sicherheit
zusammenhalten, blieben aber auch untereinander, weil die nichtjüdischen Klassenkameraden
überhaupt kein Interesse an einer Freundschaft mit Juden zeigten."
Antisemitismus
Die überwiegende Mehrheit
berichtet von guten Beziehungen zu nichtjüdischen Nachbarn, einige davon, dass
die Beziehungen distanziert waren, und einige wenige, dass sie im II. Bezirk in
einer vorwiegend jüdischen Nachbarschaft lebten und somit kaum Kontakte zu nichtjüdischen
Nachbarn hatten. Generell würde sich davon eher auf ein normales Alltagsleben
im Wohnumfeld schließen lassen, das erst mit dem Nationalsozialismus zerbrach.
Es schien uns aber wichtig, die Beziehungen nicht auf den einen oder anderen Pol
der Möglichkeiten zu reduzieren, sondern das Leben in seiner Vielgestaltigkeit
zu beleuchten. Wenn die zuvor analysierte Frage nach Freundschaften auf das Erfassen
von positiven Kontakten abzielte, so sollte jene nach eigenen antisemitischen
Erfahrungen das negative Spektrum der Beziehungen erfassen. Auch diese Frage wurde
bereits in der in Israel durchgeführten Erhebung gestellt.
Tabelle 4: Israelische
Staatsbürger österreichischer Herkunft über antisemitische Erfahrungen in
Österreich vor dem Nationalsozialismus: Haben Sie in Österreich unter Antisemitismus
gelitten?
| antisemitische Erfahrungen |
% |
VAL % |
| sehr stark |
15,4 |
16,5 |
| mittelmäßig |
30,6 |
32,7 |
| wenig |
21,1 |
22,6 |
| fast nicht |
15,4 |
16,5 |
| nicht |
10,9 |
11,6 |
| keine Angabe |
6,6 |
- |
| gesamt |
100 |
|
n = 2.330
Quelle: Haerpfer, Israelische Bürger, S. 47. (Vgl. Erika Weinzierl/
Otto D. Kulka, Vertreibung und Neubeginn. Israelische Bürger österreichischer
Herkunft, Wien-Köln-Weimar 1992, S. 461.)
Das Schockierende an der israelischen
Erhebung ist die hohe Zahl derjenigen, die tatsächlich vor dem "Anschluss"
schon persönlich mit dem Antisemitismus konfrontiert waren: 88,3 %! Interessant
ist, dass der Begriff "mittelmäßig" zur häufigsten Antwort verlockte.
Die Antworten der in den USA Befragten zeugen zwar auch von einem vom Antisemitismus
dominierten Leben, allerdings nicht in einem derart starken Ausmaß wie in Israel:
53 % nennen persönlich gemachte antisemitische Erfahrungen. Wiederum: Die unterschiedliche
Fragestellung erlaubt keinen direkten Vergleich.
Tabelle 5: Haben
Sie oder Ihre Familie vor März 1938 antisemitische Erfahrungen gemacht?
(Die als Schreibanimation gedachte Frage, die in Klammer gestellt ist, lautet:
If so, please give details.)
| Erfahrungen |
% |
VAL % |
| antisemitisch |
42,0 |
46,7 |
| wenig antisemitisch |
5,7 |
6,3 |
| kein Antisemitismus |
42,3 |
47,0 |
| unklar |
3,5 |
- |
| keine Antwort |
6,5 |
- |
| gesamt |
100 |
100 |
n = 376
Quelle: AHC, zweiter Fragebogen.
Wie erkannte man eigentlich, dass jemand
Jude war? In Österreich wie auch in anderen vom Antisemitismus beeinflussten Ländern
gab es eine Art Sport, die man als "Judenriecherei" bezeichnete. Für
Antisemiten war schnell jemand Jude, sei es weil er/sie einen vermeintlich jüdischen
Namen trug oder eben so aussah, wie sich Antisemiten einen Juden bzw. eine Jüdin
vorstellten. In den Karikaturen und manipulierten Fotografien der antisemitischen
Hetzblätter können wir die Ikonografie des Rassismus verfolgen: die "jüdische
Nase", das dunkle, oft gekräuselte Haar und in die Mimik eingeschriebene
negative Charakterzüge der Hinterlist.16
Verständlich, dass viele ihre jüdische Identität versteckten, um sich den antisemitischen
Angriffen nicht auszuliefern. Fred-Raymond H. wies in seiner Argumentation darauf
hin.
"Mit unserem deutsch
klingenden Namen Hoffmann, den blauen Augen und blonden Haaren erlebten ich
und meine Geschwister vor März 1938 keinen Antisemitismus. Nach dem Anschluss
wurden wir geächtet wie alle Juden."17
Unter den Antworten, die konkret schildern,
auf welche Weise jemand antisemitisch attackiert wurde, finde ich jene besonders
wichtig, die beschreiben, wie sich die Betroffenen wehrten. Vor dem Nationalsozialismus
war der Antisemitismus meist ein verbaler, auch wenn es vereinzelt schon zu körperlichen
Angriffen und Schlägereien kam. Ein Beispiel für die verbale Schlagfertigkeit
bietet Kurt R., der einen damals weit verbreiteten antisemitischen Spruch auf
seine Weise replizierte:
"Ich erinnere mich
an einen Zwischenfall, als mir ein Sechsjähriger zurief:
'Jud, Jud, spuck in' Hut.
Sag der Mutter, das ist gut.'
Ich antwortete ihm mit meinem ersten Gedicht:
'Christ, Christ, spuck in' Mist.
Sag der Mutter, was ein Esel du bist.'
Als ich mich beim Priester der Kalvarienkirche beschwerte, meinte er: 'Vergiss
es! Gott liebt alle seine Kinder.'"18
Die österreichischen Bildungseinrichtungen
- Universitäten und Schulen - waren Hauptschauplätze des praktizierten Antisemitismus.
Es waren jedoch nicht nur die Schüler, deren Herzen bereits vom Denken in Feindkategorien
verdorben waren, sondern auch antisemitisch oder nationalsozialistisch eingestellte
Lehrer und Professoren, die jüdische Schüler und Studenten benachteiligten.19
Besonders arg war es, wenn der verbal aggressive Antisemitismus in Gewalt umkippte,
also etwa auf die jüdischen Kinder Steine geworfen wurden.20
Aber die Konfrontation mit dem Antisemitismus konnte manchmal auch ganz unvermittelt
geschehen und prägte sich vermutlich deswegen klar ins Gedächtnis ein.
"In meinem zweiten
Schuljahr in der Realschule (1937) war ich gemeinsam mit einem jüdischen Buben
einmal in der Wohnung eines nichtjüdischen Freundes. Auf einmal meinte er, wir
sollten besser gehen, denn sein älterer Bruder komme aus der Schule und der
mag keine Juden. Später fand ich heraus, dass dieser Bruder auch jüdische Freunde
hatte."21
Antisemitisch motivierte Gewalt drohte
vor allem jüdischen Studenten an den Universitäten. Der Rassismus samt Herrenmenschendenken
und die Intoleranz hatten sich in die Köpfe eines Großteils der nichtjüdischen
intellektuellen Elite eingenistet. Die Radikalsten unter ihnen schreckten nicht
davor zurück, jüdische Studenten zu attackieren. Dramatisch waren die Zustände
am Wiener Anatomischen Institut, das in zwei Lager gespalten war. Jenes, an dem
die jüdischen Hochschüler studierten, wurde vom sozialdemokratischen Gesundheitsstadtrat
Julius Tandler geleitet.22
Die jüdischen Studentinnen wurden dennoch nicht von den gewaltbereiten Studenten
verschont: "Ich wurde als Studentin am Anatomischen Institut geprügelt von
den antisemitischen Studenten", schreibt Edith H.23
Eine andere damalige Studentin notierte, sie wäre den Prügeln im Stiegenhaus nur
durch einen Sprung aus dem Fenster entkommen.24
Der verbale Antisemitismus dürfte "Normalität" gewesen sein, denn viele
schrieben, dass sie als "Saujud" oder "Judenschwein" oder
"dreckiger Jud" beleidigt worden waren. "Ich erinnere mich auf
der Straße von einem Buben als 'Saujüdin' beschimpft und angespuckt worden zu
sein. Ich glaube nicht, dass mich das belastet hat", schreibt die 1926 geborene
Susi F.25
Zu Pöbeleien, einem Vorspiel gewalttätigen Handelns, kam es auch immer wieder.
