eForum zeitGeschichte

Der andere Krieg.

Fragen an die Kriegsgeneration. Lebensdokumente aus der Zeit um den Zweiten Weltkrieg.

von Katrin Kilian

 

"Der junge Alexander eroberte Indien. Er allein?" fragt ein lesender Arbeiter in Bertolt Brechts gleichnamigem Gedicht.1 In beiden Weltkriegen sind Massen von Menschen für den Krieg mobilisiert worden. Während des Zweiten Weltkrieges sind 17,3 Millionen Männer in eine Wehrpflichtarmee eingegliedert worden, ihre Angehörigen hatten die Wirtschaft im Reichsgebiet aufrechtzuerhalten. Die Durchführung eines großen Krieges ist ohne sie nicht denkbar. Erfahrungsgemäß gehen jedoch vor allem die politischen, kulturellen oder militärischen Entscheidungsträger in die Geschichtsschreibung ein. Kriegerische Konflikte werden in der Regel aus der Perspektive der Machthabenden und Verantwortlichen betrachtet. Sie sind beliebtes Subjekt der Forschung und der Biographen.

Ein starker Bedarf an Antworten auf die Fragen nach dem Kriegsalltag, den alltäglichen Denk- und Handlungsmustern derjenigen, die massenhaft am Krieg teilgenommen oder ihn miterlebt haben, besteht seitens der Forschung. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können diese Fragen jedoch kaum mehr direkt an die Generation der Kriegsteilnehmer stellen, da diese ausstirbt. Ein authentisches und bewegendes Bild vom Kriegsalltag liefern Feldpostbriefe. In ihnen finden sich Antworten auf Fragen des persönlichen Erlebens des Krieges und des Selbstverständnisses einer Kriegsgeneration.

Fragen an die Kriegsgeneration

Die Feldpost stellt als historisches Quellenmaterial den Glücksfall dar, daß private Kommunikation manifestiert ist. Nun sind die militärischen, politischen und wirtschaftlichen Fakten und Verflechtungen während des Krieges hinlänglich bekannt. Welche weiteren Fragestellungen können an das Material gestellt werden?

Die Literatur bezieht sich zum einen auf umfangreiche Briefeditionen, zum anderen auf nur wenige Forschungsarbeiten, in denen exemplarisch Briefserien untersucht worden sind.2 Die Fragestellungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschafter an die Zeitzeugnisse umfassen die Regimekritik3, Untersuchungen zu Stimmungen der Soldaten4, den Kriegsalltag5, die Fremdwahrnehmung6, Kriegserlebnis und -erfahrung7, Kommunikation8 sowie den Umgang mit der Quelle9.

Um Ursachen von Kriegsereignissen auf den Grund zu gehen, müssen die Aussagen derjenigen analysiert werden, die zwar kaum historisch unmittelbar bedeutsame Entscheidungen treffen konnten, die aber an der "permanenten und komplexen Produktion und Reproduktion der den historischen Ereignissen voraus liegenden Wahrnehmungs- und Handlungsbedingungen beteiligt sind."10



Figure 1: Feldpostkarte






Der Feldpostbrief ist "ein zeitnahes, unmittelbares Zeugnis", nicht jedoch eines, das "Objektivität und Vollständigkeit für sich beanspruchen kann."11 Die Quelle Feldpostbrief ist hier in ihrer Wertigkeit, wie andere Quellen auch, von der Fragestellung abhängig.12 Forschungsfragen gelangen von den unterschiedlichen Disziplinen an die Zeitzeugnisse. So z.B. aus der

Auch aus den Gebieten der Theologie und Philosophie wären Fragen interessant: Erinnern und Vergessen, Fragen nach Moral und Ethik, christlichen Werten, Glaube und Religiosität in Zeiten des Krieges.

Krieg funktioniert nicht ohne Kommunikation. Über sie ist es in den Kriegen des 20. Jahrhunderts möglich geworden, Massen zu mobilisieren, so daß man bei den beiden Weltkriegen von Massenkriegen und einer technischen und strukturellen Kriegsmaschinerie sprechen muß. Die Einberufung vieler Zivilisten in die Wehrpflichtarmee der deutschen Wehrmacht erfolgte in großem Ausmaß. Drei Generationen und alle sozialen Gruppierungen wurden erfaßt. Dies forderte eine Umschichtung im Reichsgebiet. Frauen, Jugendliche, Fremd- und Zwangsarbeiter waren verpflichtet worden, die Kriegswirtschaft aufrechtzuerhalten, aus der die Zivilisten für die Armee entzogen worden waren. Darüber hinaus haben Kinderlandverschickungen, Evakuierungen oder Arbeitsdienste gewachsene soziale Strukturen zerrissen und den Kommunikationsbedarf intensiviert. Das Medium Brief wurde für die Menschen zu einem unentbehrlichen Kommunikationsmittel.

