eForum zeitGeschichte 2/3 2002

Geschichte - Geschichten einer Ausstellung!

Brigitte Straubinger

"Der Wahrheit ins Auge sehen"
(Hans Köppel, Oberösterreichische Nachrichten, April 2002)

"Trotz der Lügen kennen wir die Wahrheit"
(Gegner der "Wehrmachtsausstellung", April 2002)

"Verhindern wir die antisemitische, rassistische und faschistische Lügenpropaganda"
(Ausstellungsbefürworter, April 2002)

"Wahrheit nach dem Bilderstreit"
(Kleine Zeitung, April 2002)



Mit beiden Ausstellungen waren Schlagworte wie Wahrheit oder Lüge, richtige oder falsche Erinnerung, wahre oder falsche Geschichte verbunden. Die Geschichte zerfiel in Geschichten, die sich absolut gegensätzlich gegenüberstanden. Das heißt, die Grundaussage einer schon längst wissenschaftlich gesicherten These, dass die Wehrmacht als Organisation in Verbrechen involviert gewesen sei, wurde von einem Teil der österreichischen Bevölkerung in Frage gestellt oder negiert. Die erste Ausstellung hatte vor allem "geschockt und provoziert", sie war gegen die Lüge der "sauberen Wehrmacht" angetreten.

Die zweite Ausstellung setzte nun auf "Differenzierung", der Besucher sollte sich "selbst eine Meinung bilden [...] können" über das, was "historisch geschehen ist".1 Der Besucher wird zum Historiker eines für ihn ausgewählten Quellenmaterials. Viele fühlten sich damit überfordert (siehe Besucherbuch-Eintragungen2) und kritisierten die Ausstellung als zu "textkonzentriert" bzw. als "Ausstellungsbuch", welches man besser zu Hause hätte lesen können. Derjenige, der die erste Ausstellung gesehen hatte, musste feststellen, dass sich die neue "Wehrmachtsausstellung" (WA II) "in jeder Hinsicht anders"3 präsentierte als die alte "Wehrmachtsausstellung" (WA I).

Nachdem die erste4 als "Fotoausstellung" (Ulrike Jureit) wahrgenommen worden war, setzten die jetzigen "Ausstellungsmacher" vor allem wieder auf Texte - die Fotos wurden an den Rand gedrängt, sie dienten nun der Illustration, und man kam nicht mehr auf die Idee, sie als Hauptvermittler des Geschehens zu betrachten. Der Ausstellungsraum strahlte wie eine Art Lesesaal Ruhe aus, wirkte sauber und neutral - vor allem durch die vorherrschende weiße Farbe. Die exakt gleiche geometrische Anordnung der sechs Themenbereiche, der dazugehörigen Hörkästen und Bilder schien einer mathematischen Ordnung zu folgen, nur den abseits gelegenen Nachkriegsraum habe ich als etwas chaotisch - weil auf engem Raum überfrachtet - empfunden. Das Ruhige, Zurückgenommene der Ausstellung schien auch auf die Besucher zu wirken - konzentriertes Lesen oder Schauen stand im Vordergrund, aber auch Sich-gegenseitiges-Beobachten bzw. -Belauschen, man war unsicher, ob derjenige, der neben einem stand, wohl die gleiche Meinung vertrat wie man selbst. Diese Ruhe wurde nur durch plötzlich auftretende Diskussionen unterbrochen.

Gerade wegen dieser nicht so provokanten Gestaltung und weil es sich um eine Folgeausstellung handelte,5 fanden sich weniger "Grundsatz-Kritiker" als bei der WA I. Und doch nahm die zweite Ausstellung die "soziale Energie" (Stephen Greenblatt) der zuerst gezeigten mit herein. Die erneuten Gegner der WA II waren vorwiegend solche, die weder die erste noch die zweite gesehen haben, geschweige denn sehen wollten. Schon bevor die zweite Ausstellung nach Wien kam, fühlten sich gewisse Kreise6 provoziert. Die ehemaligen Wehrmachtssoldaten waren eine dieser Gruppen; die grundsätzliche These war gleich geblieben und belastete die Wehrmacht gleichermaßen. Diese Zeitzeugen kamen schon im Vorfeld des Standortes Wien in einigen österreichischen Medien zu Wort.

Das profil druckte eine zweiteilige Serie zu "Hitlers Armee"7, acht prototypische Österreicher sollten von der Wehrmacht und ihren Erlebnissen mit und in der Wehrmacht erzählen. Die Fragen der Autorinnen - "Wie war es wirklich? Wer waren die Täter, wer die Opfer? Und warum fällt es, fast sechzig Jahre nach Kriegsende, immer noch so schwer, sich den Erlebnissen zu stellen?" - konnte sich der Leser selbst durch das Zusammenspiel von Zeitzeugenaussagen und daneben gestelltem wissenschaftlichem Material beantworten. Die Autorinnen auf der Suche nach Wahrheit und Wirklichkeit suggerierten mit dieser Einleitung, dass der Artikel diese Fragen beantworten könnte: in der Auseinandersetzung mit acht Zeitzeugen, die Geschichte aus ihrer Perspektive präsentierend als ehemalige Wehrmachtssoldaten - und daneben das von den Autorinnen zusammengetragene Material, die wissenschaftliche Darstellung. Der Leser war nun aufgefordert, die persönlichen Darstellungen mit wissenschaftlichen Fakten zu widerlegen bzw. zu ergänzen.

