eForum zeitGeschichte 3/4 2001

"... daran zugrunde gegangen, daß sie Tagespolitik treiben wollte"?

Die "(Tiroler) Soldaten-Zeitung" 1915-19171

von Roman Urbaner

Die Militärgeschichtsforschung findet längst nicht mehr das Auslangen in der Ergründung des unmittelbar Militärischen. Der Blick für die "zivilen" und psychologischen Aspekte der Kriegsführung rückt immer wieder ins Zentrum der neueren Forschung. Am Schnittpunkt einer so verstandenen Militärgeschichte und einer Pressegeschichte, die sich nicht mehr in der Auseinandersetzung mit der großstädtischen Tagespresse erschöpft, sondern auch den scheinbar peripheren Ausformungen des Pressewesens die gebührende Aufmerksamkeit schenkt, liegt ein bislang kaum wahrgenommener Bereich, den genauer zu betrachten in mehrfacher Hinsicht lohnend wäre. Die Rede ist hier von der Vielzahl kleinerer und größerer Feld-, Front- oder Schützengrabenzeitungen, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg an die Mannschaften ausgegeben wurden. Gerade die Soldatenzeitungen der österreichisch-ungarischen Armee stellen aber ein bis heute nahezu gänzlich unberührtes Forschungsfeld dar. Vielleicht kann der folgende Beitrag über eines der im Ersten Weltkrieg erschienenen Blätter das Augenmerk in stärkerem Maße auf diesen Bereich lenken.

Die Tiroler Soldatenzeitung bis Mitte 1916

Ein Tiroler Blatt? - Die Gründung der Tiroler Soldatenzeitung 1915

Zwei der im Tirol des Ersten Weltkriegs herausgegebenen Blätter stachen als (militärische) Propagandaorgane aus den Reihen der regionalen Publizistik hervor. Neben der in Trient herausgegebenen (und heimlich subventionierten) Tageszeitung Risveglio Austriaco, der das Zeitungssterben im Trentino 1914/15 zur unangefochtenen Monopolstellung verhalf,2 verfügten die Militärs mit der 1915 bis 1917 erschienenen (Tiroler) Soldatenzeitung über eine weitere Zeitung, deren sie sich in Verfolgung ihrer propagandistischen Interessen unbeschränkt bedienen konnten. Das bald nach Aufnahme der Kampfhandlungen an der Südwestfront ins Leben gerufene Militärorgan war allerdings nicht ein Resultat des publizistischen und politischen Diskurses des Landes, sondern als Teil des Militärapparats ein von außen nach Tirol herangetragenes Presseerzeugnis. Mit ihm stand daher eines der bedeutendsten in Tirol gedruckten Blätter außerhalb des eigentlichen Tiroler Pressewesens.3

Auch wenn die Tiroler Blätter häufig und bereitwillig Artikel aus der (Tiroler) Soldatenzeitung übernahmen, kann dieses außergewöhnliche Produkt der Kriegszeit also nur sehr bedingt als Teil der Tiroler Publizistik angesehen werden. Dennoch blieb der regionale Bezug des Blattes nicht bloß auf die Titelbeifügung und die Abbildung des Tiroler Wappens bzw. des Tiroler Adlers4 im Zeitungskopf beschränkt. So erfolgte die Drucklegung des Militärblattes in der ersten Phase seines Erscheinens in der Wagner'schen Buchdruckerei in Innsbruck. Später wurde die Herstellung der Druckerei der Verlagsanstalt Tyrolia in Bozen übertragen. Vereinzelt besorgte zudem die Druckerei des Risveglio in Trient die Druckarbeiten für die Soldatenzeitung.5 Darüber hinaus zeichnete zunächst das k.u.k. Landesverteidigungskommando in Tirol (L.V.K.) als Herausgeber,6 und das Titelblatt der ersten Ausgabe vom 2. Juni 1915 füllte ein Geleitwort aus der Feder des Tiroler Landesverteidigungskommandanten Viktor Dankl, auf dessen Initiative das Militärblatt geschaffen worden war.
 

"Die 'Tiroler Soldaten-Zeitung' soll den Tiroler Landesverteidigern die neuesten Nachrichten über die militärische Lage, ferner über einzelne militärische Begebenheiten auf den Kriegsschauplätzen sowie über sonstige Angelegenheiten, die das Interesse der Armee, oder Einzelner berühren, vermitteln. Die 'Tiroler Soldaten-Zeitung' wird womöglich 3mal wöchentlich im Standorte des Landesverteidigungskommandos erscheinen und im Wege der Abfertigung zur weiteren Verbreitung den Kommanden, Truppen und Anstalten unentgeltlich zugestellt werden. - Von Zivilpersonen ist für 1 Exempl. der Zeitung 10 h zu entrichten."7


Die Tiroler Soldatenzeitung war also als militärisches Organ zur Verteilung an der Front und in den Spitälern vorgesehen, dennoch schwebte den Herausgebern von Anfang an auch die zusätzliche Versendung an zivile Abnehmer vor. Zu einem weniger günstigen Preis, als dem soldatischen Publikum eingeräumt wurde, konnte die Kriegszeitung daher "von Liebhabern auch im Hinterland abonniert werden".8

Nicht nur Herausgeber und Druckort des neuen Blattes verwiesen auf Tirol: Als Beilage waren der Tiroler Soldatenzeitung lange Zeit die von Oskar Blobel herausgegebenen Innsbrucker Kriegsflugblätter beigefügt.9 Das besonders auch auf literarischem Gebiet bemühte Militärblatt bot weiters einer Reihe von Tiroler Schriftstellern, Journalisten und Künstlern ein willkommenes Betätigungsfeld.10 Gelegentlich griff man außerdem auf Artikel zurück, die der Redaktion "von einzelnen Professoren der Innsbrucker Universität" zugesandt wurden.11 Ein Bericht des Armeekommandos unterstrich den Stellenwert, den das Blatt seinen Tiroler Mitarbeitern zuschrieb, wenn er nach Aufzählung der Namen eigens bemerkte, "dass insbesondere die Tiroler Schriftsteller sich aufs eifrigste an der Mitarbeit beteiligen, was umsomehr (sic) gewertet werden muss, als die TSZ. prinzipiell kein Autorenhonorar gewährt".12 Anfang 1916 bediente sich die Tiroler Soldatenzeitung zudem der Zentralfigur der Tiroler Landesmythen, auf deren mobilisierende Wirkung man getrost setzen und auf den aktuellen Krieg ummünzen konnte: Anläßlich des Todestages Andreas Hofers widmete die Tiroler Soldatenzeitung eine üppig ausgestaltete Sondernummer dem Tiroler Nationalheros.13

Daß das Blatt aber den Rahmen eines üblichen Tiroler Presseprodukts bei weitem sprengte, zeigt die Tatsache, daß die Tiroler Soldatenzeitung zusätzlich in einer ungarischen und italienischen Parallelausgabe herausgegeben wurde. In der Österreichischen Zeitschriftendatenbank (ÖZDB) findet sich der Verweis auf eine in Budapest in unregelmäßigen Abständen erscheinende Zusatzausgabe, die sich unter dem Namen Tiroli Katona-ujság auch der ungarischen Truppen annehmen sollte.14 Die Tiroli Katona-ujság ist heute offenbar, aufgrund der mangelhaften Archivierung vieler Feld- und Kriegszeitungen,15 zumindest in Österreich nicht mehr greifbar.16

Auch ein interner Zwischenbericht vom 30. Juni 1916 erwähnt, daß das Blatt nicht nur auf Deutsch, sondern, "in größeren Zwischenräumen fortlaufend, auch in ungarischer und italienischer Sprache" herausgegeben wurde.17 Und einer Rechnungsaufstellung vom Juli 1916 läßt sich entnehmen, daß die erwähnte - Andreas Hofer gewidmete - Festausgabe auch als ungarische Sondernummer erschienen war.18 Selbst als man später daranging, das Blatt in neuer Form herauszugeben, blieb man dem Vorhaben, das Blatt nach Möglichkeit "auch in anderen Sprachen als der Dienstsprache des Heeres erscheinen zu lassen", treu. Mehr noch: Man deklarierte die Ausweitung der Soldatenzeitung und insbesondere sein mehrsprachiges Erscheinen als "das höchste Ziel der Verwaltung der Zeitung".19 Wie sehr man in diesem Punkt über eine bloße Absichtserklärung hinausgelangte, ist heute jedoch nicht mehr eruierbar.

Die Tiroler Soldatenzeitung war, auch wenn man von ihren ungarischen und italienischen Parallelausgaben absieht, gewiß nicht das einzige im Kronland herausgegebene Kriegsblatt. So erschien etwa in Riva 1915, allem Anschein nach bloß in einer einzigen Ausgabe, die "Gartseewacht". Eine zeitgenössische Auflistungen deutscher (!) Feldzeitungen führte die mit dem Titelzusatz "Kriegsbote für Reif" versehene Druckschrift unter der Rubrik "Gelegenheits- und Festschriften" an. Es scheint sich also weder um eine reguläre, mehrfach herausgegebene Kriegszeitung, noch um ein Presseprodukt der österreichischen Armee, sondern vielmehr um ein einmalig erschienenes Blatt für die Soldaten der verbündeten deutschen Einheiten gehandelt zu haben.20 Vermutlich war die Gartseewacht als Zerstreuungslektüre für die sich im Lazarett in Riva befindlichen Soldaten und weniger als Frontzeitung für die kämpfende Truppe gedacht; der wahre Charakter dieser Druckschrift liegt allerdings weiter im Dunkeln, da das in Wien archivierte Exemplar heute nicht mehr auffindbar ist.21 Allein über den personellen und herstellungstechnischen Hintergrund des Blattes liegen (wenn auch nur knappe) Informationen vor.22

Mit der "Feldzeitung des deutschen Alpenkorps" wurde an der Italienfront 1917/1918 ein weiteres Militärorgan herausgegeben. Bei diesem Blatt handelte es sich wahrscheinlich um eine tatsächlich von den Soldaten im Feld und nicht im Hinterland hergestellte Korpszeitung, die unter widrigen Produktionsverhältnissen gesetzt und gedruckt werden mußte. Hellmann/Palm erwähnen zumindest die immensen Schwierigkeiten, mit denen das Blatt aufgrund fehlender Typen beim Satz zu kämpfen hatte. Ihre Aufstellung deutscher Kriegszeitungen liefert darüber hinaus aber kaum Anhaltspunkte, die über den Charakter der Feldzeitung detaillierter Aufschluß geben könnten.23

Die Zielsetzungen

Die ersten Ausgaben der Tiroler Soldatenzeitung erfüllten in erster Linie den Zweck, Ersatz für die ungenügende Belieferung des Frontbereichs mit zivilen Blättern zu schaffen. Mit dem neu gegründeten militärischen Organ sollte dem Nachrichtenhunger der Truppen entsprochen werden. Ein Rückblick des 11. Armeekommandos über die Entwicklung der Zeitung läßt jedoch vage anklingen, daß man gerne weiter gesteckte Ziele verfolgt hätte. Einer allmählichen Ausgestaltung war deshalb bald der Weg gebahnt, und das inhaltliche Angebot des Kriegsblattes konnte ausgedehnt werden:
 
"In den Anfängen ihres Erscheinens musste die TSZ. vor allem darauf bedacht nehmen, den Bedürfnissen der Truppen nach neuesten Nachrichten zu entsprechen, da die Tageszeitungen damals spät und unregelmäßig in den Schützengräben eintrafen. In der Folge hat sich die TSZ. auf die übersichtliche Zusammenstellung von bereits anderwärts erschienenen (sic) Lesestoff beschränkt, und ist nach und nach dazu übergegangen, Originalbeiträge der Offiziere etz., Soldaten und einer Reihe bekannter [...] Schriftsteller zu bringen. Wissenschaftliche, kulturelle, poetische Beiträge, gemeinverständliche auch ernste Betrachtungen und heitere Episoden aus dem militärischen Leben bildeten von nun an den Inhalt der Zeitung. Im Laufe der Zeit wurde besonders Gewicht auf die bildliche Darstellung gelegt. In diesem Sinne wurden vor allem Bilder von Helden unseres Kriegsschauplatzes gebracht, ferner Reproduktionen von Gemälden, landschaftliche Skizzen, Photographien, Karikaturen, geographische Karten zum besseren Verständnis der Vorgänge auf den Kriegsschauplätzen u.s.w."24
Die Fülle von Skizzen, Episoden und Schilderungen vom Leben an der Front traf den Geschmack seines militärischen Publikums. Dennoch kann man vermuten, daß die Tiroler Soldatenzeitung nicht bloß zur Zerstreuung, Belehrung und patriotischen Ermunterung der Soldaten beitragen sollte, sondern bewußt auch zu dem Nebenzweck konzipiert worden war, der zivilen Presse des Landes als Lieferantin verschiedenster Aufsätze und Artikel zu dienen: Die Zeitung erfuhr eine merkliche Ausgestaltung, "und ihre Nummern begannen auch ins Hinterland zu wandern, wo man sich für alles interessierte, was im Kriegsgebiet vorgeht". Die Soldatenzeitung sollte die Leserschaft fernab des Frontgeschehens "mit jenem eisernen Patriotismus [stärken], der vorn zuhaus ist".25

Das Militärblatt verlor das zivile Publikum also nie ganz aus den Augen. Die Wiener Kriegsausstellung bot der Tiroler Soldatenzeitung ab 1. Juli 1916 die Gelegenheit, sich mit einem Bilderpavillon und einem eigenen Unterstand aus Holz einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Besonderen Zuspruch fanden hierbei die allabendlich herausgegebenen Extraausgaben mit den neuesten Heeresberichten, die vor den Augen der Besucher "in einer ganz primitiven Felddruckerei" hergestellt wurden. Mit Fotografien, Bildern und in Vitrinen ausgelegten Kriegszeitungen warb das Tiroler Blatt um neue Abnehmer. Mit der Ausstellungsteilnahme hoffte man, in Hinblick auf die bevorstehende Offensive gegen Italien, "die glänzenden Leistungen unserer Truppen an der Südwestfront weiteren Kreisen der Öffentlichkeit bekannt zu machen, die Teilnahme des Hinterlandes an den Leiden und Freuden unserer Kämpfer noch inniger zu gestalten, und endlich eine weitere Verbreitung der TSZ. in der Monarchie und bei unseren Bundesgenossen in die Wege zu leiten".26

Vor allem aber versuchte das Militär durch die Herausgabe eigens geschaffener Kriegszeitungen auch in publizistischem Sinne den Einfluß auf die Soldaten an der Front zu wahren. Die Beeinflussung durch andere, nicht immer den militärischen Interessen genügende Blätter, die den Soldaten dank vergünstigter Feldabonnements nachgeschickt werden konnten, sollte auf diesem Wege eingedämmt und auf Stimmungslage, Kampfbereitschaft und Durchhaltewillen positiv eingewirkt werden.

Zwischen den antiquierten Vorstellungen vom heldenhaften Kampfgeschehen, die die Mannschaften aus der Heimat mitgebracht hatten, und den realen Erfahrungen an der Front klaffte eine Lücke, die mit adäquateren Deutungsangeboten gefüllt werden mußte. Die Feldzeitungen leisteten hier einen wesentlichen Beitrag, den Soldaten dazu zu verhelfen, mit der zermürbenden Realität der modernen Materialschlachten zu Rande zu kommen. Die Gefechtsschilderungen, Feindprojektionen und patriotischen Phrasen lieferten Verarbeitungsmuster, die es den Mannschaften ermöglichten, sich ihr Fronterleben zurechtzulegen und mit Sinn zu versehen.