Obwohl sich enorme Stimmungsschwankungen13 an den Feldpostbriefen ablesen lassen14, war dem "Führer" und dem deutschen Militär von den Massen zunächst Loyalität entgegengebracht worden. Trotz der steigenden Entbehrungen kam es nicht zu einem Aufstand oder Streik der Bevölkerung, wie dies in Zeiten der Weimarer Republik vorkam. Auch der Widerstand in Deutschland war zersplittert, die Massen konnten von ihm nicht erreicht werden. Eine Widerrede gegen den Krieg und der Vertrauensverlust gegenüber der nationalsozialistischen Führung ist andererseits aber unverkennbar in vielen Briefen der zeitgenössischen privaten Korrespondenz enthalten. Die Inhalte in der Kommunikation der Massen stehen mitunter in Widerspruch zu den Botschaften der Massenkommunikation. Durch die Untersuchung der Feldpostbriefe erschließen sich Zusammenhänge, die erklären könnten, wie es dazu kommen konnte, Massen für etwas zu aktivieren, hinter dem ganz offensichtlich ein erheblicher Teil der Bevölkerung nicht immer uneingeschränkt stand.15 Wie konnte es dazu kommen, daß sich die Bevölkerung so lange und so intensiv für den Krieg einsetzen ließ? Welchen Sinn hat es für den einzelnen gemacht, sich an einem Krieg zu beteiligen, der für ihn zum Teil erhebliche Entbehrungen und Nachteile brachte? Sinnentwürfe, Einstellungen, Denk- und Verhaltensmuster sowie deren Schwankungen und Änderungen lassen sich aus längeren Briefserien extrahieren. Sie geben Aufschluß über Motivation, Moralverständnis, Stimmungen und Lebenssinnentwürfe vieler einzelner. Sie sind ein Versuch, sich Erklärungen der beunruhigenden Stabilität und Effizienz des nationalsozialistischen Regimes zu nähern. Es lassen sich mit Hilfe der Quelle solche Fragen an verschiedene soziale Gruppen der Wehrmachtsangehörigen und Bevölkerung richten.

Das Projekt

Folgend wird ein Projekt zu Lebensdokumenten, vorwiegend Feldpostbriefen aus der Zeit um 1939 bis 1945, vorgestellt. Beteiligte an dem Projekt sind:

Dipl.-Medienberaterin Katrin Kilian, die das Projekt durch die Idee zu ihrer Dissertation initiierte und leitet;

Medienhistoriker Dr. Clemens Schwender (wissenschaftlicher Assistent am Institut für Sprache und Kommunikation an der TU Berlin), der das Projekt betreut;

Dr. Ortwin Buchbender (Leitender wissenschaftlicher Direktor der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation), der aufgrund seiner profunden Kenntnis von Feldpostbriefen aus der gemeinsamen Herausgebertätigkeit mit Reinhold Sterz beratend beteiligt ist, und

Dr. Joachim Kallinich, der als Direktor des Museums für Kommunikation den Aufbau des Archivs unterstützt.

Das Projekt gliedert sich in verschiedene Komponenten:

1. Sicherstellung von Quellenmaterial

a) Sammlung von Lebensdokumenten aus dem Zweiten Weltkrieg.
Hierzu haben wir in einem ersten öffentlichen Aufruf über die Medien im Januar diesen Jahres die Bevölkerung im Großraum Berlin aufgefordert, ihre Kriegsdokumente als Schenkung oder Leihgabe dem Projekt zur Verfügung zu stellen. Unser Bestand wird nicht vorselektiert, d.h. es bestehen keine Einschränkungen (z.B. regionaler Sammlungsschwerpunkt) zur Sicherung von Lebensdokumenten. Der Bestand umfaßt derzeit (Stand: Juni 2001) gut 30.000 Lebensdokumente. Weitere Aufrufe sollen folgen.

b) Digitalisierung.
Alle Dokumente werden gescannt und als TIF-Datei, als digitales Faksimile gesichert. Die Leihgaben werden an die Eigentümer zurückgegeben, die Originale sind Schenkungen an das Museum für Kommunikation, Berlin, wo sie auf Dauer fachgerecht verwahrt werden.

c) Transkription.
Alle Dokumente werden transkribiert und als Word-Datei gespeichert. Bislang liegt nur ein geringer Teil der Briefe als Transkript vor. Die Abschrift ist eine aufwendige und kostenintensive Handarbeit, für die Forschungsgelder beantragt werden müssen.

d) Zugangsmöglichkeit für die wissenschaftliche Öffentlichkeit.
Die gesammelten Bestände sind für die wissenschaftliche Öffentlichkeit zugänglich, sobald sie als Faksimile abgelegt sind bzw. als Transkripte vorliegen. In einer Datenbank auf unserer Internetseite ( www.feldpost-archiv.de ) werden die Metadaten der inventarisierten Bestände angegeben, so daß eine gezielte Auswahl via Internet ermöglicht wird. Andererseits bietet der Pool die Möglichkeit, auf einen nicht vorselektierten Bestand zuzugreifen. In einer Übersicht über ähnliche Sammlungen in anderen bundesdeutschen Archiven, Museen, Stiftungen, Privatarchiven usf. präsentieren wir alle uns verfügbaren Informationen. Links zu anderen in- und ausländischen Feldpostarchiven vervollständigen den Überblick. Diese Liste ist noch nicht vollständig. Das Portal ist der erste Schritt zu einem gezielten Zugang zum Quellenmaterial.

2. Werkstatt

a) Forschungsvorhaben

Die Lebensdokumente bieten vielfältige Möglichkeiten, Antworten auf wissenschaftliche Fragestellungen zu finden. In meiner Dissertation werde ich Aussagen aus Feldpostbriefen hinsichtlich der Akzeptanz nationalsozialistischer Propaganda auswerten. Es werden auf unserer Internetseite auch Arbeiten anderer Forscher und Forscherinnen aus unterschiedlichen Disziplinen vorgestellt.

b) Diskussion

Diese Präsentation der verschiedenen Untersuchungen auf der Grundlage von Feldpost soll zu einer Transparenz der vielfältigen Forschungsvorhaben führen. Denn Feldpost wird an verschiedenen Universitäten und in unterschiedlichen Fachbereichen unter ganz differenten Fragestellungen betrachtet. In unserem Forum werden sie unbewertet nebeneinander präsentiert.

c) Inhaltliche Erschließung

Neben den Faksimiles und Transkripten der Kriegsdokumente ist die Erstellung einer Datenbank geplant, die die inhaltliche Erschließung der Dokumente ermöglichen soll. In dieser Datenbank könnte dann z.B. nach Schlag- oder Stichwörtern, nach Feldpostnummern, Zeiträumen, Orten usw. gesucht werden. Sie ermöglicht Forschern und Forscherinnen einen gezielten Zugriff auf einen umfangreichen Datenpool. Hierzu sind Expertengespräche und eine Tagung geplant, in denen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen unterschiedlicher Disziplinen ihre Selektionskriterien und Suchbegriffe oder -gebiete sowie fachspezifische Fragestellungen an die Zeugnisse einbringen können.