Der erste Zeitzeuge, der Herausgeber der "Kronenzeitung" Hans Dichand, erinnert sich an "britische Bomber", "scheut sich nicht über den Krieg zu reden", in Graz hätte er "nie einen gelben Stern gesehen" und die Grazer "hätten mutig dagegen demonstriert, als 1938 die Synagoge in Brand gesetzt wurde": "Zum ersten Mal seit dem Anschluss spürten viele, dass mit dem neuen Regime Verbrecherisches verbunden war."8 Und obwohl er dieses Verbrecherische im Regime schon 1938 erkannt zu haben schien, meldete er sich zur Marine, wo er während des Krieges "nur dreimal" mit Juden zu tun hatte, mit, wie er es meiner Meinung nach ausdrückte, zunächst "dummen" Juden, weil sie die rostige Hacke, die er ihnen gebracht hatte, "sorgsam gereinigt" zurückgaben, mit "reichen" Juden die sich "freikaufen" konnten, und mit "toten" - von der SS erschossenen - Juden. Die Wehrmacht sei, verglichen mit der Roten Armee, "hoch diszipliniert" gewesen; er hätte nicht behauptet, dass es in der Wehrmacht keine Verbrechen gegeben hätte, aber er findet es "zutiefst ungerecht" und er fühlt sich "persönlich beleidigt", wenn "die Sache einseitig" dargestellt wird. Er empfand den Krieg als "unentrinnbares Schicksal", als "vermeintliche Pflichterfüllung" und stellt die Frage: "Was hätte ich tun sollen?"

Gerade an den Aussagen über die Juden lässt sich ein Weiterwirken der nationalsozialistischen Mentalität und Sprache, der nationalsozialistischen Propaganda erkennen - sowie auch beim früheren Generalsekretär der österreichischen Industriellenvereinigung Herbert Krejci, der sich zuallererst an die "wohlhabende[n] Juden" erinnert. Die Erinnerungs- und Abwehrstrategien der ehemaligen Wehrmachtssoldaten in den Medien und in der Ausstellung sind dieselben: Fast alle hätten nichts gesehen, von nichts gewusst, sich "anständig" verhalten, verwiesen auf andere Armeen und auf die allgemeine Ebene, alle Kriege seien schrecklich. Die Masse der Soldaten hätte das nicht wissen können, man hätte nur seine Pflicht getan und Befehle befolgt, auf "Juden oder Zigeuner" mussten sie sowieso nie schießen.

Helmut Rainer hat als einziger dieser im profil präsentierten Zeitzeugen an einer Erschießung teilgenommen, jedoch an einer "vollkommen korrekten", denn es handelte sich um einen Deserteur - und Soldaten "fassen das ja anders auf, wenn einer davonrennt".

Die Deserteursthematik gewann kurz vor und während der "Wehrmachtsausstellung" wieder an Aktualität in der österreichischen Politik und den Medien. Deserteure haben nach wie vor keine Pensionsansprüche für die Kriegsjahre, im Gegensatz zu Wehrmachtssoldaten - die Absurdität, dass diejenigen, die auf die im Nachhinein gesehen "richtige Seite" geflohen sind, heute noch vor dem Gesetz schlechter gestellt sind, ist aus heutiger Sicht absolut unverständlich.

Doch möchte ich nun auf die Problematik ehemaliger Wehrmachtssoldaten in der Ausstellung näher eingehen. Wie schon erwähnt, begegneten mir die im profil geäußerten Zeitzeugenaussagen in ähnlicher Art und Weise auch in der Ausstellung. Darum habe ich sie diesem Artikel vorangestellt. Die Grundaussagen blieben dieselben: Einzeltäter hätte es wohl gegeben, aber der Großteil der Wehrmacht war sauber geblieben; Kriege sind schrecklich, und in allen Armeen der Welt sind Verbrechen geschehen. Diese Abwehrstrategien sind nur allzu bekannt.