Eine dieser typischen Situationen beschrieb Ella G. Sie ging als 17-Jährige mit
ihrer Mutter und ihrer Schwester spazieren:
"Der Gehsteig war
breit. Uns kamen drei Typen entgegen und sagten zu uns: 'Ihr Juden nehmt uns
den ganzen Gehsteig weg.' Meine Mama antwortete: 'Das ist Österreich und nicht
Deutschland!' Das war 1936."26
Es wäre falsch, davon auszugehen, dass
diejenigen, die mit einem "No" antworteten, die antisemitische Atmosphäre
in Österreich nicht trotzdem empfunden hätten. Die Frage zielte ja daraufhin ab,
ob jemand persönlich mit Antisemitismus konfrontiert war. Es dürfen also nicht
Antworten erwartet werden, die über die eigentliche Frage hinausgehen. Trotzdem
schrieben etliche, dass sie zwar persönlich von antisemitischen Begegnungen bis
1938 verschont geblieben waren, sich aber dessen bewusst waren, dass der Antisemitismus
latent vorhanden war.27
Der Nationalsozialismus
Mit einem Fragebogen
sind die Erfahrungen des Nationalsozialismus nur sehr begrenzt erfassbar und ich
möchte deswegen behutsam mit den Antworten umgehen. Die dramatischen Erfahrungen
unmittelbar nach dem "Anschluss" und während des Novemberpogroms sind
inzwischen sehr gut dokumentiert, deswegen soll hier auf einen anderen Aspekt
eingegangen werden, der bislang nur selten berücksichtigt wurde: Wie haben sich
nichtjüdische Freunde, Kollegen, Schulkollegen und Nachbarn verhalten?28
Die Frage wurde auch deswegen gestellt, weil es wichtig ist, sowohl negatives
als auch solidarisches Verhalten zu dokumentieren.
Von der Genozidforschung wissen wir, dass Mitläufer am ehesten dann zu Mittätern
wurden, wenn sie ihre Opfer nicht persönlich kannten. Doch zu Beginn des Nationalsozialismus
schien es noch nicht um Mord zu gehen, sondern um die Befriedigung der Neid- und
Hassgefühle der sich als Opfer der Juden fühlenden Antisemiten. Gepaart mit einer
Prise des österreichischen "Schmähs" fanden sie es "eine Hetz",
wenn vermeintlich reiche Jüdinnen und Juden die Straßen von den Parolen des Schuschnigg-Regimes
reinigen mussten.
Der Terror gegen die Juden stieß kaum auf öffentlich wahrnehmbaren Widerstand,
denn der nationalsozialistische Terror signalisierte auch den politischen Gegnern,
dass gegen sie sofort mit Gewalt vorgegangen würde. Für die Österreicher mit jüdischer
Religion bzw. Österreicher, die von den Nürnberger Gesetzen nun als Juden kategorisiert
wurden, obwohl sie nicht zur jüdischen Religionsgemeinschaft gehörten, war die
Isolation innerhalb der Gesellschaft und das Ausgeliefertsein ein ungeheurer Schock.
Wie sehr Angst und Terror auf der einen Seite, aber auch ideologischer Druck des
Antisemitismus auf der anderen Seite gewirkt haben, zeigt sich an vielen Darstellungen
über das Verhalten von Freunden und Bekannten, die abrupt den Kontakt abgebrochen
hatten. In mancher Antwort klingt sogar Verständnis für dieses Verhalten durch,
etwa in jener von Kurt S.:
"Die Nachbarn hielten
sich fern von uns. Niemand wollte uns helfen. Sie waren alle ängstlich und standen
unter Druck zu zeigen, dass sie gute Nazis waren. Manchmal gingen sie auf die
andere Straßenseite, um zu vermeiden uns zu begegnen. Menschen, die versuchten,
den Juden zu helfen, riskierten ihre Arbeit zu verlieren."29
Die Verdrängung dessen, was mit den
Juden geschah, begann bei den Nichtjuden also vom ersten Moment an. Es wurde so
getan, als würde man sie nicht sehen, und damit konnte man sich später vormachen,
nichts von dem zu wissen, was ihnen angetan worden war. Das Wegsehen wurde zur
Lebensphilosophie einer Generation. Wer trotzdem half, dem oder der fehlte offensichtlich
die Angst. Irene W. lebte in Niederösterreich:
"Die Menschen in unserer
Kleinstadt hielten sich fern. Ich weiß nicht, wie viele von ihnen wirklich Nazis
waren und wie viele Angst hatten. [...] Eine Frau, die für uns gearbeitet hatte,
kam zu unserer Hintertür, um nachzusehen, ob wir etwas bräuchten. Wir sagten
ihr, sie solle das nicht nochmals tun, es sei zu gefährlich. Aber sie kam dennoch."30
Die folgende Tabelle ist lediglich als
Orientierung gedacht, damit Sie als Leser wissen, in welchen Antwortmustern reagiert
wurde. Ich gehe eigentlich davon aus, dass die Antwort "gemischt" häufiger
hätte vorkommen müssen. D. h. dass diejenigen, die ein "anständiges"
Verhalten konstatierten, vermutlich auch von einer "distanzierten" Reaktion
anderer hätten berichten können.
Tabelle 6: Wie haben
sich Ihre nichtjüdischen Freunde, Kollegen, Klassenkameraden, Nachbarn etc.
[ab März 1938] Ihnen und Ihrer Familie gegenüber verhalten?
| Reaktionsform |
% |
VAL % |
| negativ |
8,5 |
10,8 |
| distanziert |
28,0 |
35,8 |
| indifferent |
1,6 |
2,0 |
| gemischt |
9,3 |
11,8 |
| neutral |
0,8 |
1,0 |
| wie zuvor |
0,5 |
0,7 |
| anständig |
21,2 |
27,0 |
| Hilfeleistung |
8,5 |
10,8 |
| unklar |
9,0 |
- |
| keine Angabe |
12,7 |
- |
| gesamt |
100 |
100 |
n = 378
Quelle: AHC, zweiter Fragebogen.
Die negativen Reaktionen überwiegen
demnach, wie nicht anders zu erwarten war. Trotzdem dürften sich zu Beginn des
Nationalsozialismus viele mit Juden befreundete Nichtjuden weiterhin "anständig"
benommen haben. Sie haben den Kontakt nicht einfach abgebrochen, waren besorgt,
manchmal auch verzweifelt angesichts der hereinbrechenden Katastrophe. Vor allem
zeigten sie Empathie. Wunderbar, loyal, großartig - das sind Begriffe, mit denen
das positive Verhalten nichtjüdischer Freunde umschrieben wird. In neun Fällen
wird von Hilfestellungen berichtet, die als "Rettung" gelten können.
Nichtjüdische Bekannte halfen den von Verhaftung Bedrohten sich zu verstecken,
versorgten sie mit Essen oder waren bei der Flucht behilflich.31
Manchmal war die Pervertierung der Beziehungen grotesk geworden wie im folgenden
Beispiel von der 1912 geborenen Martha W., in dem Nazis die Bedrohten warnten:
"Meine Freundin -
sie war schon vor 1938 eine Nazi, aber das fanden wir erst später heraus - kam
zu uns, um meine Eltern zu warnen. Der Hausmeister, auch er ein illegaler Nazi,
versuchte uns zu schützen. Sie mochten meine Eltern wirklich. Und eines unserer
früheren polnischen Dienstmädchen besorgte Essen für meine Eltern."32
Parteigenossen innerhalb der Familien
nichtjüdischer Bekannter konnten zu einer Bedrohung werden. Therese W. erinnert
sich an den Freund ihres Vaters, einen überzeugten Sozialisten, dessen Söhne beide
Nazis waren, weswegen der Kontakt reduziert werden sollte.33
Betrachtet man den Handlungsspielraum für Nichtjuden, so war nach dem "Anschluss"
noch die ganze Palette an menschlichen Regungen möglich, von der Hilfeleistung
auf der einen Seite bis hin zur Bedrohung auf der anderen Seite. Am schlimmsten
waren die Erfahrungen mit Bekannten, die ihre neu erhaltene Macht missbrauchten,
ja sogar zu Übergriffen bereit waren wie etwa zwei ehemalige Schulkollegen von
Oscar W., die der SA beigetreten waren und ihn und seinen Bruder Max verprügelten.34
Selbst die Jüngsten übernahmen die in der Gesellschaft omnipräsente Gewaltbereitschaft
gegenüber den Juden. Eine damals erst siebenjährige Schülerin erinnert sich:
"Meine nichtjüdischen
Schulkollegen warfen mir Steine nach und verspotteten mich."35
Erschreckend muss es gewesen sein zu
sehen, wer nach dem "Anschluss" die Nazis unterstützte und wie viele
Mitläufer plötzlich die Gunst der Stunde nützten, um sich mit betontem Antisemitismus
als "ordentliche" Nazis zu profilieren. Joseph B. erinnert sich an seinen
Nachbarn, einen früheren Sozialisten, der nach dem "Anschluss" zu ihm
meinte, es werde nicht so schlecht werden, da Hitler den Armen helfen würde. Joseph
B. brach daraufhin selbst jeglichen Kontakt ab.36
Aber es gab auch umgekehrte Fälle: Der Großvater von Helene P.-L. hatte einen
Kollegen am Anatomischen Institut, von dem er wusste, dass dieser ein illegaler
Nazi war.