d) Anwendung

Die Lebensdokumente sollen nicht nur im Archiv lagern oder per Datenbank verfügbar sein, sondern können z.B. auch im pädagogischen oder künstlerischen Bereich angewendet werden. Im Sommersemester 2001 findet an der Technischen Universität Berlin, Fachbereich Medienwissenschaft, ein Seminar mit exklusiven Feldpostdokumenten statt. Auch an Schulen werden Feldpostbriefe als Unterrichtsmaterial verwendet, z.B. an der Bertolt-Brecht-Schule, Darmstadt. (Hierzu ist von den Schülern und Schülerinnen eine CD-ROM entstanden, die auf unserer Werkstatt-Seite im Internet vorgestellt wird.16) In Ausstellungen, wie z.B. zum 60. Jahrestag der Einkesselung der 6. Armee bei Stalingrad geplant, können die Lebensdokumente präsentiert werden.

e) Kooperation

Feldpostbriefe erlauben einen transdisziplinären Zugang, indem die Fachgebiete ihre fachspezifischen Forschungsfragen stellen und sie auch autonom bearbeiten können. Die Quelle erlaubt aber auch interdisziplinäre Untersuchungen, in denen Forschungsfragen fachübergreifend gestellt und beantwortet werden können. Eine Zusammenarbeit mit anderen Instituten und Hochschulen aus dem In- und Ausland wird angestrebt. Das Projekt ist offen für weitere Initiativen.

Der andere Krieg

Jeder einzelne nahm den Krieg anders wahr, jeder erlebte ihn auf seine Weise, so dokumentieren dies Feldpostbriefe. Eine Betrachtung des Krieges durch solche Dokumente bedeutet einen Perspektivenwechsel in der Erklärung von Massenphänomenen in kriegerischen Auseinandersetzungen. Denn die Wahrnehmung des Krieges durch den einzelnen unterscheidet sich von dem Krieg, wie wir ihn heute z.B. in seiner ganzen Komplexität erfassen können.

Zäsuren

Feldpostbriefe können nicht prospektiv interpretiert werden. Die Kenntnis über Kriegsverlauf und -ereignisse, militärische, politische oder wirtschaftliche Prozesse, kurz die ganze Komplexität des Kriegsverlaufes, die in den Nachkriegsjahren zu Tage gefördert worden ist, kann nicht als Interpretationsrahmen für Feldpostdokumente dienen, denn über dieses Wissen konnte der einzelne Briefverfasser zum Zeitpunkt der Niederschrift nicht verfügen. Daher müssen Feldpostdokumente aus der Vergangenheit heraus interpretiert werden, d.h. aus dem Wissen, über das die Menschen (vermutlich) zum Zeitpunkt des Verfassens verfügten. Hierzu sind Sozialdaten über den Briefschreiber hilfreich. Ansonsten müssen und können die Feldpostbriefe nur aus sich selbst heraus gedeutet werden. Zwei Beispiele: Mir ist kein Brief bekannt, in dem der 1.9.1939 den Beginn eines Weltkrieges markiert.17 In der Erfahrung der Bevölkerung waren der Einmarsch in die Tschechoslowakei, der "Anschluß" Österreichs, die "Heimführung" des Sudetenlandes gespeichert, also kurze militärische Operationen. In Hitlers und Goebbels' Reden wurde immer wieder der Friedenswille betont. Aus Briefen geht hervor, daß die Menschen im Überfall auf Polen eine in sich abgeschlossene militärische Operation sahen, nicht jedoch den Beginn eines (Welt-)Krieges. Dieses Denkmuster findet sich auch in vielen Briefen nach dem Einmarsch in Frankreich im Mai 1940. Ab Mitte Juni 1941, also unmittelbar nach dem Angriff auf die Sowjetunion, kippte die Stimmung um18. Von nun an wird deutlich, daß viele Soldaten nicht mehr uneingeschränkt hinter den vorgegebenen Zielen standen und sich für sie ein Krieg mit ungewissem Ende abzeichnet.

Am Datum der Invasion (6.6.1944) läßt sich anhand von Feldpostbriefen zeigen, daß die Umbrüche für die Menschen nicht unbedingt militärische oder politische Ereignisse waren, sondern allenfalls die damit zusammenhängenden Veränderungen eigener Lebensbedingungen als Einschnitte erlebt wurden. Das persönliche Wohlergehen und das subjektive Empfinden standen im Vordergrund.

Zäsuren und Kontinuitätslinien liegen bei der Betrachtung von Biographien oft außerhalb der von der Geschichtsschreibung fixierten Daten. Einberufungsdaten, Tod, Verwundung, Heirat, Angriffe auf die Heimatstädte, Heimaturlaub, Hunger, Kälte und das Ende oder der Beginn einer einkehrenden "Normalität" in das Leben, aber auch Evakuierung, Flucht und Vertreibung stellten bedeutsame Ereignisse für die Briefverfasser dar. Diese individuellen Einschnitte sind wichtig für die Erklärung einer Kriegsdynamik. Die als emotional einschneidend empfundenen Erlebnisse sind diejenigen, welche für die eigene Person als relevant empfunden werden. Geschichte wird stets in Bezug auf die eigenen Erfahrungen oder Situationen wahrgenommen und bewertet. Krieg der Massen ist ohne Erkenntnisse über Auslöser von Verhaltens- und Denkmustern der Massen nicht vollständig erklärbar. Geschichte konstruiert sich aus Geschichten.