Nachdem die Ausstellung in ihrer Gestaltung, oberflächlich betrachtet, wenig provokativ war, waren diese Zeitzeugen zunächst überrascht über ihre Nüchternheit. Die Reaktionen darauf waren: "Na, das ist ja schon ein Fortschritt; jetzt fehlt nur noch ein Schild, dass das nur Einzelne gewesen sind!" Noch einmal betont sei die Tatsache, dass diejenigen, die absolut gegen die Ausstellung waren, sie boykottierten, indem sie sie nicht besuchten. Diejenigen, die mir in der Ausstellung begegneten, waren also die "Gemäßigten", die vorwiegend gegen die nicht vorhandene "Pauschalierungsthese" auftraten, jedoch Verbrechen "in" der Wehrmacht nicht gänzlich leugneten. Die Annahme der pauschalen Verurteilung erlaubte den Vergleich mit anderen Gruppen und bot eine Möglichkeit, von vornherein dagegen zu sein; ohne einen expliziten diesbezüglichen Satz in der Ausstellung konnte man sie nicht wirklich vom Gegenteil überzeugen.9

Im oben erwähnten profil-Artikel wurden die Zeitzeugen der wissenschaftlichen Thesen, Fakten und Forschungen zur Zeit gegenüberstellt - die einzelne Erinnerung, die eigene Geschichte wird der wissenschaftlichen Bearbeitung entgegengestellt; Ähnliches geschieht in der Ausstellung. Der Zeitzeuge kommt mit seiner Erinnerung, seiner Geschichte, seiner Wahrheit in die Ausstellung, und was er findet, ist die Geschichte aus einer anderen Perspektive, aus der Perspektive von WissenschafterInnen, die nicht wie er "dabei gewesen sind" - der Wehrmachtssoldat ist eindeutig der Täterebene zugeordnet. Opfer sind Juden, Roma und Sinti, russische Kriegsgefangene, Partisanen usw. Der ehemalige Wehrmachtssoldat ist in seiner Erinnerung aber auch zumeist Opfer seiner Zeit, Opfer des verbrecherischen Regimes, und hier setzt der Kampf um Erinnerungen an, um Geschichte und Wahrheit, der in beiden "Wehrmachtsausstellungen" ausgetragen wurde.

John Kotre spricht vom "Mythenmacher im Kopf"10, der individuelle Lebensmythen festlegt, die das bisherige Leben interpretieren - diese Lebensmythen der ehemaligen Wehrmachtssoldaten in Bezug auf die Zeit 1933/38-1945 sind angeordnet um den Mythos "saubere Wehrmacht", dessen Konstruktion unmittelbar nach der Niederlage der Wehrmacht einsetzte, und in Österreich zusätzlich um den "Opfermythos": Österreich als erstes Opfer Hitlers.
"Die Gedächtnisforschung hat in zahlreichen Untersuchungen nachgewiesen, daß die Erinnerungen des Menschen gewissermaßen 'lebendig' sind. Erinnertes wird ständig umgedeutet - aufgefüllt -, verdrängt und angereichert. Wir sehen die Vergangenheit immer durch den Filter der Gegenwart: Die ursprünglichen Wahrnehmungen eines Ereignisses verschmelzen mit nachträglichen Informationen zu einer einzigen Erinnerung."11
Der erste Tag und vor allem die erste Woche in der Ausstellung vermittelten mir den Eindruck, dass nur die Kriegsgeneration darauf gewartet hatte, endlich diese Ausstellung zu sehen.

Die Anwesenheit eines ORF-Teams, platziert vor dem Durchgang zur Ausstellung, erweckte die Erwartungshaltung einer Provokation, einer Gegenposition, eines "Skandals". Daher nicht unvermutet wurde die Stille der Ausstellung plötzlich durch ein Streitgespräch am Eingang unterbrochen, vier oder fünf Männer, teils der Kriegs-, teils der Nachkriegsgeneration zugehörig, waren absolut nicht einer Meinung. Es ging um die Frage der Pauschalverurteilung: Ein ehemaliger Wehrmachtssoldat hielt die Ausstellung für unzumutbar, weil sie diese Generation pauschal verurteile, er habe zwar nichts gemacht, aber es sei trotzdem eine Frechheit. - Die Entgegnung eines anderen lautete: "Wenn Sie nichts getan haben, dann brauchen Sie sich eh nicht angesprochen fühlen." - Wutentbrannt verließ jener Erstgenannte die Ausstellung - die anderen diskutierten noch kurz weiter, aber ebenso plötzlich, wie der Streit gekommen war, trat wieder Stille ein.

Das ORF-Team hatte einen "Aufmacher" für "Thema" bzw. "Report" und/oder die Nachrichtensendung und zog zufrieden ab. Gesendet wurde dies als Beispiel für die umstrittene Ausstellung, die eben beschriebene Emotionen bei ehemaligen Wehrmachtssoldaten auslöse - dieses Beispiel war nun repräsentativ für die Ausstellung. Erst Tage später erlebte ich ein Ähnliches; die meisten Wehrmachtssoldaten, so hatte ich das Gefühl, wollten lieber nicht auffallen. Die emotionsgeladenen Diskussionen bildeten also eher die Ausnahme als die Regel.