"Nachdem die Nazis
einmarschiert waren, kam dieser Mann auf der Straße absichtlich auf meinen Großvater
zu, gab ihm die Hand und sagte: ,Ich hätte nie gedacht, dass die Nationalsozialisten
so handeln würden. Ich schäme mich dafür, sie unterstützt zu haben.'"37
Charakteristischer sind jedoch Erzählungen
wie die folgende, in der Nachbarn die Rechtlosigkeit der Juden schamlos für ihre
eigenes Glück ausnützten:
"Ich gebe ein Beispiel.
Nachdem ich Österreich verlassen hatte, sagte ein Nachbar in SA-Uniform zu meinen
Eltern: 'Ich habe geheiratet und benötige eine entsprechende Wohnung.' Meinen
Eltern gab er eine Woche Zeit zum Ausziehen. Dieser Mann war ein früherer Schulkollege
von mir, dem ich in der Realschule Nachhilfe gegeben hatte, damit er mit seiner
beschränkten Intelligenz durchkam."38
Die Zusammenschau der Antworten lässt
erkennen, dass die von den Nazis betriebene Isolierung der Juden unmittelbar nach
dem "Anschluss" selbst in die zuvor positiven persönlichen Beziehungen
einbrechen konnte, sei es durch Ängstlichkeit auf Grund des allgemeinen Terrors
oder durch den Bruch der Bekanntschaft seitens der nichtjüdischen Bekannten, die
den Nationalsozialismus attraktiv fanden. In Österreich funktionierte die Politik
der Ausgrenzung von Beginn an, trotzdem war der Handlungsspielraum vorerst noch
gegeben. Ob jemand aus Überzeugung, mit oder ohne Angst, auf Grund seiner inneren
Werte oder gar aus Enttäuschung über das Verhalten der Nationalsozialisten und
ihrer Mitläufer sich den Kontakt zu jüdischen Bekannten und Freunden nicht verbieten
ließ, tut nichts zur Sache, sondern zeigt: Damals war es noch möglich. Die persönlichen
Beziehungen blieben stärker aufrechterhalten, als dies aus der Darstellung der
frühen NS-Phase zu vermuten gewesen wäre. Vermutlich prägt das Schlagwort der
"zu wenig Gerechten" unser Bild. Wenn wir das Augenmerk aber auf aktiven
Widerstand legen, dann stimmt es, dass wirklich nur Vereinzelte den Mut fassten,
ihre Existenz zu riskieren. Wir wissen, dass der Terror immer gröbere Formen annahm
und auch die Angst vor den positiven Kontakten zu Juden so sehr zunahm, dass beinahe
alle abgebrochen wurden.
Amerika
Fluchtwege und Ankunft
Ca. 70 % der Befragten
erreichten das rettende Asylland USA vor dessen Eintritt in den Zweiten Weltkrieg,
der Höhepunkt der Flüchtlingswelle war 1939. Nach Kriegsausbruch wurde es immer
schwieriger, den Fängen der Nationalsozialisten zu entkommen. Bislang war nicht
klar, wie viele der aus Österreich stammenden Überlebenden und Vertriebenen erst
nach Ende des Zweiten Weltkriegs in die USA übersiedelten. In der AHC-Befragung
gaben knapp 27 % der Befragten an, sie wären erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs
in die USA eingewandert.
Tabelle 7: Wann
sind Sie in den USA angekommen?
| Ankunftsjahr |
% |
VAL % |
| 1938 |
17,8 |
19,8 |
| 1939 |
27,4 |
30,4 |
| 1940 |
14,6 |
16,2 |
| 1941 |
3,5 |
3,8 |
| 1942-1944 |
2,9 |
3,2 |
| 1945-1949 |
11,4 |
12,7 |
| 1950-1959 |
9,6 |
10,6 |
| 1960-1969 |
1,6 |
1,8 |
| nach 1969 |
1,3 |
1,5 |
| unklar bzw. keine Angabe |
9,8 |
- |
| gesamt |
100 |
100 |
n = 376
Quelle: AHC, zweiter Fragebogen.
Die Ankunftszeiten geben bereits einen
Hinweis darauf, dass der direkte Fluchtweg von Österreich über den Landweg zu
einem der großen Häfen für die Atlantiküberquerung nur von einem Teil der Vertriebenen
genommen werden konnte. Die Fluchtwege klingen manchmal abenteuerlich, für manche
dauerte der Zustand des Flüchtlingsdaseins jahrelang. Die Forschungen von Peter
Eppel haben ergeben, dass zwischen März 1938 bis zum Kriegseintritt der USA im
Dezember 1941 mehr als 30.000 Flüchtlinge in den Vereinigten Staaten Amerikas
Zuflucht finden konnten. Von ihnen seien mindestens 80 % nach ihrer Religion bzw.
Herkunft jüdisch gewesen. Eine andere Quelle spricht sogar von 40.000 Flüchtlingen
aus Österreich.39
Die Flucht in die USA erfolgte unter den spezifischen Voraussetzungen amerikanischer
Immigrationspolitik. Die NS-Flüchtlinge wurden vom amerikanischen Staat nicht
als Asyl Suchende behandelt, sondern als Einwanderungswillige. Sie mussten bei
einem amerikanischen Konsulat einen Antrag auf ein Einwanderungsvisum stellen
und wurden entsprechend der Länderquote auf eine Warteliste gesetzt. Damit begann
die erste Hürde. Jene, die in Österreich geboren waren, fielen in die vergleichsweise
große deutsche Quote und hatten damit gute Chancen auf baldigen Erhalt eines Visums.
Die außerhalb des Rumpfstaates Österreich Geborenen, also beispielsweise im früher
zur Habsburgermonarchie gehörenden Galizien, das nun zu Polen gehörte, oder der
Bukowina, damals ein Teil Rumäniens, mussten mit weitaus längeren Wartezeiten
rechnen. Die Einwanderungsquote für das Deutsche Reich inklusive Österreich betrug
27.370 Personen, jene für Polen 6.524 und für Rumänien gar nur 295.40
Diese Regelung führte dazu, dass Familien zerrissen wurden und Eltern, die in
einem der letztgenannten Länder geboren worden waren, ihre Kinder nicht begleiten
konnten. Zusätzlich benötigten Einwanderer eine Bürgschaftserklärung (Affidavit),
die garantieren sollte, dass die Immigranten der amerikanischen Öffentlichkeit
nicht zur Last fallen würden. Es war ein grausamer Wettlauf gegen den Tod, den
viele verloren. Einfallsreichtum, Geschick und Glück konnten dabei eine lebensentscheidende
Rolle spielen.
Beim Lesen der Fragebögen ist einiges vom damaligen Druck und der Bedrohung zu
spüren. Viele fanden in England vorübergehend Zuflucht, manche in Frankreich,
Belgien oder Holland. Je später die Flucht begann, umso schwieriger und abenteuerlicher
wurden die Fluchtwege. Manche blieben am europäischen Festland hängen und gerieten
nochmals in die Fänge der Nationalsozialisten.41
Ein Beispiel: Trude D. war mit einem Nichtjuden verheiratet und hatte wegen der
restriktiven Einwanderungsbestimmungen angesichts ihrer Tuberkulose keine Chance,
ein amerikanisches Visum zu erhalten. Sie wich nach Jugoslawien aus, wo sie aber
während des Krieges abermals in den Machtbereich der Gestapo geriet.42
Erschütternd ist auch der Bericht von Otto F., der in Folge des Novemberpogroms
1938 für fünf Monate in das Konzentrationslager Dachau eingesperrt wurde. Nachdem
ihm die Flucht nach England geglückt war, wurde er dort als enemy alien
interniert.43
Offensichtlich war die Internierungspolitik der Engländer und vielleicht auch
die geringe Durchlässigkeit der englischen Gesellschaft ein Grund dafür, warum
viele Flüchtlinge, die den Krieg dort überlebt hatten, danach in die USA ausgewandert
sind. Dasselbe gilt übrigens für die Schweiz, wo NS-Flüchtlinge ebenfalls interniert
worden waren. Es fällt auch auf, dass unter jenen, die erst nach Kriegsende in
die USA einwanderten, etliche zunächst in Palästina/Israel gelebt hatten.
Eine Besonderheit waren die Flüchtlinge, die in Shanghai Zuflucht finden konnten.