Wahrnehmung

Jeder einzelne hat den Krieg anders wahrgenommen. Diese Wahrnehmung hing von der ganz persönlichen Situation ab. Vielfach wurde an mehreren "Fronten" zugleich gekämpft: Ärger mit den Kameraden, nervliche Belastung durch hohe Gewaltintensität an Kriegesschauplätzen, Angst um Angehörige, Krankheit, Verwundung; Ehen und Beziehungen wurden sprichwörtlich auf dem Papier geführt. Bei der großen Anzahl unterschiedlicher Wahrnehmungen kann in Hinblick auf Kriegserlebnisse und -erfahrungen nicht von einem einzelnen und einzigen Kriegsverlauf gesprochen werden. Davon kann nur in Hinsicht auf militärische Operationen und politische Handlungen gesprochen werden.

Durch Briefe ist der Krieg lediglich ausschnittweise zu erfahren - die Komplexität militärischer Operationen, wie sie heute in Geschichtsbüchern nachzulesen ist, war damals vom einzelnen der Mannschaften und der Zivilbevölkerung nicht erfaßbar. Ebenso lag der Krieg, solange er sich nicht innerhalb der Reichsgrenzen abspielte, für die Bevölkerung in Deutschland außerhalb ihrer unmittelbaren Wahrnehmung.19

Das Basistheorem des Konstruktivismus besagt, daß Bedeutung bzw. Wirklichkeit vom Individuum konstruiert wird, also auch soziale Welten. Daraus folgt, daß Wirklichkeit nicht objektiv20 gegeben ist. Sie wird von den Menschen nicht als Abbild in ihr kognitives System abgespeichert, sondern muß jeweils subjektiv konstruiert werden. Somit ist jede sprachliche Handlung Ausdruck einer individuellen Konstruktion der Realität. Als eine solche können die Aussagen in den Feldpostbriefen begriffen werden. So lassen sich in den Lebensdokumenten aus dem Krieg sowohl unterschiedliche Wahrnehmungen bzw. unterschiedliche Realitäten ablesen und auch kollektive Denk- und Verhaltensmuster freilegen - im Sinne der Watzlawick-These "Wirklichkeit ist keine Voraussetzung für Kommunikation, sondern deren Ergebnis". Dabei kann die subjektive Wahrnehmung und deren Darstellung in den Briefen nicht genug hervorgehoben werden. Die Selbstzeugnisse beantworten also keine Fragen bezüglich einer tatsächlichen Kriegswirklichkeit, sondern nach jenen Ereignissen, die von Zeitzeugen erlebt und in privater Kommunikation manifestiert wurden (und somit eine persönliche Relevanz innerhalb der Sender-Empfänger-Konstellation hatten).

Biographien

Jeder Mensch hat physisch gesehen zwar nur eine Biographie, aber im gesellschaftlichen Gefüge kann er verschiedene soziale (auch sich widersprechende)21 Vitae (z.B. der Theologe als Soldat oder der Verantwortliche von Massakern als liebender Vater und geschätzter Vorgesetzter) haben. Von einer solchen Komplexität einer Persönlichkeit muß auch bei den Verfassern von Feldpostbriefen ausgegangen werden. Hierin könnte sich eine Erklärung finden, warum z.B. Verfehlungen in den Briefen kaum thematisiert werden. Denn "die Systematisierung von widersprüchlichen oder weit auseinander liegenden Lebenserfahrungen hin auf einen übergreifenden Sinn unseres Lebens wird uns abverlangt (...) durch grundlegende Regeln unserer Sozialwelt."22 Andererseits habe ich die Erfahrung gemacht, daß Briefe, die nationalsozialistische Äußerungen oder Hinweise auf etwaige Verfehlungen von Soldaten oder SS beinhalten, entweder kurz nach Kriegsende vernichtet wurden oder, sofern sie erhalten sind, heute nicht unbedingt an Institutionen herausgegeben werden. Die Gründe hierfür liegen seitens der Besitzer solcher Dokumente hauptsächlich in der Befürchtung einer (juristischen oder moralischen) Verurteilung der Briefverfasser. In der Bemühung um ein positives Andenken werden auf diese Weise Kriegsbiographien teilweise oder vollständig dem moralischen Wertesystem der Nachkriegsgenerationen angepaßt.

Notwendigkeit der Sicherung von Lebensdokumenten aus dem Zweiten Weltkrieg

Vorab lassen sich drei wesentliche Gründe für die Sammlung aufführen.

1. Verifizierung

Während des Zweiten Weltkrieges sind geschätzte 30 bis 40 Milliarden Feldpostsendungen im deutschen Postbereich versandt worden. Davon ist bislang lediglich ein verschwindend kleiner Teil erfaßt. Das noch greifbare Material in Privathand sollte möglichst bald verifiziert werden. Vor dem Hintergrund der Tatsache, daß die Kriegsgeneration ausstirbt, ist es höchste Zeit, das noch vorhandene Material zu erschließen. Erfahrungen belegen, daß die Kinder- und Enkelgeneration von Feldpostbriefverfassern oft keine Einstellung zu diesem bedeutungsvollen Material haben, was in der Regel zur Vernichtung von Nachlässen führt. Es besteht rascher Handlungsbedarf.

2. Qualität

Mit Hilfe eines großen und breit gefächerten Bestandes an Lebensdokumenten kann davon ausgegangen werden, daß präzisere Untersuchungsfragen gestellt und differenzierte Ergebnisse erzielt werden können. Bislang beschränken sich die Feldpostuntersuchungen auf einige wenige Arbeiten. Fragestellungen wie etwa zur subjektiven Wirklichkeit der Kriegsteilnehmer, zur Wirkung von Propaganda, Einstellungen, Reflexionen in einem totalitären System sind bisher nur marginal angeschnitten worden.