Das Bedürfnis der Soldaten nach zerstreuendem oder informativem Lesestoff war nicht zuletzt aus diesem Grund beachtlich; darauf zu reagieren war eine Notwendigkeit moderner Kriegsführung, die sich der Bedeutung psychologischer Maßnahmen zunehmend bewußt wurde. Ebenso wie die Heeresleitung beachtliche organisatorische Anstrengungen in Kauf nehmen mußte, um die Aufrechterhaltung der Feldpostverbindung zwischen Heimat und Front nach Möglichkeit zu gewährleisten,27 zeigte man sich "als Instrument der Truppenbetreuung" auch bemüht, die Versorgung mit (politisch unbedenklicher) Lektüre sicherzustellen.28 Man hatte seitens des Militärs den Nutzen eines unbeschränkt kontrollierbaren und zielgruppengerecht gestalteten Organs für die Truppen erkannt. Die Bedeutung eines solchen Presseinstruments, das die Soldaten inmitten der Strapazen bei Laune halten, den Aufbau einer Gruppenidentität fördern und patriotische Werte vermitteln sollte, war offenbar von nicht unerheblichem militärischem Gewicht.29

Mit der Tiroler Soldatenzeitung war innerhalb nur weniger Tage nach Eröffnung der neuen Frontlinie ein solches Militärorgan aus dem Boden gestampft worden - ein deutliches Indiz, daß das Blatt nicht erst aus dem Nichts geschaffen werden mußte, sondern, sofern man nicht auf länger laufenden Vorbereitungsarbeiten aufbaute, sich anderer Anknüpfungspunkte bedienen konnte. In der Tat setzte die Tiroler Soldatenzeitung anscheinend da fort, wo ein früher erschienenes Armeeorgan aufgehört hatte. Den Herausgebern des Tiroler Militärblattes kamen die Erfahrungen der von November 1914 bis Mai 1915 erschienenen Soldatenzeitung der k.u.k. 1. Armee zugute.30 Mit Heinrich Juster hatte das L.V.K. die Leitung des neuen Blattes nämlich einem Redakteur übertragen, der sich schon als Schriftleiter der genannten Armeezeitung bewährt hatte. Aufgrund dieser Vorgeschichte merkte ein späterer Bericht, allerdings nicht ganz der Wahrheit entsprechend, sogar an, daß die Tiroler Soldatenzeitung "gewissermassen als Fortsetzung der 'Soldaten-Zeitung der k.u.k. 1. Armee' die älteste österr. ung. Feldzeitung" sei.31

Ähnliche Zwecke verfolgten auch energisch vorangetriebene Sammelaktionen im Hinterland, die den Soldaten geeignete Lektüre für untätige Stunden verschaffen sollten. Mit dem Erstarren der Fronten wuchs das Lesebedürfnis der Truppen; viele begannen wahllos jeden verfügbaren Lesestoff und "jeden Zeitungsfetzen aufzugreifen."32 Immer wieder riefen Presseappelle daher zur Spende von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften auf,33 und eine eigens ins Leben gerufene "Tiroler Landesstelle für Soldatenlektüre" tat ihr Bestes, das Militär an der Front und in den Spitälern mit Lesestoff zu versorgen. Schon kurz vor Weihnachten 1915 konnte diese im Stift Wilten (Innsbruck) beheimatete Sammelzentrale auf nicht weniger als 65.000 Bücher und Schriften verweisen, die innerhalb nur weniger Monate gesammelt und an die Mannschaften verteilt worden waren. An die stolz vorgetragene Bilanz knüpfte man einen neuerlichen Appell, das wohltätige und patriotische Werk doch mit Spenden, Büchern und Zeitschriften zu unterstützen. Vor allem Unterhaltungsliteratur, Witzblätter, Kalender und (illustrierte) Zeitschriften würden von den Mannschaften mit wahrem Heißhunger verschlungen.34 Religiöse Erbauungsliteratur hingegen fand nur wenig Anklang, wie die im Frühjahr 1916 eingeholten Erfahrungsberichte der einzelnen Truppenteile betonten. Die Tiroler Soldatenzeitung jedoch schien den spezifischen Lesebedürfnissen des Publikums an der Front in besonderem Maße entsprochen zu haben:
 

"Vor allem sind es die illustrierten Zeitschriften, die das Interesse erwecken. Grossen Beifall und bleibende Wirkung erzielten in hervorragender Weise jene Lesestoffe, die den Ereignissen des Weltkrieges selbst entnommen waren oder die Verhältnisse des heimatlichen Hinterlandes berührten. In dieser Hinsicht erfüllten am besten ihren Zweck die Tiroler Soldatenzeitung und die Tagesblätter. Die Tiroler Soldatenzeitung erfreut sich bei Offizieren und Mannschaft einer großen Beliebtheit. Ein Grenzabschnittskommandant meldet, dass 'die Mannschaft auf das Eintreffen dieser Zeitung immer mit Ungeduld warte.' Ihr volkstümlicher Ton, die Schilderung mancher gelungenen Kriegstat, eines verwegenen Patrouillenganges mit Nennung der dabei beteiligten Personen und dem zugehörigen Bildschmuck sind mehr wie andere Kriegsbücher geeignet, das Pflicht- und Kraftbewusstsein des Mannes zu heben."35
Im Februar 1916 waren die Einheiten in Tirol mit 82 Kisten und 89 Paketen mit Lesestoff beteilt worden, im Mai folgten 20 Kisten der ungarischen Aktion "Bücher ins Feld" nach. In einzelnen Unterabschnitten waren umgehend "Bibliotheken errichtet und Kataloge angelegt" worden, die den Austausch der Bücher erleichterten sollten.36 Andernorts versorgten fahrbare Kriegsbüchereien die Mannschaften an der Front mit Lesestoff.37 Im Mai 1916 wurden schließlich eigene österreichische Feldbuchhandlungen geschaffen, für die "der Zentralverband der deutsch-österreichischen Volksbildungsvereine Versand und Sortierung" übernahm.38 Die als Erholungsstätten zur "geistige[n] und körperliche[n] Erfrischung" eingerichteten Soldatenheime stattete man mit einer eigenen Bibliothek aus.39 Es kam sogar vor, daß die Armeekommanden, bei denen Soldatenblätter erschienen, auch, wie im Fall der Kriegszeitung der k.u.k. 10. Armee, in die Rolle eines Buchverlegers schlüpften, um eigene Feldbücher herauszugeben.40

Daß nicht kommerzielle Absichten hinter der Gründung der "Gott, Kaiser und Vaterland" gewidmeten Tiroler Soldatenzeitung standen, sondern (neben den propagandistischen) auch karitative Zwecke verfolgt wurden, sollte der Hinweis auf der Titelseite, daß das "Reinerträgnis [...] einem Hilfsfonds zu Gunsten verwundeter Tiroler Landesverteidiger" zukommen werde, unterstreichen.41

Entwicklung und Ausbau der (Tiroler) Soldatenzeitung

Die Ausgestaltung der Tiroler Soldatenzeitung wurde rasch vorangetrieben, auch wenn sich die ursprüngliche Intention, das Blatt mehrmals wöchentlich erscheinen zu lassen, schon zu Beginn als nicht umsetzbar erwiesen hatte. Man ging stattdessen dazu über, die Zeitung immer öfter als Doppel- und Mehrfachnummer herauszugeben. Die Einführung einer mehrseitigen, auch drucktechnisch qualitätsvollen "Literarischen Beilage" noch im Juli 1915,42 und das Bemühen, die Zeitung durch den Abdruck von Zeichnungen, Bildern43 und Fotografien44 an Attraktivität gewinnen zu lassen, weisen der Kriegszeitung einen hervorstechenden Stellenwert unter den sonstigen Tiroler Presseprodukten zu.

Als das L.V.K. von Innsbruck nach Bozen verlegt wurde, mußte auch die Tiroler Soldatenzeitung übersiedeln, mit der Konstituierung des 11. Armeekommandos (11. A.K.) im März 1916 veränderte sich die organisatorische Zugehörigkeit der Zeitung dann ein weiteres Mal. Die Soldatenzeitung wurde dem A.K. unterstellt und schließlich nach Trient verlegt; der Vertrag, der mit der Druckerei in Bozen abgeschlossen worden war, blieb aber weiterhin aufrecht. Allerdings ergaben sich aus dem neuen Standort der Redaktion wiederholt Schwierigkeiten bei der Drucklegung des Blattes, die die Herausgeber zwangen, einzelne Nummern bei der Moncher'schen Druckerei in Trient herstellen zu lassen.45

Bei all den anerkennenden Worten, die das 11. A.K. für die Tiroler Soldatenzeitung fand, galt sie ihm doch als unwillkommene Belastung, deren es sich am liebsten sofort entledigt hätte. Ende Juni 1916 brachte ein Bericht die Haltung, daß das 11. A.K. die raschestmögliche Rückverlegung des "gewiss sehr patriotischen und verdienstvollen Unternehmens" zum L.V.K. als "sehr wünschenswert" ansah, unmißverständlich zum Ausdruck.46 Das zusätzliche Pressepersonal galt den Militärs, die den Personenkreis beim A.K. "auf eine möglichst geringe Zahl beschränkt" wissen wollten, als Sicherheitsrisiko. Beim L.V.K. wären Redaktion und Verwaltung der Soldatenzeitung, die schließlich "für alle in Tirol kämpfenden Truppen" bestimmt war, sicherlich besser aufgehoben, stehe es doch mit ihnen "in viel engeren Wechselbeziehungen [...] als das 11. A.K.". Die Probleme, die sich aus der Trennung von Redaktionssitz und Druckort ergeben hatten, wären bei einer Verlegung nach Bozen endlich ausgeräumt. Außerdem müsse damit gerechnet werden, daß das A.K. früher oder später seinen Standort wechseln werde. Beim L.V.K. würden der Soldatenzeitung alle Komplikationen, die ihren weiteren Ausbau in diesem Falle gefährden könnten, erspart bleiben.47

Für Oberstleutnant Höger, der bisher "in sehr verdienstvoller u. anerkennenswerter Weise die Oberleitung des Blattes" geführt hatte, hatte man bereits einen möglichen Ersatzmann ausgemacht: Das 11. A.K. empfahl den beim L.V.K. zugeteilten Hauptmann Dr. Srbik, "welcher nebst der notwendigen militärischen Einsicht auch die erforderliche journalistische Begabung besitzt, wie die aus seiner Feder stammenden Artikel der TSZ. ersehen lassen". Das übrige Redaktionspersonal, inklusive Heinrich Juster, könnte an das L.V.K. abgegeben werden.48

Die Soldatenzeitung von Mitte 1916 bis April 1917

Die Ausgangssituation Mitte 1916

Dem Wunsch des 11. A.K.s, daß die Tiroler Soldatenzeitung aus ihrem Bereich ausgegliedert und einer anderen Stelle zugeführt werden sollte, wurde schneller entsprochen, als die Militärs in Trient erwarten konnten. Noch am selben Tag erging ein Erlaß, der das Militärorgan der Zuständigkeit des Armeekommandos entzog. Schon wenig später konnte die Leitung des Blattes ihre Räumlichkeiten in Bozen beziehen. Den Ausschlag für die organisatorischen Veränderungen dürfte aber weniger der Bericht aus Trient gegeben haben als die Erwägung tiefreichender Reformmaßnahmen, die bereits seit mehreren Tagen im Gange war.

Nach Abschluß des ersten Jahrgangs entschloß man sich Mitte 1916 zu einer grundlegenden Neukonzipierung des Blattes. Einige augenfällige Neuerungen schienen den Reformschritt schon früher anzukündigen: Der Umgestaltung, die die Zeitung schließlich im Juli und August 1916 erfuhr, waren kurz zuvor die Einrichtung einer als "Feldbriefkasten" bezeichneten Ratgeberrubrik für Heeresangehörige und der erstmalige Abdruck bezahlter Anzeigen vorausgegangen.49 Schon im Frühjahr 1916 hatte man sich um einen engeren Kontakt mit der soldatischen Leserschaft bemüht. Die Redaktion ermunterte das Publikum, doch selbst zur Gestaltung der Zeitung beizutragen. Mit Freuden nähme die Schriftleitung Zeichnungen und Karikaturen, Anekdoten und "witzige Skizzen" aus dem Feld entgegen; zudem erbat man die Einsendung von Fotografien zur Erstellung eines "Kriegsalbums".50

Unter dem Titel "Kameraden, arbeitet mit!" ersuchte ein Artikel des späteren Chefredakteurs Anfang August 1916 ein weiteres Mal um die Mitarbeit der Soldaten. Trotz aller Verbesserungen, die die modernen Kriegsblätter seit ihren bescheidenen Anfängen erfahren hätten, müsse eine Frontzeitung auch weiterhin bestrebt sein, sich ihre Besonderheit als Soldatenblatt zu bewahren: Eine Zeitung, die "das Leben der Soldaten zum Schwerpunkt hat, die muß also anders als andere Zeitungen berichten".51 Um dem Blatt den Charakter einer wahren Soldatenzeitung zu sichern, sollten die Mannschaften durch wohlmeinende Ratschläge zur journalistischen Mitgestaltung motiviert werden: "Man muß nicht Verse machen können, um ein Dichter zu sein; [...] jeder Soldat, der sich unbefangen von dem Rechenschaft abgibt, was er sieht, wird ein Dichter."52

Eine ähnliche Haltung spricht auch aus dem Bestreben des Blattes, die inhaltliche Gestaltung möglichst auf das Umfeld seines Publikums auszurichten. Ende 1916 wurde der 5. und 10. Armee daher versichert, daß - mit "Rücksicht auf die große Verbreitung, die die 'Soldaten-Zeitung'" auch in ihrem Bereich gefunden hatte - die "besonderen Verhältnisse" der beiden Armeen berücksichtigt werden sollen. Die Soldatenzeitung erbat zu diesem Zweck die Zusendung von Bildern und Gefechtsschilderungen und wies darauf hin, daß letztere "durchaus nicht literarisch ausgearbeitet sein müssen; die Sprache der Tatsachen genügt vollauf."53

Daß über dem hier anklingenden Authentizitätsanspruch die Vorrangigkeit der agitatorischen Aufgabe - der ein größtmögliches Nahverhältnis zum soldatischen Publikum sicherlich zuträglich war - nicht aus dem Blickfeld geriet, zeigt die Zielvorgabe, die man den zu gewinnenden Mitarbeitern als Ideal einer Frontzeitung vorführte: "Herzhaft muß sie bleiben, trockenen Witz und tüchtigen Ernst beibehalten, den Feind hassen und Kaiser und Vaterland lieben."54

Die ambitionierte Ausgestaltung und die überraschend aufwendige Machart des Blattes machten sich bezahlt. Hatte man vorerst mit der Zuteilung von nur einem Exemplar pro Unterabteilung das Auslangen gefunden, wurde, nach wiederholten "Klagen über ungenügende Beteilung und fortwährende gesonderte Anforderungen seitens der einzelnen Unterabteilungen", die zugesandte Stückzahl schließlich auf drei, dann sogar auf sechs angehoben. Hinzu kam, daß sowohl das L.V.K. in Tirol als auch das 3. A.K. ebenfalls den Wunsch vorbrachten, künftig bei der Verteilung der Tiroler Soldatenzeitung berücksichtigt zu werden. Von der noch recht bescheidenen Anfangsauflage von 3.400 Exemplaren hatte sich die Zahl so allmählich auf den Maximalstand von 24.000 erhöht.55 Da das Tiroler Armeeorgan zudem nicht nur an einzelne zahlende Abonnenten abgegeben, sondern in erster Linie unentgeltlich an die Kommandos, Truppen und Anstalten verteilt (und dort herumgereicht) wurde,56 lag seine tatsächlich erzielte Reichweite um ein Vielfaches über der ausgelieferten Stückzahl. Erst ab Anfang September 1916 ging man von der Abgabe mehrerer Freiexemplare an die verschiedenen Unterabteilungen ab.

Als die ebenfalls mit der Tiroler Soldatenzeitung belieferte 3. Armee "für die Dauer der Operationen" eine geringere Anzahl anforderte, sank die Auflage Anfang Juni 1916 auf 14.000 zurück.57 Das Tief scheint aber nur von kurzer Dauer gewesen zu sein: Ende Oktober 1916 erreichte die Soldatenzeitung, nun allerdings nach ihrem Kurswechsel und nur noch gegen Bezahlung erhältlich, erneut die bemerkenswerte Auflage von 19.000,58 zu Jahresende bereits von 23.000 Stück.59 Damit wurde das militärische Blatt innerhalb Tirols nur von dem ebenfalls wöchentlich herausgegebenen Tiroler Volksboten übertroffen und lag sogar knapp vor der unbestritten marktführenden Tageszeitung, den Innsbrucker Nachrichten. Alle anderen Blätter des Kronlandes ließ die Soldatenzeitung weit hinter sich.60

Der Kurswechsel: Die Soldatenzeitung unter Robert Musil

Lange Zeit bereitete das Blatt den zivilen Behörden keinerlei Schwierigkeiten; über weite Strecken enthielt die politisch völlig unverdächtige Kriegszeitung "lediglich harmlose Soldatengeschichten", auf die, wie beabsichtigt, auch andere Zeitungen gerne zurückgriffen. Mit der formalen Umgestaltung machte sich ab Sommer 1916 jedoch auch eine inhaltliche Neuorientierung des Blattes bemerkbar. Die Tiroler Soldatenzeitung ging nun dazu über, auch Artikel eindeutig politischen Charakters zu bringen, die selbst zu brisanten Themen deutlich Position bezogen.61 Vergleicht man Inhalt und Aufmachung des Blattes vor und nach seiner Umgestaltung, ist, wie Karl Dinklage ausführt,
 
"der hier herbeigeführte Umschwung augenscheinlich. Das Blatt entbehrte vorher im allgemeinen sogar eines Leitartikels und war nur ein Sammelbecken von Soldatenberichten. Nun ist es eine straff und einheitlich geführte Zeitung, [...] ein Organ, das sich erlaubt, Zeitkritik zu üben, und dabei nicht davor zurückschreckt, gegen die herrschende Opportunitätspolitik und Parteienwirtschaft, gegen die Vorrechte privilegierter Klassen und hohle Phrasen offen Stellung zu nehmen."62
Dem damaligen Schriftsetzerlehrling Alfons Gabloner blieb die Umstellung in ähnlicher Weise in Erinnerung: Durch die veränderte Gestaltung der Zeitung, die "unter der neuen Führung sogleich spürbar an Format" gewonnen habe, ergab sich auch für die Arbeit in der Druckerei so manche Neuerung: "Vorher war's nur ein Frontblattl - nichts als Soldatenberichte. Und nun auf einmal die aufwendigsten Kunstdruckbeilagen - unter Einsatz der besten Künstler der Zeit."63

Deutliches Anzeichen eines gewandelten Selbstverständnisses der Kriegszeitung war auch die Namensverkürzung im August 1916. Der Titel wurde auf den schlichten Namen Soldatenzeitung reduziert, auf den Verweis auf Tirol wurde von nun an verzichtet. Hand in Hand mit der Neugewichtung des Inhalts erhob das Blatt also den im Titel - nach dem Wegfall der geographischen Zuordnung - anklingenden Anspruch auf überregionale Geltung.64

Erstmals wurde jetzt, wie vom Gesetz vorgesehen, der Name des verantwortlichen Schriftleiters und der Druckerei im Blatt angeführt,65 erst jetzt erfolgte bei den Behörden die offizielle Meldung der Herausgabe,66 und erst von diesem Zeitpunkt an wurde das Blatt der Vorzensur durch die Behörden in Bozen unterworfen. Daß diese für alle anderen Presseprodukte verpflichtenden Schritte bis dahin unterbleiben konnten, bekräftigt die Vermutung, daß auch die zivilen Stellen der Tiroler Soldatenzeitung lange Zeit eine bevorzugte Sonderstellung eingeräumt hatten. Auf die Zensurierung des Blattes war, obwohl ein Teil der Auflage entgeltlich abgegeben wurde, verzichtet worden, solange es "seinen Zweck innerhalb des ursprünglich aufgestellten Programmes verfolgte". Selbst zu einem Zeitpunkt, als die Zeitung bereits längst ordnungsgemäß den Zensurstellen in Bozen vorgelegt wurde, ging die Statthalterei in Innsbruck irrigerweise davon aus, daß dem Militärblatt nach wie vor eine bevorzugte Behandlung eingeräumt werde.67

Offiziell als verantwortlicher Redakteur fungierte Majorauditor Dr. Albin Schager. Die Wahl war auf ihn gefallen, weil er als aktiver Offizier "der Politik fernsteht, auch andere Feldzeitungen und Feldblätter einen aktiven Offizier als Schriftleiter nennen" und die "Betrauung eines Auditors" aufgrund seiner "Kenntnis der Zensurvorschriften und preßpolizeilichen Bestimmungen, die das HGK genau einhalten möchte, zweckmäßig erschien".68 Die Fäden der Soldatenzeitung zog mittlerweile aber niemand geringerer als der als Oberleutnant des Landsturms eingerückte Schriftsteller Robert Musil, der Schager Anfang Oktober 1916 auch nominell als verantwortlicher Redakteur ablöste.69 Seine redaktionelle Mitarbeit hatte Musil allerdings schon einige Monate vor dem offiziellen Führungswechsel aufgenommen.