Sehr wenige Wehrmachtssoldaten nahmen ein Vermittlungsangebot in Anspruch. Durch die Initiative "Dialog.Diskussion.Demokratie" von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny wurden Menschen aus Altersheimen dazu aufgefordert, die Ausstellung mittels Vermittlungsangebot anzusehen und danach mit Schülern darüber zu sprechen, welche wiederum meist gleichzeitig an einem Vermittlungsgespräch teilnahmen. Das erste Treffen dahingehend wurde als Medienrummel inszeniert. Doch bestanden diese Gruppen aus den Altersheimen allgemein aus Frauen und Männern, die den Krieg in irgendeiner Art und Weise erlebte hatten, und dieses Programm wich damit erfolgreich auf die allgemeine Ebene von Krieg und Gewalt aus, die Thematik Verbrechen der Wehrmacht wurde meiner Meinung nach marginalisiert.

In einer Gruppe aus dem Altersheim, die ich durch die Ausstellung führte, eröffnete mir eine Dame vor dem Bereich "Ernährungskrieg - Leningrad": "So dürfen Sie uns das nicht sagen!" Ich hatte nachgefragt, was sie damit meinte, denn ich war mir nicht bewusst, dass ich etwas besonders Provokantes gesagt hatte. Im Gegenteil, ich merkte an mir selber aus Scheu vor allzu heftiger Konfrontation, dass ich mich vor der Kriegsgeneration oft zurückgenommen hatte und besonders "professionell" und "objektiv" erscheinen wollte.12 - An dieser Stelle bekam der einzige Mann und ehemalige Wehrmachtssoldat in meiner Gruppe Tränen in den Augen und er sagte: "Leningrad - da hat uns damals der General verraten." Auf mein Nachfragen hin hörte ich seine Frau sagen: "Na, sag', was du denkst!" Ich konnte es nur erahnen, Antworten oder nähere Erläuterungen bekam ich keine.

Diese Menschen hatten ihre eigene persönliche Vergangenheit so stark vor Augen, ihre eigenen Lebensmythen (sie versuchten die Quellen gar nicht so genau zu studieren, so blieben sie offener für eigene Interpretationen), ihre eigenen Erinnerungen, ihre Erzählungen, ihr Opferdasein - ich hatte während des gesamten Rundgangs das Gefühl sie blickten an den Bildern und Texten vorbei in ihre eigene Geschichte. Der tatsächliche Inhalt der Ausstellung schien unwichtig geworden. Gekommen waren sie nicht aus eigener Initiative, sondern weil sie politisch vereinnahmt wurden für die "Generationendiskussion"; sie teilten mir auch mit, dass niemand hingehen wollte und sie sich letzten Endes darum gemeldet hätten.

Bei einer aus denselben Motiven vereinbarten Schulführung, bei der auch Kulturstadtrat Mailath-Pokorny anwesend war, unterbrach er mich mitten in meiner Einführung und erzählte den Schülern und Schülerinnen (ca. 14- bis 15-Jährige) plötzlich vom "Franzl-Brief", danach ging er weiter zu den Pensionisten, um auch denen vom "Franzl-Brief" zu erzählen - zusammenhanglos. Vermutlich, um die darauf folgende "Generationendiskussion" in eine bestimmte Richtung lenken zu können: Grausamkeiten des Krieges, generell Krieg und Gewalt. Die SchülerInnen waren verwirrt und wollten den Brief unbedingt sehen; als sie ihn gelesen hatten, verstanden sie ihn nicht so ganz und interpretierten ihn in die falsche Richtung. Der Brief handelt von den angeblichen Grausamkeiten der Juden bzw. jüdischen Kommunisten und der Russen, welche "deutschen Kameraden" die "Ohren, Zunge, Nase und die Geschlechtsteile" abgeschnitten hätten.13 Und weil die Juden bzw. die Russen so grausam seien, würden sie nun erschlagen. Der Brief enthält noch einiges mehr. Die SchülerInnen folgerten daraus, dass die "bösen" Russen bzw. Juden noch viel ärgere Sachen gemacht hätten und dass auf beiden Seiten Grausamkeiten geschehen seien. Es wurde ihnen keine Zeit gelassen, sich mit der Quelle in angemessener Art und Weise auseinanderzusetzen.

Wie schon erwähnt, nahmen die meisten ehemaligen Wehrmachtssoldaten nicht an Vermittlungsangeboten teil. Meiner Beobachtung zufolge gingen sie kurz durch die Ausstellung, manche versuchten Gleichgesinnte zu entdecken, so mancher ärgerte sich über die vielen Schulklassen und mischte sich bei Schulführungen ein, einige versuchten, dem Personal ihre Meinung kundzutun. Der ständig auftauchende Satz, "dass man nicht plötzlich eine ganze Generation verurteilen könne" - bei diesem Argument wurde zumeist die Pauschalformulierung von der Wehrmacht auf die ganze Generation ausgeweitet - begleitete uns während der gesamten Ausstellungsdauer. Gewundert hat mich die Aussage eines Wehrmachtssoldaten, der zugegeben hat, vieles gesehen und auch mitgetan zu haben, und der zur Ausstellung den Kommentar abgab: "Es war noch viel schrecklicher - das könnt ihr in eurer Ausstellung gar nicht zeigen!"