Shanghai wurde vor allem nach Kriegsausbruch ein lebensrettender Zufluchtshafen,
da die Asyl Suchenden für den internationalen Teil der Stadt keiner besonderen
Formalitäten bedurften um sich dort niederzulassen. Als die Stadt während des
Krieges unter Herrschaft Japans, des Verbündeten von Nazi-Deutschland, geriet
und die neuen Machthaber die Flüchtlinge ins Getto Hongkew internierten, wurde
die Lage nicht nur wegen des sozialen, sondern auch wegen des politischen Drucks
beängstigend.44
Nur die wenigsten dachten daran, nach Kriegsende in Shanghai zu bleiben. Wer dort
trotzdem eine neue Existenz aufbauen wollte, wurde durch die kommunistische Machtübernahme
daran gehindert.45
Fünf Personen beschrieben ihren Weg nach Santo Domingo, wo in Sosua eine auf Landwirtschaft
beruhende Emigrantenkolonie aus dem Boden gestampft wurde. Felix Karl B., er wurde
1914 in Wien geboren, entkam auf diese Weise dem Internierungslager in der Schweiz.
In Sosua arbeitete er als Bauer, Architekt und Lehrer.46
Es bleibt hier kaum Platz, um der Vielfältigkeit der atemberaubenden und manchmal
jahrelang dauernden Fluchtgeschichten andeutungsweise gerecht zu werden. Manche
sind einzigartig, etwa jene des 1913 in Wien geborenen Karl E. F.: Ausgestattet
mit einem bolivianischen Visum konnte er vorübergehend in Prag Zuflucht finden.
Von dort flüchtete er weiter nach Amsterdam, wo er an Bord eines nach Südamerika
fahrenden Schiffes gehen wollte. Die holländischen Behörden verweigerten ihm den
Zutritt und schickten ihn zurück nach Prag. In Prag wurde er daraufhin einige
Tage in Haft genommen und hielt sich danach illegal dort auf. Beim zweiten Fluchtversuch
gelang es ihm, in Amsterdam ein Schiff nach Trinidad zu nehmen. In der damaligen
Kronkolonie arbeitete er für das städtische Kraftwerk. Als ein Zeitungsartikel
davon berichtete, dass ein so genannter enemy alien beim städtischen
Kraftwerk beschäftigt sei, nutzte er den Erhalt des US-amerikanischen Visums,
um im Dezember 1940 endlich in New York Zuflucht zu finden.
Als alliierte Soldaten gegen den
Nationalsozialismus
Bei der Darstellung
des österreichischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus wird meist übersehen,
dass viele ehemalige Österreicher in den Armeen der Alliierten gegen den Nationalsozialismus
kämpften, besonders in der amerikanischen und britischen. Von den hier befragten
Männern dienten mehr als die Hälfte in einer der alliierten Armeen.47
Die Ältesten geben oft an, dass sie für das Militär damals bereits zu alt waren,
sich ansonsten vermutlich zur Armee gemeldet hätten.
Viele Antworten kommen kaum mit dem am Fragebogen zur Verfügung gestellten Platz
aus, um alle Stationierungsorte zu beschreiben. Die meisten waren von 1942 bzw.
1943 bis nach Kriegsende in militärischem Dienst. Nicht alle konnten direkt gegen
die deutschen Truppen kämpfen, sondern wurden in abgelegene Kriegsgebiete versetzt.48
So auch John K., der seine Armeekarriere mit einer Prise Sarkasmus beschrieb:
"Ich diente in der
amerikanischen Armee von 6. August 1943 bis zum 15. März 1946. Ich wurde dem
Medizinischen Korps zugewiesen, möglicherweise weil ich am College Chemie studiert
hatte. Viele unserer Offiziere waren Japanese Americans (Nisei), die
ihre Loyalität gegenüber den Vereinigten Staaten durch besondere Härte und Ekelhaftigkeit
ausdrückten. Unter den Rekruten waren viele deutsche und österreichische Flüchtlinge
gemeinsam mit ein paar Nazis aus dem Stadtteil der Deutschen New Yorks, Yorkville.
Die Armee kümmerte sich aber nicht darum und machte keinen Unterschied zwischen
uns. [...] Im November 1944 fuhr ich mit einem Truppentransport nach Neufundland.
[...] Ich war für das Laboratorium des Spitals zuständig und musste Urin, Blut
und Blutkörperchen analysieren und Tests auf Geschlechtskrankheiten durchführen.
So half ich, den Krieg zu gewinnen."49
Die meisten waren jedoch in Kampfhandlungen
am europäischen Kontinent verwickelt.50
Angesichts der Sprachkenntnisse konnten die Flüchtlinge in der Armee wichtige
Funktionen im Bereich der Aufklärung bzw. Befragung von Kriegsgefangenen übernehmen
und waren in dieser Funktion häufig nach Kriegsende in Österreich oder Deutschland
stationiert.51
Aus Interviews wissen wir, wie wichtig der Kampf gegen den Nationalsozialismus
im Rahmen der Armee für den Lebenslauf war. Die Schmach der erlittenen Erniedrigung
konnte auf adäquate Weise in ein neues Selbstwertgefühl umgewandelt werden. Die
Armee war außerdem eine Integrationsmaschine, sowohl auf kultureller als auch
auf sozialer Ebene. Der Umgang mit Amerikanern wurde alltäglicher und somit auch
der Gebrauch der amerikanischen Sprache. Die soziale Integration wurde den Kriegsteilnehmern
nach Kriegsende außerdem durch den kostenlosen Bildungszugang erleichtert.52
Netzwerk, Freundschaften und Sprachgebrauch
Die gemeinsamen Erfahrungen
der Bedrohung, der Vertreibung und des Verlustes von Menschen haben viele für
ein Leben lang zusammengeschweißt, denn die Umwelt konnte und kann die Gefühle
der Vertriebenen und Überlebenden nur ansatzweise verstehen. Hinzu kommen der
unterschiedliche kulturelle Hintergrund und die in Europa im Vergleich zu Amerika
anders gelagerte Form der zwischenmenschlichen Beziehungen. Der Wienerliedsänger
Hermann Leopoldi, der im New Yorker Exil im einer "Alt Wien" genannten
Spielstätte auftrat, hat darüber im Lied "Da wär's halt gut, wenn man Englisch
könnt'" auf liebevoll ironische Weise sinniert:
"Man stellt uns einem
sweetheart vor
und möchte sie gern entflammen.
Da steht man wie ein Ochs vorm Tor
und s-s-stottert was zusammen.
Und ist sie trotzdem leicht impressed
und wenn die Träume reifen,
so dass es Zeit wird, zärtlich fest
nach ihrer Hand zu greifen.
Doch was dann kommt, enttäuscht sie sehr,
man greift halt nur zum Dictionair.
Ja da wär's halt gut, wenn man Englisch könnt',
bisserl mehr noch als how do you do.
Denn solang man sein sweetheart noch Schatzerl nennt,
da hört's einem gar nicht erst zu.
Und so lang man nicht weiß,
dass a Busserl a kiss is,
ein kiss schon genügt,
dass die miss wird zur missis,
solang kommt man nicht zu an Happy End,
darum wär's halt gut, wenn man Englisch könnt."53
Anfangs war das Netzwerk von europäischen
Bekannten zur gegenseitigen Hilfeleistung wichtig, sei es, um Arbeit zu bekommen
oder Informationen, auf welche Weise Verwandte bzw. Freunde doch noch gerettet
werden könnten. Deswegen ist es kein Zufall, dass die meisten der Befragten auch
heute noch Freunde aus dem Kreis der damaligen Flüchtlinge haben. Lebenslange
Freundschaften lassen sich immer wieder beobachten, etwa bei den Flüchtlingen,
die als Jugendliche kamen und sich in der Austro-American Youth in New
York zusammenfanden.54
Auf die Frage, wie sich der gegenwärtige Freundschaftskreis zusammensetze, gaben
mehr als ein Viertel zur Antwort, es handle sich vorwiegend um deutschsprachige
Freunde bzw. Freunde mit einer ähnlichen Herkunftsbiographie.55
Der Altersfaktor ist in den Antworten nicht zu übersehen. "Alle unsere Wiener
Freunde sind schon gestorben oder in Florida", schreibt der 1906 in Wien
geborene Fred H., der nach wie vor in New York lebt. Viele der Älteren weichen
mit der für die USA typischen so genannten Sunbelt-Migration in den wärmeren Süden
bzw. klimatisch verträglichere Gebiete aus und verlieren damit auch ihren europäischen
Freundeskreis.
Die Frage, ob sich der gegenwärtige Freundeskreis aus jüdischen und/oder nichtjüdischen
Freunden zusammensetze, lässt einen Vergleich mit dem früheren Leben in Österreich
zu. Knapp 60 Prozent der Befragten hatten zur Zeit der Beantwortung des Fragebogens
mehrheitlich bzw. ausschließlich jüdische Freunde. Der hohe Anteil jüdischer Freunde
hat wiederum mit dem Fortbestand der vor oder nach der Flucht geschlossenen Freundschaften
mit Menschen, denen Ähnliches widerfahren ist, zu tun.