Seine Rückversetzung an die Front war nach einem mehrwöchigen Lazarett- uns Spitalsaufenthalt, den der schon im Sommer 1914 eingerückte Schriftsteller im Frühjahr 1916 in Bruneck, Innsbruck und Prag zubringen mußte, nicht mehr in Betracht gekommen. Nach seiner Genesung war er deshalb statt dessen am 20. April 1916 dem Heeresgruppenkommando Erzherzog Eugen in Bozen zugewiesen worden. Dort fand Robert Musil schon im Juni 1916 sein neues Betätigungsfeld als Mitarbeiter der Tiroler Soldatenzeitung.70 Bereits vor Kriegsausbruch hatte er u.a. als Redakteur der Neuen Rundschau in Berlin journalistische Erfahrungen sammeln können, die ihn nun für sein neues Einsatzgebiet prädestiniert erscheinen ließen.71

Erstmals in Erscheinung trat der neue Redakteur, der sich schon vor dem Krieg auf literarischem Gebiet einen Namen gemacht hatte,72 im Zusammenhang mit der Neuformulierung der publizistischen Strategie der Militärorgane der Südwestfront. Für den 12. Juni 1916 war, vermutlich auf Anregung Schagers, zu diesem Zweck eine Besprechung der Redakteure der Tiroler Soldatenzeitung und der Karnisch-Julischen Kriegszeitung, die vom 10. A.K. in Villach herausgegeben wurde, anberaumt worden. Die beiden militärischen Blätter sollten die Frage erörtern, wie die propagandistische Zielsetzung, den Irredentismus zu bekämpfen und den "österreichischen Staatsgedanken" zu propagieren, am wirksamsten zu erfüllen war.73

Mit dem Treffen beim Heeresgruppenkommando waren die Weichen für eine politische Umgestaltung der im Bereich der Südwest-Front erscheinenden Frontzeitungen gestellt, ein "möglichst einheitliches und zielbewußtes Vorgehen" schien gesichert.74 Den Anstoß hatte eine Woche zuvor ein Schreiben des HGKs Eugen gegeben, das die propagandistischen Motive, die der Neuausrichtung der Blätter zugrunde lagen, offen zum Ausdruck brachte:
 

"Um die Bestrebungen des HGKmdos für eine Besserung der innenpolitischen Verhältnisse zu unterstützen, wäre es zweckmäßig, wenn die [...] Soldatenzeitungen in jeder Ausgabe kurze, geschickt verfaßte, populäre Aufsätze über den Irredentismus (sein Wesen, seinen Zusammenhang mit dem Kriege, Teilnahme von Beamten, Lehrern und Geistlichen, Vereine usw. und über seine Bekämpfung in Haus, Schule und Amt) bringen wird. Es müßte die Notwendigkeit von Reformen bis zum letzten Mann bekannt werden, damit auf diese Weise die anzustrebenden Ziele eine Förderung durch die Masse erfahren."75
Die darauf folgenden Überlegungen mündeten in die Verordnung vom 30. Juni 1916, die die Tiroler Soldatenzeitung der Zuständigkeit des 11. A.K.s entzog und dem HGK Erzherzog Eugen zuteilte. Die Redaktion des Blattes wurden am 12. Juli 191676 in den Standort des HGKs nach Bozen verlegt und ihre Leitung Oberleutnant Musil übertragen. Um ihm bei der Überleitung des Blattes zur Hand gehen zu können, wurden der bisherige Schriftleiter und "die zwei Mann des Redaktionspersonals" ebenfalls dem Kommando in Bozen zugewiesen. Der neue Chefredakteur hatte aber noch nicht gänzlich freie Hand;77 Musil war noch "in allen Angelegenheiten Major-Auditor Dr. Schager unterstellt" und nur befugt, "nach Einholung von dessen Zustimmung das 'Imprimatur' zu erteilen".78

Am 30. Juni 1916 erschien die Tiroler Soldatenzeitung letztmalig unter der alten Leitung.79 Schon für die nächste, am 8. Juli 1916 ausgelieferte Nummer hatte Musil Oberstleutnant Paul Höger und Redakteur Hauptmann Dr. Heinrich Juster, die bislang für die Gestaltung des Blattes verantwortlich waren, ersetzt. Noch im Juli erfolgte die Abberufung Justers.80 Die alte Nummernzählung wurde zunächst noch beibehalten, erst mit 6. August 191681 ging man von der alten Zählung ab. Die Soldatenzeitung erschien jetzt aber mit geänderter Feldpostnummer: Die Nummer 239 des HGKs Erzherzog Eugen hatte schon im Juli die Feldpostnummer 93 des 11. A.K.s abgelöst.82

Das AOK in Wien hatte gegen die Umgestaltung der Soldatenzeitung nichts einzuwenden, schärfte den Tiroler Stellen aber ein, daß die Finanzierung des Blattes "grundsätzlich aus eigenen Mitteln zu geschehen" habe. Allerdings war man bereit, dem HGK Eugen zum Ausbau der Zeitung einen einmaligen Vorschuß von 10.000 K einzuräumen, "welcher den ärarischen Geldern zu entnehmen und aus den Einnahmen der Zeitung zu bestreiten" war.83 Von der bisherigen Praxis, die Tiroler Soldatenzeitung den verschiedenen militärischen Abteilungen gratis zukommen zu lassen, wurde deshalb mit Nummer 13 vom 3. September 1916 abgegangen. Die seit der Neuformierung des Blattes erfolgten Ausgaben waren, da man erst die Anweisung des Armeeoberkommandos abwarten mußte, "den bis bisher geübten Gepflogenheiten entsprechend" kostenlos an die Truppen verteilt worden.84

Juster und Rapoport, der die Teilnahme der Tiroler Soldatenzeitung bei der Wiener Kriegsausstellung organisiert hatte, wurden zur Erstellung eines Rechnungsabschlusses noch einmal nach Trient bzw. Bozen beordert. Ein Kassasturz und die Übertragung der Bankkonten sollten Klarheit über die Finanzlage des Blattes schaffen.85 Die in der Übergangsphase ausgebliebenen Einkünfte und die Übernahme unbeglichener Rechnungen bereiteten der Soldatenzeitung eine unangenehme Ausgangslage. Sie mußte sich "mit einem Defizit von sehr gering gerechnet 6000 Kronen belasten [...], noch ehe es ihr möglich war, Schritte zu ihrer finanziellen Sicherstellung zu unternehmen".86

Das Ziel, die Zeitung wirtschaftlich auf eigene Beine zu stellen, hatte umso größere Priorität: Da das Blatt ab September "leider nicht unentgeltlich abgegeben werden" konnte, war die Soldatenzeitung nur noch im Abonnement oder, für jene Abnehmer, die den vierteljährlichen "Betrag von 2 K 50 h nicht auf einmal aufbringen können", auch im Einzelverschleiß für 20 h zu bekommen.87 Um bei diesen gering gehaltenen Preisen bestehen zu können, mußte, wie das HGK Eugen in einem Rundschreiben festhielt, eine wöchentliche Mindestauflage von 8.000 Stück abgesetzt werden:
 

"Damit die Zeitung es zu dieser Auflage bringt, ist es unbedingt notwendig, daß die militärischen Kommandos die guten Absichten, die mit dieser Zeitung verbunden sind, voll würdigen und ihr im Bereiche des HGK. mindestens 5000, im Bereiche der 10. Armee 1000 und in jenem der 5. Armee 2000 ständige Abnehmer sichern. Es muß daher Aufgabe aller Kommandos sein, dafür zu sorgen, daß die Zeitung alle Offiziere und Gleichgestellten, aber auch der intelligente Teil der Mannschaft beziehen."88
Die Umstellung des Zeitungsvertriebs ging zügig voran, kleinere Schwierigkeiten, bei denen es sich "im allgemeinen nur um geringfügige Fehler" handelte, waren schnell aus der Welt geschafft.89 Ungeachtet der Tatsache, daß sie jetzt nicht mehr umsonst abgegeben wurde, stieß die Soldatenzeitung beim soldatischen Publikum auf "reges Interesse"; die Zahl der Abonnements wuchs täglich.90 Schon Mitte November 1916 konnte das HGK Eugen der 5. und 10. Armee für die Bestellung von 5.400 bzw. 1.000 Exemplaren der Soldatenzeitung danken.91 Der überwiegende Teil der Auflage wurde - direkt an die Abnehmer adressiert - mit der Feldpost zugestellt, die übrigen Exemplare, im Oktober 1916 etwa 1.400 Stück, gingen den militärischen Abteilungen, die mit dem Einzelverschleiß betraut waren, mit der Dienstpost zu.92 Die Exemplare, die dort nicht abgesetzt werden konnten, überließ man "zur Staerkung der deutschen Sprache" den ladinischen Gemeinden Abtei und Enneberg zur Gratisverteilung an die großteils mittellose Bevölkerung.93

Im August 1916 wurden die Offiziere zum Kauf der luxuriös ausgestatteten Festausgabe anläßlich des Geburtstags des Kaisers angehalten,94 und im Oktober wurde die Ausgabe des Blattes weitgehend auch für die Militärsanitätsanstalten in Trient bewilligt, nachdem das HGK Eugen den Abteilungen den "intensive[n] Vertrieb der Soldatenzeitung" angeordnet hatte.95

Bei der Suche nach neuen Abnehmern schielte man sogar selbstbewußt über die Grenzen des Habsburgerreichs und hoffte, das Blatt auch im verbündeten Deutschland bekannt machen zu können.96 Auch in den anderen Belangen waren Umstellung und Ausbau des Blattes bald bewerkstelligt. Man bemühte sich, nach dem Vorbild der Belgrader Nachrichten, um die Bewilligung der portofreien Feldpostbeförderung und ersuchte das Kriegsarchiv in Wien, der Soldatenzeitung, die "in der nächsten Zeit" auf "einen rasch und sicher funktionierenden Bibliotheks- und Informationsdienst" angewiesen sein würde, vor allem bei Buchbestellungen und mit der Bereitstellung von Nachschlagewerken zur Hand zu gehen.97 Bis Herbst 1916 war die Versorgung mit den neuesten Meldungen über den Depechendienst des Korrespondenzbüros gewährleistet. Die neueinlangenden Telegramme wurden auf einer Anschlagtafel der Soldatenzeitung vor dem Bozner Kommandogebäude publik gemacht.98

Hatte man die Sichererstellung des nötigen Materials bisher den Druckereien überlassen, nahm die neue Leitung jetzt die Beschaffung der nötigen Papiervorräte selbst in die Hand. Noch im Juli 1916 wurden die Offerte verschiedener Firmen für satiniertes Flachdruckpapier eingeholt und der Auftrag der Neusiedler AG für Papierfabrikation in Wien erteilt.99 Der mit 2,8 bis 3,2 Tonnen pro Monat recht beachtliche Papierbedarf der Soldatenzeitung war somit für Monate gedeckt.100

Die Überlegungen des HGKs Eugen

Welche Überlegungen hinter der Umgestaltung der Tiroler Soldatenzeitung wirksam waren, zeigt ein vermutlich von Schager ausgearbeiteter Erlaß des HGKs Erzherzog Eugen vom 18. Juli 1916. Darin brachte er gegenüber dem L.V.K. und der 5., 10. und 11. Armee die Anschauung zum Ausdruck, daß die Art der bisher erschienenen Armeezeitungen nicht mehr ausreiche. Hatten die Soldatenzeitungen in der ersten Phase des Krieges an der Südwest-Front zweifellos ein "Bedürfnis, das aus dem Einerlei des Schützengrabenkrieges erwuchs, ganz gut erfüllt", seien weiterreichende Ziele gröblich vernachlässigt worden.101
 
"Es soll ihnen auch nicht genommen werden, dass sie hiebei manche talentvolle Ursprünglichkeit zutage förderten und manchen wertvollen Beitrag freiwilliger Mitarbeiter brachten. Im allgemeinen dürfte jedoch ihr Kunstwert und auch ihr Einfluss, den sie auf die soldatische Gesinnung ausübten, zurücktreten hinter der harmlosen Freude an der Selbstbetätigung. Es ergab sich daher die Frage, ob es nicht schade ist, ein so kräftiges Mittel, wie es die Schützengrabenzeitung ist, sich lediglich darauf beschränken zu lassen, oder ob man es nicht zu wichtigeren Zwecken benützen soll."102
Man hatte es bisher nämlich unterlassen, die Armeeblätter in den Dienst explizit politischer Aufgaben zu stellen. Als geeignetes Medium, die Leserschaft propagandistisch "zum Verständnis der Lebensfragen des Staates und der Armee" zu erziehen, sollten die Soldatenzeitungen nicht länger ungenützt bleiben. Die "moralische Herrichtung des Mannes auszuschließen, hieße auf die Möglichkeit verzichten, seine Leistungen zu vervielfachen". Bei der Neuorientierung der Blätter handle es sich jedoch "keineswegs darum, Politik in die Armee zu tragen, sondern um die Erweckung des Staatsbewußtseins, der Lust am kräftigen Staate, des Verständnisses der Selbstbeschränkungen, die dazu nötig sind, des Bedürfnisses nach einer starken Führung der Staatsgeschäfte".103 Die neuen Aufgaben, die man den Militärblättern abverlangte, entsprachen den hochgesteckten politischen Zielsetzungen, die das HGK nun in die Tat umsetzen wollte. Die Auf- und Neubewertung der Soldatenzeitungen vollzog sich vor dem Hintergrund der im Laufe des Krieges gewachsenen politischen Ambitionen der Militärs, die zur Erreichung ihrer Vorstellungen auf effiziente publizistische Agitation nicht verzichten konnten.104

Die Verlegung der Tiroler Soldatenzeitung zum HGK in Bozen war zu diesem Zweck bereits erfolgt, darüber noch weit hinausreichende Reformschritte wurden angestrebt. Als besonders wünschenswert galt dem HGK, nicht zuletzt aus finanziellen Erwägungen, die Zusammenlegung der Karnisch-Julischen Kriegszeitung mit der Tiroler Soldatenzeitung. Beide Blätter sollten in Bozen "mit identischem Text gedruckt werden; jedoch behielte jede der beiden ihren Namen einstweilen bei. Die Sonderart beider Zeitungen könnte durch eine dem Charakter der verschiedenen Kriegsschauplätze entsprechende literarische Beilage gewahrt werden". War dieses zentrale Militärorgan erst einmal geschaffen, würde sich für die patriotische Erziehungsarbeit "ein weites Feld eröffnen". Neben den bisher belieferten Truppenkörpern sollte deshalb künftig auch die 5. Armee mit dem Blatt beteilt werden. In diesem Falle empfehle es sich allerdings, die Beilage "für alle Armeen einheitlich zu gestalten, jedoch so erweitert und gemengt, dass allen lokalen Interessen Genüge geschieht".105