Nach der ORF-Sendung "Betrifft"14 kamen verstärkt Wehrmachtssoldaten zu mir und wollten wissen, ob der vom Wiener Altbürgermeister Helmut Zilk geforderte Satz "Das ist keine Pauschalverurteilung!" bzw. die Neuformulierung "Verbrechen in der Wehrmacht" nun endlich am Eingang angebracht worden wären (vgl. dazu auch Eintragungen im Besucherbuch15). Während sie mich fragten, studierten sie meist eingehend die Eingangssäule, um dann empört darauf hinzuweisen, dass hier noch immer kein derartiger Satz steht. Darauf meine Frage: "Haben Sie irgendwo gelesen: ,Das ist eine Pauschalverurteilung, alle Wehrmachtssoldaten waren Verbrecher!'?" Womit die Kommunikation meist beendet war.

Bei meinen Schulführungen hatte ich des Öfteren das Problem der Unterbrechung durch die Kriegsgeneration: "Was sagen Sie den jungen Leuten da? Das gehört verboten! Wer gibt Ihnen das Recht dazu, eine ganze Generation zu verurteilen? Sie kennen die Wahrheit gar nicht! Wer sind Sie? Was sind Sie? Sie waren ja nicht dabei! Nur wer dabei gewesen ist, darf sich ein Urteil erlauben, kann darüber reden!" Ein Schüler in einer meiner Gruppen reagierte auf einen ehemaligen Wehrmachtssoldaten in verblüffender Art und Weise mit einer spontanen Entgegnung auf das Argument des "Nicht-dabei-gewesen-Seins": "Wir reden auch über Mozart u.a. und lernen davon in der Schule, und die haben wir auch nicht gekannt!" Darauf musste der ehemalige Wehrmachtssoldat tief Luft holen, die Erdbeeren im Sackerl, vom nahe gelegenen Naschmarkt, flogen uns fast um die Ohren - er murmelte weiter vor sich hin, verließ aber unseren Bereich.

Durch die Einmischung dieser Generation, die mir manchmal nicht ganz ungelegen kam, bot sich mir die Möglichkeit, den SchülerInnen, welche die Ausstellung für etwas Verstaubtes, Langweiliges hielten, die Emotionen rund um die Ausstellung zu zeigen und das Hereinwirken der Vergangenheit in die Gegenwart zu demonstrieren. Die Aktualität und Brisanz des Themas wurde ihnen dadurch um einiges klarer. Viele hatten mit Leuten aus dieser Generation in Bezug auf dieses Thema noch nie zu tun gehabt - oft waren ihnen die Familienerzählungen darüber auch nicht bewusst, erst darauf angesprochen oder durch Erzählungen anderer erinnerten sie sich an ähnliche Erzählungen der Großeltern bzw. Eltern.

Die Zeitzeugen mit ihren Gegenerzählungen brachten mich dazu, meine Profession als Historikerin vorzuschieben, weil ich sonst das Gefühl hatte, nicht ernst genommen zu werden. Das heißt, ich wollte klarzustellen, dass ich mich mit dieser Zeit wissenschaftlich auseinandergesetzt hatte und man mir nicht irgendeine Geschichte erzählen konnte. Damit stellte ich mich auf eine möglichst unangreifbare Ebene. Den Zeitzeugen gestand ich ihre subjektive Betrachtungsweise zu, betonte aber, dass ich als Geschichtswissenschafterin möglichst objektiv und vielschichtig versuche, mich der Vergangenheit anzunähern.

Durch die Quellenthematisierung in der WA II (z.B. Foto als historische Quelle) und durch die Präsentation zahlreicher anderer Quellen ohne Kommentierung wurde die Wissenschaft selbst vom Ausstellungsteam als Reaktion auf die Kritik zum Thema gemacht. Die Fragen "Wodurch gelangt die Wissenschaft zu ihren Erkenntnissen?" und "Wie schwierig ist der Umgang mit Quellenmaterial?" waren der Ausstellung in allen Bereichen eingeschrieben. Ein Beispiel dafür stellte auch der eigene Bereich, der den Feldpostbriefen gewidmet war, dar.