3. Methode

Durch den Einsatz moderner Software23 ist es möglich, große Mengen an Datenmaterial effektiv und präzise zu analysieren. Für ein solches neues Untersuchungsdesign kann ein großer und breit gefächerter Datenpool ausgewertet werden.

Bedeutung

Über die Anzahl der durch die Feldposteinheiten beförderten Sendungen während des Zweiten Weltkrieges existieren unterschiedliche Angaben, die deutlich voneinander abweichen. Leider wird in keiner der Quellen der Begriff "Feldpost" näher definiert, so daß nicht nachvollziehbar ist, welche Sendungen in den Zahlen enthalten sind. Aus posteigenen Dokumentationen geht hervor, daß 28,2 Milliarden Briefe als Gesamtaufkommen an Feldpost während des Krieges befördert worden sind.24 Gerd R. Ueberschär25 gibt das Postaufkommen der Feldpost von 1939 bis 1943 mit rund 28 Milliarden Briefen und Postkarten an, wobei er sich auf Sekundärquellen aus der Nachkriegszeit bezieht. Er übernimmt auch Zahlen einer Sekundärquelle26 zum Feldpostaufkommen in der Zeit von September 1939 bis Ende 1944.27 Demnach seien über 30,6 Milliarden Feldpostsendungen transportiert worden (exklusive dem direkten Feldpostverkehr zwischen den Armeen). Diese Zahl wurde ohne Angaben von Quellen auch von der Deutschen Post veröffentlicht.28 Nach Buchbender und Sterz wurden während des Zweiten Weltkriegs über 40 Milliarden Feldpostbriefe zwischen Heimat und Front transportiert.29 Dies sei eine Schätzung, die eher zu niedrig als zu hoch angesetzt ist.30 Die Autoren gründen ihre Aussage auf der Auswertung von Frontpropaganda, vor allem der "Mitteilungen für die Truppe."31 Der Heeresfeldpostmeister Karl Ziegler spricht sogar von 25 Millionen Feldpostsendungen (jährlich) in "verkehrsstarken Jahren wie 1942."32 Das Feldpostaufkommen während der Kriegszeit kann somit nur ungenau beziffert werden und muß mit 30 bis 40 Milliarden angenommen werden. Ob in diesen Zahlen auch Sendungsarten wie Päckchenpost, SS-Feldpost oder Militärpost enthalten sind, ist nicht nachvollziehbar. Auch wenn die Grundgesamtheit nicht feststellbar ist, bleibt unumstritten, daß Feldpost nicht nur in hohem Maße verschickt worden ist, sondern daß sie für den Einzelnen von existentieller Bedeutung war. Es kann davon ausgegangen werden, daß die Glaubwürdigkeit dieser Briefe aufgrund ihrer Authentizität sehr hoch gewesen ist. Ihre Signifikanz als Augenzeugenberichte bleibt bis heute erhalten.

Um z.B. die Zollkontrollen, denen die Versendung von Gütern unterlag, zu umgehen, wurde immer wieder nach illegalen Postwegen gesucht. Bei Feldpostvergehen wurden vom Oberfinanzpräsidenten (der durch das Zollamt wegen beschlagnahmter Waren informiert wurde) die zuständigen Feldgerichte zur Verfolgung dieser Strafsachen eingeschaltet. Feldpostvergehen wurden nach MStGB33 (Ungehorsam) bestraft. Das Generalgouvernement war z.B. ab Mitte 1941 bis 1944 ein großer Umschlagplatz für die vielfältigen Post- und Feldpostsendungen von und zu den Ostgebieten.34 In den Akten des Reichsfinanzministeriums finden sich diverse Fälle von Mißbrauch der Feldpost als Warentransporte, die über den Eigenbedarf hinausgingen. Ein Beispiel: In der "Nachweisung über die vom Oberpostmeister W. Arens ausgelieferten Expressgutsendungen in der Zeit vom Monat August bis Oktober 1941"35 durch das Feldpostamt Eydtkau wird dieser Mißbrauch beklagt: Die Nachweisung zeige",in welchem Umfange Waren von den mit der Grenzkontrolle beauftragten Wehrmachtsposten unbeanstandet hereingelassen werden."36 Demnach hat Arens 19 Sendungen zwischen 31.8.41 und 23.10.41 aufgegeben, die Lebensmittel, Bekleidung, Pelze, Haushaltsgegenstände beinhalteten.37 Zu den illegalen Postwegen gehörte auch die Post, die gerne Heimaturlaubern mitgegeben wurde. Aus Feldpostbriefen ist zu erfahren, daß dies in erheblichem Umfang geschehen sein muß. Praktisch jeder, der nach Hause fuhr, hat Mitteilungen mitgenommen. Sie wurden an den Augen der Zensoren und Kontrolleure vorbeigeschleust.

Quellenlage

Feldpostsendungen werden derzeit in bundesdeutschen Archiven lediglich zu einem Bruchteil aufbewahrt. Gezielt gesammelt wurden Lebensdokumente aus dem Zweiten Weltkrieg von Archiven und Museen nur punktuell. Zu nennen sind vor allem die Württembergische Landesbibliothek, Bibliothek für Zeitgeschichte, Stuttgart, wo auch die "Sammlung Sterz" liegt, das Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg und das Landeshauptarchiv, Koblenz. In der Regel gelangen Feldpostbriefe als Schenkung in regionale Archive oder Heimatmuseen. Der Großteil der Bestände ist nicht katalogisiert. Sie sind nur vor Ort einsehbar. Ein systematischer Zugriff ist somit nicht möglich. Die Bestände in Museen sind selektiert, meist unter dem Gesichtspunkt der Exponierbarkeit. Die Briefe in den Archiven haben fast alle eine Vorselektion erfahren (meist regionale Schwerpunkte). Dieser Mangel an Zugriffsmöglichkeiten für die Forschung ist Grundlage der Kritik, daß kaum systematische Sammlungen vorhanden sind.38 Daher tragen die der Forschung zugänglichen Bestände einen wesentlich höheren Zufallscharakter als andere historische Quellen.39 Auf Feldposteditionen kann ebenfalls nicht zurückgegriffen werden, weil auch hier eine Auswahl und Fragmentierung von Briefen vorgenommen worden ist. Diesem Problem kann mit unserem Projekt auf doppelte Weise begegnet werden. Zum einen durch eine breit angelegte Sammlung, zum anderen durch die systematisierte Datenbank, die auch alle bekannten Sammlungen erfaßt.