Das Vorhaben, eine zentrale Militärzeitung für die Südwestfront zu schaffen, ließ sich aber nicht durchsetzen. Das 10. A.K. begrüßte zwar die Absicht, die Schützengrabenzeitungen "zu wichtigeren Zwecken als bisher" zu nützen, ließ aber keinen Zweifel daran, daß es sein Blatt beibehalten wollte. Gegen eine einheitliche Soldatenzeitung "zur Hebung des Staatsgedanken" führte es das Argument ins Treffen, daß es "vorteilhafter wäre, solche Werbearbeit in verschiedenen Blättern den Lesern zugänglich zu machen. Unwillkürlich macht die in mehreren Blättern gebrachte gleiche Ansicht einen größern Eindruck, als wenn sie in einem Blatte gebracht wird, dem bald eine bestimmte Tendenz nachgesagt wird."106

Das Armeekommando befürchtete, den "Kärntner Einschlag" seines Blattes, das sich längst "zu einem prosperierenden Unternehmen" gemausert hatte, einzubüßen. Der gegenüber den Tiroler Streitkräften weniger bekannten 10. Armee wäre dadurch die Möglichkeit genommen, "die Leistungen ihrer eigenen Truppen in Wort und Bild der Front und dem Hinterlande zu zeigen".107 Die 11. Armee wiederum, die bis zur Übernahme durch das HGK Eugen für die Tiroler Soldatenzeitung verantwortlich war, äußerte ihre Besorgnis, daß eine Zusammenlegung der Zeitung "ihren lokalen Tiroler Anstrich" nehmen würde.108

Auch aus den Stellungnahmen anderer Kommanden spricht Ablehnung und Skepsis gegenüber der angestrebten Fusionierung. Das XX. Korpskommando riet von der Zusammenlegung der kleineren Armeezeitungen ab; der enge Kontakt der Blätter mit ihrer Leserschaft dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden, hatten es die Soldatenzeitungen in ihrer bisherigen Form doch sehr gut verstanden, "das den Mann vor Allem anheimelnde Lokalkolorit" zu treffen und den "nur allzu begreiflichen Wunsch" zu befriedigen, "seine oder seiner Kameraden Waffentaten geschildert und auch Beiträge aus seiner Feder aufgenommen zu sehen. Diese kleinen Rücksichten auf den Hauptstock der Leser müssten zurücktreten, wenn sich eine Soldatenzeitung weitere Ziele stecken wollte."109

Ähnliche Befürchtungen brachte das Kommando der 11. Armee vor, das eine möglichst einfache, populär gehaltene Inhaltsgestaltung gewahrt wissen wollte, die "das Gepräge des Lokalkolorits der betreffenden Gruppe oder Armee" in ausreichender Weise berücksichtige. Vor allem dem "Bedürfnisse des einfachen Mannes", der eines solchen Blattes besonders bedürfe, müsse entsprochen werden. Die ursprüngliche Ersatzfunktion der Soldatenzeitungen für die nicht oder zu spät an die Front gelangende Presse des Hinterlandes gelte nun vornehmlich ihm. "Der Offizier und bessere Unteroffizier vermag sich unter den geordneteren Verhältnissen des heutigen Stellungskrieges unschwer regelmäßig irgend eine politische Tageszeitung zusenden zu lassen; beim Manne ist dies heute ungleich schwieriger."110

Diese Erwägungen sprächen gegen "die Zusammenlegung aller Soldatenzeitungen in eine, dann aber auch gegen eine Erweiterung des Inhaltes durch rein theoretisierende, politische Artikel".111 Die in Angriff genommene Politisierung der Soldatenzeitung ging dem 11. AK zu weit. Ihm galt die Gestaltung als aufmunternde Zerstreuungslektüre als vorrangig gegenüber der Verfolgung politischer Ziele. Wenn man bedenkt, daß die Soldatenzeitung eben noch diesem Kommando zugeteilt war, tritt der Unterschied zu der Auffassung der neuen Herausgeber klar zutage.112 Auch in Hinkunft müsse
 

"mit besonderer Vorsicht und derart vorgegangen werden, daß mit aller Peinlichkeit der Anschein einer politischen Streitschrift gegen bestehende politische Mängel und Unangemessenheit politischer Einrichtungen vermieden wird. Nicht die für den Halbgebildeten sehr gefährliche negative Empfindung von Mißtrauen gegen jetzige oder jüngstvergangene Erscheinungen im Staatsleben wäre im Manne zu erwecken, sondern die positive Ueberzeugung. [...] In den Völkern der Monarchie lebt ohnehin die Neigung, alles was bei uns ist, schlecht und besserungswürdig [...] zu betrachten. [...] Daraus ergibt sich [...] die Nötigung, besondere, bloß politische und bloß theoretisierende Artikel, die dem Verständnisse des einfachen Mannes ohnehin ferne liegen und die - wie die Verhältnisse nun bei uns eben sind - nicht immer Erfreuliches bringen, unbedingt zu vermeiden."113
An diese zur Behutsamkeit mahnenden Worte, die von den weitgreifenden Intentionen der neuen Leitung offenbar meilenweit entfernt waren, schloß das 11. A.K. eine Darstellung seiner Vorstellungen, wie eine Frontzeitung am effektivsten zu führen sei.
 
"Das Blatt behalte [...] den Charakter eines reichillustrierten, harmlosen Unterhaltungsblattes, in dem hie und da auch Autoren aus dem Volke, aus der Masse der Soldaten, zu Worte kommen. Der Soldat im Kriege ist ein halbes Kind; er ist froh, wenn er inmitten seiner blutigernsten Alltagsbeschäftigung harmlose Zerstreuung findet [...] Und so stärke man in dem Manne - für diesen unmerklich - immer wieder in Gestalt eines Geschichtenerzählers, dem ja der einfache Mann so gerne zuhört, daß (sic) positive Gefühl des Patriotismus."114
Der Vorstoß des HGK Eugen, die Frontzeitungen zu einem zentralen Soldatenblatt zu vereinigen, stieß also, wie die Stellungnahmen der anderen Kommanden zeigen, auf wenig Gegenliebe. Sowohl die Karnisch-Julische Kriegszeitung als auch die Tiroler Soldatenzeitung blieben daher als eigenständige Publikationsorgane erhalten, letztere allerdings unter dem neuen, verkürzten Namen.115 Die Befürchtung des AOKs, daß sich die Blätter in ihrer Entfaltung behindern könnten, zerstreute man mit der Bemerkung, daß man sich gegenseitig mit dem Austausch von Artikeln unter die Arme greifen werde.116

Wenn die angestrebte Fusion auch ausblieb, so fand doch die Reformierung der Soldatenzeitung in der Neubesetzung des in Kärnten herausgegebenen militärischen Schwesterblattes ihre Entsprechung. Ebenso wie die Tiroler Soldatenzeitung mit Musil einem neuen Schriftleiter unterstellt worden war, war, ebenfalls im Juni 1916, Oberleutnant Paschka, der die Karnisch-Julische Kriegszeitung seit ihrer ersten Ausgabe am 24. Juni 1915 geleitet hatte, von einem neuen Redakteur abgelöst worden. Bald nach der Besprechung der beiden Militärorgane nannte das Impressum erstmals Leutnant Cavaler, den später nach Trient berufenen Schriftleiter des Risveglio Austriaco,117 als verantwortlichen Redakteur. Auch das zweite Militärblatt der Südwestfront ging in Befolgung der Richtlinien der Besprechung dazu über, jeder Ausgabe einen längeren Leitartikel voranzustellen, für den Cavaler selbst verantwortlich zeichnete.118

Der Großteil der in der (Tiroler) Soldatenzeitung veröffentlichten Aufsätze erschien hingegen ohne Nennung des Verfassers. Das Aktenmaterial vom August 1916 gestattet aber einen Einblick in die personelle Zusammensetzung der Redaktion. Neben Oberleutnant Hans Kleindienst und Leutnant Rudolf Neumann standen Musil, eigens aus Wien nach Bozen beordert, der Kadettaspirant Heinrich Gartenberg und Oberleutnant Hans Feigel, den man zur Erledigung der administrativen Arbeiten aus Trient abberufen hatte, zur Seite.119 Ein Innsbrucker Blatt nannte in einem späteren Artikel über die Soldatenzeitung den Vorarlberger Schriftsteller Ritter als weiteres Redaktionsmitglied.120 Im November 1916 bemühte sich die Presseabteilung des HGKs um die Zuteilung einer weiteren Hilfskraft, da sich die Verwaltungsarbeiten in der letzten Zeit vermehrt hätten.121

Nicht alle Mitarbeiter jedoch scheinen den Ansprüchen der neuen Leitung genügt zu haben. Oberleutnant Egon Edler von Pflügl, der vorübergehend der Tiroler Soldatenzeitung zugeteilt war, wurde, "da er in keinen ihm im Bereiche zugewiesenen Verwendungen bisher entsprochen hat", nach kurzer Probezeit abberufen.122 Auch auf die Mitarbeit Gartenbergs glaubte man schon nach wenigen Wochen verzichten zu können.123

Auch wenn also einige Namen des Redaktionspersonals bekannt sind, bleibt die Zuschreibung der Artikel ein größtenteils ungelöstes Problem. Musil selbst scheint sich in seiner Rolle als Chefredakteur in erster Linie mit der Leitung des Blattes begnügt haben. Er dürfte "nur einen gewissen und keineswegs großen Anteil von eigenen Arbeiten zur Soldaten-Zeitung beigetragen" haben.124 Allerdings können heute einige der anonym gebrachten Texte mit hoher Wahrscheinlichkeit Robert Musil zugeordnet werden. Die Frage nach der genauen Anzahl der von ihm selbst verfaßten Artikel wird jedoch von der Musil-Forschung unterschiedlich beantwortet. Die Angaben reichen von 19125 über maximal 31126 bis zu 33 Musil zuordenbaren Beiträgen.127

Die Reaktion auf die Politisierung

Die Haltung der Zivilbehörden

Die Zivilbehörden reagierten irritiert auf die veränderte Gestaltung der Soldatenzeitung. Die von der neuen Situation überforderten Zensurorgane gerieten jetzt in die unangenehme Lage, sich gegenüber ihren vorgesetzten Stellen für ihre Vorgehensweise rechtfertigen zu müssen. Dennoch hegte die nun mit der Zensurierung betraute Staatsanwaltschaft in Bozen an der grundsätzlich loyalen Ausrichtung des Blattes offenbar keinerlei Zweifel: "Die Tendenz des Blattes ist eine hochpatriotische, dahingehend, ein kraftvolles und mächtiges Oesterreich nach aussen und innen zu schaffen." Selbst die wohlmeinende Natur der politischen Artikel wurde nicht in Frage gestellt; es handle sich hierbei lediglich um Aufsätze, "in welchen auf die bestehenden Mißstände hingewiesen wird und die Mittel angedeutet sind, wie eine Besserung der staatlichen Einrichtungen erzielt werden könnte".128

Die veränderte Ausrichtung des Blattes hatte die Zensurbehörden allerdings in eine unklare Lage manövriert. Als der Oberstaatsanwalt die Bedenken der Bozner Stellen hinsichtlich eines Artikels der Soldatenzeitung über das Abgeordnetenhaus noch im August 1916 nicht teilte, nahm man diese Entscheidung als Richtschnur, welches Verhalten man gegenüber der mitunter kritischen Schreibweise des Militärblattes in Hinkunft an den Tag legen sollte. Ähnlich oder weniger scharf gehaltene Passagen durften die Zensur seitdem ohne Streichungen passieren.129

Mißgriffe der Zensoren waren bei einer solchen Praxis vorprogrammiert. Als die Staatsanwaltschaft gegen einen Artikel der Soldatenzeitung, der die Zivilverwaltung kritisierte, nicht einschritt, zog sie sich den Unmut der vorgesetzten Behörde zu. Aus der Bitte, den Bozner Beamten angesichts ihrer mißlichen "Stellung zwischen Regierung und Heeresgruppenkommando" doch endlich eine klärende Weisung zukommen zu lassen, wie man sich denn nun bezüglich des Militärblattes verhalten solle, sprach die Orientierungslosigkeit, mit der die Zensurorgane dem neuen Kurs der Soldatenzeitung gegenüberstanden. Die Erteilung klarer Richtlinien würde es den Zensurstellen zudem erleichtern, ihr Einschreiten gegenüber den (militärischen) Herausgebern zu rechtfertigen.130

Der Redaktion der Soldatenzeitung wurde Anfang Oktober 1916 unmißverständlich mitgeteilt, daß sich das Blatt keine gesonderte Behandlung seitens der Zensurbehörden erwarten dürfe. Der Statthaltereirat in Bozen schärfte der Schriftleitung ein, daß die Soldatenzeitung, wie jedes andere Blatt auch, zur strikten Wahrung der Burgfriedenspolitik verpflichtet sei und mit dem konsequenten Einschreiten der Zensur zu rechnen habe.131

Auch die Zentralstellen in Wien waren auf die veränderte Schreibweise der Soldatenzeitung und die unsichere Vorgangsweise der lokalen Zensurorgane aufmerksam geworden. Das Kriegsüberwachungsamt (KÜA) sah sich bemüßigt, Informationen aus Tirol einzuholen. Die Statthalterei sollte berichten, zu welcher pressepolizeilichen Lösung man inzwischen in Bozen gelangt sei. Auf die Frage ob es gelungen sei, die Zusicherung des Militärs zu erreichen, daß "in Hinkunft politische Artikel in der Zeitung nicht Aufnahme finden", meldeten die Innsbrucker Behörden, daß diesbezüglich zwar "keine Vereinbarung getroffen" worden sei, daß das HGK aber den Einwänden der Zivilstellen inzwischen auf andere Weise Rechnung getragen hätte.132

Auch das Innenministerium, das über die weitere Entwicklung der Soldatenzeitung offenbar schlecht informiert wurde, zeigte sich Mitte März 1917 an der Bozner Zensurpraxis interessiert und erkundigte sich, ob sich mit der Verlegung des HGKs Eugen auch der Druckort der Zeitung geändert hätte.133 Vor allem aber machte das Ministerium die Tiroler Behörden darauf aufmerksam, daß den Wiener Stellen noch immer kein Pflichtexemplar der Soldatenzeitung vorliege. Dabei war das Blatt bereits wiederholt zur Ablieferung des gesetzlich vorgeschriebenen Belegexemplars ermahnt worden. Als man der Bozner Druckerei der Tyrolia die Übergabepflicht in Erinnerung rief, wurde den Behörden mitgeteilt, daß nicht die Druckerei, sondern der Verleger der Soldatenzeitung, also die Presseabteilung des HGKs, die Übersendung der Pflichtexemplare zu übernehmen hätte.134

Die Wiener Behörden beklagten allerdings auch weiterhin, daß ihnen keine Belegexemplare zugegangen seien. Noch im April 1917 drängte das Innenministerium, ihrer Übersendung "mit aller Beschleunigung entsprechen zu wollen".135 Auch hinsichtlich dieser (scheinbaren) Unterlassung des Militärblattes zeigten sich die zivilen Stellen vor Ort jedoch betont konziliant. Fast hat es den Anschein, als wollten die Zivilbehörden allen Unstimmigkeiten, die sich hinsichtlich der Behandlung der Soldatenzeitung mit den Militärs ergeben könnten, aus dem Weg gehen. An der patriotischen Integrität der militärischen Herausgeber wollte man auch diesbezüglich nicht zweifeln: Man glaubte "nicht, dass eine Absicht vorliegt, weil die Presseabteilung des Heeresgruppenkommandos sich sehr bemüht zeigte, den pressgesetzlichen formellen Vorschriften nachzukommen".136 In der Tat hatte die Heeresleitung der Soldatenzeitung schon im Sommer 1916 eingeschärft, daß sie, falls das Blatt auch außerhalb des Militärverbandes verteilt werde, die gesetzlichen Vorgaben "strengstens beobachten" müsse.137

In Wirklichkeit dürfte es sich bei den ausgebliebenen Pflichtexemplaren, so vermutete man seitens des Militärs, lediglich um einen Fehler der Wiener Beamten gehandelt haben, die sich durch die Verkürzung des Titels zur irrigen Annahme verleiten ließen, daß nun neben der Tiroler Soldatenzeitung ein zweites Blatt - die Soldatenzeitung - existierte. Die Pflichtexemplare der Soldatenzeitung seien ordnungsgemäß und regelmäßig dem Innenministerium und der Hofbibliothek in Wien übermittelt worden.138

Die Affäre Manci

Die forciert politische Ausrichtung des Blattes hatte nicht nur die Zivilbehörden in Verlegenheit gebracht, sondern auch außerhalb Tirols Aufsehen erregt. Als die Soldatenzeitung Ende August 1916 unbeanstandet die Reaktivierung des parlamentarischen Lebens diskutieren und die überfällige "Neuordnung im Inneren" fordern konnte,139 ließen diese Töne etwa auch das Parteiorgan der Sozialdemokraten in Graz aufhorchen: "Bisher sind die fürs Zivil schreibenden Zeitungen konfisziert worden, wenn sie gegen die Ausschaltung des österreichischen Parlaments auftraten. Nun hat sich die Erkenntnis von der Unrichtigkeit dieser Politik auch in den Armeekreisen durchgesetzt."140

Doch es waren weniger die Ausführungen zur Zukunft des Abgeordnetenhauses als die antiirredentistische Stoßrichtung ihrer Artikel, die die Soldatenzeitung immer wieder in Rechtfertigungszwang brachte. Vor allem die erklärte Absicht des Blattes, irredentistische Tendenzen anhand besonders hervorstechender Gerichtsfälle aus den Jahren vor dem Krieg zu brandmarken, erregte mehrfach die Gemüter.