Information und Aufklärung waren zentrale Anliegen der Ausstellung und auch meiner Vermittlungsarbeit. Doch in manchen Situationen hatte ich das Gefühl, dass die Ausstellung ausschließlich zur Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit gebraucht wurde, zur ganz persönlichen Aufarbeitung. Ein Erlebnis in diese Richtung möchte ich hier erzählen, in Bezug auf die Nachkriegsgeneration:

Eine Frau kam auf der Suche nach ihrem Vater in die Ausstellung - sie hatte ein Bild des Vaters aus der Nachkriegszeit bei sich, welches ihn im Kreis der Familie und eines Priesters zeigte, und ein Bild, das in der Tageszeitung Der Standard abgedruckt worden war: Es zeigte SS-Männer, die einen Stacheldraht entlanggingen, dahinter Häftlinge in gestreifter Uniform. Sie wollte erfragen, ob jemandem von uns dieses Bild bekannt vorkommt, ob wir wissen, in welchem Lager das sein könnte, oder ob wir die Männer darauf kennen - der Standard hatte ihr keine dementsprechende Auskunft geben können.

Sie meinte ihren Vater in SS-Uniform zu erkennen, und die Ähnlichkeit der beiden auf den Fotos war auch verblüffend. Sie erzählte von ihrer Familie, mit der sie nicht darüber reden durfte, und von ihrer Suche nach dem "wahren" Vater - der nach dem Krieg zurückkehrte und sich, wie sie es ausdrückte, hinter seinem "Katholischsein" verschanzte, befreundet mit vielen Priestern und engagiert in der Kirchengemeinde. Sie hätte immer geahnt, dass er etwas verberge. Sie hatte ihr Leben lang das Gefühl, dass er etwas zu erzählen hätte, es aber nicht fertig brachte, darüber zu reden. Ihre Stiefmutter hätte sich über ihren Vater geärgert, weil er für die Jahre 1943-1945 nicht angegeben hatte, wo er gewesen sei, und dadurch diese Zeit nicht für die Pension angerechnet werden konnte. Diese Frau hatte schon an verschiedensten Stellen nachgeforscht und kam in die Ausstellung, um Antworten auf die sie quälenden Fragen zu finden, jene Antworten, die ihr Vater ihr verweigert hatte. Diese "Nicht-Auseinandersetzung" mit der eigentlichen Thematik der WA II und die Verlagerung auf die persönliche Ebene begegneten mir des Öfteren in der Ausstellung, vor allem in Form von Fragen nach bestimmten Orten oder Lagern oder in Form von Erzählungen der Familiengeschichten.

Für mich stellte der Bereich der "Handlungsspielräume" in Bezug auf Rechtfertigungsstrategien eine leider zu wenig in die Ausstellung integrierte, dadurch zu leise Provokation dar. Als Hörbereich angelegt, konnte man ihn schlecht in die Vermittlungsprogramme einbinden; man konnte nur darauf verweisen, ihn persönlich aufzusuchen. Auf die oben genannte Frage von Dichand "Was hätte ich tun sollen?" - bzw. tun können - hätte dieser Bereich eine Antwort gehabt. Doch Dichand stellte sich der Ausstellung nicht. Von ehemaligen Wehrmachtssoldaten wurde dieser Bereich durchaus provokativ empfunden, wenn man sie nach einer ähnlich gestellten Frage darauf verwies und ihnen sagte, dass es Menschen gab, die anders gehandelt hatten. Fiel dabei das Wort Deserteur und ein Hinweis auf die Geschichte vom Österreicher Anton Brandhuber (siehe "Handlungsspielräume"), der auch desertierte, schien sich die Provokation zu verdoppeln, denn Deserteure gelten unter den "Ehemaligen" als "Vaterlandsverräter" und "Feiglinge".

Die Schulgruppen, die ja einen Großteil unserer Vermittlungsarbeit einnahmen, habe ich überraschenderweise in ihrer Mehrheit als sehr interessiert und offen für diese Thematik erlebt; die Diskussionen waren spannend und dadurch weiteten sich die Vermittlungsgespräche des Öfteren von eineinhalb auf zwei Stunden aus. Ehemalige Wehrmachtssoldaten haben manchmal versucht, mit den Schülern in Kontakt zu treten - einerseits indem sie sich in unsere Gespräche einmischten und andererseits in der Zeit, in der die Schüler allein die Ausstellung erkunden sollten. Die Schüler haben von diesen Erzählungen berichtet, und in meinem Fall kam es nur ganz selten vor, dass ein Schüler nun mit denselben Argumenten die ältere Generation verteidigte. Die absolut uninteressierten Schulgruppen waren meist auch die, die ohne Vorbereitung in die Ausstellung gekommen waren, oder die, die von auswärts kamen und sich vor der Ausstellung drei andere Museen angeschaut hatten. "Gab es damals keine Humanisten?" war eine der unerwarteten Fragen, die ich von einer Schülerin gestellt bekam, als wir uns mit dem Bereich "Medizinische Versuche" auseinandersetzten.