Tabelle 8: Sind
Ihre Freunde hauptsächlich jüdisch oder nicht-jüdisch?
| Freundschaften |
% |
VAR % |
| keine Freunde |
0,8 |
1,0 |
| Nichtjuden alle |
0,8 |
1,0 |
| Nichtjuden mehrheitlich |
6,4 |
7,9 |
| religiös gemischt |
24,3 |
30,1 |
| jüdisch alle |
4,8 |
6,0 |
| jüdisch mehrheitlich |
42,9 |
53,3 |
| uninteressant, irrelevant |
0,5 |
0,7 |
| ohne Angabe |
6,1 |
- |
| unklar |
13,3 |
- |
| gesamt |
100 |
100 |
n = 375
Quelle: AHC, zweiter Fragebogen.
Im Vergleich zum früheren Leben in Österreich
gibt es Unterschiede: Die Zahl derjenigen, die ausschließlich jüdische Freunde
hatten, war in Österreich weitaus höher. Die Zahl der gemischten Freundschaften
und der vornehmlichen Freundschaften mit Nichtjuden liegt für die USA etwas höher.
Abgesehen von der größeren Durchlässigkeit der Gesellschaft spielen hier sicher
auch der Zeitfaktor und die zahlreichen Mischehen der Kinder von Überlebenden
eine wichtige Rolle.
Organisatorische Netzwerke entwickelten sich etwa unter den so genannten Shanghailändern,
jenen, die in Sosua überlebten, oder den Kindern und Jugendlichen, die mit einem
Kindertransport flüchten konnten. Manche Netzwerke reichen in die Zeit vor dem
Nationalsozialismus zurück, etwa unter ehemaligen Mitgliedern des legendären jüdischen
Sportklubs Hakoah - noch immer stehen sie mittels eines Newsletters weltweit miteinander
in Kontakt.56
Bei der Frage nach den Freundschaften zeigte sich schon, dass sich die Mehrheit
der Befragten heutzutage der englischen Sprache bedient. "Als wir ankamen",
schrieb die 1907 in Wien geborene Hedwig A. "sprachen viele meiner Freunde
deutsch. Heute aber, selbst wenn es sich um Emigranten aus Deutschland oder Österreich
handelt, bedienen sich alle der englischen Sprache."57
Sprachkompetenz ist ein sensibler Faktor in den Migrationsbiographien, denn in
ihr spiegelt sich die Integrationsmöglichkeit und -bereitschaft wider. Vertriebene
müssen generell mit einem Manko kämpfen: Sie haben keine Zeit, sich auf das Asylland
und dessen Kultur und Sprache vorzubereiten, sondern werden damit unmittelbar
konfrontiert. Wie schnell die Integration erfolgt, ist abhängig von der Aufnahmebereitschaft
des Asyllandes und den Möglichkeiten, am allgemeinen Leben teilzunehmen, zu arbeiten
usw. Insofern waren die Bedingungen für die in den USA gelandeten Flüchtlinge
vergleichsweise günstig. Obwohl die meisten einen sozialen Abstieg erlitten, sich
angesichts der Wirtschaftskrise mit Niedriglohntätigkeiten über Wasser halten
mussten, waren sie vom Berufsleben angesichts ihres Einwandererstatus nicht ausgeschlossen.
Der Verlust der Sprachkompetenz in der Muttersprache und das durch den Akzent
für jeden hörbare Stigma des Zuwanderers wurden vielfach analysiert und in der
Exilliteratur verarbeitet, etwa im Gedicht "Doppelrefugee" von Joseph
Fabry, dessen erste Strophe folgendermaßen lautet:
"Ein Refugee doppelter
Sorte
bin ich hier on the continent.
Im Deutschen fehlen mir die Worte,
mein Englisch sprech' ich mit Akzent."58
Nach Eintritt der USA in den Zweiten
Weltkrieg kam hinzu, dass Deutsch die Sprache des Feindes geworden war und die
Flüchtlinge schnell in den Verdacht geraten konnten, entweder Nazisympathisant
oder Spion zu sein.59
Bis zum Februar 1942 galten die Österreicher wie die aus Deutschland stammenden
Flüchtlinge in den USA als enemy alien und konnten sogar interniert werden.60
Dass manche sich dazu entschieden, das Deutsche völlig abzulegen, kann nicht verwundern.
Angela H. T., 1913 in Wien geboren, schrieb: "Als wir es endlich schafften,
in die USA zu kommen, sagte mein Ehemann: 'In diesem Haus wird kein Deutsch gesprochen.'
Wir halten uns bis heute daran."
Andererseits erwies sich die deutsche Sprache als praktisch, wenn einen die Amerikaner
oder die eigenen Kinder nicht verstehen sollten.61
In vielen Antworten spiegelt sich die Altersfrage. Immer wieder wird darauf verwiesen,
dass die ältere Generation - Eltern und Großeltern - die englische Sprache nie
wirklich erlernten und deswegen lieber deutsch sprachen.
Tabelle 9: Sprechen
Sie nach wie vor deutsch?
(Die Frage lautete: "Do you still speak German? If so, with whom and
when? How often?")
| |
% |
VAL % |
| ja |
52,0 |
54,6 |
| selten |
19,3 |
20,2 |
| sehr selten |
9,2 |
9,7 |
| nein |
14,8 |
15,5 |
| unklar |
0,8 |
- |
| keine Angabe |
4,0 |
- |
| gesamt |
100 |
100 |
n = 379
Quelle: AHC, zweiter Fragebogen.
Die Antworten zeugen davon, dass die
überwiegende Mehrheit nach wie vor die deutsche Sprache benützt. Ein Viertel aller
Antwortenden nannte die Familie oder den Partner bzw. die Partnerin als die Personen,
mit denen sie nach wie vor deutsch sprechen.
Aus Interviews wissen wir, dass die Trennlinien im Sprachgebrauch quer durch die
Familien gingen, etwa bei Schwestern, die bei geringem Altersunterschied sich
in ihrer Sprachverwendung völlig unterschiedlich entwickelten: Jüngere wollten
unbedingt so sein wie die Amerikaner und verweigerten es deutsch zu sprechen,
während Ältere noch dem Deutschen zugewandt blieben.
Kurt Z. verließ Österreich im Alter von acht Jahren und ist für seine Altersgruppe
sicherlich die Ausnahme. Er zählt zu denjenigen damaligen Kinderflüchtlingen,
die sich die Muttersprache nicht nehmen ließen. Nachdem Großeltern, Eltern, Tanten
und Onkeln gestorben sind, hat er nur mehr selten Gelegenheit, die deutsche Sprache
zu verwenden. Wo immer es sich jedoch ergibt, so schrieb er, spricht er deutsch,
sei es mit Kellnern oder den Musikern in den deutschen Res-taurants Amerikas.
In Klammern vermerkte er, sogar in einer Musikgruppe gesungen und einen Jodelwettbewerb
gewonnen zu haben.62
Damit steht er vermutlich einzigartig da und ist dennoch ein wichtiges Beispiel
für die Mannigfaltigkeit, mit der die Vertriebenen ihr Leben im Kontext ihrer
Herkunftskultur bewerkstelligt haben.
Rückreisen nach Österreich
Rückreisen nach Österreich
stehen für die jüdischen Vertriebenen und Überlebenden immer im Schatten der Verletzung
ihrer Menschenwürde während des Nationalsozialismus. In nahezu allen Lebensgeschichten
und Interviews werden diese Reisen als höchst emotional beschrieben. Die Vertriebenen
müssen mit einem gewaltsam von außen herbeigeführten Bruch in ihrem Leben klarkommen.
Rückreisen können ihnen dabei helfen, diesen Bruch in die eigene Biographie zu
integrieren, d. h. die Entscheidung zum Exil nachträglich als richtige und als
eigene zu verstehen. In Österreich war es vor allem der andauernde Antisemitismus,63
die Fremdenfeindlichkeit und die Unfähigkeit des Großteils der Kriegsgeneration,
Mitgefühl gegenüber den tatsächlichen Opfern zu zeigen, die den Rückreisenden
sehr schnell zu erkennen gaben, dass sie in Österreich weiterhin wie unzugehörige
Außenseiter behandelt worden wären und es somit auf alle Fälle richtig war, nicht
mehr dort zu leben. Zugleich gilt es, sich auf solchen Reisen der eigenen österreichischen
Wurzeln zu vergewissern. Was bietet sich an? Es sind die neutralen Bereiche von
Kunst, Architektur, Landschaft, Natur und alltagskulturelle Praktiken wie das
Kaffeehaus, der üppige Genuss von Mehlspeisen und Essen à la Apfelstrudel und
Wiener Schnitzel.64
Der Zwiespalt führt sehr oft zu einer Ambivalenz gegenüber Österreich, die jedoch
bei der Verarbeitung der damaligen Erfahrungen hilft.