Das HGK Eugen hatte zu diesem Zweck schon Anfang Juli 1916 verschiedene Stellen und Behörden ersucht, der Schriftleitung das Aktenmaterial zu jeweils vier bis fünf ausgewählten Fällen zur Verfügung zu stellen. Mit dessen Hilfe sollte versucht werden, "in greifbaren literarischen Darstellungen das hochverräterische Treiben gewisser Kreise, seine Schändlichkeit und Gefahr auch dem einfachen Mann zu Bewusstsein zu bringen."141

Anfang August gingen dem HGK Eugen daraufhin einige Akten des Gerichts Trient zu142 - unter ihnen die Unterlagen zum Fall Manci, deren detaillierte Verwendung durch die Soldatenzeitung nicht folgenlos bleiben sollte. Am 17. September 1916 erhob das Blatt in Nummer 15 unter dem Titel "Ein Bürgermeister von Trient" schwere Vorwürfe gegen den früheren Vizebürgermeister Maximilian Graf Manci. Den politischen Stellen mußten die Angriffe gegen Manci als Affront gegen die sie selbst erscheinen, zumal der Artikel auch "wörtliche Auszüge aus vertraulichen Akten des Statthalterei-Präsidiums" enthielt, ein Vertrauensbruch, über den die Statthalterei in Innsbruck nicht hinwegsehen konnte: Von den militärischen Stellen erwartete sie klare Konsequenzen, eine "Wiederholung eines derartigen Missbrauches amtlicher Angelegenheiten" durch die Soldatenzeitung müsse ein für allemal ausgeschlossen werden. Andernfalls sähen sich die Innsbrucker Stellen außerstande, "den Militärbehörden weiterhin vertrauliche Akten zur Verfügung zu stellen."143

Für den Aufsatz waren auch Berichte der Bezirkshauptmannschaft und des Polizeikommissariats in Trient herangezogen worden, die die Behörden (und damit die Person eines späteren Statthalters) in einem schlechten Licht erscheinen ließen. Vor allem aber fühlte sich die Statthalterei in Innsbruck von der im Artikel vorgebrachten Kritik am Vorgehen der Behörden kompromittiert. Die Affäre griff tief und fachte den schwelenden Konflikt zwischen Zivil- und Heeresbehörden144 zusätzlich an. Die Basis für ein "einheitliches Zusammenwirken mit der Militärverwaltung" stand für die politischen Stellen durch die Ausfälle der Soldatenzeitung auf dem Spiel; schließlich sei "ein solches natürlich nur dann möglich [...], wenn das gegenseitige Verhältnis ein vertrauensvolles ist, was bei derartigen publizistischen Entgleisungen ja ganz ausgeschlossen wäre".145

Das Einschreiten der Zensur gegen den Abdruck des zweiten Teils des Artikels durch den Risveglio Austriaco registrierten die Militärs zunächst mit sichtlichem Unverständnis. Den Polizeikommissar in Trient ersuchte man verwundert um die Angabe der Gründe für das Veröffentlichungsverbot - ein Anzeichen dafür, daß der Konflikt mit den Zivilstellen offenbar weniger auf bewußte Provokation zurückzuführen war als auf reine Ungeschicklichkeit.146

Um das ohnedies gespannte Verhältnis zu den Zivilbehörden nicht in noch stärkerem Ausmaß zu belasten, entschloß sich das HGK, dem Drängen der verärgerten Statthalterei nachzugeben. Der Generalstabschef versicherte, daß er den "Zwischenfall lebhaft bedauere" und daß, nach Erhebungen über das Zustandekommen des Artikels, sowohl der Verfasser als auch der verantwortlich zeichnende Redakteur zur Verantwortung gezogen worden seien. Er entzog Schager die Schriftleitung, obwohl sein Verschulden lediglich darin bestanden hätte, daß er den Aufsatz nur "flüchtig überprüfte und sich nicht darum kümmerte, dass im Aufsatze wörtliche Zitate enthalten sind, die nach Art ihrer Abfassung aus Akten politischer Behörden stammen konnten." Von nun an zeichnete Musil auch formell als Schriftleiter des Blattes.147

Das Militär war bereit, den "Missgriff" der Redaktion einzugestehen. Zwar habe die Soldatenzeitung das lobenswerte Ziel verfolgt, die Öffentlichkeit über irredentistische Vorfälle aufzuklären, denen früher aufgrund außenpolitischer Rücksichten nicht hinreichend entgegengetreten werden konnte, doch könne die "Art der Verwertung gerichtlicher Akten" nicht gutgeheißen werden. Die Redaktion hätte jedoch keineswegs im Sinn gehabt, eine "abfällige Kritik über die politischen Verwaltungsbehörden oder gar über leitende Persönlichkeiten dieser Behörden zu üben". Am Urteil über Manci hielt man allerdings fest, habe es sich bei ihm doch um einen "der hinterhältigsten und gefährlichsten Irredentisten" gehandelt.148

Nach ihrem Einlenken hofften die Militärs, daß das Einvernehmen zwischen politischen und militärischen Behörden wiederhergestellt sei. Umsomehr, als Maßnahmen getroffen worden seien, "die in Hinkunft jedwede Ausnützung von militärischen Stellen zugekommenen Akten durch die 'Soldatenzeitung' unmöglich" machten.149

Das HGK, das zuvor gerne betont hatte, daß die Redaktion selbständig agiere,150 sah sich nun also gezwungen, direkt in die Leitung des Blattes einzugreifen. Die Affäre hatte mittlerweile ein solches Ausmaß erreicht, daß die Militärs es nicht bei Beschwichtigungen allein belassen konnten. Erst die Entfernung Schagers bot den Ausweg aus der unangenehmen Lage, in die die Schriftleitung die Militärstellen manövriert hatte.

Die Zivilbehörden wußten den beherzten Schritt des Kommandos zu schätzen. Die Erleichterung des Statthalters fand ihren Niederschlag in einer etwas überschwenglichen Dankbarkeitsbekundung "für die, dem grossen Interesse vollsten vertrauensvollsten Einvernehmens zwischen militärischen und zivilen Stellen so besonders förderliche Art der Austragung dieses Zwischenfalls". Die Zivilbehörden versicherten, daß sie den Zwischenfall nun "als vollkommen ausgetragen" betrachteten und daß "von irgendeiner Trübung des Einvernehmens zwischen den militärischen und zivilen Stellen aus dieser Veranlassung gewiss nicht mehr gesprochen werden kann".151 Das KÜA in Wien wurde umgehend ersucht, von einer Verfügung gegen das Militärblatt abzusehen. Eine Aussprache mit einem beim Statthalter erschienenen Vertreter des HGKs habe geklärt, daß der Vorfall "lediglich auf ein unliebsames Versehen zurückzuführen" sei.152

"Der slowenische Irredentismus" und "Der Pädagoge als Spion"

Für die Soldatenzeitung bedeutete das Einlenken der Militärbehörden jedoch keineswegs eine Abkehr von ihrer streitbaren Schreibweise. Ein im November 1916 gebrachter zweiteiliger Aufsatz mit dem Titel "Der slowenische Irredentismus" demonstrierte, daß das Blatt nach wie vor entschlossen war, sich bei der Verfolgung seiner politischen Ziele auch auf sehr dünnes Eis vorzuwagen.153 Es mußte sich darüber im Klaren sein, daß seine darin pointiert vorgebrachten Angriffe gegen den slowenischen Nationalismus auf heftigen Widerspruch stoßen würden. In der Tat blieben Proteste gegen die Schriftleitung nicht aus, die versucht hätte, "mit verletzender Schärfe und völkischer Unduldsamkeit radikal-politische, einseitige Tendenzen in die Armee einzuschleppen, einzelne - natürlich die kleinsten - Nationen des Staates zu beschuldigen und auf diese Weise gegen die jahrhundertealten Traditionen der bedingungslosen Einigkeit und politischen Unbrüchigkeit des Heeres zu verstoßen".154

Der Artikel der Soldatenzeitung fand aufgeregtes Interesse und war, wie der Schriftleitung aus Maribor (Marburg) und Ljubljana (Laibach) mitgeteilt wurde, in den "hiesigen deutschen Zeitungen" und in den Grazer Blättern155 abgedruckt worden. Die slowenischen (und kroatischen) Zeitungen hingegen fühlten sich von den Angriffen aus Tirol zu energischem Widerspruch gereizt und schleuderten der Soldatenzeitung "mehr oder weniger scharfe Abwehrartikel" entgegen. So hatte der Aufsatz "in der Marburger slov. Straza Wiederhall (sic!) gefunden, indem dieses Blatt der Soldatenzeitung eine aufhetzende Absicht und Störung des nationalen Burgfriedens vorwarf".156

Auch in den Laibacher Zeitungen war "diese Angelegenheit im ähnlichen Sinne breit getreten" worden. Bezüglich der Marburger Presse konnte der dortige militärische Zensor die Redaktion der Soldatenzeitung aber beruhigen: Alle Stellen, die einen seiner "Ansicht nach ungerechtfertigten Ausfall gegen die Schriftleitung der Soldatenzeitung enthielten", waren auf Antrag der Militärzensur von der Staatsanwaltschaft gestrichen worden.157

Die Staatsanwaltschaft in Laibach warnte eindringlich vor den Konsequenzen, die der von der Soldatenzeitung jüngst eingeschlagene Kurs haben würde. Selbst wenn beide Artikel "amtlich beglaubigte Tatsachen" vorgebracht hätten, müsse diese Schreibweise dennoch "schon im Hinblicke auf das feindliche Ausland (die reichsitalienische Presse wird sich des Gegenstandes gewiss mit Schadenfreude bemächtigen!), sowie auch im Hinblicke auf das vollkommen korrekte Verhalten der slovenischen Presse und aller Volkskreise während des jetzigen Krieges lebhaft bedauert werden". Die Artikel der Soldatenzeitung "sowie die darauf bezughabende Presspolemik erscheinen geeignet, die schon vollkommen zur Ruhe gebrachte Nationalitätenfehde im Süden der Monarchie von neuem zum Ausbruche zu bringen".158

Die Empörung über die Auslassungen der Soldatenzeitung zog noch viel weitere Kreise und verursachte auch auf politischer Ebene einiges Aufsehen. Die Militärstellen in Bozen mußten erfahren, daß der Landesausschuß von Krain wegen der Angriffe des Blattes zu einer Sitzung zusammengetreten war und eine zweite Protestsitzung bevorstand.159 Das Wiener Kriegsüberwachungsamt, das den Abdruck und jede Besprechung der Artikel bereits im Einvernehmen mit den Laibacher Stellen untersagt hatte, fügte ergänzend hinzu, daß das Veröffentlichungsverbot auch auf die Meldung vom Protest des Landesausschusses anzuwenden sei.160

Auch das Kriegsministerium war durch zwei Beschwerdebriefe des slowenischen Reichsratsabgeordneten Korosec161 in die Affäre involviert worden. Das HGK Eugen retournierte die ihm zur Einsichtnahme übersandten Briefe und betonte, daß die Soldatenzeitung, nicht anders als "jede andere Zeitung" auch, ohnedies nur Artikel bringen dürfe, die von der Zensur freigegeben worden waren. Auch die Aufsätze über den slowenischen "Irredentismus" hätten der Überprüfung durch die Staatsanwaltschaft in Bozen standgehalten, von der weiteren Veröffentlichung solcher Artikel habe das Blatt aber auf Verlangen des HGKs mittlerweile Abstand genommen, um weitere "Rekriminationen" zu vermeiden.162

Auch aus den Reihen des Heeres wurde Widerspruch gegen die antislowenischen Anschauungen der Soldatenzeitung laut: Ein historisch beschlagener Hauptmann des Generalstabskorps163 erging sich in seitenlangen Richtigstellungen, bat um die Weiterleitung seiner Beschwerde an das Kriegspressequartier und ortete in den Ausführungen des Blattes einen Verstoß gegen die "Wahrheit der Geschichte und gegen den Geist des Gesetzes". Schließlich sei "der Slowene" doch "immer ein guter Soldat" gewesen und verdiene "schon wegen dieser Eigenschaft im Heere geschützt zu werden":164
 

"Ich erachte es für meine Pflicht als Soldat und treuer Sohn meiner Heimat, die Aufmerksamkeit [...] auf einen schweren Mißbrauch zu lenken, der [...] gewissermaßen von Dienstes wegen mit der propagandistischen Verbreitung der mit dem Geiste des Dienstreglements mit den österreichischen Verfassungsgesetzen und den Wahrheiten der exakten Geschichtsforschung kollidierenden 'Soldaten-Zeitung' bewirkt wird."165
Man ließ sich freilich von solchen Protestschreiben nicht aus der Ruhe bringen. Dem Verfasser des Briefes sprach man jedes Beschwerderecht ab, da dieses "nur für persönlich erlittenes Unrecht", aber keinesfalls dafür vorgesehen sei, "namens einer ganzen Nationalität Beschwerde zu führen, selbst wenn die Nationalität tatsächlich angegriffen worden wäre und der Beschwerdeführer ihr angehören sollte".166 Der verantwortliche Schriftleiter (also Robert Musil) bestritt, mit den Vorwürfen konfrontiert, jede herabsetzende Absicht. Der Aufsatz habe lediglich in Erinnerung rufen wollen,
 
"dass in Krain auch die Deutschen bodenständig seien, und dass die slovenische Sprache aus nationalistischen Gründen, die fast ausschliessliche Landessprache Krains geworden sei, obwohl sie sich erst im vorigen Jahrhundert zu einer vollkommenen Schriftsprache entwickelt habe. [...] Dass mit dem Aufsatze nur einzelne Politiker, Angehörige der Intelligenz und Zeitungen, keineswegs aber die stets loyalen, kaisertreuen slovenischen Bauern getroffen werden sollten, hätte in einem dritten Aufsatz ausdrücklich gesagt werden sollen, doch sei gerade dieser Aufsatz [...] nicht zugelassen worden."167
Die Absicht, irredentistische Strömungen publizistisch bloßzustellen, brachte das Blatt auch in Gegensatz zu kirchlichen Kreisen. So hatte ein am 15. Oktober 1916 in Nummer 19 veröffentlichter Artikel einen verärgerten Geistlichen dazu bewogen, die Soldatenzeitung zur Aufnahme einer Entgegnung aufzufordern. Wie im erwähnten Fall des slowenischen Hauptmanns sah die Schriftleitung aber auch hier keine Veranlassung, der Beschwerde zu entsprechen. Die eingesandte Entgegnung gehe in ihrer detailreichen Weitläufigkeit nicht nur weit über den Rahmen einer vom Pressegesetz eingeräumten Berichtigung hinaus, sondern entbehre überhaupt jeder rechtlichen Grundlage.168

Der "Der Spion als Pädagoge" betitelte Artikel habe, so teilte die Redaktion mit, "keineswegs irgend eine Spitze gegen die von Euer Hochwürden vertretene Kongregation [die Salesianer, R.U.] haben" sollen. Er wollte vielmehr, "wie aus dem gesamten Inhalte ersichtlich ist, nur eine der Formen, in der die irredentistische Bewegung in Oesterreich Eingang gefunden hat, aufdecken und für die Zukunft ausschließen." Außerdem habe sich der Artikel "gegen eine einzelne Person [gerichtet], die nach den der Schriftleitung vorliegenden Informationen den Verdacht irredentistischer Betätigung mit Recht verdient hat".169

Die Einstellung der Soldatenzeitung

Es überrascht angesichts solcher Reaktionen kaum, daß die Blütezeit des Militärblattes unter der neuen Leitung kaum länger als ein dreiviertel Jahr dauerte. Die Kriegszeitung stellte ihr Erscheinen bereits im Frühjahr 1917 plötzlich ein: Am 15. April verließ mit der Nummer 45 die letzte Ausgabe der Soldatenzeitung die Druckerei - ein bemerkenswertes Sonderkapitel der Tiroler Pressegeschichte war damit beendet.170 Ein "Vermächtnis" übertitelter Abschiedsartikel setzte die Leserschaft ohne genauere Angabe von Gründen über die Auflösung des Blattes in Kenntnis. Statt dessen liest sich der von Musil selbst verfaßte Artikel wie eine retrospektive Programmatik der Soldatenzeitung.171

Hinsichtlich der Frage, was zur Einstellung der augenscheinlich erfolgreichen Soldatenzeitung geführt hatte, gibt der Schriftverkehr der Tiroler Zivilbehörden keinen Anhaltspunkt. Erst die Heeresakten geben Aufschluß über die tatsächlichen Motive, die dem raschen Ende der Soldatenzeitung zugrunde lagen. Die Umstrukturierungen und Verschiebungen der militärischen Einheiten, in erster Linie die vorangegangene Verlegung des HGKs GO Erzherzog Eugen, dessen Presseabteilung lange Zeit als Herausgeber der Soldatenzeitung fungiert hatte,172 hatten die Auflösung des Blattes nötig gemacht.173 Schon im März 1917 war der Weiterbestand des Blattes durch "grundlegende Umgruppierungen in den Kommanden" in Frage gestellt worden. Der bisherige Generalstabchef Conrad von Hötzendorf war Anfang März seines Postens enthoben und statt dessen zum Heeresgruppenkommandanten von Tirol ernannt worden. Mitte März 1916 wurde das Kommando der Südwestfront wiedererrichtet und Erzherzog Eugen unterstellt.174

Eine Fortführung des Blattes wie bisher war unter den geänderten Rahmenbedingungen auf Dauer nicht mehr zu bewerkstelligen, eine Übersiedelung von Redaktion und Druckerei nach Marburg, wo das HGK Eugen nun seinen Sitz hatte, schien ausgeschlossen, "die Leitung durch das Kommando der Südwestfront in Bozen technisch nicht durchführbar".175 Wollte man die drohende Einstellung der Soldatenzeitung abwenden, mußte rasch ein geeigneter Ausweg gefunden werden.