Im Verlauf der vergangenen 50 bis 60 Jahre ist ein Großteil der Feldpost bereits verlorengegangen: entweder kriegsbedingt, durch Vernichtung nach Kriegsende oder durch Verkauf an Sammler und Philatelisten im In- und Ausland. Auf der anderen Seite sind es meistenteils emotionale Beweggründe, warum bis heute solche Dokumente in Familien aufbewahrt werden. Sie sind nicht immer ideal gelagert worden und bei vielen Zeugnissen ist bereits das Papier vergilbt oder es zerfällt; Tinte und Blei sind verblaßt. Es ist höchste Zeit, die noch vorhandenen Unterlagen fachgerecht aufzubewahren und auf Dauer zu sichern. Hierzu ist ein Bewußtsein notwendig, daß es sich bei den privaten, persönlichen Dokumenten aus dem Krieg um bedeutende Forschungsquellen und Zeitdokumente handelt. Der von uns gesammelte Bestand wird fachgerecht im Museum für Kommunikation, Berlin archiviert und als digitales Faksimile gesichert.

Aussagekraft

Feldpostbriefe sind keine Dokumente, die im Bewußtsein verfaßt worden sind, daß sie später einmal als (wissenschaftliches) Quellenmaterial verwendet werden. Die Möglichkeit, daß sie von Dritten überhaupt gelesen werden könnten, war für den Korrespondierenden nicht absehbar. Sie spiegeln die geistige Verfassung des Schreibers, seine Reflexionen und seine Kenntnis ohne prospektive Einschränkungen40 wider. Ihre Aussagen sind auch keine retrospektiven Äußerungen und somit nicht durch später vorherrschende Meinungen, Kenntnisse oder Ereignisse verzerrt. Dies macht die Aussagen in den Briefen zu einer originalen und höchst authentischen Quelle. Dies sind sie aber auch, weil die ganze Problematik des Erinnerns41 ausgeklammert ist. Auch eine etwaige Beeinflussung, wie sie beispielsweise durch die Gesprächslenkung in einem Interview möglich ist, fällt hier fort. Allerdings bestimmen die Briefpartner auch, was wem mitgeteilt und was verschwiegen wurde. Denn Erzählbarkeit ist eine wesentliche Voraussetzung in der biographischen Forschung.42 In Feldpostbriefen sind zeitgenössische Deutungsmuster und Handlungsstrukturen unverfälscht manifestiert.

Nicht vergessen werden darf dabei die Zensur. Die Zensurbehörden nahmen ihre Arbeit am 12. März 1940 auf.43 Die Briefe wurden von Angehörigen der Reichspost an die Zensurbehörde des Oberkommandos der Wehrmacht44 weitergeleitet und dort inhaltlich geprüft. Feldpost ist stetig in den "Mitteilungen für die Truppe" thematisiert worden. Offensichtlich wurde versucht, das Schreibverhalten zu steuern und durch Prüfung und Vorschriften zu kontrollieren. Die Prüfstellen untersuchten den gesamten Feldpostverkehr stichprobenartig nach genauen Vorschriften.45 Ihre wichtigste Aufgabe war es, nach Möglichkeit zu verhindern, daß "geheimzuhaltende Nachrichten" oder "Nachrichten zersetzenden Inhalts" durch die Feldpostsendungen verbreitet wurden.

Welchen Eindruck die permanente Thematisierung der Feldpostvorschriften und der Zensurstellen in den Organen der Wehrmacht und der NSDAP auf das Schreibverhalten der Soldaten und ihrer Angehörigen machte, ist schwer auszumachen. Hemmenden Einfluß auf ein freies Schreiben mögen mitunter auch traumatisierende Kriegserlebnisse gehabt haben, die in den Briefen kaum reflektiert werden. Da ein Feldpostbrief ein Lebenszeichen und ein potentieller Abschiedsbrief zugleich ist, könnten Abwägungen über die Selbstdarstellung oder auch Überlegungen zur Zumutbarkeit von Mitteilungen zu einer sogenannten inneren Zensur geführt haben.

Perspektive

Eine konstruktivistische Geschichtsbetrachtung, die davon ausgeht, daß Krieg sehr verschieden wahrgenommen worden ist, könnte ein differenzierteres Bild derjenigen 18,2 Millionen46 Menschen schaffen, die gemeinhin unter dem Begriff der Wehrmacht zusammengefaßt werden. Es wäre einen Versuch wert, sich anhand der Feldpostbriefe der drückenden Frage nach dem großen Wie und Warum aus verschiedenen Blickwinkeln anzunähern. Hierbei gilt es, die Aussagen der Briefe47 zu analysieren, unabhängig davon, ob sie einer Wahrheit entsprechen oder nicht. So wenig wie es um die Dichotomie von wahr oder falsch geht, so wenig geht es bei einer Untersuchung von Lebensdokumenten um die Fragen nach Schuld oder Unschuld. Dies bedeutet auch die Loslösung von geschichtswissenschaftlichen Zäsuren und von Wert- oder Moralvorstellungen unter Verzicht der Überheblichkeit des besserwissenden Spätergeborenen. Den "anderen Krieg" zu betrachten, könnte Einblicke in das Menschliche in einem unmenschlichen Krieg erlauben.