Die Gefühlspalette gegenüber dem Nachkriegsösterreich ist breit und reicht von
bitterem "Heimweh" bis zur völligen Ablehnung. Es scheint, dass sich
die Vertriebenen bei den Reisen einer Gefühlsdynamik aussetzen, die sie selbst
im Vorhinein nicht einschätzen können. Aus Interviews und Lebensgeschichten wissen
wir, dass die Reisen sehr oft nach Mustern abliefen. Häufig kommt es zu einer
langsamen Annäherung an den früheren Wohnort etwa mit Flügen in ein benachbartes
Land von Österreich, Aufenthalten zunächst am Land, etwa dem Salzkammergut oder
Gasteinertal.65
Der ehemalige Wohnort ist am schwersten von der Vergangenheit belastet, da die
Erinnerungen ungehindert auf einen einströmen, Straßen und Gebäude die Erinnerung
an Ermordete und an Demütigungen wachrufen. Deswegen sind die Umwege und langsamen
Annäherungen erforderlich. Ein Beispiel: Helma G. wuchs in Graz auf. Wenn sie
dort ist, wird sie beständig an die furchtbare Zeit des Nationalsozialismus erinnert,
obwohl diese nun schon lange zurückliegt. In Wien hingegen fühlt sie sich wohler,
da sie die Stadt nicht direkt mit dieser Zeit in Verbindung bringt.66
Für die Gestaltung des Aufenthaltes am ehemaligen Heimatort gibt es ebenfalls
ein Muster: Der Besuch der ehemaligen Wohnung gehört für die meisten Besucher
zum wichtigsten Programmpunkt. Dort stellt sich dann die Frage, ob die Schwelle
des Hauses überschritten werden soll und wie die Menschen, die nun dort leben,
wohl reagieren.
Tabelle 10: Haben
Sie Österreich nach Kriegsende wieder besucht? Wenn ja, wie oft?
(In Klammern wurden zur Schreibanimation noch folgende Fragen gestellt: What
did you do there? Can you recall some of your impressions during these visits?
Have you ever thought of going back permanently?)
| Häufigkeit der Rückreise |
% |
VAL % |
| nie/nein* |
11,2 |
12,5 |
| selten |
0,8 |
0,9 |
| einmal |
19,5 |
21,7 |
| zweimal |
12,3 |
13,6 |
| dreimal |
12,5 |
13,9 |
| viermal |
2,9 |
3,3 |
| fünfmal |
4 |
4,5 |
| öfter als fünfmal |
4,3 |
4,7 |
| jedes Jahr |
2,7 |
3,0 |
| mehrmals, oft |
18,9 |
21,1 |
| lebt/e in Wien |
0,8 |
0,9 |
| unklar** |
4,5 |
- |
| keine Angabe |
5,6 |
- |
| gesamt |
100 |
100 |
*) "nie" könnte sich auf die letzte der in Klammer gestellten Frage
beziehen, ob der/die Befragte je überlegt hatte, nach Österreich zurückzukehren.
Beim ersten Fragebogen wurde präziser nach Rückreisen gefragt. Von 529 Antworten
beantworteten 474 (89,6 %) Personen die Frage positiv und 55 (10,4 %) mit "nein".
**) Unklar bedeutet, dass sich die Häufigkeit der Rückreisen nicht
beziffern ließ.
n = 375
Quelle: AHC, zweiter Fragebogen.
Wenn mit aller Vorsicht eine Klassifizierung
der Antworten vorgenommen wird, so lässt sich sagen, dass knapp mehr als zehn
Prozent der Befragten österreichischen Boden nach ihrer Vertreibung nicht mehr
betreten haben, mehr als ein Drittel nur sehr selten, nämlich ein oder zwei Mal
und ca. die Hälfte öfter als dreimal.
Jene, die mit einem "Nein" antworteten, fügten nur in den seltensten
Fällen Anmerkungen bei. In zwei Fällen sticht die Parallelität ins Auge: Während
die Emigranten es vorzogen, nicht mehr nach Österreich zu fahren, fuhren ihre
Kinder dorthin und besuchten die ehemaligen Wohnungen und Geschäfte.67
Kurt Z. bat seine Tochter zu fotografieren und ist so in der Lage, genau zu beschreiben,
welche der Häuser, die für ihn in Wien eine Bedeutung gespielt hatten, nach wie
vor vorhanden sind.
Vielen erleichterten konkrete Gründe den Entschluss zur Reise: Sei es der Besuch
von Verwandten oder des Friedhofs, sei es eine Geschäftsreise oder im Falle von
Künstlern und Intellektuellen ein Auftritt, Vortrag oder die Teilnahme an einer
Konferenz.
Unter jenen, die nur ein oder zweimal zurückfuhren, dominieren negative Eindrücke.
Zu viele Erinnerungen an die NS-Zeit tauchten auf. Stärker als in Interviews oder
Lebensgeschichten zeigen sich im Fragebogen auch heftig ablehnende Reaktionen.
Edith B. kam nur einmal auf einer Durchreise nach Österreich und fühlte sich sehr
unwohl: "Ich hasste den Gesichtsausdruck der Menschen dort."68
Manche Urteile klingen bitter. Kurt E. fuhr einmal nach Wien, um das Grab seiner
Großeltern zu besuchen.
"Ich konnte nicht
bleiben. Für mich sind sie immer noch Nazis."69
"Es war eine niederschmetternde
Erfahrung", beschrieb Ilse K. ihre einzige Rückreise 1989.70
Harold G. B. empfand während seiner Österreichreise 1952 nicht nur den Antisemitismus,
sondern auch den Antiamerikanismus der Österreicher. Waldheim und Haider würden
ihm den Entschluss, das Land nicht noch einmal zu besuchen, erleichtern.71
Wenn die Reise derart negativ erlebt wurde, konnte der Vorbehalt gegenüber dem
Land, dessen Menschen einem einst gefährlich waren, nicht gelöscht werden, sondern
verhärtete sich und ließ nur die Schlussfolgerung zu, sich dieser emotionalen
Belastung nicht nochmals auszusetzen.
Es gibt allerdings auch ganz andere Gründe, warum Überlebende nur selten zurückkamen.
Ella G. besuchte Wien lediglich 1996:
"[...] es ist sehr
schön dort, [ich] habe mich gut ausgekannt. Ich war sehr gerührt und traurig.
Ich möchte gerne [...] noch einmal Wien sehen, aber es kostet zu viel."72
Amerikanische Ehepartner, Kinder und
Enkelkinder spielen bei Rückreisen eine wichtige Rolle. Obwohl in den USA aufgewachsen,
ist ihnen die österreichische Kultur, der Lebensstil und Akzent des Partners,
der Eltern oder Großeltern vertraut. Reisen können diesen Eigenarten eine begreifbare
Form verleihen, die Geschichten mit realen Eindrücken anreichern. Dennoch heißt
es nicht, dass die Vermittlung gelingt, wie folgendes Beispiel zeigt:
"Ich fuhr nach Wien,
um meiner Tochter und meinem Ehemann zu zeigen, wo ich geboren wurde. Ich konnte
nicht aufhören zu weinen. Meine Tochter liebte Wien. Sie konnte nicht glauben,
dass die Menschen so grausam gewesen waren."73
Edith Sch. beschreibt, dass sie die
Erinnerungen in Angst versetzten, als sie das erste Mal die österreichische Grenze
passierte. Danach hätte sie sich wieder beruhigt, sich an ihren in Amerika geborenen
Sohn gehalten und so die Schönheit der österreichischen Landschaft genießen können.74
Diese Zitate zeigen, wie stark die Empfindungen auf diesen Reisen hervortreten
und wie wichtig es gewesen wäre, dass die Österreicher Sensoren für die Gefühle
der Rückkehrenden entwickelt hätten. Es scheint, dass diese Sensibilität nur Teilen
der Nachkriegsgenerationen möglich war.
Jene, die öfter nach Österreich fuhren, schildern manchmal eine Entwicklung, die
ihnen das Reisen im späteren Verlauf leichter machte. Trude D. etwa hatte beim
ersten Mal ein unangenehmes Gefühl, als sie in den vertrauten Straßen das Gute
und Böse nochmals zu erleben glaubte. Bei ihrer vierten Reise zeigte sie ihrer
Tochter und ihrem Sohn die ehemalige Wohnung "sogar mit Stolz". Sie
fühlte sich nun viel besser als beim ersten Mal.75
Manche besuchten in Österreich ihre früheren nichtjüdischen Bekannten und Freunde,
andere kamen zu Klassentreffen, so auch Joseph B. F. Er beziffert die Zahl seiner
Reisen mit ca. 20 und ist sich dessen bewusst, dass viele Österreicher, unter
ihnen auch damalige Schulkollegen, früher Nazis gewesen waren.