Das Vorhaben, das Blatt zu diesem Zwecke überhaupt einem privaten Unternehmen zu übertragen, verlief im Sande; die Gespräche mit dem Elbemühl-Verlag "führten zu keinem befriedigenden Ergebnis".176 Vor allem in der Frage, wie weit die militärische Redaktion im Falle einer Übernahme der Verlagsleitung unterstellt wäre, gelangte man zu keiner für beide Seiten tragbaren Lösung. Zwar war der Elbemühl-Verlag bereit, sich dazu zu verpflichten, die Zeitung "im gleichen Geiste während des Krieges weiterzufuehren", zu darüber hinausgehenden Konzessionen ließ er sich aber nicht bewegen. In "allen anderen redaktionalen Fragen", so teilte man den Militärs fest, wäre "die militärische Redaktion an die jeweilige Entscheidung des Verlages zu binden"; andernfalls stünde das "Verlegerrisiko in keinem Verhältnis" zu den Rechten und Interessen des Verlages.177

Das Armeeoberkommando überließ es Ende März 1917, nachdem sich die Privatisierungspläne zerschlagen hatten, dem HGK Conrad, über Fortbestand oder Auflösung der Soldatenzeitung zu entscheiden. Nach zwei Wochen reagierte Conrad auf das Telegramm, das ihm beide Optionen offen ließ:178 Am 10. April 1917 verfügte er die Einstellung der Soldatenzeitung, die am 15. April ein letztes Mal erscheinen konnte. Bereits Tags darauf wurde die Versetzung Musils zur Auszeichnungsabteilung des Kommandos der Südwestfront angeordnet.179

Folgt man der Einschätzung der regionalen Presse, verbargen sich hinter dem Ende des Blattes jedoch noch ganz andere Gründe. Der Allgemeine Tiroler Anzeiger etwa gab sich vom plötzlichen Aus wenig überrascht: Wer die Soldatenzeitung aufmerksam gelesen habe, dürfte "schon seit einiger Zeit dieses Ende erwartet haben. Seit es die Redaktion nämlich für gut fand, in hoher Politik zu machen und in schärfster Form für den Zentralismus und gegen die Länderautonomie Stellung zu nehmen, konnte ihr Ende für besiegelt gelten."180

Für den inhaltlichen Wandel hatte das Innsbrucker Tyrolia-Blatt bereits einen Schuldigen ausfindig gemacht: Die Soldatenzeitung habe ihre "politisierende Richtung [...] besonders stark hervorgekehrt, seit ihrer Redaktion der Vorarlberger Schriftsteller Ritter angehört". Was in Wirklichkeit ein unübersehbarer Qualitätssprung nach vorne war, galt dem Tiroler Anzeiger als beklagenswerte Verschlechterung: "Als wirkliches Soldatenblatt gegründet u. lange schneidig gehalten, ist die 'Soldaten-Zeitung', seit die hohe Politik von ihr geritten wurde, inhaltlich stark zurückgegangen und es entsprachen die Leistungen in keiner Weise mehr dem aufgewendeten Personalstande. Auf jeden Fall ist zu bedauern, daß das ehemals so schöne Soldatenblatt ein solches Ende nehmen mußte."181

Für die Innsbrucker Nachrichten stand ebenfalls außer Streit, daß die Soldatenzeitung "daran zugrunde gegangen" sei, "daß sie Tagespolitik treiben wollte".182 Mit der Vermutung, daß sich das Heeresgruppenkommando des unerwünscht vorbreschenden Blattes entledigen wollte, traf die Innsbrucker Zeitung jedoch nur einen Teil der Wahrheit.

Es mag sein, daß die Schärfe, mit der die Soldatenzeitung ihre politischen Ziele verfolgte, in der Tat über das von der militärischen Führung beabsichtigte Maß hinausschoß; sicher ist zumindest, daß die Reaktionen auf das Blatt deutlich heftiger ausfielen, als die Militärs vermutet hatten. Wahrscheinlicher aber als ein das Kommando kompromittierender Alleingang der Redaktion scheint, daß der Konfrontationskurs des Blattes von Anfang an den Rückhalt der übergeordneten Stellen hatte. Daran konnte selbst die Affäre Manci nichts ändern. Das Militärkommando war bereit, die Blattlinie auch angesichts empörter Gegenreaktionen noch monatelang mitzutragen. Die Entfernung Schagers war nicht mehr als eine Geste des Entgegenkommens, die das Einvernehmen der militärischen und zivilen Stellen wiederherstellen sollte.

Erst als sich dem Militär im Frühjahr 1917 die Frage stellte, wie die Zeitung nach den Umgruppierungen an der Südwestfront am besten weitergeführt werden könne, entschloß man sich, von der weiteren Herausgabe abzusehen. Jetzt erst ließ man das Blatt, das in und außerhalb Tirols mehr Aufsehen erregt hatte, als den Militärs lieb sein konnte, endgültig fallen. Nicht ohne zuvor nach einer Möglichkeit, den Fortbestand des Blattes auf anderem Wege zu sichern, zu suchen. Mit der Arbeit der Schriftleitung zeigte man sich jedenfalls zufrieden: Die Beförderung zum Landsturmhauptmann am 1. November desselben Jahres, die Belobigung und Auszeichnung mit dem Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens sowie die weitere Laufbahn Musils beim KPQ bzw. als Redakteur des Wiener Militärblattes Heimat zeigen, daß man die Schwierigkeiten, die die Soldatenzeitung den Militärs beschert hatte, nicht dem Vorgehen der Redaktion anlastete.183

Dafür spricht etwa auch der Umstand, daß Musil nicht zögerte, sich, Jahrzehnte später, mit einem Bittschreiben bezüglich seines Pensionsgesuchs an seinen früheren Vorgesetzten General Alfred Krauss zu wenden, in dem er auf die verdienstvolle Arbeit bei der Soldatenzeitung verwies: Das Blatt sei "immer in einer sehr freimütigen Weise und, wenn ich nicht irre, in Ihrem Sinne für den engsten Anschluß an Deutschland eingetreten [...]. Ich bin für diese Dienstleistung als Oblt. mit dem R.K. des FJO. ausgezeichnet worden."184 In einem weiteren Schreiben führte Musil im Mai 1938 seine Leistungen als Schriftleiter der Soldatenzeitung ins Treffen: Er betonte, daß er "auch schon während des Krieges [...] als Herausgeber und Schriftleiter der 'Soldatenzeitung' [...] auf die engste Einheit zwischen den beiden Reichen, die damals zu fördern möglich war, hingewirkt habe. Das ist, soviel ich weiß, nach den Intentionen des Herrn Generals der Infanterie Alfred Krauss geschehen, der [...] sich meiner Tätigkeit vielleicht noch erinnern dürfte."185

Auch wenn eine andere Briefpassage vermuten läßt, daß die Abberufung aus Bozen nicht ohne persönliche Verstimmung Musils vor sich gegangen ist,186 erfolgte die Einstellung der Soldatenzeitung also nicht, wie Innsbrucker Nachrichten und Tiroler Anzeiger suggerierten, als Strafmaßnahme gegen eine eigenmächtig agierende Redaktion, sondern war vielmehr die Folge organisatorischer Neuerungen. Das unerwartet heftige Echo, das der politische Kurs gefunden hatte, mag aber dazu beigetragen haben, daß die Bemühungen, die Zeitung weiterzuführen, eher halbherzig betrieben und schließlich aufgegeben wurden. Unter dieser Perspektive scheint es sogar wahrscheinlich, daß das vorzeitige Ende der Soldatenzeitung in der Tat das indirekte Resultat ihrer politischen Ausrichtung war.

Die Reaktion der Innsbrucker Nachrichten

Die Formulierungen, mit denen die Innsbrucker Nachrichten die Einstellung des Militärblattes kommentierten, fielen - hinsichtlich der politischen Zielrichtung und des journalistischen Stils der Soldatenzeitung - durchaus ambivalent aus: Zum einen bedauerte das Innsbrucker Blatt das Aus der Armeezeitung und verwies auf die Soldaten, denen nun die Möglichkeit zur journalistischen Mitgestaltung genommen war. Für die ideologischen Grundzüge des Militärblattes fand man vorsichtig wohlwollende Worte; das deutschfreiheitliche Innsbrucker Blatt begrüßte den Umstand, daß die Soldatenzeitung "von Deutschen, ja sogar von nationalen Deutschen gemacht" worden sei.187 Für die Innsbrucker Nachrichten kam das Ende des Militärblattes deshalb im April 1917 verfrüht, auch wenn man gegen die Einstellung keine prinzipiellen Einwände vorzubringen hatte: "Wir hätten uns sehr gewünscht," schrieben sie, "daß die 'Soldaten-Zeitung' noch kurze Zeit über die Eröffnung des Reichsrats hinaus angehalten hätte."188

Das Bedauern über die überraschende Einstellung der Soldatenzeitung hielt sich spürbar in Grenzen. Das Verhältnis der Tiroler Regionalpresse zum Militärblatt war in der letzten Phase seines Erscheinens offensichtlich nicht frei von Spannungen. Wo die politische Linie, die die Soldatenzeitung unter der Leitung Musils verfolgte, den Anschauungen der Tiroler Zeitungen zuwiderlief, waren zuletzt auch kritische Stimmen seitens der zivilen Blätter laut geworden.189 Vor allem die Art, wie das Blatt sein Ziel, die Reichseinheit zu fördern, verfolgte, mußte den Widerspruch auch der Tiroler Kronlandspresse herausfordern. In der Propagierung ihrer zentralistischen Anschauungen ging die Soldatenzeitung sogar so weit, daß sie "selbst die Eigenständigkeit der einzelnen deutschsprechenden Kronländer zugunsten des Reichsganzen zurückgestellt wissen" wollte. In das Gesamtbild dieses politischen Programms fügt sich daher auch nahtlos die Entscheidung, den Namen Tirol aus dem Zeitungstitel zu streichen.190 Es kann nicht überraschen, daß eine solche Position die Kritik der regionalen Presse wach werden ließ - ungebetener Widerspruch, den das militärische Organ zum Ärger der Tiroler Redakteure kommentarlos überging:
 

"[...] die 'Soldaten-Zeitung' verkündete ihre Grundsätze gleichsam ex cathedra, und ein Widerspruch der Leute, denen sie deren Aufnahme zumutete, war ausgeschlossen. Die Blätter des Hinterlandes freilich hatten dafür desto mehr auszusetzen; aber auch mit diesem hielt die Schriftleitung Feldpost 623 eine Erörterung der strittigen Punkte augenscheinlich nicht für angebracht."191

Zum Selbstverständnis der Soldatenzeitung

Die Leitung der Soldatenzeitung gab sich hinsichtlich der Konsensfähigkeit ihrer Politik keinen Illusionen hin. Sie war sich völlig darüber im Klaren, daß die von ihr vertretenen Positionen viele vor den Kopf stoßen mußten. Die Soldatenzeitung habe, so schrieb Musil in der letzten Ausgabe vom 15. April 1917 (Nr. 45) bilanzierend, "viele Freunde und Feinde gehabt", und man gebe "den Feinden gut und gerne zu, daß alles, was sie an ihr getadelt haben mochten, berechtigt war, soweit es ihr [...] Tun und Können betraf." Jeder Kritik an der inhaltlichen Linie jedoch sprach er ihre Berechtigung ab. An den Grundsätzen, "nach denen eine wahrhaft österreichische Zeitschrift zu führen sei", sei nicht zu rütteln.

Welcher Art war nun diese politischen Gewichtung des Militärorgans, die weit über die Grenzen Tirols hinaus Wellen schlug? "Die Starrheit des Staates, die unbewältigte Nationalitätenfrage und dadurch das Problem des Irredentismus, die Parteienmißwirtschaft, die bürokratische Trägheit und die Klientelwirtschaft sind die Hauptthemen, die in allen von Musil geschriebenen Artikeln in der Soldatenzeitung wiederkehren."192 Vor allem die Propagierung einer "starken staatlichen Zentralgewalt"193 in einem von Grund auf reformierten "Neuen Österreich" verlieh seiner redaktionellen Tätigkeit und der Soldatenzeitung "organischen Charakter".194 Nur die innere Erneuerung würde es ermöglichen, die Übel der alten Monarchie, die Musil vornehmlich in den lähmenden Partikularinteressen der Parteien und Nationalitäten ausgemacht zu haben meinte, zu überwinden.195

Punkt für Punkt breitete Musil sich nun in seinem letzten Artikel "Das Vermächtnis" über die weltanschaulichen Grundpositionen aus, die die Soldatenzeitung unter seiner Leitung verfolgt hatte. Damit brachte er zuletzt das unausgesprochene Selbstverständnis seiner vorangegangenen Tätigkeit offen zum Ausdruck. Für ihn war die Rechnung, daß man im Vertrauen auf das freie "Kräftespiel der widereinanderstreitenden Parteien [...] schließlich von selbst zu einem alle Bedürfnisse leidlich abwägenden Gleichgewichtszustand" gelangen würde, nie aufgegangen,
 

"weil ein Hauptbestandteil nie richtig eingesetzt wurde: der Staat. [...] die Rechnung hat niemals eine Lösung, wenn der Gedanke an den Staat nicht schon ihre Anlage bestimmt und sie in allen Gliedern durchdringt, wenn sie nicht von Anfang an staatlich gedacht ist. Was das heißt, haben wir uns mit schwachen Kräften bemüht verständlich zu machen. [...] Wenn wir nun [...] dazu gekommen sind, bestimmte solche Veränderungen der inneren Ordnung besonders zu behandeln - zum Beispiel alles was eine zentralistisch gedachte Staatsgewalt gegenüber der föderalistischen Praxis stärken könnte, oder eine nüchtern rücksichtslose Behandlung der Irredentafragen, endlich eine Unterordnung der nationalen Probleme unter die des Staates - so wollten wir damit nie für bestimmte Lösungen als die einzig richtigen eintreten, sondern trachten, vor allem erst dazu anzuregen, daß über diese Fragen so erst nachgedacht werde, wie sie es verdienen. [...] Die öffentliche Meinung ist dermaßen befangen in Gedankenlosigkeit [...], daß sie die Sprache des unbefangenen Wahrheitswillens kaum mehr versteht und sich unwillkürlich in ihrer Weise, daß heißt wieder als eine Parteinahme, zurechtlegt. Aus diesem Grunde waren wir auch verurteilt, vorwiegend zweifelnd und verneinend zu erscheinen, indem wir zuerst auf die Hindernisse hinweisen mußten, die sich im Charakter des Österreichers einer [...] Behandlung aller dieser Probleme entgegenstellen."196
Wenn Musil für die Führung der Soldatenzeitung den Ethos "unbefangenen Wahrheitswillens" in Anspruch nahm, ließ er freilich den propagandistischen Auftrag seiner Arbeit stillschweigend unter den Tisch fallen.197 Die wahre Natur der Soldatenzeitung bringt Karl Corino in seiner Analyse eines der ersten Aufsätze Musils für das Blatt, der noch im Juli 1916 erschienenen Gefechtsschilderung "Aus der Geschichte eines Regiments", auf den Punkt: Der Text "ist wie die allermeisten dieses Blattes in propagandistischer, agitatorischer, im weitesten Sinne politischer Absicht geschrieben: er sollte die Kampfmoral heben (das moralische Niveau also senken), er war ein Akt psychologischer Kriegsführung."198 Für Corino ist der Artikel - nebenbei bemerkt "wahrscheinlich das einzige Stück erzählender Prosa", das Musil während des Krieges veröffentlicht hat199 - zugleich "ein Kapitel aus der Geschichte manipulierender Rede, [...] alles in allem ein Exzess, den man einem Autor seiner moralischen Sensibilität nicht ohne weiteres zugetraut hatte".200

Dennoch bewegte sich das Blatt inhaltlich wie stilistisch auf bemerkenswert hohem Niveau, das sich deutlich von der Schreibweise anderer Feldzeitungen, die ihre Ausdrucksweise im "Plauderton" an die oft derbe soldatische Sprache anlehnten und zumeist nicht mehr als "eine leicht verdauliche Menge geistiger Nahrung" liefern wollten, abhob.201 Die Soldatenzeitung fand zwar den Beifall ihrer Leser, doch dürfte sie durch den Schwierigkeitsgrad der Texte in ihrer Propagandafunktion einiges an Effektivität eingebüßt haben. Ob die agitatorische Botschaft das Publikum in gewünschter Weise erreichte, scheint daher fraglich: "Bedenkt man den damaligen durchschnittlichen Bildungsstand der Frontsoldaten, liegt die Frage nahe, wer die Soldatenzeitung gelesen, oder besser verstanden hat."202 Zu Musils Beiträgen merkt Corino in diesem Sinne an, daß sie sprachlich "alles in allem, anspruchsvoller" als vergleichbare Artikel seien und "eben dadurch problematisch" würden.203

Diese Erwägungen bleiben aber schlichte Spekulation: Das Aktenmaterial liefert keinerlei Hinweis, daß die propagandistische Schlagkraft des Blattes hinter den Erwartungen der Militärs zurückgeblieben wäre. Man war, wie bereits gezeigt, im Gegenteil mit Ausgestaltung, Verbreitung und Beliebtheit der Soldatenzeitung überaus zufrieden. Die Einschätzung der militärischen Stellen geben freilich über die tatsächliche Propagandawirkung nur ungenügend Aufschluß.