1Bertolt Brecht, Fragen eines lesenden Arbeiters.
2Eine umfassende Bibliographie findet sich auf unserer Internetseite http://www.feldpost-archiv.de [Literatur].
3J. Dollwet, Menschen im Krieg, Bejahung - und Widerstand? Eindrücke und Auszüge aus der Sammlung von Feldpostbriefen des Zweiten Weltkrieges im Landeshauptarchiv Koblenz, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 13, 1987; E. Fröhlich, Regimekritik in privaten und anonymen Briefen, in: M. Broszat und E. Fröhlich (Hrsg.), Alltag und Widerstand - Bayern im Nationalsozialismus, München, 1987.
4Martin Humburg, Das Gesicht des Krieges. Feldpostbriefe von Wehrmachtssoldaten aus der Sowjetunion 1941-1944, Wiesbaden, 1998; Martin Humburg: Die Bedeutung der Feldpost für die Soldaten in Stalingrad, in: Wolfram Wette und Gerd R. Ueberschär (Hrsg.), Stalingrad - Mythos und Wirklichkeit einer Schlacht, Frankfurt, 1992.
5Peter Knoch (Hrsg.), Kriegsalltag. Die Rekonstruktion des Kriegsalltages als Aufgabe der historischen Forschung und der Friedenserziehung, Stuttgart, 1989.
6Peter Knoch, Das Bild des russischen Feindes, in: Wolfgang Wette und Gerd R. Ueberschär (Hrsg.), Stalingrad. Mythos und Wirklichkeit einer Schlacht, Frankfurt/M., 1992; Thilo Stenzel, Das Rußlandbild des kleinen Mannes': Gesellschaftliche Prägung und Fremdwahrnehmung in Feldpostbriefen aus dem Ostfeldzug (1941-44-45), München, Osteuropa Institut, 1998; Walter Manoschek (Hrsg.)",Es gibt nur eines für das Judentum: Vernichtung". Das Judenbild in deutschen Soldatenbriefen 1939-1944, Hamburg, 1995.
7Peter Knoch, Kriegserlebnis als biografische Krise, in: Andreas Gestrich, Peter Knoch und Helga Merkel (Hrsg.), Biographie - sozialgeschichtlich, Göttingen, 1988; Klaus Latzel, Deutsche Soldaten - nationalsozialistischer Krieg? Kriegserlebnis - Kriegserfahrung 1939-1945. (=Krieg in der Geschichte (KriG). Hrsg. von Stig Förster et al., Band 1) Paderborn, 1998; Klaus Latzel, Vom Kriegserlebnis zur Kriegserfahrung. Theoretische und methodische Überlegungen zur erfahrungsgeschichtlichen Untersuchung von Feldpostbriefen, in: Militärgeschichtliche Mitteilungen 56, 1997; Klaus Latzel, Tourismus und Gewalt. Kriegswahrnehmungen in Feldpostbriefen, in: Hannes Heer und Klaus Naumann (Hrsg.), Vernichtungskrieg: Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944, Hamburg, 1995.
8Irene Götz, Klara Löffler und Birgit Speckle, Briefe als Medium der Alltagskommunikation - Eine Skizze zu ihrer kontextorientierten Auswertung, in: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 89 (1993), S. 165-183; I. Schikorsky, Kommunikation über das Unbeschreibbare. Beobachtungen zum Sprachstil von Kriegsbriefen, in: Wirkendes Wort, 42. Jg., Heft 2, 1992.
9Martin Humburg und Peter Knoch, Sammlung Sterz in der Bibliothek für Zeitgeschichte in Stuttgart, in: Der Archivar 44, 1991; Peter Knoch, Feldpost - eine unentdeckte historische Quellengattung, in: Geschichtsdidaktik 1986, S.154-171; A. Lüdke, Soldatenbriefe - Heimatbriefe, in: Sozialwissenschaftliche Information, Heft 2/1990, S. 133ff.; Detlev Vogel und Wolfram Wette (Hrsg.), Andere Helme - Andere Menschen? Heimaterfahrung und Frontalltag im Zweiten Weltkrieg. Ein internationaler Vergleich, Essen, 1995.
10Ebd., S. 567.
11Martin Humburg, Siegeshoffnungen und "Herbstkrise" im Jahre 1941, in: Werkstatt Geschichte 22: Feldpostbriefe. 8. Jg., Hamburg, 1999, S. 25.
12Klaus Latzel, Wehrmachtsoldaten zwischen "Normalität" und NS-Ideologie, oder: Was sucht die Forschung in der Feldpost? In: Die Wehrmacht. Mythos und Realität. München, 1999, S. 575.
13Es lassen sich bislang nur grobe Zäsuren für Stimmungsschwankungen, z.B. 1941 für bestimmte Gruppen, andeutungsweise ablesen. Es muß von ganz persönlichen Zäsuren ausgegangen werden, die für jeden anders lagen (z.B. Tod eines Angehörigen, Ausbombung, Heirat, Beförderung).
14Vgl. Martin Humburg, Das Gesicht des Krieges (wie Anm. 4), passim.
15Wie groß dieser Bevölkerungsteil gewesen sein mag und ab wann sich bestimmte durch die NSDAP vorgegebene Denk-, Deutungs- und Handlungsmuster wandelten, ist bislang noch nicht großflächig untersucht worden.
16 http://www.feldpost-archiv.de
17Mit diesem Tag begann aber für viele Menschen eine Zeit, in der eine alte Kommunikationsform eine neue Bedeutung gewann: das Briefeschreiben. Hierbei hat der Überfall auf Polen für viele Briefverfasser nicht in erster Linie eine militärische oder politische Rolle gespielt, sondern eine sehr private: die Trennung eines Vaters, Bruders oder Ehemannes von den Angehörigen. Die Kriege seit 1939 bis 1945 werden auch nicht als Weltkrieg in den Briefen bezeichnet. Reflektiert wird für jeden "ein anderer Krieg", nämlich derjenige, der die Familie unmittelbar betraf.