"Wir hatten ertragreiche
Gespräche. Ich glaube sehr stark an Aussöhnung, damit mein Leben weitergeht."
Sehr wichtig war das in den Antworten
immer wieder genannte, vom Jewish Welcome Service getragene Programm,
in dessen Rahmen Vertriebene aus aller Welt nach Österreich eingeladen werden.
Paula W. schwärmte, sie seien wunderbar und mit Wärme empfangen worden.76
Resümee
Selbst bei Amerika-kritischen
Emigranten fällt auf, dass die Dankbarkeit Amerika gegenüber vorwiegt. Aus vielen
Antworten scheint sich dafür eine Erklärung anzubieten, die der Schriftsteller
Carl Zuckmayer in einem Vortrag über die "Andersartigkeit Amerikas"
ca. 1949 formulierte:
"Aber Amerika hat
mir die Chance gegeben, [...] im Kern meines Wesens europäisch [...] zu bleiben
und doch in seinem Boden Wurzeln zu schlagen und auf diesem Boden selbst in
härtesten Zeiten ein freier Mensch zu sein".77
Trotz der umfangreichen Antworten bleiben
viele Lücken bestehen, die wir nur auf andere Art schließen können. Beispielsweise
fehlten Fragen, die ein kritischeres Bild von der amerikanischen Gesellschaft
hätten entstehen lassen. Aus Interviews und Lebensgeschichten sind Beschreibungen
überliefert, die den Schock über den Antisemitismus oder den Rassismus gegenüber
der schwarzen Bevölkerung in den USA darstellen. Die Anpassung an die Anforderungen
des "Amerikanischen Traums" in den Umgangsformen gelang natürlich auch
nicht allen. Und der Druck gegenüber politisch Linksgesinnten während der berüchtigten
McCarthy-Ära wurde hier ebenso wenig befragt wie die Verzweiflung derjenigen,
denen es nicht gelang, ihre engsten Verwandten auf Grund bürokratischer Hürden
der amerikanischen Einwanderungsbestimmungen zu retten. Insofern sollte am Ende
nochmals darauf hingewiesen werden, dass die hier vorgetragenen Ergebnisse nicht
daran gemessen werden sollten, was alles nicht berücksichtigt wurde, sondern daran,
was sie zum Verstehen der Exil-Erfahrungen beitragen können.
Als das Projekt entwickelt wurde, hätten wir uns nie erträumen lassen, dass wir
derart viele und mit Engagement geschriebene Antworten erhalten würden. Der Erfolg
hat uns überwältigt, und es sei an dieser Stelle allen dafür gedankt, dass sie
sich so viel Mühe gemacht haben. Das Faszinierende an den Fragebögen ist, dass
die Antworten keineswegs monoton sind, sondern eben Einblicke in viele individuelle
Perspektiven ermöglichen und somit dem vielfältigen Leben einzelner Menschen,
die eine gemeinsame Erfahrung verbindet, gerecht werden.78
- 1
Dieser Beitrag wurde erstmals im Katalog zur Ausstellung des Jüdischen Museums
Wien: Vom Großvater vertrieben, vom Enkel erforscht? Zivildienst in New
York (Wien 2002, 63-105) veröffentlicht. <www.jmw.at/de/vom_grossvater_vertrieben.html>.
- 2
In einem ersten Schritt wurde vom Nationalfonds der Republik Österreich für
die Opfer des Nationalsozialismus ein so genannter Initial Letter
an die Überlebenden verschickt. Es wurde darin ersucht, einen eine Seite umfassenden
ersten Fragebogen an das Leo Baeck Institute in New York zu schicken, an dem
jeweils zwei Gedenkdiener aus Österreich die Korrespondenz und das Projekt
betreuen. Im Initial Letter werden die wichtigsten Daten zur Person
und Familie erhoben und zugleich gefragt, ob ein zweiter, weitaus umfangreicherer
Fragebogen zugesandt werden darf. Einzelne Personen wurden zusätzlich ausführlich
interviewt, wenn möglich werden auch diverse Dokumente wie Schiffskarten,
Reisepässe etc. gesammelt.
- 3
Vgl. Wolfgang Benz (Hg.), Das Exil der kleinen Leute. Alltagserfahrungen deutscher
Juden in der Emigration, München 1991.
- 4
Die Literatur über den Beitrag der Flüchtlinge zur amerikanischen Kultur und
Wissenschaft ist höchst umfangreich. Für den Bereich der Wissenschaft sei
verwiesen auf die beeindruckende Arbeit von Friedrich Stadler (Hg.), Vertriebene
Vernunft. Emigration und Exil österreichischer Wissenschaft, Bd. 1 und 2,
Wien-München 1987 und 1988. Vgl. auch E. Wilder Spaulding, The Quiet Invaders.
The Story of the Austrian Impact upon America, Vienna 1968. Eine wichtige
Publikation ist Siglinde Bolbecher/Konstantin Kaiser (Hg.), Lexikon der österreichischen
Exilliteratur, Wien-München 2000. Die beiden Autoren leisten auch durch die
Herausgabe der Zeitschrift "Mit der Ziehharmonika" bzw. "Zwischenwelt"
einen essentiellen Beitrag zur Exilforschung in Österreich. Aus amerikanischer
Perspektive vgl. William B. Helmreich, Against All Odds. Holocaust Survivors
and the Successful Lives They Made in America, New York 1996. Außerdem sei
auf die wichtige Tätigkeit des Literaturhauses (Ursula Seeber und Alisa Douer)
Wien verwiesen wie auch des Orpheus Trust (Primavera Gruber), der sich mit
Musikern im Exil befasst.
- 5
Blanka Rosalia H., geb. 1915 in Wien.
- 6
Erika Weinzierl/Otto D. Kulka (Hg.), Vertreibung und Neubeginn. Israelische
Bürger österreichischer Herkunft, Wien-Köln-Weimar 1992.
- 7
Die meisten Antworten wurden in englischer Sprache gegeben und für diesen
Beitrag von mir übersetzt. In deutschsprachige Antworten wurde hingegen sprachlich
nicht eingegriffen.
- 8
Walter K., geb. 1904 in Wien; ähnlich: Gerhard H., geb. 1914 in Wien.
- 9
Friederike K., geb. 1905 in Frauenkirchen, ähnlich auch: Alice Jay S., geb.
1918 in Wien, und Harold G. B., geb. 1926 in Wien: "Alle meine Freunde
waren Juden. Wir hatten keinen persönlichen Kontakt zu Nichtjuden, mit Ausnahme
zum Dienstpersonal, im Beruf und als Kunden."
- 10
Josephine Z., geb. 1914 in Podivin.
- 11
Joseph B., geb. 1913 in Wien; Hedy Sch., geb. 1913 in Mödling; Edith H., geb.
1910 in Wien; William H., geb. 1919 in Wien.
- 12
Martha L., geb. 1913 in Piesting.
- 13
Franz Ferdinand H., geb. 1915 in Scheibbs.
- 14
Siegmund B., geb. 1916 in Wien; Friedrich-Theodore G., geb. 1915 in Wien;
Josphine Z., geb. 1914 in Podivin; Leo G., geb. 1915 in Wien; Renée L., geb.
1924 in Wien; Bert L., geb. 1917 in Wien; Renée W., geb. 1912 in W.
- 15
Dr. Trude D., geb. 1912 in Wien.
- 16
Vgl. z. B. Sander Gilman, The Jew's Body, New York, NY 1991; Eduard Fuchs,
Die Juden in der Karikatur, München 1921.
- 17
Fred-Raymond H., geb. 1915 in Wien, ähnlich: Anne L., geb. 1918 in Wien;
Ilse F., geb. 1909 in Wien; Elie T., geb. 1919 in Wien. Sie verweist ebenfalls
auf ihren damaligen nicht jüdisch klingenden Namen.
- 18
Kurt S., geb. 1911 in Wien.
- 19
Susanne Y., geb. 1923 in Wien; Herbert F., geb. 1926 in Wien; Rosa G.,
geb. 1915 in Wien; Erna Elisabeth W., geb. 1920 in Kopyczynce; Hans P., geb.
1906 in Salzburg; Hans Herbert W., geb. 1920 in Wien.
- 20
Beschrieben von Auguste G., geb. 1906 in Wien.
- 21
Kurt G., geb. 1925 in Wien.
- 22
Vgl. insgesamt Bruce F. Pauley, Eine Geschichte des österreichischen Antisemitismus.
Von der Ausgrenzung zur Auslöschung, Wien 1993.
- 23
Edith H., geb. 1910 in Wien.
- 24
Alice H., geb. 1913 in Wien.