Bleibt noch zu klären, wie weit die vom Blatt verfolgte politische Linie mit den persönlichen Ansichten seines Schriftleiters, der sich "offenbar tatkräftig im Sinne der ihm gestellten Aufgaben eingesetzt" hat, übereinstimmte.204 Giovannini gelangt, die Aufsätze Musils mit seinen vor und nach dem Krieg verfaßten Texten vergleichend,205 zur Überzeugung, daß seine Arbeiten für die Soldatenzeitung zwar als "militärische Pflichtübungen" dezidiert agitatorische Absichten verfolgten, doch im Grunde "durchaus seinen gesellschaftlich-politischen Anschauungen" entsprachen.206 Seine "beißende Kritik an den innenpolitischen Vorgängen" lag demnach parallel "zu den Interessen seiner militärischen Vorgesetzten".207 Musils Positionen waren demnach weitestgehend im Einklang mit den Propagandaabsichten seiner Befehlsgeber.

Resümee

Die Entwicklung, die die (Tiroler) Soldatenzeitung im Laufe ihres zweijährigen Erscheinens genommen hat, spiegelt nicht nur die wachsende Erkenntnis der Militärs wider, wie wichtig und wirksam der Einsatz moderner Manipulationsmittel für Kriegsführung (und Politik) geworden waren. Als einem der bedeutendsten Militärblätter der Monarchie dürfte in diesem Prozeß vielmehr der Soldatenzeitung selbst eine nicht unwesentliche Rolle zugefallen sein: Nicht zuletzt an ihrem Fall begann sich das (freilich schon 1914/15 vorhandene) Bewußtsein der Heeresleitung über den kriegspsychologischen Stellenwert propagandistischer Lenkungsinstrumente immer deutlicher auszuprägen. Der Ausbau der (Tiroler) Soldatenzeitung, die Neubestimmung und Ausdehnung ihrer Aufgaben lassen sich so als Suche nach den weitestreichenden Einsatzmöglichkeiten und der geeignetsten journalistischen Form begreifen, die die Zeitung vom bescheidenen Mannschafts- zum politisch-ideologischen Propagandablatt werden ließ, dessen Zielsetzung - parallel zu den hochtrabenden politischen Ambitionen der HGKs Eugen - weit über die unmittelbare Kriegsführung hinausreichte. Mit dem politischen Agitationskurs, der dem Blatt unerwartet heftige Proteste von verschiedenster Seite eingetragen hatte, scheint man sich jedoch etwas zu weit vorgewagt zu haben, sodaß die Bemühungen, die Zeitung auch nach der Umgruppierung der Südwestfront weiterzuführen, nur noch halbherzig ausfielen. 

 
 