18Vgl. Martin Humburg, Siegeshoffnungen und "Herbstkrise" im Jahre 1941 (wie Anm. 11) S. 25-40 und Humburg, Das Gesicht des Krieges (wie Anm. 4).
19 http://www.feldpost-archiv.de/formurken.html . Jens Murken",Das Band, das uns am meisten mit der Heimat verbindet" - Feldpost und Zweiter Weltkrieg. Auszug aus: Jens Murken",De Geschicht is lögenhaft to vertellen, ober wohr is se doch ... " Der Landkreis Osterholz 1932-1948. Zeitgeschichte im Gespräch, Münster, 1999, S. 173-196.
20Basiert die Untersuchung von Feldpostdokumenten auf den Grundannahmen des Konstruktivismus, dann stellt sich die Frage nach einer Objektivität nicht. Objektivität im medienwissenschaftlichen Sinne ist ein Begriff des Realismus.
21Werner Fuchs, Biographische Forschung, Opladen, 1984, S. 74.
22Ebd., S. 75.
23Z.B. mit den Programmen wie Winmax, Atlas-ti oder der Seitenbeschreibungssprache XML. Vgl. Jürgen Gottschewski, http://www.museumsbund.de/fgdoku/dmbdoku_Termine/dmbokt2000/dmbfgdokuokt2000-Beitraege.html . Datenbanksysteme wie LARS, das z.B. zur Erschließung von Dokumenten in der Gedenkstätte Sachsenhausen eingesetzt wird, werden eher kontrovers diskutiert. Vgl. Hans Coppi und Winfried Meyer, Erfahrungen und Probleme bei der EDV-gestützten Intensiverschließung von Sammlungsbeständen im Archiv von Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen. Mitteilungen aus dem Archivwesen des Landes Brandenburg 16/2000, S. 7-11.
24Vgl. Deutsche Postgeschichte. Essays und Bilder. Hrsg. von Wolfgang Lotz, Berlin, 1989.
25Gerd R. Ueberschär, Die Deutsche Reichspost , Band 2: 1939-1945, Berlin, 1999, S. 295.
26Hans Wimmer, Die Deutsche Päckchenfeldpost. Teil der Deutschen Feldpost 1939-1945, Frankfurt/Main, 1969, S. 9. Wimmers bezieht sich bei der Aufstellung der Zahlen auf Aufzeichnungen des Reichspostministeriums, benennt jedoch die zitierten Akten nicht.
27Gerd R. Ueberschär, Die Deutsche Reichspost, (wie Anm. 25) S. 47.
28Vgl. Hans Friedrich Leinung, Internationale Post. Ursprünge, Grundlagen, Gestaltungen, Umfelder, Entwicklungen, Maßnahmen, Ziele. Bonn: Deutsche Post AG, 1998.
29Ortwin Buchbender und Reinhold Sterz, Das andere Gesicht des Krieges. Feldpost 1939-1945, München, 1982, S. 13.
30Ebd.
31Mitteilungen für die Truppe Nr. 51, November 1940; Nr. 96, April 1941; Nr. 109, Juni 1941; Nr. 160, Dez. 1941; Nr. 174, Februar 1942; Nr. 176, Februar 1942; Nr. 247, Februar 1943; Nr. 252, März 1943; besonders Nr. 338, Juni 1944; Nr. 355/356, September 1944; Mitteilungen für das Offizierskorps Nr. 1, Januar 1942; Nr. 2, Januar 1942.
32Karl Ziegler, Erinnerungen eines Heeresfeldpostmeisters. Rundbriefe der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Feldpost 1939-45 1980/81 - 20/23.
33Militärstrafgesetzbuch.
34Gerd R. Ueberschär, Die Deutsche Reichspost (wie Anm. 25), S. 47.
35Bundesarchiv Berlin, Akte R2 58094 des Reichsfinanzministeriums. Oberfinanzpräsident. Ostpreußen, Az. Z 2056-Z/30, vom 29.11.1941. "Kontrolle der Wareneinfuhr aus den besetzten Gebieten des Ostens durch die Wehrmacht".
36Ebd.
37Ebd.
38Wolfram Wette, In Worte gefaßt. Kriegskorrespondenz im internationalen Vergleich, in: Andere Helme - andere Menschen? Heimaterfahrungen im internationalen Vergleich, Essen, 1995, S. 334.
39Ebd.
40Die Kenntnis des Verfassers über den Kriegsverlauf kann nur bis zu dem Datum reichen, an dem der Brief verfaßt worden ist.
41Z.B. Erinnerungslücken, Erinnerungsverzerrungen z.B. durch nachträgliche Recherchen, nachträgliche Anpassung der Erinnerung an neue Denkmuster oder moralische Werte, Verschiebung von Bedeutungen und Neuinterpretation des Erinnerten, das Vergessen schlechthin.
42Werner Fuchs, Biographische Forschung, Opladen, 1984, S. 72.
43Thilo Stenzel, Das Rußlandbild des "kleinen Mannes", München, 1998, S. 16.
44Amt Ausland/Abwehr.
45Ortwin Buchbender und Rainhold Sterz, Das andere Gesicht des Krieges (wie Anm. 29), S. 14.
46In dieser Angabe sind die Angehörigen der Waffen-SS enthalten. 17,3 Mio. Soldaten gehörten zur Wehrmacht. Rüdiger Overmans, Deutsche militärische Verluste im Zweiten Weltkrieg, München, 1999 (=Beiträge zur Militärgeschichte, Band 46), S. 215.
47Interessant sind hierbei auch Überlegungen zu den nicht gemachten Aussagen in den Briefen.