- 25
Susi F., geb. 1926 in Wien. Vom Anspucken schrieb auch: Anne-Marie A.-L.,
geb. 1918 in Wien; Ernestine Z., geb. 1921 in Wien. Als "Saujud"
beschimpft worden zu sein, berichten außerdem Helma G., geb. 1926 in Graz;
John A., geb. 1910 in Brünn; George Rudolf St., geb. 1919 in Wien; Paul Patrick
St., geb. 1917 in Wien.
- 26
Ella G., geb. 1919 in Wien.
- 27
Z. B. Ernst H., geb. 1923 in Wien.
- 28
Die Frage lautet: "How did non-Jewish friends, colleagues, schoolmates,
neighbours etc. behave toward you and your family?"
- 29
Kurt S., geb. 1912 in Wien. Insgesamt klang Verständnis in acht Antworten
durch.
- 30
Irene W., geb. 1896 in Traisen.
- 31
Anne K., geb. 1914 in Wien; Frieda K., geb. 1909 in Paris; Susanne E.,
geb. 1930 in Wien; Erna K., geb. 1908 in Wien; Robert G., geb. 1921 in Wien;
Liselotte H., geb. 1912 in Wien; Henry. Y., geb. 1913 in Wien; Hedwig A.,
geb. 1907 in Wien, und George-David M., geb. 1913 in Wien.
- 32
Martha W., geb. 1916 in Wien; vgl. auch Albert-Aaron F., geb. 1920 in Wien.
- 33
Therese W., geb. 1909 in Wien.
- 34
Oscar W., geb. 1908 in Wien.
- 35
Lilian-Renée F., geb. 1931 in Wien.
- 36
Joseph B., geb. 1913 in Wien.
- 37
Helene P.-L., geb. 1923 in Wien.
- 38
Karl Felix B., geb. 1914 in Wien; vgl. auch Julius W., geb. 1918 in Wien.
- 39
Peter Eppel (Hg.), Österreicher im Exil. USA 1938-1945, Bd. 1, Wien 1995,
S. 28.
- 40
Eppel, Bd. 1, S. 49.
- 41
Z. B. Gina-Rahel K., geb. 1909 in Kolomea. Sie überlebte den Krieg in
Belgien.
- 42
Trude D., geb. 1912 in Wien.
- 43
Otto F., geb. 1913 in Wien.
- 44
Vgl. z.B. Georg Armbrüster/Michael Kohlstruck/Sonja Mühlberger (Hg.),
Exil Shanghai 1938-1947. Jüdisches Leben in der Emigration, Berlin 2000; Ernest
G. Heppner, Shanghai Refugee. A Memoir of the World War II Jewish Ghetto,
Lincoln-London 1993.
- 45
Zur Flucht nach Shanghai vgl. etwa: Frank S.; geb. 1912 in Wien; Erich
D.; geb. 1914 o.O.; Fritzi B. geb. 1907 in Lobositz; Alfred Z., geb. 1922
in Wien; Lizzy F. geb. 1924 in Wien; Rosa G., geb. 1915 in Wien; Paul H.,
geb. 1920 in Wien; Edmund I., geb. 1928 in Wien; Edith B., geb. 1909 in Wien.
- 46
Vgl. außerdem Hans K., geb. 1909 in Wien; Siegfried K., geb. 1913 in Czernowitz;
Franz D., geb. 1915 in Neu Ötting, und Otto G., geb. 1908 in Wien.
- 47
Von 185 männlichen Befragten antworteten auf die Frage "Did you serve
in the U.S. Armed Forces or in any other allied army?": 42,2 % mit "Nein",
3,6 % waren untauglich, 42,8 % in US-amerikanischen Streitkräften, 6 % in
der britischen Armee, 1,2 % in Frankreich 3,6 % in Palästina/Israel und 0,6
% in Kanada. 18 Befragte ließen die Frage unbeantwortet. In zwei Fällen betrifft
der Armeedienst allerdings die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in Israel
z.T. der Kampf auf Seiten der illegalen Haganah.
- 48
Fred F., geb. 1919 in Wien, wurde in den südpazifischen Raum verlegt.
- 49
John K., geb. 1923 in Wien.
- 50
Zwei Beispiele: George H., geb. 1922 in Wien, wurde bei der Schlacht um
Metz schwer verwundet und musste 46 Monate im Spital verbringen. Siegfried-Fred
B., geb. 1919 in Wien, bediente ein Maschinengewehr und kämpfte in der Normandie.
- 51
Henry T., geb. 1917 in Großhöflein; Peter-Charles L., geb. 1919 in Wien;
Franz-Leopold A., geb. 1910 in Wien; Ludwig-Robert S., geb. 1918 in Wien;
Siegfried-Fred B., geb. 1919 in Wien; Otto F., geb. 1913 in Lassee; Leo G.,
geb. 1913 in Wien. Nach Kriegsende in Österreich bzw. Deutschland waren stationiert:
Robert G., geb. 1921 in Wien; Edward G., geb. 1916 in Zürich; Hans H., geb.
1923 in Wien.
- 52
Vgl. Eppel, Bd. 2, S. 5-230.
- 53
Von der CD Hermann Leopoldi in Amerika, Preiser Records.
- 54
Auf die Mitgliedschaft bei der Austro-American Youth wird zweimal
verwiesen. Vgl. Lily H., geb. 1926 in Wien; Eva Janet F., geb. 1926 in Wien.
Andererseits wundert es nicht, dass eine Mitgliedschaft bei dieser Organisation
nicht angegeben wurde. Die Austro-American Youth geriet wegen Spionageverdacht
zweier ehemaliger Mitglieder als Ganze in das Augenmerk der amerikanischen
Behörden, viele wurden verhört und bekamen deswegen Schwierigkeiten. Dies
ging so weit, dass Einzelne ihre Arbeit verloren, aus Angst vorübergehend
untertauchten oder nach Österreich zurückkehrten.
- 55
Die Fragestellung lautete: "Are your friends and acquaintances mostly
German-speaking or non-German speaking? Mainly Jewish or not?" Das Ergebnis
ist mit einiger Vorsicht zu genießen, da die Antwort "englischsprachig"
nichts darüber aussagt, ob die Freunde nicht doch eine ähnliche Lebensgeschichte
haben.
- 56
Der Newsletter (Brith Hakoah) wird zur Zeit von Walter Kominik und Ernst
Sinai betreut. Der Fragebogen hat in Hinsicht auf die Erfassung der ehemaligen
Mitgliedschaft bei Emigrantenvereinen eine Schwachstelle, da diese nur in
seltenen Fällen vermerkt wurde.
- 57
Hedwig A., geb. 1907 in Wien.
- 58
Zitiert in: Eppel, Bd. 1, S. 297.
- 59
Das wird z.B. beschrieben von Gary-Leslie L., geb. 1912 in Wien.
- 60
Vgl. Eppel, Bd. 1, S. 173 ff.
- 61
Dies wird erwähnt von: Marietta B.-K., geb. 1922 in Wien; Otto H., geb.
1912 in Wien, und Hermine-Mink K.-K., geb. 1914 in Wien.
- 62
Kurt Z., geb. 1930 in Wien.
- 63
Bertold P., geb. 1924 in Wien, wurde nach Wien eingeladen. Er notiert,
in der Nähe der Synagoge in der Seitenstettengasse "Saujud"-Graffiti
gesehen zu haben. Insgesamt beschreiben 21 Befragte Antisemitismus in Österreich.
- 64
Der 1907 in Prag geborene Friedrich H., er fuhr fünfmal wieder nach Österreich,
bringt es auf den Punkt: "I loved the country, but not the people."
- 65
Vgl. Albert Lichtblau, "Man kann einen Menschen aus der Heimat vertreiben,
aber nicht die Heimat aus dem Menschen." Die Österreicher und die Zweite
Republik im Blickfeld der Lebensgeschichte von Autoren österreichisch-jüdischer
Herkunft, in: Zeitgeschichte, 18 (1990/91), Heft 7/8, S. 209-223.
- 66
Helma G., geb. 1926 in Graz.
- 67
Lina B., geb. 1912 in Wien; Kurt Z., geb. 1930 in Wien.
- 68
Edith B., geb. 1909 in Wien.
- 69
Kurt E., geb. 1914 in Wien.
- 70
Ilse K., geb. 1920 in Wien.
- 71
Harold G. B., geb. 1926 in Wien.
- 72
Ella G., geb. 1919 in Wien.
- 73
Gertrude K., geb. 1919 in Wien.
- 74
Edith Sch., geb. 1918 in Wien.
- 75
Trude D., geb. 1912 in Wien.
- 76
Paula W., geb. 1909 in Wien.
- 77
Eppel, Bd. 1, S. 283.
- 78
Ich möchte für Unterstützung, Hinweise und Mitarbeit Elisabeth Polndorfer,
Astrid Früh, Michael John, Hanna Lessing und allen Gedenkdienern, die für
das Projekt in New York gearbeitet haben, herzlichst danken.