Das vorwiegend große Interesse der Schulgruppen war motivierend, und in diesem Bereich hatte ich das Gefühl, erfolgreich "Aufklärung" geleistet zu haben. Das pädagogische Konzept der Vermittlungsgespräche (siehe Büro trafo.K) trug wesentlich dazu bei: Sitzkreise mittels Hocker bei der Einleitung und abschließenden Diskussion, alternierendes Selbst-Erkunden bzw. Information durch die VermittlerInnen.

Unerträglich für die Kriegsgeneration schien mir der Gedanke an eine Mitverantwortung, denn sie "hatten ja nur ihre Pflicht getan". Unerträglich sind für die jüngere Generation die immer gleichen Rechfertigungsstrategien mit der Betonung, "Opfer der Zeit" gewesen zu sein. Die Diskussionsveranstaltung "Umkämpfte Gegenwart", als Rahmenprogramm der Ausstellung, zeigte mir, dass derart unvereinbare Positionen zu gegenseitiger Provokation führen und dann in dieselben Rechfertigungsstrategien münden: So erwiderte Günther Jakobs (Publizist und Podiumsredner) auf die Frage, warum er den - provokativ auf Jakobs sehr provokative Thesen antwortenden - Wehrmachtssoldaten "handgreiflich" entfernte: "Ihr seid ja alle nicht mit solchen aufgewachsen!" Zuvor hatte uns der ehemalige Wehrmachtssoldat erklärt: "Ihr seid ja alle nicht dabei gewesen!"

Mehrheitlich gesehen war diese Ausstellung mit Emotionen in alle Richtungen verbunden: Trauer, Aggression, Wut, Entsetzen, Mitleid usw., und im Bereich der Emotionen lässt sich schwer "objektiv" argumentieren und zuhören - als "wissenschaftlicher Guide" befand ich mich im Spannungsfeld meiner eigenen Emotionen und Denkweisen und der möglichst objektiv und alle Facetten bedenkenden Wissenschaft. Hatte ich als "wissenschaftlicher Guide" das Recht, mich politisch und emotional zu äußern, oder hätte das die Kommunikation in eine bestimmte Richtung von vornherein blockiert? Darf man als Wissenschaftler und Vermittler Partei ergreifen?

Doch hatte ich schon allein durch meine Anwesenheit als "wissenschaftlicher Guide" meine Position deutlich gemacht. Bis auf wenige Situationen, wo ich meine Emotionen zugelassen habe, entschied ich für mich, ähnlich dem Konzept der WA II, die Vermittlungsgespräche zu versachlichen, die Ebene der Wissenschaft zwischen mich und die Besucher zu schieben. Meine Motivation ergab sich daraus, möglichst viel "Aufklärung" betreiben zu wollen und nicht von vornherein Abwehrhaltungen zu provozieren. Dies gelang mir sogar so weit, dass ich in der Ausstellung ein längeres Gespräch mit einem Burschenschafter und dessen Freundin führte - privat hätte ich nicht ein Wort mit dieser Person gewechselt.

Ob unsere Vermittlungsarbeit tatsächlich etwas bewirkt hat in Richtung Aufklärung, lässt sich von uns selbst nur schwer beurteilen, doch hatte ich das Gefühl, dass sehr viele Jugendliche Interesse an einer Auseinandersetzung mit der Thematik zeigten und überraschend stark mit der familiären Ebene verknüpften. Bei der Kriegsgeneration bzw. bei den ehemaligen Wehrmachtssoldaten verstärkte sich der Eindruck - es gab Ausnahmen -, dass sie mit ihrer persönlichen Geschichte kamen und wieder gingen.16 Die Schwierigkeit und Komplexität der Aufklärungsarbeit in Bezug auf österreichische Mittäterschaft zeigt sich gerade in diesem Bereich.

Die WA I hatte die Lüge der "sauberen Wehrmacht" demontiert, und die WA II sorgte nun für die Tiefenwirkung jener Demontage. Die grundsätzlichen Gegner lassen sich auch mit weiteren Ausstellungen nicht überzeugen, aber durch diese beiden Ausstellungen wurden längst gesicherte wissenschaftliche Thesen in die breite Bevölkerung getragen. Ausstellungen bieten eine Kommunikationsfläche zwischen Wissenschaft und Bevölkerung, diese Ausstellungen waren ein wichtiger Baustein, um "konstruierten Erzählungen" nicht nur im "Elfenbeinturm" der Wissenschaft, sondern auf breiter Basis entgegenzuwirken.