1Dieser Beitrag ist ein (für die vorgezogene Veröffentlichung leicht überarbeiteter) Kapitelauszug aus einer im Rahmen des Innsbrucker Forschungsprojekts "Tirol im Ersten Weltkrieg" entstehenden Studie zur Geschichte der politischen Presse Tirols im Ersten Weltkrieg.
2Vgl. dazu: Roman Urbaner, Presse und Krieg. Die Tiroler Presse im Ersten Weltkrieg - Ein Arbeitsbericht, in: Relation 7 (2000), Nr. 1 und 2, 145-167, hier: 152f.
3Dies gilt auch für die Sicht der Behörden, die die Tiroler Soldatenzeitung im Regelfall in ihren Listen und Tabellen zum Tiroler Pressewesen nicht anführten.
4Ab September 1915 löst die Abbildung eines Tiroler Adlers das Landeswappen in der Titelzeile ab.
5Kriegsarchiv (im folgenden zit. als KA) im Österreichischen Staatsarchiv (im folgenden zit. als ÖStA): ÖStA, NFA im KA; Kart. 492, Rub. 16-9/35-87; Kmdo der Südwest-Front (I), 1916; 3-4.
6Später scheint die Presseabteilung des HGK GO Erzherzog Eugen, Feldpost 239 (früher Feldpost 93), als Herausgeber auf; vgl. Tiroler Landesarchiv (im folgenden zit. als TLA): TLA, Statth., Präs., XII 78 c1, 1917, 1594.
7Tiroler Soldatenzeitung, 2.6.1915, 1, 1.
8Arbeiterwille, 6.9.1916, 245, 2. Aufl., 1.
9Tiroler Soldatenzeitung, 8.6.1915, 4, 1.
10Die Soldatenzeitung brachte in ihrer Weihnachtsbeilage 1915 Beiträge von Karl Schönherr und Albin Egger-Lienz. Heinrich Wörndle, Hans Mahl, Arthur von Wallpach, Bruder Willram, Rudolf Greinz, Heinrich von Schullern und Klara Pölt-Nordheim sowie die Maler Hans Josef Weber-Tyrol und Arthur Nikodem steuerten ebenfalls Aufsätze, Gedichte und Bilder bei. Siehe etwa: Tiroler Soldatenzeitung, 22.12.1915, 89-93; 6.7.1915, 13, 1-2; 23.11.1915, 73/74, 1-2; ÖStA, NFA im KA; Kart. 492, Rub. 16-9/35-87; Kmdo der Südwest-Front (I), 1916; 2-3. Der Bericht erwähnt weiters: Hugo Salus, Obstlt. Merkh, Th. von Sosnosky, Marie delle Grazie, Dr. Otto Rudl; als künstlerische Mitarbeiter werden auch Riess und Rizzi genannt; siehe auch: Alessandro Fontanari / Massimo Libardi, La guerra come sintomo. Esperienza e scrittura: Robert Musil 1916-1917, in: Robert Musil, La guerra parallela, Trento 1987, 201-255; hier: 224 und FN 38, 251-252; hier zusätzlich als Mitarbeiter angeführt wurden Franz Karl Ginskey und Alfred Kerr. Auch die zweite Militärzeitung der Südwest-Front, die Karnisch-Julische Kriegszeitung, brachte Beiträge Tiroler Autoren, obwohl sie in Kärnten und nicht in Tirol herausgegeben wurde: so beispielsweise von Oskar Blobel (Karnisch-Julische Kriegszeitung, 20.7.1915, 7, 6) oder von Rudolf Greinz (ebenda, 15.7.1915, 6, 7).
11Der Bericht nennt M. Mayr, v. Skala, W. Erben und F. Leitner; siehe: ÖStA, NFA im KA; Kart. 492, Rub. 16-9/35-87; Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, 2.
12Ebenda, 2.
13Tiroler Soldatenzeitung, 20.2.1916, 121-125.
14Nachgewiesen werden konnte die Existenz dieser Nebenausgabe laut ÖZDB jedoch nur für den 2. und 22. April 1916: Tiroli Katona-ujság, 2.4.1916, 3 und 22.4.1916, 4.
15Richard Hellmann / Kurt Palm, Die deutschen Feldzeitungen, Freiburg i. Br. 1918, 12-13; vgl. Kriegszeitung der k.u.k. 10. Armee, 17.8.1918, 39-41, 20.
16Die ÖZDB führt für die Tiroli Katona-ujság auch keinerlei Bestandsangaben an.
17ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-87, 1. Die ÖZDB enthält keinen Hinweis auf die italienischen Ausgaben.
18ÖStA, NFA im KA, Kart. 1852, HGK Conrad, 1917, Mappe zur Soldatenzeitung; Bilanz Dr. Alfred Rapoports vom 16.7.1916.
19ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-51.
20Hellmann/Palm, 73.
21Im Zettelkatalog der Österreichischen Nationalbibliothek scheint die Gartseewacht unter der Signatur 515.214-D zwar noch auf, das Exemplar ist heute jedoch nicht mehr vorhanden.
22Das Blatt erschien unter der Leitung von Regimentsarzt Dr. Pahl, Oberleutnant Weber und Landsturmarzt Dr. Merz. Herstellung und Verwaltung überwachte Oberleutnant Dr. Kohn, und die technischen Arbeiten besorgte die Kanzlei des Festungsspitals in Riva; siehe: Hellmann/Palm, 73;
23Die Feldzeitung des deutschen Alpenkorps erschien erstmals am 14.2.1917, der Fortbestand des Blattes ist zumindest bis zum März 1918 dokumentiert; siehe: Hellmann/Palm, 29.
24ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-87, 1-2.
25Tiroler Soldatenzeitung, 6.8.1916, 9, 3.
26Die Herausgabe der inzwischen untersagten Extraausgaben konnte nur dank einer Sondererlaubnis und mit dem Namen Abendausgabe der Tiroler Soldatenzeitung erfolgen. Bei den gezeigten Feldzeitungen handelte es sich nach eigener Angabe um eine Sammlung "aller bei unseren und dem deutschen Heere sowie in den besetzten Gebieten erscheinenden Kriegszeitungen." ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-87, 6-7; und ÖStA, NFA im KA, Kart. 1852, HGK Conrad, 1917, Mappe zur Soldatenzeitung; Rapoport an HGK Eugen vom 2.11.1916.
27Bernd Ulrich, Die Augenzeugen. Deutsche Feldpostbriefe in der Krieg- und Nachkriegszeit 1914-1933 (= Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte, Neue Folge, Bd. 8), Essen 1997; hier: 39, 50-51.
28Hubert Hager, Kriegsberichterstattung, Propagandatruppe und das Feldzeitungswesen. Inhalt und Frontrealität im Vergleich. Untersucht am Beispiel der Armeepresse der 2. Pz-Armee im Ostfeldzug 1941-1943 im Rahmen der Pz. Pk. 693, Dipl.-Arbeit, Salzburg 1992, 96.
29Hager, 96-99, 105-106.
30Die Soldatenzeitung der k.u.k. 1. Armee war auf Anregung des AOKs am 17.11.1914 erstmals erschienen und nach 85 Nummern am 22.5.1915 das letzte Mal herausgegeben worden; siehe: ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-87, 1.
31Ebenda; Mit dem in der Feldbuchdruckerei der Q-Abteilung des AOKs hergestellten Feldblatt ist zumindest für eine (Mitte 1916 noch bestehende) Feldzeitung ein früherer Entstehungszeitpunkt belegt; die erste Ausgabe dieses Blattes war bereits am 26.10.1914 erfolgt; siehe: ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-4 I (Liste vom 1.7.1916).
32Börsenblatt, 1915, Nr. 235, 1357; zit. nach: Inge Ehringhaus, Die Lektüre unserer Frontsoldaten im Weltkrieg, (= Neue Deutsche Forschungen, Abteilung Neuere Deutsche Literaturgeschichte, Bd. 30) Berlin 1941, 74; vgl. auch 75.
33Lienzer Nachrichten, 10.12.1915, 92, 3. 27
34Ebenda; Arbeiter, 16.12.1915, 50, 1-2; vgl. Ehringhaus, 27, 40, 44-45, 79; Der Landesstelle wurde später die Leitung der Kriegshilfsabteilung der Statthalterei, Gruppe für Feldbibliotheken und Soldatenheime, übertragen; siehe Innsbrucker Neueste, 29.4.1917, 115, 3.
35ÖStA, NFA im KA, Kart. 1852, HGK Conrad, 1917, P 79.
36Ebenda.
37Ehringhaus, 13-17.
38Ebenda; 17.
39Innsbrucker Neuste, 29.4.1917, 115, 3.
40Vgl. Kriegszeitung der k.u.k. 10. Armee, Inhaltsregister des 3. Jahrgangs 1917/1918.
41Tiroler Soldatenzeitung, 2.6.1915, 1, 1.
42Eine solche Beilage erschien erstmals in: Tiroler Soldatenzeitung 17.7.1915, 16/17; unter der Bezeichnung "Literarische Beilage" ab: ebenda, 31.7.1915, 22/23.
43Etwa: Literarische Beilage, 3 in: Tiroler Soldatenzeitung, 30.10.1915, 63-64.
44Vor allem seit Anfang 1916 ging man vermehrt dazu über, auch Fotografien abzudrucken.
45ÖStA, NFA im KA; Kart. 492, Rub. 16-9/35-87; Kmdo der Südwest-Front (I), 1916; 1, 3-4, 7.
46Ebenda, 7.
47Ebenda.
48Ebenda, 7-8. Es handelt es sich um den bekannten Historiker, späteren Unterrichtsminister (1929/30) und Mitglied des "Großdeutschen Reichstags" (1938-45) Heinrich Ritter von Srbik (1878-1951).
49Tiroler Soldatenzeitung, 6.8.1916, 9, 9; ÖStA, NFA im KA, Kmdo der Südwest-Front (I) 1916, Rub. 16-9/35-87; 5: Mit der Aufnahme von Anzeigen wurde schon am 15.6.1916 begonnen.
50Tiroler Soldatenzeitung, 4.3.1916, 133/134, 7; bzw. ebenda; 14.4.1916, 144, 4.
51Tiroler Soldatenzeitung, 6.8.1916, 9, 4; vgl. Elena Giovannini, Robert Musils Beiträge in der "Soldatenzeitung". Propaganda und kritische Ironie im Vergleich, Tesi di Laurea, Università degli Studi "Gabriele d'Annunzio", Pescara 1986/1987, 49; siehe auch die Kurzfassung dieser Arbeit: diess., Der Parallel-Krieg. Zu Musils Arbeit in der "Soldatenzeitung", in: Musil-Forum 13-14 (1987/88), 88-99.
52Ebenda, 4.
53ÖStA, NFA im KA, Kart. 1852, HGK Conrad, 1917, P 271.
54Tiroler Soldatenzeitung, 6.8.1916, 9, 3; Giovannini, Robert Musils Beiträge, 50-51.
55ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-87, 3; Ein früherer Bericht spricht von anfangs 4.000, dann 6.000, und schließlich 21.000 Exemplaren; siehe ebenda; Rub. 16-9/35-21.
56Ebenda, 4.
57ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-87, 3.
58Ebenda; Rub. 16-9/57-2.
59TLA, Statth., Präs., XII 78 c4, 1916, 6192/2; vgl. auch Nikolaus Kogler, Zwischen Freiheit und Knebelung. Die Tagespresse Tirols von 1914 bis 1947 (= Tiroler Wirtschaftsstudien, Bd. 53), Innsbruck 2000, 182f.;
60Damit lag die Auflage der Soldatenzeitung laut der Auflistung bei Hellmann/Palm zwar deutlich unter der der größten deutschen Kriegszeitungen (wie der Liller Kriegszeitung mit 86.000 Stück und der Zeitung der 10., bzw. 7. Armee mit 50.000 bzw. 40.000 Exemplaren), sie erreichte aber in etwa dieselbe Auflagenhöhe wie die anderen bedeutenderen Kriegszeitungen Deutschlands. Die Auflagenzahl der Karnisch-Julischen Kriegszeitung von maximal 10.000 Stück überragte die Soldatenzeitung bei weitem. (siehe: ÖStA, NFA im KA, Kart. 492; Kmdo. der Südwest-Front (I) 1916, Rub. 16-9/35-49); Über die anderen österr.-ung. Armeezeitungen liegen mir keine Angaben vor. Vgl. TLA, Statth., Präs., XII 78 c4, 1916, 1702/4; Auflagenausweis der Statthalterei vom vierten Quartal 1916; bzw. Urbaner, 51-52, 166-167.
61TLA, Statth., Präs., XII 78 c1, 1917, 1594.
62Karl Dinklage, Musils Herkunft und Lebensgeschichte, in: ders. (Hg.), Robert Musil. Leben-Werk-Wirkung, Wien 1960, 187-264, hier: 228.
63Dietmar Grieser, Musil, "Grigia" und das Fersental, in: Das Fenster, H.17, Winter 1975/1976, 1750-1756; hier 1752.
64Soldatenzeitung, 18.8.1916, 10; Die Namensverkürzung war bereits seit 30. Juni 1916 geplant: Dinklage 228.
65Ebenda.
66TLA, Statth., Präs., XII 78 c1, 1917, 1594; darin heißt es zum inhaltlichen Programm: "Sie soll den im Felde stehenden Offizieren und Soldaten einen Ueberblick über die wichtigsten kriegerischen und politischen Ereignisse bieten und gleichzeitig die Soldaten durch Aufnahme von belehrenden Aufsätzen aus allen Gebieten, die die soldatischen und bürgerlichen Tugenden heben können, erziehen und ihnen insbesonders auch Ratschläge auf allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens geben."
67Ebenda.
68ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-57.
69TLA, Statth., Präs., XII 78 c1, 1917, 1594; erstmals im Impressum genannt wurde Musil in: Soldatenzeitung, 8.10.1916, 18.
70Dinklage, 225-227; Giovannini, Robert Musils Beiträge, 33-38; Fontanari/Libardi, 216.
71Giovannini, Robert Musils Beiträge, 47-49; vgl. Dinklage, 224.
72Dinklage, 217-218.
73Giovannini, Robert Musils Beiträge, 43/44, geht davon aus, daß Musil dieser Besprechung bereits beiwohnte; Dinklage, 227, erwähnt hingegen, daß erst ein am 18./19. Juni 1916 angeforderter Akt über die bisherige Entwicklung der Blätter erstmals die Unterschrift Musils trägt. Mit Sicherheit nahmen Heinrich Juster und Alois Cavaler an dem Treffen teil; siehe: ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-2 und -3.
74ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35(-1).
75Ebenda.
76An anderer Stelle wurde, vermutlich fälschlich, der 18.7.1916, bzw. der 28.7.1916 angegeben: ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916; Rub. 16-9/35-20; bzw.16-9/35-35.
77Ebenda; Rub. 16-9/35-12; vgl. Dinklage, 227.
78Dinklage, 227.
79Tiroler Soldatenzeitung, 30.6.1916, 187.
80ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-18.
81Tiroler Soldatenzeitung, 6.8.1916, 9; Für die Ausgabe vom 6.8.1916 hätte die neue Zählung - die sich an der ersten Nummer unter der neuen Leitung orientiert - korrekterweise bei 10, nicht bei 9 einsetzen müssen, vgl. dazu: Dinklage, 263, FN 213.
82Tiroler Soldatenzeitung, 8.7.1916, 188/190; Dinklage, 227-228.
83ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-51.
84Ebenda; Rub. 16-9/35-21 I.
85Ebenda; Rub. 16-9/35-19, 16-9/35-20 und 16-9/35-47; bzw. 16-9/35-22; 16-9/35-28; 16-9/35-34 und 16-9/35-36.
86Ebenda; Rub. 16-9/35-21 I.
87Ebenda; Rub. 16-9/35-51.
88Ebenda.
89Ebenda; Rub. 16-9/35-70 bzw. Rub. 16-9/35-35; 16-9/35-38 oder 16-9/35-41.
90Ebenda; Rub. 16-9/35-70.
91ÖStA, NFA im KA, Kart. 1852; HGK Conrad, 1917, P 271.
92ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-70.
93Ebenda; Rub. 16-9/35-63.
94ÖStA, NFA im KA, Kart. 760, HGK Eugen, 1916, Rub. 23-2/11-1.
95ÖStA, NFA im KA, Kart. 760, HGK Eugen, 1916, Rub. 23-2/13-1.
96ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-15.
97Ebenda; Rub.16-9/35-61 bzw. 16-9/35-8.
98Ebenda; Rub. 16-9/35-80 und -81.
99Ebenda; Rub. 16-9/35-11 bzw. Rub. 16-9/35-17; vgl.: Rub. 16-9/35-60.
100Das entspricht 70-80.000 Bogen monatlich bzw. 15-18.000 Bogen pro Woche; ebenda; Rub. 16-9/35-64. Zu Beginn hatte man sogar einen Wochenbedarf von 20.000 Bogen ins Auge gefaßt; siehe: ebenda; Rub. 16-9/35-11.
101Ebenda; Rub. 16-9/35-14; vgl. zu diesem Bericht: Dinklage, 228.
102Ebenda.
103Ebenda..
104Vgl. dazu ausführlich: Gerd Pircher, Militär, Verwaltung und Poitik in Tirol im Ersten Weltkrieg (= Forschungen zur Geschichte des Ersten Weltkriegs in Tirol, Bd. 1), Innsbruck 1996.
105ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-14 bzw. Rub. 16-9/35-49; auch Dinklage, 228.
106Ebenda; Rub. 16-9/35-49.
107Ebenda; auch: Dinklage, 228.
108Ebenda; Rub. 16-9/35-52.
109Ebenda.
110Ebenda.
111Ebenda.
112Der Bericht trägt zudem die Unterschrift Högers, dessen überwachender Leitung die Tiroler Soldatenzeitung bisher unterstellt war.
113Ebenda.
114Ebenda.
115Ebenda; Rub. 16-9/35-57.
116Ebenda.
117Vgl. dazu: TLA, Statth., Präs., XII 78 c4, 1918, 369; ÖStA, NFA im KA, Kart. 633, Kmdo d. Südwest-Front (II), 1917, Rub. 16-10/2.
118Alois (Luigi) Cavaler hatte das seit 24. Juni 1915 vom Höchsten Kommando in Kärnten bzw. seit Februar 1916 vom Kommando der 10. Armee (zunächst mit der Feldpostnummer 606, dann mit der Nummer 510) herausgegebene und bei Leon in Klagenfurt gedruckte Blatt formell am 28. Juni 1916 übernommen und bis zum 14. April 1917 geleitet; Karnisch-Julische Kriegszeitung, 28.6.1916, 10/11; bzw. 14.4.1917, 1.
119Dinklage, 228; Georg Kierdorf-Traut, Robert Musil in Südtirol, in: Schlern H.10, 1977, 556-559; hier: 556; vgl. ÖStA, NFA im KA, Kart. 492; Kmdo der Südwest-Front (I) 1916, Rub. 16-9/35-37.
120Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 17.4.1917, 173, Mi, 4.
121Ebenda; Rub. 16-9/35-75.
122Ebenda; Rub. 16-9/35-23 (-I und -II); Später scheint Pflügl der Karnisch-Julischen Kriegszeitung zugeteilt worden zu sein. Als Cavaler 1917 zum Risveglio wechselte, zeichnete Pflügl sogar kurz als verantwortlicher Redakteur; siehe: Karnisch-Julische Kriegszeitung, 21.4.1917, 2-3.
123Ebenda; Rub. 16-9/35-56 bzw. 16-9/35-58 I.
124Dinklage, 228-229.
125Marie-Louise Roth, Robert Musil. Ethik und Ästhetik. Zum theoretischen Werk des Dichters, München 1972, 528.
126Helmut Arntzen, Musil-Kommentar sämtlicher zu Lebzeiten erschienbener Schriften außer dem Roman "Der Mann ohne Eigenschaften", München 1980, 178-180.
127"Aus der Geschichte eines Regiments" (Tiroler Soldatenzeitung, 26.7.1916, 194-196), "Kameraden, arbeitet mit!" (6.8.1916, 9), "Bin ich Österreicher?" (10.8.1916, 11), "Herr Tüchtig und Herr Wichtig" (27.8.1916, 12), "Das Schlagwort" (27.8.1916, 12), "Die Erziehung zum Staat" (3.9.1916, 13), "Sonderbare Patrioten" (15.10.1916, 19), "Opportunität" (12.11.1916, 23), Beitrag zur Rubrik "Kannst Du Deutsch?" (12.11.1916, 23), "Eine gute persönliche Beziehung" (26.11.1916, 25), "Eine österreichische Kultur" (10.12.1916, 27), "Der Nörgler und der neue Österreicher" (17.12.1916, 28), "Das Kompromiß" (Weihnachten 1916, 29), "Heilige Zeit" (31.12.1916, 30), "Zentralismus und Föderalismus" (7.1.1917, 31), "Föderalismus und Zentralismus" (14.1.1917, 32), Beitrag zur Rubrik "Kannst Du Deutsch?" (21.1.1917, 33), "Vorpolitische Reinigung" (4.2.1917, 35), Beitrag zur Rubrik "Kannst Du Deutsch?" (4.2.1917, 35), "Zu Milde und zu Wilde" (11.2.1917, 36), "Aus einer öffentlichen Schwulstfabrik" (18.2.1917, 37), "Schnucki in der 'großen` Zeit" (18.2.1917, 37), "Neu-Altösterreichisches" (25.2.1917, 38), "Ist die 'österreichische Frage' schwierig?" (4.3.1917, 39), "Seiner Hochwohlgeboren" (4.3.1917, 39), "Luxussteuern" (4.3.1917, 39), "Positive Ziele" (11.3.1917, 40), "Der Frieden versprochen!" (18.3.1917, 41), "Das Staatsprogramm der Deutschen" (18.3.1917, 41), "Wehe dem Staatsmann" (25.3.1917, 42), "Der Frieden und die Zukunft" (14.1917, 43), "Presse und Krieg" (8.4.1917, 44), "Vermächtnis" (15.4.1917, 45); siehe: Giovannini, Robert Musils Beiträge, 44-45; vgl.: Fernando Orlandi, Nota editoriale, in: Robert Musil, La Guerra parallela, Trento 1978, 9-11; hier: 10-11.
128TLA, Statth., Präs., XII 78 c1, 1917, 1594.
129Ebenda.
130Ebenda.
131TLA, Statth., Präs., XII 78 c1, 1917, 1594.
132Ebenda.
133Ebenda.
134Ebenda.
135Ebenda.
136Ebenda.
137ÖStA, NFA im KA, Kart. 492, Kmdo der Südwest-Front (I), 1916, Rub. 16-9/35-54.
138TLA, Statth., Präs., XII 78 c1, 1917, 1594.
139Soldatenzeitung, 27.8.1916, 12.
140Arbeiterwille, 6.9.1916, 245, 2. Aufl., 1-2.
141ÖStA, NFA im KA, Kart. 492; Kmdo der Südwest-Front (I) 1916, Rub. 16-9/35-7.
142Ebenda; Rub. 16-9/35-65.
143ÖStA, NFA im KA, Kart. 492; Kmdo der Südwest-Front (I) 1916, Rub. 16-9/35-67.
144Vgl. dazu Pircher.
145ÖStA, NFA im KA, Kart. 492; Kmdo der Südwest-Front (I) 1916, Rub. 16-9/35-67.
146Ebenda; Rub. 16-9/35-68; siehe auch die Weisung der Statthalterei, den Abdruck des Artikels zu unterdrücken: ebenda; Rub. 16-9/35-69; vgl. Dinklage 28-30.
147Ebenda; Rub. 16-9/35-67.
148Ebenda.
149Ebenda.
150Etwa: ebenda; Rub. 16-9/35-50.
151ÖStA, NFA im KA, Kart. 492; Kmdo der Südwest-Front (I) 1916, Rub. 16-9/35-68.
152TLA, Statth., Präs., XII 78 c1, 1917, 1594.
153Soldatenzeitung, 5.11.1916, 22 und 12.11.1916, 23.
154ÖStA, NFA im KA, Kart. 492; Kmdo der Südwest-Front (I) 1916, Rub. 16-9/35-84 III.
155So z.B. im Grazer Tagblatt, 8.11.1916, 310, 2. Mo-A., 15; bzw. 16.11.1916, 318, 2. Mo-A., 10.
156ÖStA, NFA im KA, Kart. 1852; HGK Conrad, 1917, P 274 bzw. ÖStA, NFA im KA, Kart. 492; Kmdo der Südwest-Front (I) 1916, Rub. 16-9/35-84 I.
157ÖStA, NFA im KA, Kart. 1852; HGK Conrad, 1917, P 274.
158ÖStA, NFA im KA, Kart. 492; Kmdo der Südwest-Front (I) 1916, Rub. 16-9/35-84 I.
159Ebenda; Rub. 16-9/35-84.
160Ebenda bzw. Rub. 16-9/35-84 I.
161Alfred Korosek (1872-1940) gilt, als Führer der katholisch-nationalen Slowenischen Volkspartei, als einer der bedeutendsten südslawischen Politiker der Monarchie und nach 1918 des neugegründeten SHS-Staats (Jugoslawien); siehe: Österreichisches Biographisches Lexikon. 1815-1950; 4. Bd., Wien 1969, 135-136.
162ÖStA, NFA im KA, Kart. 492; Kmdo der Südwest-Front (I) 1916, Rub. 16-9/35-84 I.
163Bei dem Verfasser handelt es sich um Alfred Lavric von Zaplas, der zu Kriegsende eine führende Rolle bei den slowenischen (bzw. jugoslawischen) Annexionsbestrebungen in Kärnten spielen sollte.
164ÖStA, NFA im KA, Kart. 492; Kmdo. der Südwest-Front (I) 1916, Rub. 16-9/35-84 III.
165Ebenda.
166Ebenda; HGK Eugen an 5. Armeekmdo vom 29.12.1916.
167Ebenda.
168Es handelt sich um den umstrittenen späteren polnischen Kardinal August Hlond (1881-1948), der 1909-1922 als Direktor bzw. Provinzial der Salesianer in Wien zubrachte und dessen Seligsprechung heute diskutiert wird; (vgl. FAZ, 22.3.2000, 69, 10); ÖStA, NFA im KA, Kart. 1852; HGK Conrad, 1917, E Nr. 270.
169Ebenda.
170Soldatenzeitung, 15.4.1917, 45; vgl.: TLA, Statth. Präs., XII 78 c1, 1917, 1594.
171Soldatenzeitung, 15.4.1917, 45, 3f.; Abruck in: Dinklage, 268-272.
172TLA, Statth., Präs., XII 78 c1, 1917, 1594.
173Ebenda.
174Dinklage, 230.
175ÖStA, NFA im KA, Kart. 633, Kmdo der Südwest-Front (II), 1917, Rub. 16-10/3; Kmdo der Südwest-Front an AOK bzw. HGK Conrad vom 27. bzw. 28.3.1917.
176Dinklage, 230.
177ÖStA, NFA im KA, Kart. 633, Kmdo der Südwest-Front (II), 1917, Rub. 16-10/3.
178Ebenda.
179Dinklage, 230.
180Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 17.4.1917, 173, Mi, 4.
181Ebenda.
182Innsbrucker Nachrichten, 17.4.1917, 87, Mi, 1.
183Dinklage, 230-233; Kierdorf-Traut, 556; vgl. dazu: Karl Corino, Profil einer Soldatenzeitung aus dem 1. Weltkrieg, "Heimat", und ihres Herausgebers Robert Musil, in: Musil-Forum 13-14 (1987/88), 74-78; Stefan Howald, Ästhetizismus uns ästhetische Ideologiekritik. Untersuchungen zum Romanwerk Robert Musils (= Musil-Studien, Bd. 9), München 1984, 93; Hildegund Schmölzer, Die Propaganda des Kriegspressequartiers im ersten Weltkrieg 1914-1918, phil. Diss., Wien 1965, 11 u. 38 ff.
184Briefentwurf R.M.s vom April/Mai 1938, in: Robert Musil, Briefe 1901-1942, hrsg. von Adolf Frisé, 2 Bde., Reinbek b. H.1981, 815.
185R.M. an Karl Schönauer vom 18.5.1938, in: ebenda, 819/820. Am 20.9.1940 schrieb Musil an Dr. Wolf Domke in Berlin (in: ebenda, 1228), daß er "eine ziemlich einflußreiche Soldatenzeitung geleitet [habe], die sehr freimütig schon im Jahre 1916 für den engsten politischen Anschluß an Deutschland eingetreten ist".
186R.M. an Martha Musil vom 30.4.1917, in: ebenda, 118.
187Ebenda.
188Ebenda, 2.
189Vgl. Innsbrucker Nachrichten, 17.4.197, 87, Mi, 1.
190Dinklage, 228; vgl. auch Fontanari/Libardi, 236.
191Innsbrucker Nachrichten, 17.4.197, 87, Mi, 1.
192Giovannini, Robert Musils Beiträge, 61-62; vgl. auch: Paul Zöchbauer, Der Krieg in den Essays und Tagebüchern Robert Musils (= Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik, Bd. 316), Stuttgart-Feuerbach 1995, hier: 28-35.
193Giovannini, Robert Musils Beiträge, 78.
194Ebenda, 62; vgl. 73-80; 128-135.
195Ebenda, 95-100.
196Soldatenzeitung, 15.4.1917, 45, 3-4; vgl. dazu: Zöchbauer, 33f.
197Ebenda.
198Karl Corino, Robert Musil. Aus der Geschichte eines Regiments, in: Studi Germanici N.S. 11. Jg, Nr. 1-2, 1973, 109-115; hier: 112; vgl. Tiroler Soldatenzeitung, 26.7.1916, 194-196, 2-3. Noch nicht angeführt wurden die Nachdrucke folgender Artikel: "Herr Tüchtig und Herr Wichtig", in: Musil-Forum 4, H. 2 (1978), 187-192; "Seiner Hochwohlgeboren", in: Dinklage, 265-268.
199Ebenda, 111.
200Ebenda, 115; vgl. Giovannini, Robert Musils Beiträge, 50; siehe auch: Zöchbauer, 29-32.
201Hellmann/Palm, 11; Kriegszeitung der k.u.k. 10. Armee, 17.8.1918, 39-41, 20; Hager, 102.
202Giovannini, Robert Musils Beiträge, 42/43; Die Soldatenzeitung selbst nahm in einem Aufsatz auf die Häufigkeit des Analphabetismus in der Armee Bezug; vgl. Soldatenzeitung, 14.1.1917, 32, 2.
203Corino, Robert Musil, 111; vgl. 115; siehe auch in verwandter Thematik: Howald, 96.
204Howald, 93; Über Fernleihe leider nicht greifbar war mir: M. Ryckewaert, Robert Musils Beiträge in der "Soldatenzeitung", Maitrise-Abeit, Univ. des Saarlands, Saarbrücken 1973.
205Giovannini, Robert Musils Beiträge, 124-135. Mit der Kriegserklärung der USA verschob sich der Schwerpunkt der Argumentation Musils von den inneren Problemen der Monarchie zur außenpolitischen Bedrohung; siehe: Giovannini, Parallel-Krieg, 94-95.
206Ebenda, Robert Musils Beiträge,117-122; vgl. Howald, 93.
207Giovannini, Parallel-Krieg, 92, vgl. 95.