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Die Internet-Euphorie der ersten Jahre ist längst verflogen, dennoch bleibt vieles zu tun. Während sich andere Wissenschaftssparten schon lange und mit großer Selbstverständlichkeit des Internets als Publikationsmediums bedienen, scheinen es vor allem viele geisteswissenschaftliche Disziplinen bis heute nicht geschafft zu haben, ihre Berührungsängste restlos abzuschütteln. Dies gilt zum Teil auch für die österreichische Zeitgeschichtsforschung, die das Medium als Publikationsforum bis heute ungenützt ließ.
Dabei wurde hier mit dem ambitioniert betriebenen Aufbau des "Zeitgeschichte Informations-Systems" (ZIS) schon 1996 der bedeutsame Schritt auf das neue Terrain getan. Seitdem existiert auch in Österreich eine vielgenützte Drehscheibe historisch relevanter Informationsressourcen im Internet. Die Präsentation geschichtswissenschaftlicher Texte blieb allerdings bis dato nahezu ausschließlich den Printmedien vorbehalten.
Ähnlich stellt sich die Situation im deutschsprachigen Ausland dar, wo sich inmitten des wuchernden Netzangebots einige renommierte Serviceseiten etablieren konnten. Mit der 1997 geschaffenen "H-Soz-u-Kult" (Humanities Sozial- und Kulturgeschichte), dem von Tobias Berg ins Leben gerufenen "Nachrichtendienst für HistorikerInnen", dem an der Universität Dortmund beheimateten Linkkatalog "Geschichte im Internet" und der allseits anerkannten Sektion Geschichte der "Virtual Library Deutschland" stehen dem historischen Fachpublikum einige unverzichtbare Informationsangebote zur Verfügung.
Die dort präsentierten Diskussionsforen, Linkverzeichnisse und Newsletters finden immer breitere Resonanz, ein zentraler Bereich jedoch bleibt weiterhin ausgespart: Bei der Veröffentlichung wissenschaftlicher Texte verfährt die Historikerzunft, als wäre das neue Medium nicht schon längst seinen argwöhnisch beäugten Anfängen entwachsen. Offenbar stellt das Prestigegefälle zwischen den konventionellen Printzeitschriften und E-Journalen, die ihren Platz im Wissenschaftsdiskurs erst erobern müssen, noch immer eine unüberwindbare Hürde dar.
Dies muß aber nicht so sein: Die Vielzahl elektronischer Fachzeitschriften, die ihren Stellenwert im angloamerikanischen Bereich erfolgreich behaupten konnten, und die begrüßenswerten Vorstöße vereinzelter historischer Netzjournale im deutschsprachigen Raum haben längst vorexerziert, daß urheberrechtliche Vorbehalte und Fragen des Renommees kein Hindernis sein müssen. Das Internet ist selbstverständlich kein rechtsfreier Raum, der Schutz des Urheberrechts gilt hier nicht minder als anderswo.
Wir gehen davon aus, daß gerade bei der jüngsten Historikergeneration die Skepsis am geringsten und die Bereitschaft, ihre Texte den unsicheren Gefilden des Internets anzuvertrauen, am größten ist; nicht zuletzt, weil ihnen die etablierten Fachzeitschriften nicht im selben Maße offenstehen wie der institutionell verankerten Forschung. Hier gilt es anzusetzen: Gerade aus der Gruppe jener jungen (Zeit-) Historiker/innen, die im Forschungsbetrieb erst Fuß fassen müssen, soll sich das Gros der künftigen Mitarbeiter/innen des "eForum Zeitgeschichte" rekrutieren.
Material- und Druckkosten zwingen den traditionellen Publikationsformen oftmals eine empfindliche Beschränkung auf, die manches, das größere Beachtung verdient hätte, unter den Tisch fallen läßt. Dies gilt im besonderen Maße für studentische Arbeiten, die, zu einem unentlehnten Bibliotheksdasein verdammt, nur in den seltensten Fällen den verdienten Weg in die Öffentlichkeit finden. Dem Wissenschaftsdiskurs dieses brachliegende Potential zuzuführen, soll Zielsetzung dieser Zeitschrift sein.
Das Internet schafft die Möglichkeit, neueste Forschungsergebnisse erheblich schneller als bisher einer wissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren. Was bislang oft erst viele Monate nach der eigentlichen Fertigstellung in gedruckter Form vorlag, kann heute sofort publiziert werden. Die Vorteile, die ein solcher Zeitgewinn für den geschichtswissenschaftlichen Diskurs bedeutet, liegen auf der Hand.
Das muß aber keineswegs bedeuten, daß Bytes und Pixels gegen das gedruckte Wort ausgespielt werden. Im Gegenteil: Dem Publikationswesen erwachsen durch das WWW nicht nur quantitativ beachtliche Vorteile. Vor allem können jetzt auch Pre-print-Versionen aktueller Arbeiten einem Fachpublikum umgehend zugänglich gemacht und zur Diskussion gestellt werden.
In diesem Sinne liegt uns daran, mit dieser Zeitschrift ein Forum zu bieten, wo vor allem Ergebnisse aus Diplomarbeiten oder Dissertationen erstmals einem interessierten Fachpublikum vorgestellt werden können. Als geeignete Beiträge schweben uns daher in erster Linie Aufsätze, (bislang unveröffentlichte) Auszüge, Arbeitsberichte, oder Resümees laufender Forschungsarbeiten vor. Im Zuge größerer Forschungsvorhaben fällt zudem erfahrungsgemäß das eine oder andere lohnende Nebenprojekt an. Die Existenz dieser Zeitschrift soll nun ein Ansporn sein, solchen Spuren, die man sonst vielleicht links liegen läßt, auch tatsächlich nachzugehen.
Bei der thematischen Gewichtung halten wir es für sinnvoll, das "eForum Zeitgeschichte" im wesentlichen auf den Bereich des 20. Jahrhunderts zu begrenzen. Über das unmittelbare Feld der zeitgeschichtlichen Forschung hinausgreifenen Aufsätzen soll jedoch nicht von vornherein die Aufnahme verweigert werden. Auch die strikte Selbstbeschränkung auf rein historische Arbeiten soll vermieden werden: Berührungspunkte und Grenzüberschreitungen zu verwandten Disziplinen sind ausdrücklich erwünscht.
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Hinterhuber, Internet und Geschichtswissenschaft, in: eForum
zeitGeschichte 1 / 2001 (Jänner 2001), 14.
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Bsp: Bernd Ulrich, Die Augenzeugen. Deutsche Feldpostbriefe in Kriegs- und Nachkriegszeit 1914-1933 (Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte, Neue Folge, Band 8), Klartext Verlag: Essen 1997 (Rezension von Max Vorderhuber), in: eForum zeitGeschichte/Rezensionen (Mai 2001) [11.11.2001, http://www.eforum-zeitgeschichte.at]
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