1 Vgl. dazu das Interview: Volker Ullrich: Fragwürdiger Augenzeuge. Die neue Wehrmachtausstellung [sic!] ist eröffnet - ein Gespräch mit der Historikerin Ulrike Jureit, Sprecherin des Ausstellungsteams, in: Die Zeit, Nr. 49, 2001, siehe: <http://www.zeit.de/2001/49/Kultur/200149_wehrmachtsausst..html>.
2 Hier sei nur ein Beispiel von vielen erwähnt: "13.5.2002, Wichtige Ausstellung, aber schade, daß fast keine Bilder vorhanden sind - wenn ich nur lesen wollte, könnte ich das Buch daheim studieren, viel zu viel Text - selbst bei 2 Besuchen von insgesamt 7 Stunden wird man nicht fertig. Meiner Meinung nach ist diese textlastige und bildarme Ausstellung eine viel zu defensive Reaktion auf die Kritik die 1. Ausstellung betreffend."
3 "Die neue Ausstellung verzichtet auf den anklagenden Ton der alten Ausstellung, auf den staatsanwaltlichen Gestus, auf die Wucht der Bilder' sowie die Emotionalität. Sie hat nichts von der vielbeklagten Arroganz der Nachgeborenen. Sie ist nüchtern und wissenschaftlich ausgewogen. Sie provoziert nicht, sondern klärt auf." Bogdan Musial: Die Wehrmachtsausstellung. Die Manipulation war überflüssig. Auch die neue "Wehrmachtsausstellung" ist nicht fehlerfrei, wird es Kritikern aber schwermachen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 280, 1.12.2001, S. 45.
4 Titel der ersten Ausstellung: "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944".
5 Der Tabubruch war schon durch die erste Ausstellung vollzogen.
6 Dazu zählen die FPÖ, Teile der ÖVP, der Kameradschaftsbund, Burschenschaften, Neonazis usw.
7 Marianne Enigl, Christa Zöchling: "Ich war Soldat der Wehrmacht". Österreicher reden über ihre traumatischen Jahre. (Teil 1: Reden über den Krieg), in: profil, Nr. 13, 25.3.2002, S. 40-50. Ich zitiere im folgenden Abschnitt nicht mehr jede dem profil entnommene Aussage extra, die Zitate sind kursiv und unter Anführungszeichen gesetzt.
8 Den Angaben von Hans Dichand stehen die Berichte der Opfer wie auch historische Forschungsergebnisse gegenüber. Diese berichten von einer schaulustigen Grazer Bevölkerung in der Reichspogromnacht. Vgl. unter anderem: Otto Rendi, Zur Geschichte der Juden in der Steiermark, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 62 (1971), 157-77; Eduard Staudinger, Die Pogromnacht vom 9./10. November 1938 in Graz, in: Der Pogrom 1938. Judenverfolgung in Österreich und Deutschland, hg. v. Kurt Schmid und Robert Streibel, Wien ²1990, 42-50.
9 Ich fand eine diesbezügliche Besucherbucheintragung: "Als Teilnehmer des II. Weltkrieges habe ich mir die Ausstellung angesehen und habe feststellen können, daß keine kollektive Verunglimpfung aller zum Kriegsdienst verpflichteten Soldaten gewollt ist. Warum hat man nicht im Titel der Ausstellung das Vorwort ,in' verwendet? Die Aussage wäre eindeutiger."
10 John Kotre: Weiße Handschuhe. Wie das Gedächtnis Lebensgeschichten schreibt, München 1996; zitiert nach: Martin Schnackenberg: "Ich wollte keine Heldentaten mehr vollbringen". Wehrmachtsdeserteure im II. Weltkrieg: Motive und Folgen untersucht anhand von Selbstzeugnissen (= Oldenburger Schriften zur Geschichtswissenschaft, 4.), Oldenburg 1997, S. 87.
11 Ebda., S. 85.
12 Dazu fällt mir ein Satz von Prof. Moritz Csáky ein, den er oft in Vorlesungen über die österreichische Geschichte gesagt hat: "Ich analysiere nur, ich werte nicht."
13 Der Brief findet sich im Ausstellungskatalog auf S. 102. Hamburger Institut für Sozialforschung (Hrsg.): Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944, Hamburg 2002.
14 "Betrifft: Erinnern, Verdrängen, Vergessen", 14. April 2002, 23:10, ORF 2.
15 Es sind einige Beispiele im Besucherbuch dazu zu finden; hier nur eines zur Illustration: "Dieser Ausstellung fehlt eine zentrale Aussage, die Dr. Zilk in der Betrifft-Diskussion schon erwähnte, nämlich, daß nicht alle Angehörigen der Wehrmacht Kriegsverbrecher waren. Das sollte unbedingt am Beginn der Ausstellung festgehalten werden."
16 Zu Beginn der Ausstellung war ich sehr bemüht zuzuhören, ich wollte auch diese Geschichten aus einem möglichst objektiven wissenschaftlichen Blickwinkel betrachten, doch als die Argumente von unterschiedlichen Personen, die meisten davon ehemalige Wehrmachtssoldaten, immer die gleichen zu bleiben schienen, wurde ich müde des Zuhörens und des Argumentierens, obwohl der, der mich als 50. Person anspricht, nicht weiß oder darüber nachdenkt, dass schon 49 vor ihm die gleichen "Geschichten" erzählt hatten.